Psychoanalytikerinnen. Biografisches Lexikon

Psychoanalytikerinnen in den USA

Geschichte

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Hilde Bruch, die seit 1972 an der Parkinsonschen Krankheit litt, blieb unverheiratet und hatte keine Kinder. Nach dem Krieg adoptierte sie ihren Neffen Herbert, dessen Familie dem Holocaust zum Opfer gefallen war. Sie erhielt mehrere Auszeichnungen und veröffentlichte neben ihren Büchern über 250 Artikel in Fachzeitschriften.





Lucile Dooley vertrat einen Objektbeziehungs-Ansatz und legte wie Ruth Mack Brunswick die Betonung auf die präödipale Beziehung zur Mutter. In ihrem Aufsatz The genesis of psychological sex differences kritisierte sie Freuds Phallozentrismus und postulierte die Existenz einer primären Weiblichkeit. Ihrer Meinung nach versucht das Mädchen mit dem Peniswunsch die Liebe der Mutter zu gewinnen. Besondere Beachtung fanden Dooleys Arbeiten über den Humor, der ihr zufolge im Gegensatz zum Witz niemals sadistisch ist und mit einer wohlwollenden Eltern-Instanz im Über-Ich korrespondiert. Humor als Charakterzug deutete sie darüber hinaus als Abwehr gegen den Masochismus.
1958 ging sie in den Ruhestand und zog nach Knoxville. In ihren letzten Lebensjahren wurde sie von unkontrollierten Wutanfällen heimgesucht, so dass sie in einem Pflegeheim untergebracht werden musste, wo sie zwei Jahre später starb.


Flanders Dunbar vertrat ein ganzheitliches, organismisches Konzept. Mit dem psychosomatischen Ansatz hoffte sie, die Behandlung geistiger, seelischer und körperlicher Leiden integrieren zu können. Die Psychiatrie bildete für sie eine Disziplin zwischen Religion und medizinischer Wissenschaft; Psychiatrie wie Religion waren ihrer Ansicht nach zwei Aspekte einer symbolischen Sichtweise. Neben der Freudschen Psychoanalyse berief sie sich auch auf die Ideen Wilhelm Reichs und schrieb der psychoanalytischen Therapie die Fähigkeit zu, blockierte Energieströme freizusetzen. Dabei wandte sie eine von Felix Deutsch entwickelte Technik des freien Assoziierens an, die körperliche Sensationen miteinschließt.
Flanders Dunbars Werk geriet in den 1940er Jahren zunehmend in die Kritik, so dass sie sich am Ende des Jahrzehnts enttäuscht zurückzog. Am 21. August 1959 wurde sie in ihrem Swimmingpool tot aufgefunden.




Ein weiteres Projekt Joan Flemings war die Arbeit mit Kindern, die eine nahestehende Person verloren haben. Sie leitete auch das Barr-Harris Children's Grief Center der C.P.S., das sich auf die Behandlung solcher Kinder spezialisiert hat.









Darüber hinaus setzte sie sich mit körperlichen Beschwerden von Psychoanalytikern bei der Durchführung ihrer Analysen auseinander und berichtete darüber in ihrem Aufsatz Exercise and emotional stability. Neben ihrer Arbeit als Psychoanalytikerin interessierte sich Mary O'Neil Hawkins besonders für die Kultur der Navaho Indianer. Sie starb mit 85 Jahren an einem Herzinfarkt.



Beatrice Hinkle publizierte 1916 mit Psychology of the Unconscious die erste Übersetzung von C. G. Jungs Werk in Amerika. Ihre eigenen Theorien enthielten neben jungianischen auch freudianische Gedanken. In den 1930er Jahren war sie Mitgründerin des New York Jungian Institute, wo sie bis zu ihrem Tod eine wichtige Rolle spielte.




Von 1952 an war sie Mitherausgeberin der Zeitschrift The Psychoanalytic Study of the Child. Nach ihrer Pensionierung 1959 zog sie nach Denver, wo sie unverheiratete Mütter beriet, ein Zentrum gegen Kindesmissbrauch mitgründete und sich für das Recht auf Abtreibung einsetzte. 1964 wurde Edith Jackson für ihre Verdienste im Bereich der Prävention von emotionalen Störungen bei Kindern von der American Psychiatric Association ausgezeichnet, und 1968 erhielt sie den C. Anderson Aldrich Preis der amerikanischen Kinderärzte.


Josephine Jackson, die unverheiratet blieb, aber eine Adoptivtochter hatte, betrachtete die Psychotherapie als eine Art Reedukation, ihre Therapiemethode bestand aus einer Mischung aus einfühlsamem Zuhören und Umerziehung.




Zu ihren Interessensgebieten zählten die psychiatrischen Aspekte der Geburtenkontrolle, über die sie in einem 1937 publizierten Aufsatz referierte. Sarah Kelman, die einen adoptierten Sohn hatte, starb nach langer Krankheit in New York.



1971 erhielt Marion Kenworthy den Agnes Purcell McGavin Award der A.P.A. für ihre Leistungen in der Kinderpsychiatrie. Das Vermögen ihrer Lebenspartnerin, der Sozialarbeiterin Sarah H. Swift, mit der sie von 1919 an bis zu deren Tod 1975 zusammenlebte, war die Basis der Kenworthy-Swift Foundation für Projekte der Kinder- und Jugendfürsorge.



Leonards 1966 veröffentlichter Aufsatz Fathers and daughters, in dem sie sich mit dem Einfluss von Vätern auf die psychosexuelle Entwicklung ihrer Töchter auseinandersetzte, findet auch heute noch Beachtung. Ihr besonderes Interesse galt den psychischen Besonderheiten von Zwillingen. So beschrieb sie in Problems in identification and ego development in twins, wie bei Zwillingen - je ähnlicher sie sich sind, umso deutlicher - die ständige Konfrontation mit einem Spiegelbild zu einer Verzögerung der Unterscheidung zwischen Selbst und anderem führt und damit zu einer verlangsamten Entwicklung von Ich-Identität und Objektbeziehungen.
Marjorie Leonard starb im Alter von 86 Jahren an der Alzheimer-Krankheit.



Zuletzt war Margaret Mahler Forschungsdirektorin am Masters Children's Center in New York, wo sie bis zu ihrem Tod lebte. Sie hinterließ ihr Vermögen den "Grauen Panthern".






Die literarisch versierte Psychoanalytikerin übersetzte mehrere Bücher ins Englische, darunter Otto Ranks und Sándor Ferenczis Entwicklungsziele der Psychoanalyse [The Development of Psychoanalysis (1925)] und Caspar Hauser von Jakob Wassermann (1928). 1929 lernte sie auf einer ihrer Europareisen Thomas Mann kennen, dessen großzügige Förderin sie wurde, als der Dichter 1937 in die USA emigrieren musste. Sie baute eine Thomas Mann-Sammlung auf, die heute in der Manuscript Division der Princeton University Library zugänglich ist. Thomas Mann benutzte einzelne Züge Caroline Newtons für die Figur der verhuschten Klavierlehrerin Meta Nackedey in seinem Doktor Faustus.



Über ihre Arbeit mit psychotischen Patienten veröffentlichte sie zwei bemerkenswerte Aufsätze: In Transference and some of its problems in psychoses betonte sie den Unterschied zwischen der Übertragung bei psychotischen und neurotischen Patienten und hob die Bedeutung der positiven Übertragung in der Analyse von Psychotikern hervor; in Significance of narcissism in the psychoses schilderte sie die Fallgeschichten von acht Psychotikerinnen mit pathologischem Narzissmus.
1935 ging Mary O'Malley in den Ruhestand und verbrachte ihre letzten Lebensjahre bei ihren Geschwistern Edward und Margaret in Buffalo.






Nach dem Rückzug aus ihrer Praxis lebte Irma Putnam bis zu ihrem Tod in New York. Ihre einzige Tochter Lucy hatte als Jugendliche Selbstmord begangen, zu einer Zeit, als die Ehe ihrer Eltern in die Brüche ging.



1943 gründete sie gemeinsam mit Beata Rank das Children's Center in Roxbury, Massachusetts, wo "atypische" Kleinkinder mit psychotischen Störungen, Kinder mit Entwicklungsstörungen, vaterlose Kinder und Kinder psychotischer Eltern behandelt wurden. Seit 1946 führte das Therapie- und Ausbildungszentrum den Namen James Jackson Putnam Children's Center, dessen Direktorin Marian Putnam bis zu ihrer Pensionierung 1962 war. Sie starb 78jährig an einem Herzinfarkt.




Bertha Reynolds berief sich auf christliche, marxistische und psychoanalytische Grundlagen. In ihrem Hauptwerk, Learning and Teaching in the Practice of Social Work, das zu den Klassikern auf diesem Gebiet zählt, beschrieb sie den Beitrag von Psychologie und Sozialwissenschaften für die Sozialarbeit.



Seit 1965 war Janet Rioch mit dem Physiologieprofessor Philip Bard (1898-1977) verheiratet. Bis zu ihrem Tod war sie als Lehranalytikerin und Supervisorin am WAWI tätig. 1956 gehörte sie zu den InitiatorInnen der alternativ zur American Psychoanalytic Association gegründeten American Academy of Psychoanalysis und war von 1956 bis 1957 deren erste Präsidentin.



1956 führte sie mit Bertram D. Lewin im Auftrag der APsaA eine großangelegte Untersuchung über die psychoanalytische Ausbildung in Amerika durch. Ihre kritische Bestandsaufnahme, die sie in ihrem gemeinsamen Buch Psychoanalytic Education in the United States präsentierten, hatte zur Folge, dass viele Institute ihre Ausbildungsprogramme revidierten. Nachdem dieses Projekt beendet war, zog Helen Ross nach Washington, D.C., wo sie als Lehr- und Kontrollanalytikerin des Washington Psychoanalytic Institute tätig war und bis zu ihrem Tod lebte.




Ferenczis Analyse von Elizabeth Severn, die von Sigmund Freud als Ferenczis "böser Geist" bezeichnet wurde, zählt zu den Angelpunkten in der Geschichte der Psychoanalyse. Ihr verdankte Ferenczi u. a. wichtige Erkenntnisse über die Dynamik und Bedeutung realer Sexualtraumen in der Kindheit - was ihn zur Wiederaufnahme der "Verführungstheorie" bewegte - sowie über die Mechanismen der Gegenübertragung. Gemeinsam prägten Severn und Ferenczi den Begriff der "Orpha" für eine von Affekten losgelöste Intelligenz als letzter Schutz in traumatischen Situationen.






Clara Thompson, die sich - inspiriert durch Karen Horney - besonders für die psychische Entwicklung von Frauen interessierte, war in den 1940er und 1950er Jahren die einzige Vertreterin der interpersonalen kulturalistischen Schule, die deren Annahmen konsequent auf Frauen übertrug. In ihrem Aufsatz The role of women in this culture stellte sie 1942 die zentrale Rolle des Penisneids in der Freudschen Weiblichkeitstheorie in Frage: Die Probleme einer emanzipierten, berufstätigen "modernen" Frau rührten nicht aus dem ihr unterstellten Motiv des Penisneids her, sondern aus einem Konflikt mit den traditionellen sozialen Institutionen. Entgegen Horneys späterer Auffassung, dass es keine speziellen kulturell bedingten Neurosen von Frauen gäbe, bestand Thompson in ihrem Aufsatz Cultural pressures in the psychology of women darauf, dass Frauen aufgrund ihrer biologischen Funktion und gesellschaftlichen Rolle mit anderen Problemen konfrontiert werden als Männer.
In den 1950er Jahren starb Clara Thompsons Lebensgefährte, ein aus Ungarn emigrierter Künstler. Sie selbst erkrankte an Krebs, dem sie schließlich erlag.







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