Frances S. Arkin stammte aus Boston. Sie studierte Medizin, promovierte an der Tufts Medical School und spezialisierte sich in der Psychiatrie. Nach ihrer psychoanalytischen Ausbildung eröffnete sie in New York eine Privatpraxis. Sie war Mitglied der von Karen Horney gegründeten Association for the Advancement of Psychoanalysis, bis sie 1947 mit fünf anderen AAP-Mitgliedern die Society of Medical Psychoanalysts ins Leben rief. Diese Vereinigung war als erste psychoanalytische Organisation der USA mit einer psychiatrischen Universitätsklinik assoziiert, dem von Stephen Jewett geleiteten New York Medical College, dessen Lehrkörper Francis Arkin vierundzwanzig Jahre lang angehörte.
Sie schloss sich der 1956 alternativ zur APsaA gegründeten American Academy of Psychoanalysis an, deren Präsidentin sie von 1960 bis 1961 war. 1978 zog sie nach Miami, wo sie als Konsiliarärztin für die psychiatrische Facharzt-Ausbildung am Miami Veterans Hospital zuständig war, bis sie 1986 in den Ruhestand ging. Francis Arkin, die in Miami mit ihrer Lebensgefährtin Janine Rolland zusammenlebte, starb im Alter von 87 Jahren an einem Schlaganfall.

Die Feministin und Psychoanalytikerin Jessica Benjamin wuchs in Amerika als Kind jüdischer Einwanderer auf. 1967 begann sie in Frankfurt am Main ein Studium der Sozialwissenschaften bei Theodor W. Adorno, das sie in New York fortsetzte, wo sie 1978 promovierte. Anschließend absolvierte sie eine psychoanalytische Ausbildung und eröffnete eine Privatpraxis in New York. Jessica Benjamin, die zwei Söhne hat, ist Associate Professor of Clinical Psychology im Rahmen des Postdoctoral Program in Psychotherapy and Psychoanalysis an der New York University und lehrt an der New School for Social Research. Sie ist Mitherausgeberin der Zeitschriften Studies in Gender and Sexuality sowie Psychoanalytic Dialogues und Mitinitiatorin der 2001 gegründeten International Association for Relational Psychoanalysis and Psychotherapy.
Jessica Benjamin gehört zu den wichtigsten TheoretikerInnen der Relationalen Psychoanalyse, einer Strömung des amerikanischen Intersubjektivismus. Eine intersubjektive Position vertritt sie bereits in ihrem bekannten Buch The Bonds of Love, in dem sie das Zusammenwirken von Liebe und Herrschaft als zweiseitigen Prozess traditionell geschlechtsspezifisch verteilter Machtausübung und Machterduldung beschreibt. Eine Brücke zwischen feministischen und psychoanalytischen Theorien schlagend, betrachtet Benjamin das Konzept der Intersubjektivität als eine Alternative zu Machtstrukturen und Gender-Hierarchien in der klassischen Psychoanalyse. Intersubjektivität heißt bei ihr eine durch wechselseitige Anerkennung bestimmte Beziehung. So entwickelt sie in kritischer Revision der Ödipus-Theorie ein intersubjektives Verständnis des Dritten in der Triangulierung: Nicht erst der ödipale Vater repräsentiert das Dritte, sondern bereits in der Mutter-Kind-Symbiose konstituiert sich durch deren harmonische Aufeinander-Einstimmung eine sog. Gemeinschaft im Dritten als intersubjektives Produkt.
Jessica Benjamin, die ihren Ansatz auch als Gegenentwurf zu den vom französischen Poststrukturalismus inspirierten feministischen Positionen in den USA versteht, wurde 2001 mit dem Distinguished Scientist Award der Sektion Psychoanalyse der American Psychological Association ausgezeichnet. (Artikelanfang)

Anni Bergman[n] emigrierte 1939 von Wien in die USA, wo sie zunächst in Los Angeles als Au-pair-Mädchen bei der Wiener Analytikerin Christine Olden arbeitete. Sie heiratete den Schriftsteller Peter Bergmann und zog in den frühen 1940er Jahren mit ihrer Familie nach New York. Sie war viele Jahre als Musiklehrerin tätig, bevor sie sich zur Kinderanalytikerin ausbilden ließ. Ihre Lehranalytikerin war Margaret Mahler, durch die sie eine Stelle als Forschungsassistentin und Therapeutin von schwer gestörten Kindern und ihren Müttern erhielt.
Als Mitarbeiterin von Margaret Mahler beteiligte sie sich ab 1959 an Untersuchungen über normale Säuglinge und deren Mütter am New Yorker Masters Children's Center, um herauszufinden, auf welche Weise Kinder das Gefühl individueller Einheit entwickeln. Die Ergebnisse wurden 1975 in dem bekannten Buch The Psychological Birth of the Human Infant publiziert. Darin wird Mahlers Loslösungs- und Individuationstheorie vorgestellt und der Entwicklungsprozess von der Mutter-Kind-Symbiose zu Selbst- und Objektrepräsentanzen während der ersten drei Lebensjahre beschrieben.
1983 promovierte Anni Bergman an der City University of New York zum Dr. phil. Sie wurde Lehranalytikerin der New York Freudian Society (NYFS), eröffnete eine psychoanalytische Privatpraxis in New York und lehrte als Professorin für Psychoanalyse an der New York University. Seit 1997 leitet sie das Anni Bergman Parent-Infant Training Program der NYFS zur Weiterbildung von PsychoanalytikerInnen. Über ihre Erfahrungen aus drei Jahrzehnten klinischer Forschung und Praxis hat sie 1999 in ihrem Buch Ours, Yours, Mine berichtet.

Viola W. Bernard, eine Pionierin der Sozial-und Gemeindepsychiatrie in den USA, wurde in New York als Tochter des wohlhabenden deutsch-jüdischen Geschäftsmanns Jacob Wertheim und seiner zweiten Frau Emma Stern geboren. Sie studierte Medizin und erwarb 1936 an der New Yorker Cornell University Medical School ihren Doktorgrad. Anschließend spezialisierte sie sich als Psychiaterin und absolvierte bis 1942 eine psychoanalytische Ausbildung am New York Psychoanalytic Institute. Ihr Lehranalytiker war Sándor Radó.
Ihren Mann Theos Casimir Bernard (1908-1948), Anthropologe und Anhänger des tibetischen Buddhismus, hatte Viola Wertheim Bernard in einem Ashram namens Clarkstown Country Club kennengelernt, wo sie Ende der 1920er Jahre Yoga und östliche Philosophie studierte. Die 1934 geschlossene Ehe wurde nach vier Jahren wieder geschieden. Kinder hatte sie keine.
Viola Bernard gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Columbia University Center for Psychoanalytic Training and Research, der Group for the Advancement of Psychiatry und der American Academy of Child and Adolescent Psychiatry. Sie gründete die Columbia's Division of Community and Social Psychiatry, deren Direktorin sie von 1956 bis 1969 war. Von 1961 bis 1972 lehrte sie Psychiatrie am Columbia's College of Physicians and Surgeons. Darüber hinaus übte sie verschiedene Funktionen in der APsaA aus und war 1971/72 Vizepräsidentin der American Psychiatric Association. Zu ihren zahlreichen beruflichen Aktivitäten zählte u. a. die Leitung der Family Development Research Unit und der Vorsitz mehrerer Komitees, so des Committee on Community Psychiatry der APsaA (1968-1978).
Ihren Schwerpunkt bildete die Anwendung psychiatrischen und psychoanalytischen Wissens auf soziale Probleme. Bernard betonte den Zusammenhang psychischer Krankheit mit kulturellen und sozioökonomischen Bedingungen und setzte sich dafür ein, dass die Psychoanalyse möglichst vielen Menschen zugänglich gemacht wird. In ihren über 100 wissenschaftlichen Publikationen behandelte sie sozial- und gemeindepsychiatrische Inhalte und Themen wie Armut, Rassismus und Minderheiten, die Psychodynamik in Familien, Kinderfürsorge, Adoption und die psychosozialen Zusammenhänge von Unfruchtbarkeit.
Ein besonderes Anliegen war ihr die psychische Gesundheit von adoptierten Kindern. Um deren Situation zu verbessern, war sie vierzig Jahre lang als Chief Psychiatric Consultant für die Louise Wise Services, eine New Yorker Adoptionseinrichtung, tätig. (Artikelanfang)

Hilde Bruch kam in Dülken am Niederrhein zur Welt. Sie war das dritte von sieben Kindern des wohlhabenden Viehhändlers Hirsch Bruch und seiner Frau Adele geb. Rath. Ursprünglich wollte sie Mathematikerin oder Modedesignerin werden, wählte dann aber den Arztberuf, der ihr als Mädchen und Jüdin mehr Möglichkeiten bot. Nach einem Studium in Würzburg, Freiburg, München und Köln promovierte sie 1929 zum Dr. med. und spezialisierte sich in Kiel und Leipzig in der Kinderheilkunde. Ab 1932 war sie als niedergelassene Kinderärztin in Ratingen tätig, bis Hitlers Machtübernahme sie ein Jahr später zur Flucht nach England zwang. Von dort emigrierte sie 1934 in die USA, wo die Columbia-Universität in New York ihre Hauptwirkungsstätte wurde.
Von 1941 bis 1943 spezialisierte sich Hilde Bruch am Johns Hopkins Hospital in Baltimore in der Kinderpsychiatrie, zunächst bei Leo Kanner an der Harriet Lane Child Guidance Clinic und ab 1942 an der Henry Phipps Psychiatric Clinic. Gleichzeitig absolvierte sie eine psychoanalytische Ausbildung am Washington Baltimore Psychoanalytic Institute, wo sie Harry Stack Sullivan und Frieda Fromm-Reichmann kennenlernte, bei der sie ihre Lehranalyse machte. Als Fromm-Reichmann, mit der sie auch eng befreundet war, 1957 starb, setzte sie ihre Analyse bei Lawrence S. Kubie fort.
1943 kehrte Hilde Bruch nach New York zurück und eröffnete eine psychiatrische Privatpraxis. Im gleichen Jahr wurde sie Associate Professor und 1959 Clinical Professor of Psychiatry an der Columbia University. Von 1954 bis 1956 leitete sie den Children's Service am New York State Psychiatric Institute, wo sie anschließend bis 1964 als Psychotherapeutic Supervisor tätig war. 1964 erhielt sie eine Professur für Psychiatrie am Baylor College of Medicine in Houston, Texas, und lehrte dort bis zu ihrer Emeritierung im Jahr 1978.
Hilde Bruchs Interesse galt besonders den schweren Essstörungen. Mitte der 1930er Jahre begann sie über die Ursachen der Fettleibigkeit bei Kindern zu forschen und zeigte, dass deren Übergewicht mit komplexen psychologischen Problemen in der Familie zusammenhängt. Ihr therapeutischer Ansatz beruhte auf der von Harry Stack Sullivan begründeten interpersonalen Psychiatrie, die die Aufmerksamkeit auf das zwischenmenschliche, vor allem familiäre Spannungsfeld richtet.
Seit den 1970er Jahren galt Hilde Bruch als eine Fachautorität auf dem Gebiet der Magersucht (Anorexia nervosa). In ihrem bekanntesten Buch The Golden Cage beschrieb sie das Krankheitsbild der Anorexie und die familiären Hintergründe von 70 magersüchtigen Patienten. Hauptmerkmale der Magersucht sind Störungen im Körperbild, Fehldeutungen innerer und äußerer Reize und ein lähmendes Gefühl des Unvermögens, aus dem der Wunsch nach Kontrolle über den Körper resultiert. Neben dem Schlankheitswahn tragen ehrgeizige, erfolgsorientierte Eltern zu der Essstörung bei. Die Therapie muss nach Bruch am gestörten Selbstbild ansetzen und die eigenen Wünsche der Patientin herausfinden. (Artikelanfang)
Hilde Bruch, die seit 1972 an der Parkinsonschen Krankheit litt, blieb unverheiratet und hatte keine Kinder. Nach dem Krieg adoptierte sie ihren Neffen Herbert, dessen Familie dem Holocaust zum Opfer gefallen war. Sie erhielt mehrere Auszeichnungen und veröffentlichte neben ihren Büchern über 250 Artikel in Fachzeitschriften.

Nancy Julia Chodorow ist eine der führenden Theoretikerinnen der feministischen Psychoanalyse in den USA. Sie kam in New York als Tochter des Physikprofessors Marvin Chodorow und der Sozialarbeiterin Leah Ruth Turitz zur Welt. Bis 1966 besuchte sie das Radcliffe College, anschließend studierte sie Soziologie an der Brandeis University und promovierte dort 1975 über Family Structure and Feminine Personality. The Reproduction of Mothering. 1973/74 unterrichtete sie Women's Studies am Wellesley College für Frauen in Massachusetts, und von 1974 bis 1986 war sie Assistant Professor für Soziologie an der University of California in Santa Cruz. 1977 heiratete sie Michael Reich, Professor der Volkswirtschaft, mit dem sie zwei Kinder, Rachel und Gabriel, hat.
Nachdem Nancy Chodorow an einem Seminar für Sozialwissenschaftler am Boston Psychoanalytic Institute teilgenommen hatte, begann sie Mitte der 1980er Jahre eine psychoanalytische Ausbildung am San Francisco Psychoanalytic Institute. Seit 1986 ist sie als niedergelassene Psychoanalytikerin tätig. Bis zu ihrer Emeritierung im Jahr 2005 war sie Professorin für Soziologie an der University of California in Berkely.
Nancy Chodorows Arbeiten zeichnen sich aus durch eine Verbindung soziologischer Erkenntnisse mit psychoanalytischer Theorie, insbesondere der Objektbeziehungstheorie, die sie aus feministischer Perspektive ergänzt. In ihrem bekanntesten Buch The Reproduction of Mothering zeigt sie, dass sich Mütterlichkeit in einer Gesellschaft, in der primär Frauen für die Kinderpflege verantwortlich sind, durch unterschiedliche Objektbeziehungs-Erfahrungen von Frauen und Männern reproduziert. So ist die Mutter-Tochter-Beziehung von geschlechtlicher Ähnlichkeit geprägt, es kommt nicht zum Bruch und zur Abgrenzung wie beim Sohn, sondern die Tochter bleibt ein Leben lang mit ihrer Mutter identifiziert. Sie erlebt sich als ein "Selbst in Beziehung" mit den entsprechenden Beziehungswünschen und -fähigkeiten, während Jungen nach dem Ödipuskomplex ein vom anderen geschiedenes Selbst entwickeln. Eine solche Reproduktion geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung ließe sich erst mit einer Gleichverteilung der Elternschaft durchbrechen.
Die in Toronto geborene Psychiaterin Leolia A. Dalrymple studierte an der Toronto School of Medicine und promovierte dort 1925. Von 1924 bis 1925 praktizierte sie in der Psychiatrie unter Harry Stack Sullivan am Sheppard and Enoch Pratt Hospital in Baltimore. 1925 ging sie nach London und setzte dort ihre Facharztausbildung an der Tavistock Clinic fort. Anschließend leitete sie in Providence den Women's Service am Butler Hospital und lehrte Psychiatrie am Pembroke Frauen-College der Brown University.
Ihre psychoanalytische Ausbildung begann sie 1928 in Boston mit einer Analyse bei dem Rank-Schüler Martin Peck und setzte sie 1930 bis 1931 am Berliner Psychoanalytischen Institut bei Franz Alexander fort. Mitte der 1930er Jahre eröffnete sie dann eine psychoanalytische Praxis in Boston.
Leolia Dalrymple zählte zu den Gründungsmitgliedern der zweiten Boston Psychoanalytic Society, wo sie seit 1940 bis zu ihrer Pensionierung 1969 als Lehranalytikerin tätig war und verschiedene Ämter innehatte. Ihr Schwerpunkt war die Kinderanalyse. Von 1941 bis 1945 arbeitete sie außerdem als Fachärztin für Psychiatrie am Beth Israel Hospital in Boston.
Sie starb 95jährig in Rockport, wo auch ihre Schwester Martha D. Boland lebte.

Die amerikanische Feministin und Psychoanalytikerin Muriel Dimen promovierte 1970 in Anthropologie an der New Yorker Columbia Universität und lehrte anschließend dieses Fach am Lehman College, City University New York. 1968 begann sie eine persönliche Analyse und ließ sich dann am Postdoctoral Program in Psychoanalysis and Psychotherapy der New Yorker Universität zur Psychoanalytikerin ausbilden. Anschließend eröffnete sie eine psychoanalytische Privatpraxis in New York.
Wie Jessica Benjamin ist Muriel Dimen eine Vertreterin der Relationalen Psychoanalyse, einer Strömung des amerikanischen Intersubjektivismus, und Gründungsmitglied der International Association in Relational Psychoanalysis and Psychotherapy. Sie ist Fakultätsmitglied am New York University Postdoctoral Program in Psychoanalysis and Psychotherapy, Fellow des New York Institute for the Humanities und lehrt an zahlreichen psychoanalytischen und universitären Instituten im In- und Ausland. Außerdem ist sie Herausgeberin der interdisziplinären Zeitschrift Studies in Gender and Sexuality und Mitherausgeberin von Psychoanalytic Dialogues.
Muriel Dimens Interesse gilt besonders dem Problem der Geschlechtsidentität und Fragen von Sexualität und Begehren. Sie bevorzugt die postmoderne Methode der "heteroglossia" und ersetzt das dualistische durch ein paradoxes Sowohl-als-auch-Denken - ein Perspektivwechsel, der ihrer Meinung nach durch die relationale Psychoanalyse begünstigt wird. Zur Aufhebung der Spaltung des Geschlechterdualismus entwirft sie - in Anlehnung an Donald W. Winnicotts Übergangsobjekt - einen Übergangsraum zwischen Männlich und Weiblich, Aktiv und Passiv, Subjekt und Objekt usw. Neben einer Kerngeschlechtlichkeit entsteht so ein multigeschlechtliches Selbst, das die Beweglichkeit der Identifizierungen ermöglicht.

Lucile Dooley wurde in Stanford, Kentucky, als jüngste Tochter von Tom und Dora Dooley geboren. Sie hatte zwei Schwestern und vier Brüder. Ihr Vater war Lokführer und gelangte durch Baumwollaktien zu Wohlstand. Als Lucile drei Jahre alt war, zog ihre Familie nach Knoxville, Tennessee.
Nach ihrem College-Abschluss im Jahr 1905 war Lucile Dooley drei Jahre lang als Lehrerin an Missionsschulen in den Südstaaten tätig. Dann machte sie eine Ausbildung an der Bible Teacher's Training School in New York. In diese Zeit fiel ihr Besuch der Vorlesungen, die Sigmund Freud 1909 an der Clark University hielt. Nach einer kurzen Tätigkeit als Missionarin der Presbyterian Church in Japan studierte sie ab 1913 Psychologie an der University of Tennessee und machte gleichzeitig von 1913 bis 1915 eine Analyse bei L. Pierce Clark. 1916 promovierte sie an der Clark University mit ihrer Arbeit A psychoanalytic study of Charlotte Brontë as a type of the women of genius.
Noch im gleichen Jahr erhielt sie eine Stelle als Psychotherapeutin an dem von William Alanson White geleiteten St. Elizabeth's Hospital in Washington und begann dort eine psychoanalytische Ausbildung. Während ihrer neunjährigen Tätigkeit am St. Elizabeth's behandelte Lucile Dooley manisch-depressive Patienten und veröffentlichte einige Aufsätze darüber. Sie wurde Mitglied der Washington Psychoanalytic Society, wo sie bald eine führende Rolle spielte, und war seit 1926 Mitglied der APsaA.
Um als Psychiaterin arbeiten zu können, studierte sie von 1917 bis 1922 Medizin an der Johns Hopkins Medical School. 1923/1924 absolvierte sie eine weitere Analyse bei Nolan D. C. Lewis und eröffnete anschließend eine Privatpraxis in Washington. 1930 gehörte sie zu den vierzehn Gründungsmitgliedern der Washington-Baltimore Psychoanalytic Society.
1931/1932 verbrachte Lucile Dooley ein Studienjahr in Wien. Sie besuchte Kurse der WPV und machte eine dritte Analyse bei der amerikanischen Freud-Analysandin Ruth Mack Brunswick. In Wien lernte sie Lotte Franzos kennen, mit der sie bis zu Franzos' Tod 1954 eine enge Freundschaft verband. Nach ihrer Rückkehr war Lucile Dooley von 1933 bis 1935 Präsidentin der Washington-Baltimore Psychoanalytic Society, 1938 wurde sie für eine weitere Amtszeit gewählt. 1933 gründete sie zusammen mit Harry Stack Sullivan und Ernest Hadley die William Alanson White Psychiatric Foundation. Mitte der 1930er Jahre kam es jedoch zu einem Bruch zwischen ihr und Sullivan, dem sie seine Abkehr von der Psychoanalyse und seine wenig abstinente therapeutische Technik vorwarf. (Artikelanfang)
Lucile Dooley vertrat einen Objektbeziehungs-Ansatz und legte wie Ruth Mack Brunswick die Betonung auf die präödipale Beziehung zur Mutter. In ihrem Aufsatz The genesis of psychological sex differences kritisierte sie Freuds Phallozentrismus und postulierte die Existenz einer primären Weiblichkeit. Ihrer Meinung nach versucht das Mädchen mit dem Peniswunsch die Liebe der Mutter zu gewinnen. Besondere Beachtung fanden Dooleys Arbeiten über den Humor, der ihr zufolge im Gegensatz zum Witz niemals sadistisch ist und mit einer wohlwollenden Eltern-Instanz im Über-Ich korrespondiert. Humor als Charakterzug deutete sie darüber hinaus als Abwehr gegen den Masochismus.
1958 ging sie in den Ruhestand und zog nach Knoxville. In ihren letzten Lebensjahren wurde sie von unkontrollierten Wutanfällen heimgesucht, so dass sie in einem Pflegeheim untergebracht werden musste, wo sie zwei Jahre später starb.
Helen Flanders Dunbar war eine bedeutende Pionierin der Psychosomatik in den USA. Sie wurde in Chicago als ältestes von zwei Kindern geboren. Ihr Vater Francis William Dunbar war Physiker und Mathematiker, ihre Mutter Edith Vaughn Flanders Genealogin. Als Kind und Jugendliche litt Helen Flanders Dunbar unter Stoffwechselstörungen, so dass sie nicht größer als 1,50 Meter wurde.
Nach Abschluss des Bryn Mawr College im Jahr 1923 studierte sie Philosophie, Theologie und Medizin. 1927 machte sie am Union Theological Seminary ihren Bachelor-Abschluss in Theologie, und 1929 promovierte sie an der Columbia University in Philosophie mit einer Arbeit über Dante: Symbolism in Medieval. Thought and its Consummation in The Divine Comedy. Gleichzeitig studierte sie ab 1926 Medizin an der Medical School der Yale Universität in New Haven und promovierte hier 1930 über The Optic Mechanisms and Cerebellum of the Telescope Fish.
1929/30 bereiste Helen Flanders Dunbar Europa und assistierte bei Felix Deutsch in Wien und am Burghölzli bei C. G. Jung in Zürich. In Wien machte sie eine Analyse bei Helene Deutsch. 1932 heiratete sie den gebürtigen Schweizer Theodore P. Wolfe (1902-1954), der mit Wilhelm Reich zusammenarbeitete. Die Ehe wurde 1939 geschieden, und Flanders Dunbar heiratete ein Jahr später George Henry Soule (1888-1970), Wirtschaftswissenschaftler und Herausgeber des Politikmagazins The New Republic. 1942 kam ihre Tochter Marcia Dunbar-Soule zur Welt.
Flanders Dunbar war von 1930 bis 1942 medizinische Direktorin des Council for Clinical Training of Theological Students und leitete von 1931 bis 1936 das Joint Committee on Religion and Medicine an der New York Academy of Medicine. Seit Anfang der 1930er Jahre lehrte sie am Columbia Medical College und am Columbia University's College of Physicians and Surgeons sowie von 1941 bis 1949 am New York Psychoanalytic Institute.
Von 1931 bis 1949 war sie am Columbia Presbyterian Hospital und an der Vanderbilt Clinic in New York tätig. Als Leiterin des psychosomatischen Forschungsprogramms am Presbyterian Hospital untersuchte sie den Zusammenhang zwischen Persönlichkeit und Krankheit. Dazu erhob sie in den 1930er Jahren die Charaktereigenschaften sowie die familiären und sozialen Hintergründe von 1.600 Patienten mit durchschnittlichen Krankheitsbildern. Wie Franz Alexander mit einer psychoanalytischen Charakterologie arbeitend, stellte sie eine Reihe von psychosomatischen Persönlichkeitsprofilen auf, u. a. den Herzinfarkt-Typus und die Unfall-Persönlichkeit. Ihre Veröffentlichungen zu dieser Untersuchung, Psychosomatic Diagnosis (1943) und Mind and Body (1947), gelten als Klassiker auf diesem Gebiet.
1939 gründete Flanders Dunbar die Zeitschrift Journal of Psychosomatic Medicine, deren Herausgeberin sie bis 1947 war, und 1942 rief sie die American Society for Research in Psychosomatic Problems (später American Psychosomatic Society) ins Leben. Außerdem war sie Mitherausgeberin der Reihe Psychosomatic Medicine Monographs und der Zeitschrift Psychoanalytic Quarterly (1939-1940), ab 1950 gehörte sie der Redaktion von Personality. Symposia on Topical Interests an. (Artikelanfang)
Flanders Dunbar vertrat ein ganzheitliches, organismisches Konzept. Mit dem psychosomatischen Ansatz hoffte sie, die Behandlung geistiger, seelischer und körperlicher Leiden integrieren zu können. Die Psychiatrie bildete für sie eine Disziplin zwischen Religion und medizinischer Wissenschaft; Psychiatrie wie Religion waren ihrer Ansicht nach zwei Aspekte einer symbolischen Sichtweise. Neben der Freudschen Psychoanalyse berief sie sich auch auf die Ideen Wilhelm Reichs und schrieb der psychoanalytischen Therapie die Fähigkeit zu, blockierte Energieströme freizusetzen. Dabei wandte sie eine von Felix Deutsch entwickelte Technik des freien Assoziierens an, die körperliche Sensationen miteinschließt.
Flanders Dunbars Werk geriet in den 1940er Jahren zunehmend in die Kritik, so dass sie sich am Ende des Jahrzehnts enttäuscht zurückzog. Am 21. August 1959 wurde sie in ihrem Swimmingpool tot aufgefunden.

Marianne Horney (von) Eckardt wurde in Berlin geboren als die mittlere von drei Töchtern der Psychoanalytikerin Karen Horney und des Industriellen Oscar Horney. Schon als Zehnjährige machte sie eine Analyse bei Melanie Klein. Ein in Berlin begonnenes Studium der Medizin unterbrach sie 1933, um ihrer Mutter in die Vereinigten Staaten zu folgen, und beendete es an der Medical School der University of Chicago. Anschließend spezialisierte sie sich an der Payne Whitney Clinic in New York als Psychiaterin. Sie heiratete den Architekturkritiker Wolf von Eckardt (1918-1995).
Ihre psychoanalytische Ausbildung erhielt Marianne Eckardt am American Institute of Psychoanalysis in New York. Sie machte von 1938 bis 1941 eine Lehranalyse bei Erich Fromm und praktizierte danach als Psychoanalytikerin in Washington und New York. Sie schloss sich keiner der um oder gegen Karen Horney gebildeten Gruppen an und wurde eine freudianische, keine neofreudianische Psychoanalytikerin. Anfang der 1950er Jahre arbeitete sie als Psychotherapeutin in der von Alexander Mitscherlich gegründeten Abteilung für Psychosomatische Medizin in Heidelberg und gehörte 1952 der Redaktion der Psyche an.
Marianne Eckardt war Präsidentin der American Academy of Psychoanalysis und Mitglied der Washington School of Psychiatry. Neben ihrer Tätigkeit als Associate Clinical Professor für Psychoanalyse am Department of Psychiatry des New York Medical College publizierte sie vor allem zur Geschichte und über Persönlichkeiten der Psychoanalyse.
Die Kinderanalytikerin Paula Elkisch stammte aus Berlin, wo sie von 1928 bis 1933 an der Friedrich-Wilhelms-Universität studierte. Während dieser Zeit schrieb sie für die Zeitschrift Die Frau mehrere Artikel über Geschlechterfragen und Frauenbilder in der Literatur. Ende der 1930er Jahre verließ sie das nationalsozialistische Deutschland und emigrierte in die USA. Nach Beendigung ihres Psychologiestudiums promovierte sie 1944 an der University of Michigan in Ann Arbor mit einer Arbeit über Certain projective techniques as a means of investigating the psycho-dynamic status of children, die in erweiterter Form unter dem Titel Children's Drawings in a Projective Technique veröffentlicht wurde. Für die psychoanalytische Deutung von Kinderzeichnungen entwarf sie 1948 den projektiven Scribbling-Game-Test.
Besonders gefördert durch Margret Mahler gelang es ihr 1955 in die Philadelphia Psychoanalytic Society aufgenommen zu werden, was ihr als Psychologin sonst nicht möglich gewesen wäre. Sie war Mitglied der IPA und gründete in New York eine Gruppe für Kinderanalytikerinnen. Paula Elkisch wandte als erste die simultane Analyse von Mutter und Kind (1953), das sog. Dreiparteienmodell (Kind, Mutter, Therapeut) an, das Margaret Mahler und Manuel Furer später in ihrem Forschungsprojekt über die symbiotische kindliche Psychose benutzten.
Die amerikanische Psychoanalytikerin Joan Fleming besuchte bis 1924 das Wellesley College für Frauen in Massachusetts und studierte dann bis 1928 Physiologie am Oberlin College in Ohio. Anschließend unterrichtete sie Sport und Physiologie, bevor sie ein Medizinstudium an der Medical School der Universität von Chicago begann. Sie promovierte 1936, spezialisierte sich in der Psychiatrie und erhielt 1943 vom American Board of Psychiatry and Neurology die Zulassung als Psychiaterin.
Ihre psychoanalytische Ausbildung absolvierte Joan Fleming von 1941 bis 1945 am Chicago Institute for Psychoanalysis, ihr Lehranalytiker war N. Lionel Blitzsten. Seit 1952 war sie Lehranalytikerin der Chicago Psychoanalytic Society (C.P.S.), der sie 1957/58 als Präsidentin vorstand. Von 1952 bis 1969 war sie in der C.P.S. als Dekanin für die Organisation der psychoanalytischen Ausbildung von KandidatInnen zuständig. Sie war ein einfussreiches Mitglied der American Psychoanalytic Association und gehörte der Redaktion des Journal of the American Psychoanalytic Association an. Von 1951 bis 1960 lehrte sie außerdem am Psychiatric and Psychosomatic Institute des Michael Reese Hospitals in Chicago.
1969 zog Joan Fleming nach Denver, wo sie an der University of Colorado School of Medicine eine Stelle als Professor für Psychiatrie antrat. Sie gehörte zum Lehrkörper des Denver Psychoanalytic Institute und spielte dort bis zu ihrem Tod ebenfalls eine wichtige Rolle.
Joan Flemings Interesse galt vor allem der psychoanalytischen Ausbildung, die auch den Schwerpunkt ihrer Veröffentlichungen bildet. Sie unterrichtete nicht nur angehende Analytiker, sondern auch Medizinstudenten und Sozialarbeiter. Gemeinsam mit Therese Benedek, mit der sie auch befreundet war, führte Joan Fleming in den 1960er Jahren ein Projekt durch zur Erforschung der intrapsychischen und interpersonellen Prozesse während der Supervision von Analytikeranwärtern. Ihre Ergebnisse stellten Fleming und Benedict in ihrem Buch Psychoanalytic Supervision vor.
Ein weiteres Projekt Joan Flemings war die Arbeit mit Kindern, die eine nahestehende Person verloren haben. Sie leitete auch das Barr-Harris Children's Grief Center der C.P.S., das sich auf die Behandlung solcher Kinder spezialisiert hat.

Izette de Forest wurde in Admore, Pennsylvania, geboren als Tochter von William Brewster Taber und Sarah Kershaw. 1912, zwei Jahre nach Abschluss des Bryn Mawr College, heiratete sie Alfred Victor de Forest (1888-1945), einen preisgekrönten Erfinder und Professor für Maschinenbau am MIT. Ihre beiden Kinder Taber und Judith wurden 1913 bzw. 1915 geboren. Alfred de Forest war ein Cousin von Dorothy Burlingham, bei der die kleine Judith de Forest Ende der 1920er Jahre anderthalb Jahre in Wien lebte und dort die Burlingham-Rosenfeld-Schule besuchte. Sie wurde später selbst Psychoanalytikerin.
Izette de Forest ging 1925 für ein Jahr nach Budapest, um bei Sándor Ferenczi eine Analyse zu beginnen, die sie während dessen USA-Aufenthalten 1926 und 1927 fortsetzte und 1929 in Budapest abschloss. Eine zweite Analyse machte sie später bei Erich Fromm. Sie praktizierte bis 1935 als Psychoanalytikerin in New York, anschließend in Cambridge, Massachusetts, und in Marlboro, New Hampshire. Als "Laienanalytikerin" gehörte sie keiner psychoanalytischen Institution an und organisierte in New York eine Diskussionsgruppe für nicht-ärztliche AnalytikerInnen.
Izette de Forest war eine der ersten, die Ferenczis Ideen in den USA verbreiteten. Als Ernest Jones nach Ferenczis Tod behauptete, dieser sei geisteskrank gewesen, setzte sie sich gemeinsam mit Erich Fromm und Clara Thompson für Ferenczis Rehabilitation ein. In ihrem Buch The Leaven of Love beschrieb sie ihren auf Ferenczi basierenden psychoanalytischen Ansatz, wonach der Erfolg einer Therapie auf der katalysierenden Wirkung der Liebe beruht, die der Analytiker dem Patienten schenkt.

Käte Frankenthal kam in Kiel als Tochter des jüdischen Kaufmanns Julius Frankenthal und seiner Frau Cecilie geb. Goldmann zur Welt. Sie studierte ab 1909 Medizin in Kiel, Heidelberg, Erlangen, München, Wien und Freiburg, wo sie 1914 ihr Staatsexamen ablegte. Im gleichen Jahr promovierte sie in Kiel mit einem Beitrag zur Lehre von den durch Balantidium coli erzeugten Erkrankungen.
Nach dem Ersten Weltkrieg, an dem sie als Militärärztin der österreichischen Armee teilnahm, war sie Assistenzärztin an der Berliner Charité, zunächst im Institut für Krebsforschung und von 1921 bis 1925 in der chemischen Abteilung des Pathologischen Instituts. Gleichzeitig baute sie sich in Berlin eine allgemeinärztliche Paxis auf, beriet bei Ehe- und Sexualproblemen und verteilte als Gegnerin des Paragraphen 218 kostenlos Verhütungsmittel.
Seit ca. 1918 - wie Margarete Stegmann - Mitglied der SPD, war Käte Frankenthal von 1920 bis 1925 Bezirksverordnete in Berlin-Tiergarten und gehörte von 1925 bis 1931 der Berliner Stadtverordnetenversammlung an. 1928 wurde sie zur Stadtärztin im proletarischen Neukölln ernannt, wo sie auch die kommunale Eheberatungsstelle leitete. 1930 kam sie als Nachrückerin in den Preußischen Landtag. Ein Jahr später wechselte sie von der SPD, deren Tolerierungspolitik sie nicht mittragen wollte, zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands.
Nach Hitlers Machtübernahme wurde Käte Frankenthal wegen ihrer "nichtarischen" Herkunft aus dem öffentlichen Dienst entlassen. Mitte 1933 emigrierte sie über Prag, Frankreich und die Schweiz schließlich 1936 in die USA. Nachdem sie sich anfangs noch mit Gelegenheitsarbeiten durchschlagen musste, konnte sie ab 1939 eine psychiatrische Privatpraxis in New York City aufbauen, die sie bis an ihr Lebensende betrieb.
1943 begann sie eine psychoanalytische Ausbildung am New Yorker Institut der Washington School of Psychiatry, ab 1946 William Alanson White Institute, zunächst bei Clara Thompson, dann bei Harry Stack Sullivan, ihrem Lehranalytiker. 1947 erhielt sie ihr Diplom und war bis 1949 Mitglied des Lehrkörpers am WAWI. Sie übernahm Sullivans Behandlungsmethode und ergänzte dessen interpersonale Theorie, indem sie sozio-ökonomische Faktoren miteinbezog.
Von 1947 bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1972 war Käte Frankenthal als beratende Psychiaterin und Psychoanalytikerin beim Jewish Family Service in New York tätig und bildete dort Sozialarbeiter und Psychologen aus. Einer ihrer Schwerpunkte war die Theorie und Behandlung der Angst, die ihrer Ansicht nach eine entscheidende Rolle bei psychischen Störungen spielt. Weitere Themen ihrer Seminare und Vorträge waren u. a. sexuelle Aufklärung, Sexualtherapie, Ehe- und Familienberatung sowie die Rolle von Frau und Familie in der modernen Gesellschaft.
Käte Frankenthal starb im Alter von 87 Jahren an Arteriosklerose. (Artikelanfang)
Die amerikanische Kinderpsychiaterin und Psychoanalytikerin Margaret Elizabeth Wilson Gerard promovierte mit einer Arbeit über Neuroanatomie und schloss 1925 ihr Medizinstudium am Rush Medical College in Chicago ab. Kurz zuvor hatte sie den Neurophysiologen und Verhaltenswissenschaftler Ralph Waldo Gerard (1900-1974) geheiratet. Sie spezialisierte sich in Pädiatrie und Psychiatrie und war bis zu ihrem Tod als Kinderpsychiaterin im mittleren Westen der USA tätig.
Margaret W. Gerard absolvierte in den 1930er Jahren eine kinderanalytische Ausbildung bei Anna Freud in Wien und war Lehranalytikerin an dem von Franz Alexander geleiteten Institute for Psychoanalysis in Chicago, wo sie sich besonders der Kinderanalyse widmete. Von 1944 bis 1946 amtierte sie als Präsidentin der Chicago Psychoanalytic Society. Wie ihre Kolleginnen Helen Flanders Dunbar und Therese Benedek war Margaret Gerard eine Vertreterin der psychosomatisch orientierten Psychoanalyse. Sie war Mitglied der American Psychosomatic Society und gehörte dem Beirat der von Dunbar gegründeten Zeitschrift Psychosomatic Medicine an. Ihr postum erschienenes Buch The Emotionally Disturbed Child enthält ihre wichtigsten Arbeiten auf dem Gebiet der Kinderpsychiatrie.
Frances Hannett wurde in Chicago geboren, ihr Vater war Mechaniker bei der International Harvester Company, ihre Mutter Lehrerin. Sie studierte Medizin an der Northwestern University Medical School und erwarb dort 1932 ihren Doktortitel. Ihre psychiatrische Facharztausbildung begann sie am Institute of Juvenile Research in Chicago, wo sie ihren Mann, den Psychiater und späteren IPA-Präsidenten Maxwell Gitelson (1902-1965), kennenlernte. Aus ihrer in Boston geschlossenen Ehe ging ihr Sohn Derek hervor.
Frances Hannett Gitelson beendete ihre Facharztausbildung am Psychiatric Hospital in Boston. Ihre Ausbildung zur Analytikerin erhielt sie an den psychoanalytischen Instituten in Boston und Chicago. Sie arbeitete seit 1952 als Lehranalytikerin der Chicago Psychoanalytic Society, deren Präsidentin sie von 1962 bis 1963 war, und führte gemeinsam mit ihrem Mann eine Privatpraxis in Chicago. Von 1969 bis 1973 amtierte sie als Sekretärin der IPA.
Francis Hannetts 1964 erschienener Aufsatz The haunting lyric gilt heute noch als die sorgfältigste psychoanalytische Arbeit über amerikanische Popmusik. Sie analysierte den Inhalt amerikanischer Schlagerhits aus den Jahren 1900 bis 1949 und stellte fest, dass deren Hauptthema, nämlich die klischeehaft beschriebene romantische Liebe, auf eine ungelöste Bindung an die präödipale Mutter verweist. Entsprechend häufig fanden sich in diesen Texten anaklitische Affekte, also solche vom Anlehnungstypus.

Phyllis Greenacre wurde in Chicago geboren, sie war das vierte von sieben Kindern des Rechtsanwalts Isaiah Thomas und seiner Frau Emma geb. Russell. Wegen eines schweren Sprachfehlers lernte sie früh sich schriftlich zu verständigen, bevor sie als Siebenjährige normal kommunizieren konnte. Sie studierte Medizin am Rush Medical College in Chicago und arbeitete danach von 1916 bis 1927 als Assistenzärztin unter Adolf Meyer an der psychiatrischen Phipps Clinic des Johns Hopkins Hospital in Baltimore.
1919 heiratete sie den Psychobiologen Curt Richter, von dem ihre beiden Kinder Peter und Ann stammen. Die Ehe wurde 1930 geschieden. Phyllis Greenacre zog 1927 nach New York, wo sie bis 1932 in der staatlichen Fürsorge von Westchester County tätig war und danach dreißig Jahre lang Psychiatrie am New York Hospital und am Cornell Medical College lehrte.
1932 begann sie eine psychoanalytische Ausbildung am New York Psychoanalytic Institute. Ihr Lehranalytiker war Fritz Wittels, eine weitere Analyse machte sie in den 1940er Jahren bei Edith Jacobson. 1937 wurde sie Mitglied, 1942 Lehranalytikerin der NYPS. Von 1948 bis 1950 war sie Direktorin des New Yorker Psychoanalytischen Instituts und von 1956 bis 1957 Präsidentin der NYPS. Außerdem war sie Vizepräsidentin und später Ehrenpräsidentin der IPA und gehörte seit 1945 der Redaktion der Zeitschrift The Psychoanalytic Study of the Child an.
Phyllis Greenacre veröffentlichte mehrere Bücher und ca. 60 Abhandlungen in eleganter Prosa, die im wesentlichen den drei Bereichen Kreativität, Entwicklung und psychoanalytische Ausbildung und Technik zuzuordnen sind. Besonders ihre Studien zur Kreativität gelten in den USA als bedeutende Klassiker der psychoanalytischen Literatur. Greenacre beschäftigte sich mit der Kindheit von Künstlern und untersuchte die Objektbeziehungen und Phantasien künstlerisch begabter Kinder, wobei sie sich auf die Arbeiten des Psychoanalytikers und Kunsthistorikers Ernst Kris berief. U. a. stellte sie fest, dass begabte Kinder außerordentlich empfindlich auf externe wie interne Reize reagieren und leichter als andere ihre primäre Objektbeziehung auf die Außenwelt ausdehnen ("Liebesaffäre mit der Welt"). In diesem Zusammenhang entwickelte sie eine Theorie der Aggression als Manifestation einer positiven Entwicklungskraft und als wichtige Komponente der Kreativität.
Einen weiteren Interessensschwerpunkt Phyllis Greenacres bildeten die Perversionen, insbesondere der Fetischismus. Sie beschrieb einen Zusammenhang von Kreativität und Fetischismus in ihrer ich-psychologisch orientierten biografischen Studie über Swift and Carroll, in deren Werken sie ihre Beobachtung bestätigt fand, dass das Körperbild von Fetischisten besonders unbeständig ist.
Phyllis Greenacre interessierte sich für den Einfluss biologischer Faktoren auf die Ich-Entwicklung und betonte die Bedeutung der prä-ödipalen Phase. Sie entwarf eine spezifische Phasentheorie mit bestimmten, jedoch nicht klar abgrenzbaren Gipfelpunkten der Reifung. Die körperlichen und psychischen Erfahrungen im präverbalen Stadium können nach Greenacre in der Analyse mittels Deckerinnerungen und Rekonstruktionen zugänglich gemacht werden.
Phyllis Greenacre publizierte bis 1983 und starb im hohen Alter von 95 Jahren. (Artikelanfang)

Mary O'Neil Hawkins stammte aus Denver in Colorado. Sie war das älteste von vier Kindern des protestantischen Rechtsanwalts Horace Hawkins und seiner Frau Frances Rubin. Die Mutter starb, als Mary fünfzehn war, die sich dann jahrelang um ihre jüngeren Geschwister kümmern musste. Sie besuchte das Bryn Mawr College, erhielt einen Masterabschluss in Psychologie an der Columbia Universität in New York und studierte dort anschließend von 1923 bis 1927 Medizin.
1932 begann sie in New York eine Analyse bei dem Wiener Psychoanalytiker Fritz Wittels und ging im darauf folgenden Jahr nach Wien, wo sie ihre Analyse bei Grete Bribring und später bei Hermann Nunberg fortsetzte. Gleichzeitig hospitierte sie an der psychiatrischen Klinik des Wiener Allgemeinen Krankenhauses und beteiligte sich an der Übersetzung von August Aichhorns Verwahrloste Jugend ins Englische. Von 1936 bis 1938 nahm sie am kinderanalytischen Seminar von Anna Freud teil. 1937 wurde sie außerordentliches Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland half sie von Wien und London aus jüdischen Kollegen und Freunden bei ihrer Flucht, bevor sie 1940 in die USA zurückkehrte
Mary O'Neil Hawkins ließ sich in Topeka, Kansas, nieder, wo sie Mitarbeiterin der Menninger Klinik sowie Lehranalytikerin der Topeka Psychoanalytic Society und Direktorin der Southard School for Children war. 1943 eröffnete sie in New York eine psychoanalytische Privatpraxis. Von 1946 an war sie als Lehranalytikerin am New York Psychoanalytic Institute tätig und führte dort Seminare zur Psychoanalyse von Jugendlichen durch. Ihre wissenschaftlichen Arbeiten zur Adoleszenz blieben jedoch zum großen Teil unveröffentlicht.
Darüber hinaus setzte sie sich mit körperlichen Beschwerden von Psychoanalytikern bei der Durchführung ihrer Analysen auseinander und berichtete darüber in ihrem Aufsatz Exercise and emotional stability. Neben ihrer Arbeit als Psychoanalytikerin interessierte sich Mary O'Neil Hawkins besonders für die Kultur der Navaho Indianer. Sie starb mit 85 Jahren an einem Herzinfarkt.

Beatrice Moses Hinkle, eine der ersten Psychoanalytikerinnen in den USA, wurde in San Francisco als Tochter einer wohlsituierten Familie geboren. Sie heiratete 1892 den Rechtsanwalt Walter S. Hinkle, der schon 1899 starb.
Von 1896 bis 1899 studierte Beatrice Hinkle Medizin am Cooper Medical College in San Francisco und erwarb dort den medizinischen Doktorgrad mit einer Arbeit über Enuresis in Children. Als Stadtärztin in San Francisco begann sie mit Suggestion, einer frühen Form der Psychotherapie, zu arbeiten. 1905 zog sie nach New York und gründete dort drei Jahre später gemeinsam mit Charles R. Dana an der Cornell Medical School die erste psychotherapeutische Klinik der USA. 1909 reiste sie nach Wien, um Sigmund Freud und die Psychoanalyse kennenzulernen. 1911 nahm sie am Internationalen Psychoanalytischen Kongress in Weimar teil und wurde im gleichen Jahr als erstes weibliches Mitglied in die New York Psychoanalytic Society aufgenommen.
Enttäuscht von Freuds Ansichten über die Weiblichkeit, wandte Beatrice Hinkle sich den Ideen C. G. Jungs zu und machte eine Analyse bei ihm. Als sie 1915 nach New York zurückkehrte, war ihre Mitgliedschaft in der NYPS verfallen. Ihr Antrag auf Neuaufnahme wurde abgewiesen, weil sie nun als Anhängerin Jungs galt, der sich 1913 mit Sigmund Freud überworfen hatte.
Beatrice Hinkle publizierte 1916 mit Psychology of the Unconscious die erste Übersetzung von C. G. Jungs Werk in Amerika. Ihre eigenen Theorien enthielten neben jungianischen auch freudianische Gedanken. In den 1930er Jahren war sie Mitgründerin des New York Jungian Institute, wo sie bis zu ihrem Tod eine wichtige Rolle spielte.
Mary Keyt Isham zählte wie Beatrice Hinkle und Josephine Jackson zu den ersten Psychoanalytikerinnen in den USA. Sie kam in Cincinnati, Ohio, als ältestes von sieben Kindern des Arztes Asa Brainerd Isham und seiner Frau Mary Hamlin Keyt zur Welt. Mary Isham besuchte das Wellesley College für Frauen, studierte Psychologie und machte ihren M. A. an der University of Cincinnati. 1899 wurde sie Fellow für Psychologie am Bryn Mawr College und leitete am Laura Memorial College - dem Medical Department der University of Cincinnati - den vermutlich ersten Psychologie-Kurs an einem medizinischen Lehrinstitut.
Sie entschloss sich zu einem Medizinstudium und erwarb 1903 an der University of Cincinnati ihren Doktorgrad. Anschließend spezialisierte sie sich in der Psychiatrie und war als Psychiaterin in Cincinnati und am State Hospital in Columbus, Ohio, tätig. 1915 zog sie nach New York und wurde im gleichen Jahr Mitglied der 1911 gegründeten New York Psychoanalytic Society. Isham praktizierte von 1915 bis 1922 als Neurologin und Psychoanalytikerin in New York City. 1922 hatte sie als erste Frau das Amt der Sekretärin der New Yorker Psychoanalytischen Gesellschaft inne.
Im Herbst 1923 trat sie jedoch aus der NYPS aus und kehrte nach Cincinnati zurück - vermutlich aufgrund schwerer Selbstzweifel. 1931 ging sie in den Ruhestand und starb im Alter von 76 Jahren in ihrer Heimatstadt.
Mary K. Isham, die auch Mitglied der American Psychiatric Association und der Women's State Medical Society war, veröffentlichte zahlreiche Arbeiten überwiegend zu psychologischen Themen. Einer ihrer Schwerpunkte war die Paraphrenie, eine leichtere Form der Schizophrenie mit isolierten Wahnvorstellungen.
Edith Banfield Jackson wurde in Colorado Springs als fünftes von sieben Kindern einer wohlhabenden Quäkerfamilie geboren. Ihr Vater William Sharpless Jackson war Bankier und einer der Geschäftsführer der lokalen Eisenbahngesellschaft. Als Edith vier Jahre alt war, beging ihre Mutter Helen Banfield Jackson Selbstmord.
Nach dem Besuch des Vassar Frauen-College studierte Edith Jackson an der Johns Hopkins Universität Medizin und promovierte 1921. Sie praktizierte am Iowa University Hospital und in der Kinderabteilung des Bellevue Hospitals in New York. 1923 wurde sie Mitarbeiterin des New Haven Rickets Project der Yale University School of Medicine und beteiligte sich von 1924 bis 1927 an einem Rachitis-Präventionsprojekt. Sie wechselte dann zur Psychiatrie und trat 1928 die Stelle einer Assistenzärztin am St. Elizabeth's Psychiatric Hospital in Washington an. Gleichzeitig begann sie eine Analyse bei Lucile Dooley.
Ende 1929 ging Edith Jackson zur psychoanalytischen Ausbildung nach Wien und machte eine Analyse bei Sigmund Freud, die von 1930 bis 1936 dauerte. Ihre Ausbildung zur Kinderanalytikerin erhielt sie bei Anna Freud. 1937 wurde sie außerordentliches Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. Sie finanzierte gemeinsam mit Dorothy Burlingham das Jackson Day Nursery in Wien, einen experimentellen Kindergarten für Kleinkinder aus armen Familien. Die Einrichtung musste 1938, nach dem "Anschluss" Österreichs an Deutschland, schließen. Edith Jackson gehörte wie ihre Freundin Muriel Gardiner seit 1934 der sozialistischen Untergrundbewegung in Wien an und beteiligte sich an Projekten zur Unterstützung jüdischer Emigranten und gefährdeter Sozialisten.
1936 kehrte sie in die USA an die Yale-Universität in New Haven zurück, wo sie psychoanalytische Erkenntnisse in den Bereich der Kinderheilkunde integrierte. Von 1936 bis 1959 lehrte Jackson als Professorin für Pädiatrie und Psychiatrie an der Yale School of Medicine. Seit Ende der 1940er Jahre war ihr Name vor allem mit dem "Rooming-In"-Modell verbunden, bei dem Neugeborene in der Klinik bei ihren Müttern gelassen wurden, um die Mutter-Kind-Bindung positiv zu beeinflussen. Ihre eigene psychoanalytische Praxis gab sie 1947 auf. (Artikelanfang)
Von 1952 an war sie Mitherausgeberin der Zeitschrift The Psychoanalytic Study of the Child. Nach ihrer Pensionierung 1959 zog sie nach Denver, wo sie unverheiratete Mütter beriet, ein Zentrum gegen Kindesmissbrauch mitgründete und sich für das Recht auf Abtreibung einsetzte. 1964 wurde Edith Jackson für ihre Verdienste im Bereich der Prävention von emotionalen Störungen bei Kindern von der American Psychiatric Association ausgezeichnet, und 1968 erhielt sie den C. Anderson Aldrich Preis der amerikanischen Kinderärzte.
Josephine Agnes Jackson, eine der ersten Psychoanalytikerinnen in den USA, wurde als Tochter eines Arztes in Evanston, Illinois, geboren. Sie arbeitete zehn Jahre lang als Lehrerin, bevor sie an der Northwestern University Medical School for Women Medizin studierte und 1896 ihr Examen ablegte. Als die Rush Medical School der Universität von Chicago auch Frauen zum Studium zuließ, war sie die erste Frau, die dort 1903 den Doktorgrad erlangte. Nach ihrem Praktikum war sie von 1898 bis 1904 als Ärztin am Chicago's Cook County Hospital tätig und während dieser Zeit ein Jahr lang am Chicago Maternity Hospital. Gleichzeitig unterrichtete sie an der Rush Medical School.
1904 zog Josephine Jackson nach Pasadena, California, wo sie sich der Psychoanalyse zuwandte und später ein psychotherapeutisches Sanatorium leitete. Sie wurde 1913 als zweite Frau nach Beatrice Hinkle in die New York Psychoanalytic Society aufgenommen, deren Mitglied sie zwanzig Jahre lang war, obwohl sie in Kalifornien lebte und praktizierte.
Neben ihrer therapeutischen Arbeit hielt sie Vorträge und publizierte Bücher und Artikel. Ihr erstes, sehr erfolgreiches Buch Outwitting Our Nerves sollte dem praktischen Arzt die Psychoanalyse nahebringen. Ende der 1920er Jahre war sie Verfasserin einer Zeitungskolumne mit dem Titel Guiding Your Life, welche die Grundlage für ihr gleichnamiges, 1937 erschienenes Buch zur Lebensberatung lieferte.
Josephine Jackson, die unverheiratet blieb, aber eine Adoptivtochter hatte, betrachtete die Psychotherapie als eine Art Reedukation, ihre Therapiemethode bestand aus einer Mischung aus einfühlsamem Zuhören und Umerziehung.
Die Kinderanalytikerin Lucie Jessner wurde als Johanna Ney in Frankfurt am Main geboren. Während ihres Studiums in Königsberg lernte sie ihren Mann, den Theaterdirektor Fritz Jessner (1989-1946) kennen, der seit 1925 Intendant am Königsberger Neuen Schauspielhaus war. Lucie Jessner promovierte in der Literaturwissenschaft, bevor sie zur Medizin wechselte und sich als Psychiaterin spezialisierte. Anfang der 1930er Jahre war sie an der Psychiatrischen und Nervenklinik der Universität Königsberg tätig.
Nach Hitlers Machtübernahme emigrierte Lucie Jessner 1933 in die Schweiz, wo sie in der Berner Psychiatrischen Klinik Münsingen bei Max Müller, dessen Analysandin sie auch war, die Insulinkomabehandlung bei Psychosen anzuwenden lernte. 1938 folgte sie Manfred Sakel, ebenfalls ein Pionier der Insulinschockbehandlung, als dessen Mitarbeiterin in die USA, trennte sich aber bald im Unfrieden von ihm. Sie beendete ihre bei der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft begonnene Ausbildung 1940 am Boston Psychoanalytic Institute, wo sie eine Schülerin und Freundin der nach Boston emigrierten Analytikerinnen Helene Deutsch und Beata Rank war.
1947 wurde sie Direktorin der neu eingerichteten kinderpsychiatrischen Abteilung am Department of Psychiatry des Massachussetts General Hospital in Boston. Sie lehrte als Professorin für Psychiatrie an der University of North Carolina in Chapel Hill sowie an der Georgetown University in Washington und war Lehranalytikerin am Washington Psychoanalytic Institute. Lucie Jessner, die auch Mitglied der American Psychosomatic Society war, veröffentlichte vor allem psychiatrische und psychosomatische Studien über Kinder.
Die in Russland geborene Sarah R. Kelman kam als junge Frau in die USA und arbeitete zunächst als Krankenschwester in Chicago. Dann studierte sie Medizin an der Chicagoer Rush Medical School und erwarb dort 1917 ihren Doktorgrad. Anschließend lehrte sie Pathologie und Bakteriologie an der Iowa State University. Anfang der 1920er Jahre spezialisierte sie sich auf die Psychiatrie und absolvierte eine psychoanalytische Ausbildung am New York Psychoanalytic Institute. Seit ca. 1925 bis Ende der 1950er Jahre war sie als Psychiaterin und Psychoanalytikerin in New York tätig und arbeitete hier an mehreren Kliniken, darunter das Bellevue und das New York Post-Graduate Hospital, das Bronx-Lebanon und das Hillside Hospital.
Als der in die USA emigrierten Analytikerin Karen Horney wegen ihrer neofreudianischen Theorie die Befugnis als Lehranalytikerin
entzogen wurde, verließ Sarah Kelman 1941 gemeinsam mit Horney, Clara Thompson und anderen das New York Psychoanalytic Institute und die APsaA. Kelman, Horney, Thompson, Bernard Robbins und Harmon Ephron gründeten im gleichen Jahr die American Association for the Advancement of Psychoanalysis (AAP) und das American Institute for Psychoanalysis, dessen Präsident später ihr jüngerer Bruder Harold Kelman wurde. Seit 1954 Mitglied der William Alanson White Psychoanalytic Society, vertrat Sarah Kelman einen neofreudianischen, auf Harry Stack Sullivans interpersonaler Theorie basierenden Ansatz, der den Einfluss der Kultur auf die psychische Entwicklung hervorhebt.
Zu ihren Interessensgebieten zählten die psychiatrischen Aspekte der Geburtenkontrolle, über die sie in einem 1937 publizierten Aufsatz referierte. Sarah Kelman, die einen adoptierten Sohn hatte, starb nach langer Krankheit in New York.
Die amerikanische Psychiaterin Marion Edwena Kenworthy wurde in Hamden, Massachusetts, geboren. Sie war die älteste von zwei Töchtern des Textilunternehmers John Kenworthy und seiner zweiten Frau, der Lehrerin Ida S. Miller, die 1900 an Tuberkulose starb. Marion Kenworthy studierte ab 1909 Medizin an der Tufts Medical School in Boston und promovierte dort 1913. Anschließend arbeitete sie bis 1916 als Assistenzärztin am Gardner State Hospital und von 1916 bis 1919 als Senior Psychiatrist am Foxborough State Hospital in Massachusetts. Außerdem studierte sie am Boston Psychopathic Hospital bei Elmer Southard, einem Pionier der Sozialpsychiatrie.
1919 zog Marion Kenworthy nach New York und absolvierte eine psychoanalytische Ausbildung bei der New York Psychoanalytic Society. Ihre Lehranalyse machte sie 1921 bei dem Wiener Analytiker Otto Rank. Ebenfalls 1921 begann sie an der New York School of Social Work - später Columbia University School of Social Work - zu lehren, ab 1924 als Professorin für Mental Hygiene und seit 1940 als Professorin für Psychiatrie. Kenworthy, die seit 1926 Mitglied der American Psychoanalytic Association war, führte die psychodynamische Theorie in die Sozialarbeit ein und bildete bis zu ihrer Emeritierung 1956 Hunderte von Sozialarbeitern in psychoanalytischer Psychiatrie aus.
Von 1921 bis 1927 leitete sie außerdem das Bureau of Children's Guidance, die erste modellhafte Child Guidance Clinic zur Behandlung von Kindern mit Verhaltensstörungen. Über diese Arbeit berichtete sie in ihrem gemeinsam mit Porter Lee verfassten Buch Mental Hygiene and Social Work. Darin formulierte Kenworthy auch ihre Ich-Libido-Methode der psychoanalytisch orientierten Persönlichkeitsdiagnostik.
Neben der Lehre und ihrer New Yorker Privatpraxis war Marion Kenworthy in zahlreichen Institutionen aktiv. Sie war die erste Frau, die als Präsidentin der American Psychoanalytic Association (1958-1959), der American Academy of Child Psychiatry (1959-1961) und der Group for the Advancement of Psychiatry (1959-1960) amtierte. Außerdem war sie Vizepräsidentin der American Psychiatric Association (1965-1966). (Artikelanfang)
1971 erhielt Marion Kenworthy den Agnes Purcell McGavin Award der A.P.A. für ihre Leistungen in der Kinderpsychiatrie. Das Vermögen ihrer Lebenspartnerin, der Sozialarbeiterin Sarah H. Swift, mit der sie von 1919 bis zu deren Tod 1975 zusammenlebte, war die Basis der Kenworthy-Swift Foundation für Projekte der Kinder- und Jugendfürsorge.

Die Kinderanalytikerin Paulina F. Kernberg wurde in Santiago de Chile als Tochter von Isaac Fischer und Rebecca Ostray Fischer geboren. Sie studierte Medizin an der Universidad de Chile, wo sie mit 23 Jahren zum Dr. med. promovierte.
Mitte der 1950er Jahre heiratete sie den aus Wien stammenden Psychoanalytiker Otto F. Kernberg (*1928), dessen Familie wegen ihrer jüdischen Herkunft Österreich 1939 verlassen musste und nach Chile emigriert war. Aus ihrer Ehe gingen drei Kinder hervor: Karen, Adine und Martin. 1961 gingen die Kernbergs in die USA nach Topeka, Kansas, wo Paulina Kernberg an der Menninger-Klinik ihre psychiatrische Ausbildung erhielt und am Topeka Institute for Psychoanalysis eine psychoanalytische Ausbildung machte, die sie 1969 abschloss.
Paulina Kernberg war Professorin für Psychiatrie an der Cornell University in New York und von 1978 bis zu ihrem Tod leitete sie das Kinder- und Jugendlichenprogramm am New York Presbyterian Hospital. Gleichzeitig war sie als Lehranalytikerin, Supervisorin und Fakultätsmitglied am Columbia Center for Psychoanalytic Training and Research tätig.
Ihr Spezialgebiet waren Persönlichkeitsstörungen im Jugendalter. Gemeinsam mit Alan Weiner und ihrer Tochter Karen Bardenstein veröffentlichte sie ein Standardwerk über Persönlichkeitsstörungen bei Kindern und Jugendlichen, in dem gezeigt wird, dass Persönlichkeitsstörungen viel früher als bisher erkannt und behandelt werden müssen. Einen Schwerpunkt Paulina Kernbergs bildete die Traumatisierung von Kindern durch die Scheidung ihrer Eltern. Diese sei aus Sicht der Kinder das zweitschlimmste Trauma nach dem Tod eines Elternteils, daher wäre die Aufrechterhaltung einer zerrütteten Ehe für das Kind oft besser.
In mehreren Aufsätzen, unter anderem in Narzisstische Persönlichkeitsstörungen in der Kindheit, beschrieb Paulina Kernberg die Probleme bei der Behandlung der narzisstischen Persönlichkeit, bei der sie eine Beeinträchtigung der Über-Ich-Funktionen sowie der Fähigkeit zu Liebe, Empathie und Vertrauen feststellte. Dass narzisstische Patienten ihre entwerteten Selbstanteile dissoziieren und auf andere projizieren, während das Größenselbst unverändert bestehen bleibt, führt zu einer schwierigen Übertragungssituation. In ihrem letzten Buch Spiegelbilder über den Einsatz des Spiegels als diagnostisches und therapeutisches Hilfsmittel zeigte Paulina Kernberg, dass die Beobachtung des Verhaltens von Kindern und Jugendlichen vor einem Spiegel (mittels der "Kernberg Mirror Behavior Checklist") Aufschluss über den Entwicklungsstand von deren Selbst- und Objektrepräsentanzen gibt.
Paulina Kernberg starb im Alter von 71 Jahren an Krebs. (Artikelanfang)

Marjorie R. Leonard war eine Pionierin der Kinderpsychoanalyse in den USA. Geboren in New York als Tochter von George Rosenfeld und Ida G. Batelle, wuchs sie in einer wohlhabenden Familie auf, deren deutsch-jüdische Angehörige in den 1850er Jahren in die USA eingewandert waren.
Marjorie Rosenfeld studierte von 1924 bis 1928 Psychologie an der University of California in Los Angeles. 1929 ging sie nach Berlin, um bis 1932 bei Wolfgang Koehler Gestaltpsychologie und bei Kurt Lewin Kinderpsychologie zu studieren. Gleichzeitig absolvierte sie eine Ausbildung am Berliner Psychoanalytischen Institut. Ihre Lehranalyse beendete sie später bei Ernst Simmel nach dessen Emigration in die USA.
In Berlin lernte sie ihren Mann, den deutsch-jüdischen Rechtsanwalt und späteren Musikmanager P. Alfred (Levi) Leonard (1909-1988), kennen, der mit ihrer Hilfe 1933 aus dem nationalsozialistischen Deutschland fliehen konnte. Aus ihrer im gleichen Jahr in Los Angeles geschlossenen Ehe gingen drei Töchter hervor: die Zwillinge Eleanor und Joanne (*1940) sowie Barbara (*1944).
Marjorie Leonard war 1932 in die USA zurückgekehrt und eröffnete 1933 in Los Angeles eine psychoanalytische Privatpaxis, wo sie hauptsächlich Kinder und Jugendliche behandelte. Mitte der 1930er Jahre zählte sie zu den Gründungsmitgliedern der Los Angeles Psychoanalytic Study Group. Nach der Etablierung des Los Angeles Psychoanalytic Institute gehörte Marjorie Leonard diesem Institut als wissenschaftliche Mitarbeiterin an. Außerdem arbeitete sie u. a. von 1955 bis 1959 als Psychotherapeutin an der Reiss-Davis Clinic for Child Guidance in Los Angeles. 1959 zog sie nach Stamford in Connecticut und lehrte von 1962 bis 1975 als Assistant Clinical Professor of Psychiatry Kinderpsychologie und -psychotherapie am Albert Einstein College of Medicine in New York.
Leonards 1966 veröffentlichter Aufsatz Fathers and daughters, in dem sie sich mit dem Einfluss von Vätern auf die psychosexuelle Entwicklung ihrer Töchter auseinandersetzte, findet auch heute noch Beachtung. Ihr besonderes Interesse galt den psychischen Besonderheiten von Zwillingen. So beschrieb sie in Problems in identification and ego development in twins, wie bei Zwillingen - je ähnlicher sie sich sind, umso deutlicher - die ständige Konfrontation mit einem Spiegelbild zu einer Verzögerung der Unterscheidung zwischen Selbst und anderem führt und damit zu einer verlangsamten Entwicklung von Ich-Identität und Objektbeziehungen.
Marjorie Leonard starb im Alter von 86 Jahren an der Alzheimer-Krankheit.

Margaret Schönberger Mahler, neben Edith Jacobson und Heinz Hartmann die wichtigste Vertreterin der amerikanischen Ich-Psychologie, kam im ungarischen Sopron zur Welt. Sie war das Lieblingskind ihres Vaters Gusztav Schönberger, der als Arzt und Präsident der jüdischen Gemeinde zu den Honoratioren von Sopron zählte. Als eher kalt und abweisend erlebte sie ihre Mutter Eugenia, geb. Wiener, die ihr die jüngere Schwester Suzanne vorzog. Als Margarethe Schönberger sechzehn war, zogen die beiden Schwestern zu einer Tante nach Budapest, um dort das Gymnasium zu besuchen. Durch ihre Schulfreundin Alice Székely-Kovács und deren Mutter, die Psychoanalytikerin Vilma Kovács, kam Margarethe Schönberger mit Sándor Ferenczi und seinem Kreis in Kontakt.
1916 schrieb sie sich an der Budapester Universität für Kunstgeschichte und Ästhetik ein, sattelte dann aber auf Medizin um. Als 1919 das repressive Horthy-Regime an die Macht kam, ging Margarethe Schönberger nach Deutschland und setzte in München, Jena und Heidelberg ihr Medizinstudium fort. Sie spezialisierte sich auf Kinderheilkunde und promovierte 1922 in Jena. Noch im gleichen Jahr ging sie nach Wien, arbeitete als Assistenzärztin an der Wiener Universitäts-Kinderklinik und der Reichsanstalt für Mütter und Säuglingsfürsorge und eröffnete 1925 eine Privatpraxis als Kinderärztin.
1926 begann Margarethe Schönberger eine Lehranalyse bei Helene Deutsch, die sie aber nach einem Jahr für nicht analysierbar erklärte. Erst nach einer Analyse bei August Aichhorn wurde sie wieder am Wiener Lehrinstitut zugelassen. Wegen einer Liebesbeziehung mit Aichhorn wechselte sie 1930 zu Willi Hoffer, bei dem sie 1935 ihre Lehranalyse abschloss. 1933 wurde sie außerordentliches Mitglied der WPV und eröffnete ein Jahr später ein psychoanalytisches Kinderambulatorium. Während ihrer Wiener Zeit stand sie in engem Kontakt mit VertreterInnen der Budapester Schule. Michael und Alice Balint sowie Therese Benedek verdankte sie die Idee einer Zweieinheit von Mutter und Kind, die sie später in ihrem Symbiosekonzept ausarbeitete.
1936 heiratete Margarethe Schönberger Paul H. Mahler (1886-1956), den Direktor einer chemischen Fabrik. Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland emigrierte sie 1938 mit ihrem Mann über England in die USA, wo sie 1940 Mitglied der New York Psychoanalytic Society wurde. In den folgenden Jahren war Margaret Mahler als Chefberaterin des Kinderdienstes am New Yorker psychiatrischen Institut und als Lehrbeauftragte für Psychiatrie an der Columbia Universität tätig. 1948 lernte sie Edith Jacobson kennen und machte bei ihr eine weitere Analyse.
In den 1950er Jahren lehrte Mahler auch in Philadelphia, wo sie das Ausbildungsprogramm des Philadelphia Psychoanalytic Institute leitete. 1950 gründete sie zusammen mit Manuel Furer einen therapeutischen Kindergarten für psychotische Kinder an der New Yorker Albert Einstein School of Medicine. Zwei Jahre später erschien ihr Aufsatz über kindliche Psychosen, in dem sie autistische von symbiotischen frühkindlichen Psychosen unterschied, ein Thema, das sie 1968 in ihrem gemeinsam mit Furer verfassten Buch On Human Symbiosis and the Vicissitudes of Individuation weiterverfolgte. Die Psychoseforschung war für Mahler der Ausgangspunkt, um auch die normale kindliche Entwicklung zu erklären.
Ab 1959 führte sie mit ihren MitarbeiterInnen neben der Untersuchung psychotischer Kinder auch eine Studie über normale Säuglinge und deren Mütter am New Yorker Masters Children's Center durch. Aus diesen langjährigen Projekten ging 1975 das bekannte Buch The Psychological Birth of the Human Infant hervor, in dem sie gemeinsam mit Fred Pine und Anni Bergmann die Theorie vom Separations-Individuationsprozess darstellte.
Mahler zufolge muss der Säugling, der zunächst eine autistische Phase durchlebt, mit seiner Mutter eine Symbiose eingehen und dann in einem Prozess der Separation, der sich bis zum Ende des dritten Lebensjahrzehnts erstreckt, aus dieser symbiotischen Phase wieder herausgelangen, um ein von der Mutter getrenntes Selbst zu entwickeln. Dieser Prozess der inneren Loslösung verläuft über die Differenzierungs-, die Übungs- und die Wiederannäherungsphase und mündet in der Individualität und den Anfängen emotionaler Objektkonstanz. Im Falle einer mangelnden Selbstdifferenzierung des Kindes kann es zu einer symbiotischen Psychose kommen. (Artikelanfang)
Zuletzt war Margaret Mahler Forschungsdirektorin am Masters Children's Center in New York, wo sie bis zu ihrem Tod lebte. Sie hinterließ ihr Vermögen den "Grauen Panthern".
Margarethe Edith Hitschmann wurde als Tochter einer jüdisch-österreichischen Familie in Wien geboren. Ihr Vater Eduard Hitschmann war einer der ersten Psychoanalytiker um Sigmund Freud, ihre Mutter Hedwig Schick Konzertsängerin und später Sprachtherapeutin. Margaret Hitschmann studierte in den 1930er Jahren in Wien Medizin, bevor sie 1938 mit ihren Eltern nach London und dann in die USA emigrierte.
Ihre psychiatrische Facharztausbildung absolvierte sie in New York, Boston und Worcester, Massachusetts. Am Worcester State Hospital lernte sie 1941 ihren Mann Sydney Margolin (1909-1985) kennen, einen aus New York stammenden Psychiater. Sie heirateten noch im gleichen Jahr in New York und bekamen zwei Kinder, John und Carol.
Margaret und Sidney Margolin absolvierten ihre psychoanalytische Ausbildung in den 1940er Jahren am New York Psychoanalytic Institute. 1955 zogen sie nach Denver in Colorado, wo Margaret (Gretl) Margolin als Consultant-Psychiaterin für verschiedene Institutionen - Public School, Mental Health Center, pädiatrische Abteilungen - tätig war und als Associate Professor an der Universität von Colorado Psychiatrie lehrte. Gemeinsam mit ihrem Mann beteiligte sie sich 1962 an der Gründung der Denver Psychoanalytic Society (deren erster Präsident René A. Spitz war) sowie am Aufbau des 1969 eröffneten Denver Psychoanalytic Institute.
Margaret Hitchman (sic!) Margolin widmete sich besonders den Verhaltensstörungen von Kindern und Jugendlichen, sie war u. a. Mitglied der American Orthopsychiatric Association. Von ihrer Mutter hatte sie die Liebe zur Musik geerbt und setzte sich dafür ein, Kindern aus Problemfamilien eine Musikerziehung zu ermöglichen.

Helen Dorothy Vincent wurde in Sandusky, Ohio, geboren. Sie graduierte 1915 zum Bachelor of Art am Mount Holyoke College in South Hadley und studierte von 1916 bis 1917 Chemie am Massachusetts Institute of Technology. 1921 promovierte sie an der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore zum Dr. med. und spezialisierte sich dann von 1921 bis 1922 als Psychiaterin am Johns Hopkins Hospital. Während eines Aufenthalts 1922/23 in Peking lernte sie den Arzt und späteren Direktor der Universitätskliniken von Chicago, Franklin Chambers McLean (1888-1968), kennen und heiratete ihn 1923. Ihr Sohn Franklin Vincent wurde 1934 geboren, starb jedoch schon 1948.
Ende der 1920er Jahre absolvierte Helen Vincent McLean eine Lehranalyse bei Franz Alexander. Sie ließ sich in Chicago als Psychiaterin und Psychoanalytikerin nieder und hielt Vorlesungen an der University of Chicago. 1931 gehörte sie zu den GründerInnen der Chicago Psychoanalytic Society, deren Präsidentin sie von 1938 bis 1940 war. In den 1940er Jahren führte Helen McLean am Chicagoer Psychoanalytischen Institut eine Untersuchung über rassische Konflikte und Vorurteile durch und publizierte auch mehrere Aufsätze über dieses Thema. Ende der 1950er Jahre gehörte sie der Redaktion des Journal of the American Psychoanalytic Association an.

Esther Menaker kam in Bern in der Schweiz zur Welt, wohin ihre Eltern Cecelia und Waldemar Astin, aus Russland stammende jüdische Sozialisten, emigriert waren. 1910 wanderte die Familie in die USA aus und ließ sich in Philadelphia nieder. Esther Astin studierte zunächst Chemie an der University of Pennsylvania, sattelte dann auf Sozialpädagogik um und erwarb 1930 in diesem Fach ihren Masterabschluss.
1930 heiratete sie William Menaker (1896-1972), einen Zahnarzt, der seinen ungeliebten Beruf aufgegeben hatte und nun mit straffällig gewordenen Jungen arbeitete. Im gleichen Jahr gingen beide nach Wien, um dort eine Ausbildung am Psychoanalytischen Institut zu absolvieren. Gleichzeitig studierten sie Psychologie bei Karl und Charlotte Bühler und promovierten zum Dr. phil. Esther Menaker, die sich besonders für die Kinderanalyse interessierte, machte eine zweijährige Lehranalyse bei Anna Freud und - nach einer Fehlgeburt - eine weitere Analyse bei Willi Hoffer. Ihre ambivalenten bis negativen Erfahrungen mit den Wiener PsychoanalytikerInnen schilderte sie später in ihrem Buch Schwierige Loyalitäten.
1935 kehrten Esther und Bill Menaker mit ihrem ein Jahr zuvor geborenen Sohn Michael - 1938 kam Sohn Thomas hinzu - in die USA zurück und ließen sich in New York nieder, wo Esther Menaker eine Praxis als Kinderanalytikerin eröffnete. Beide engagierten sich für die psychoanalytische Ausbildung von Nicht-Medizinern und beteiligten sich 1961 an der Gründung des Postdoctoral Program in Psychotherapy and Psychoanalysis am Department für Psychologie der New Yorker Universität, wo Esther Menaker als Professorin lehrte. Außerdem gehörte sie dem Lehrkörper der 1948 von Theodor Reik gegründeten National Psychological Association for Psychoanalysis an.
Bekannt wurde Esther Menaker als Verfechterin der Ideen Otto Ranks sowie durch ihre Arbeiten zum Masochismus. Ihr 1956 erschienener, von Konrad Lorenz beeinflusster Artikel über Parallelen zwischen bestimmten angeborenen tierischen Verhaltensweisen und dem moralischen Masochismus beim Menschen galt seinerzeit als Pionierarbeit auf diesem Gebiet. Auf dem Hintergrund der Ich-Psychologie und der Ethologie entwickelte Menaker in zahlreichen Publikationen ihre Theorie des Masochismus als Anpassungsprozess des Ichs und beschrieb die Rolle der Ich-Identifizierungen als Transmitter der sozialen Evolution. Einen weiteren Schwerpunkt bildete ihre Beschäftigung mit Masochismus und Kreativität. (Artikelanfang)

Jean Teutonia Baker wuchs als eines von drei Kindern in einer armen Familie in der New Yorker Bronx auf. Noch kein Jahr alt, erkrankte sie an Kinderlähmung und musste als Kind mehrmals operiert werden. Sie studierte zunächst Geschichte, dann Medizin und erwarb 1952 ihren Doktorgrad am College of Physicians and Surgeons der Columbia University in New York. Anschließend spezialisierte sie sich in der Psychiatrie am New Yorker Bellevue und Jacobi Hospital sowie am Upstate Medical Center in Syracuse, NY. 1955 heiratete sie den Soziologieprofessor Seymour M. Miller, von dem ihre beiden Söhne Edward und Jonathan stammen.
Ihre Ausbildung zur Psychoanalytikerin schloss Jean Baker Miller 1959 am New York Medical College ab. Sie führte ab 1956 eine psychiatrische und psychoanalytische Praxis in Manhattan, Syracuse und Boston und lehrte Psychiatrie an der Harvard Medical School, dem Albert Einstein College of Medicine, dem Upstate Medical Center in Syracuse und der Boston University School of Medicine. 1972/73 war sie in London Gastdozentin an der London School of Economics und am Tavistock Institute. Seit 1981 leitete Jean Baker Miller das Stone Center for Developmental Services and Studies am Wellesley College, und ab 1995 bis kurz vor ihrem Tod war sie Direktorin des Jean Baker Miller Training Institute im Rahmen der Wellesley Centers for Women.
In ihrem einflussreichen Buch Toward a New Psychology of Women (1976) unternahm Jean Baker Miiller, ausgehend von feministischen und psychoanalytischen Theorien, eine Neubewertung von traditionell als weiblich und damit minderwertig angesehenen Eigenschaften, vor allem der mit der Bindungsorientierung von Frauen verbundenen Werte. Miller schuf mit ihrem relationalen Ansatz die Grundlagen der Relational-Cultural Theory, in der nicht das abgegrenzte, autonome Selbst als Ausweis psychischer Gesundheit gilt, sondern die Fähigkeit, Beziehungen einzugehen, die dem beiderseitigen psychischen Wachstum dienen.
Jean Baker Miller litt unter dem Postpolio-Syndrom und starb 78-jährig an einem Lungenemphysem.

Caroline Newton stammte aus Philadelphia, wo ihr Vater A. Edward Newton ein angesehener Psychologe war. Ausgebildet an der New York School of Social Work, arbeitete sie als Fürsorgerin, bevor sie eine Analyse bei dem New Yorker Psychoanalytiker Leonhard Blumgart machte. Anfang der 1920er Jahre ging sie nach Wien und ließ sich von Sigmund Freud und/oder Otto Rank analysieren. 1924 wurde sie in die Wiener Psychoanalytische Vereinigung aufgenommen, ihren ersten Vortrag hielt sie über das Thema Die Anwendung der Psychoanalyse auf die soziale Fürsorge. Noch im gleichen Jahr kehrte sie in die USA zurück, blieb jedoch bis 1938 Mitglied der WPV und verbrachte 1925, 1927 und 1929 jeweils einige Wochen in Wien.
Caroline Newton ließ sich in Berwin, Pennsylvania, nieder und übersetzte 1925 die Arbeit Entwicklungsziele der Psychoanalyse von Otto Rank und Sándor Ferenczi ins Englische. Sie bewarb sich um die Aufnahme in die New York Psychoanalytic Society, wurde aber nur als Gast zugelassen, weil sie keine Ärztin war. Der Gaststatus wurde ihr entzogen, als sie 1925 eine psychoanalytische Praxis eröffnete. Obwohl Sigmund Freud die Haltung der New Yorker Gruppe kritisierte, ließ sich diese in ihrer Ablehnung von nicht medizinisch ausgebildeten LaienanalytikerInnen nicht beeinflussen.
Auf einer ihrer Europareisen Ende der 1920er Jahre lernte die literarisch versierte Psychoanalytikerin Thomas Mann kennen, dem sie das Werk Freuds nahebrachte und dessen großzügige Förderin sie wurde, als der Dichter 1937 in die USA emigrieren musste. Thomas Mann zeichnete in seinem Doktor Faustus mit der Figur der verhuschten Klavierlehrerin Meta Nackedey ein wenig freundliches Porträt Caroline Newtons.
Mary O'Malley wurde als eines von drei Kindern in Medina, New York, geboren, von wo ihre Familie bald nach Buffalo zog. Sie war einige Jahre lang Lehrerin, bevor sie an der Buffalo University Medizin studierte und 1897 ihren Doktorgrad erwarb. Während ihrer sechsjährigen Tätigkeit als Assistenzärztin für Psychiatrie und Gynäkologie am Binghamton State Hospital lernte sie William Alanson White kennen, der sie in die Psychoanalyse einführte.
Als White an die psychiatrische Klinik St. Elizabeth's Hospital in Washington wechselte, folgte ihm O'Malley und erhielt 1905 - als erste Frau - eine Stelle als Assistenzärztin am St. Elizabeth's, wo sie dreißig Jahre lang als Mitarbeiterin Whites tätig war. 1917 wurde sie zum Clinical Director befördert. In ihre Zuständigkeit fiel vor allem die Behandlung der weiblichen Patienten und die Supervision der Psychiaterinnen. Außerdem lehrte sie Psychiatrie an der George Washington School of Medicine.
Um 1919 schloss sie sich der National Woman's Party an, wo sie in den 1920er Jahren Vorsitzende des Physician's Council war. Von 1930 an engagierte sie sich in der Medical Women's National Association, deren Präsidentin sie von 1933 bis 1934 war.
Mary O'Malley gehörte zu den ersten Mitgliedern der 1914 unter der Leitung von White gegründeten Washington Psychoanalytic Society. Nach deren Auflösung im Jahr 1918 war O'Malley 1925 maßgeblich für die Reorganisation der Vereinigung, nun Washington Psychopathological Society, verantwortlich. 1926 wurde sie für zwei Jahre zur ersten weiblichen Vorsitzenden der WPS gewählt. Als diese 1930 in der Washington-Baltimore Psychoanalytic Society aufging und Ausbildungsinstitut der IPV wurde, schied Mary O'Malley aus - vermutlich weil sie keine Lehranalyse vorweisen konnte.
Über ihre Arbeit mit psychotischen Patienten veröffentlichte sie zwei bemerkenswerte Aufsätze: In Transference and some of its problems in psychoses betonte sie den Unterschied zwischen der Übertragung bei psychotischen und neurotischen Patienten und hob die Bedeutung der positiven Übertragung in der Analyse von Psychotikern hervor; in Significance of narcissism in the psychoses schilderte sie die Fallgeschichten von acht Psychotikerinnen mit pathologischem Narzissmus.
1935 ging Mary O'Malley in den Ruhestand und verbrachte ihre letzten Lebensjahre bei ihren Geschwistern Edward und Margaret in Buffalo.

Anna Ornstein wurde als jüngstes Kind einer jüdischen Familie in dem nordungarischen Dorf Szendro geboren, wo sie die ersten fünfzehn Jahre ihres Lebens verbrachte. 1942 zog sie zu ihrer Tante nach Debrecen, um dort zwei Jahre lang das jüdische Gymnasium zu besuchen. Als die deutsche Armee 1944 Ungarn besetzte, wurde sie mit ihrer Familie nach Auschwitz deportiert. Während ihre beiden Brüder und ihr Vater ums Leben kamen, überlebte Anna Brünn gemeinsam mit ihrer Mutter verschiedene Konzentrationslager. Nach der Befreiuung kehrte sie nach Budapest zurück und heiratete 1946 ihren Jugendfreund Paul Ornstein (*1924). Aus ihrer Ehe gingen drei Kinder hervor.
Anna und Paul Ornstein flohen 1946 aus dem kommunistischen Ungarn über Wien nach Deutschland, wo Anna Ornstein von 1947 bis 1952 in Heidelberg Medizin studierte. Sie gingen dann in die USA und ließen sich in Cincinnati, Ohio, nieder. Während ihrer psychiatrischen Facharztausbildung an der University of Cincinnati wurde Anna Ornsteins Interesse für die Psychoanalyse geweckt. Wie zuvor ihr Mann absolvierte sie von 1964 bis 1969 eine psychoanalytische Ausbildung am Chicago Institute for Psychoanalysis, ihr Lehranalytiker war Maurice Levine. Anna Ornstein war seit 1969 Mitarbeiterin von Heinz Kohut am Chicagoer Institut und wurde zu einer wichtigen Vertreterin der psychoanalytischen Selbstpsychologie.
Einen Schwerpunkt ihrer teilweise gemeinsam mit Paul Ornstein verfassten Publikationen bilden Beiträge über den psychoanalytischen Behandlungsprozess. Stichworte sind hier die wichtige Rolle des empathischen Zuhörens und der subjektiven Erfahrung des Patienten, seine nicht voll bewussten kurativen Phantasien zum Behandlungsziel sowie seine die Selbstkohärenz fördernden Selbstobjektübertragungen. Häufig zitiert wird ihr Aufsatz The dread to repeat and the new beginning (1974; 1991 überarbeitet) über den therapeutischen Nutzen des Wiederholungszwang, als dessen Ursache sie die Angst des Patienten vor der Wiederholung der traumatischen Situation erkannte. Weitere Arbeitsschwerpunkte Anna Ornsteins sind die Psychopathologie des Kindes sowie der Heilungsprozess nach dem Überstehen von Extremsituationen, wobei sie auch ihre eigenen Erfahrungen miteinbezog.
Neben ihrer Privatpraxis und ihrer Tätigkeit als Lehr- und Kontrollanalytikerin am Cincinnati Psychoanalytic Institute war Anna Ornstein Professorin für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der University of Cincinnati, wo auch Paul Ornstein Psychiatrie und Psychoanalyse lehrte. Nach ihrer Emeritierung im Jahr 2000 zog sie mit ihrem Mann nach Boston, wo sie als Supervisorin am Boston Psychoanalytic Institute und als Lehrbeauftragte für Psychiatrie an der Harvard Medical School tätig ist.
Anna Ornstein ist Mitglied zahlreicher psychoanalytischer Organisationen, u. a. ist sie Gründungsmitglied des International Council for Psychoanalytic Self Psychology. (Artikelanfang)
Die Kinderpsychiaterin Eleanor Pavenstedt wurde in New York geboren, ihre deutschen Eltern kehrten jedoch während des Ersten Weltkriegs nach Deutschland zurück. Sie schrieb sich 1925 an der Universität Zürich für Medizin ein und promovierte vier Jahre später an der Universität Genf. Dann ging sie in die USA, wo sie von 1934 bis 1937 als Assistant Child Psychiatrist am Massachusetts General Hospital in Boston praktizierte.
Ihre psychoanalytische Ausbildung begann Eleanor Pavenstedt 1935 am Boston Psychoanalytic Institute bei Hanns Sachs und Helene Deutsch, mit der sie auch befreundet war. Seit 1947 war sie als Lehranalytikerin der Bostoner Psychoanalytischen Gesellschaft tätig. Sie wurde Vorsitzende der Ausbildungskommission am BPSI sowie des Unterausschusses für frühe Entwicklung und soziale Probleme in der American Psychoanalytic Association.
Von 1943 bis 1954 arbeitete Pavenstedt als Psychiaterin an dem von Marian Putnam gegründeten James Jackson Putnam Children's Center. Ende der 1940er Jahre wurde sie Direktorin für Kinderpsychiatrie an der Boston University School of Medicine und lehrte dort von 1954 bis 1958 als Assistant Professor, von 1958 bis 1959 als Associate Professor und seit 1960 als ordentliche Professorin für klinische Psychiatrie. Seit 1965 war sie auch als Kinderpsychiaterin am Bostoner Tufts Columbia Point Medical Center tätig.
Eleanor Pavenstedt setzte sich besonders mit den psychischen Störungen von Kindern auseinander, die in sozialer Deprivation aufwachsen. Bekannt wurde sie durch das von ihr und Charles Malone herausgegebene Buch The Drifters über verwahrloste Kinder aus zerrütteten Unterschichtsfamilien. Zuvor hatte sie gemeinsam mit Lucie Jessner Dynamic Psychotherapy in Childhood veröffentlicht, ein Standardwerk der Kinderpsychiatrie.
Ein weiterer Schwerpunkt Pavenstedts waren Langzeitstudien zur kindlichen Entwicklung, wie die von ihr ab 1954 durchgeführte Untersuchung "The effect of maternal maturity and immaturity on child personality development".
Ethel Spector Person wuchs als einziges Kind einer jüdischen Famile in Louisville, Kentucky, auf. Ihre Mutter hatte Mathematik studiert, ihr Vater war Barbesitzer, er starb, als Ethel zwölf Jahre alt war. Sie studierte Psychologie und Medizin in Chicago und am New York University College of Medicine.
Ihre psychoanalytische Ausbildung erhielt sie am Columbia University Center for Psychoanalytic Training and Research in New York, wo sie seitdem als Lehr- und Kontrollanalytikerin arbeitet und von 1981 bis 1991 Direktorin war. Ethel S. Person ist Clinical Professor für Psychiatrie am College of Physicians and Surgeons der Columbia University und Supervisorin am Greater Kansas City Psychoanalytic Institute. Sie war nordamerikanische Vizepräsidentin der IPA und gehört u. a. der Redaktion von Studies in Gender and Sexuality an.
Ihre theoretische Position verortet Ethel Person zwischen Objektbeziehungstheorie und kulturalistischer Psychoanalyse. Zu ihren wichtigsten Lehrern zählen Abram Kardiner und Lionel Ovesey. Gemeinsam mit Ovesey entwickelte sie in den 1970er Jahren eine Taxonomie für Geschlechtsumwandlungen vom Mann zur Frau, die auf dem Entwicklungsmodell Margaret Mahlers beruhte. Hauptthemen ihrer Veröffentlichungen sind Sexualität, Gender, Liebe, Phantasie und Macht. Besonders bekannt wurde ihr Buch Dreams of Love and Fateful Encounters, in dem sie sich mit der romantischen Liebe auseinandersetzt. Sie weist deren Ursprung in der Kindheit nach und beleuchtet den Bezug der Liebe zu Phantasie und Kreativität sowie ihr Potential zur Überschreitung der Grenzen des Selbst.
Ein von der Psychoanalyse vernachlässigtes Thema ebenso wie die Liebe ist die Macht, mit der Ethel Person sich in jüngerer Zeit beschäftigt hat. Sie definiert Macht als eine angeborene Kraft, durch die wir einerseits zur Selbstbestimmtheit und Beherrschung der äußeren Welt gelangen, andererseits zwischenmenschliche Macht entwickeln.
Ethel S. Person ist mit dem Rechtsanwalt Stanley Diamond verheiratet und hat zwei Söhne, Louis und Lloyd, aus ihrer früheren Ehe mit Barry Sherman. (Artikelanfang)
Irmarita K. Putnam zählte zu den PionierInnen der Bostoner Psychoanalyse. Sie studierte Medizin an der Harvard Medical School und bei Adolf Meyer an der Johns Hopkins Medical School, wo sie 1921 promovierte. Anschließend ging sie mit ihrem späteren Mann, dem Neurologen und Gehirnchirurgen Tracy Jackson Putnam (1894-1975) - ein Neffe des Bostoner Psychoanalytikers James Jackson Putnam -, nach China, wo sie bis 1923 vor allem auf dem Gebiet der Gehirnanatomie arbeitete. 1923/24 lebte sie in Amsterdam und machte hier eine ca. achtmonatige Analyse bei dem Jung-Schüler J. H. van der Hoop.
Mitte der 1920er Jahre kehrten sie und ihr Mann nach Boston zurück, wo beide zunächst im Harvard Experimental Surgical Laboratory des Neurochirurgen Harvey Cushing arbeiteten. 1925 absolvierte Irma Putnam eine einjährige Analyse bei Carl Gustav Jung in Zürich. Nach einer weiteren Analyse bei dem Bostoner Analytiker Ives Hendrick reiste Irma Putnam 1930 nach Wien, um sich ein Jahr lang von Sigmund Freud analysieren zu lassen.
Anfang der 1930er Jahre gehörte sie zu den GründerInnen des Bostoner Psychoanalytischen Lehrinstituts und war von 1932 bis 1933 die erste Vorsitzende des Erziehungs- und Bildungsausschusses der BPSI.
Nach dem Rückzug aus ihrer Praxis lebte Irma Putnam bis zu ihrem Tod in New York. Ihre einzige Tochter Lucy hatte als Jugendliche Selbstmord begangen, zu einer Zeit, als die Ehe ihrer Eltern in die Brüche ging.

Foto: © Boston
Psychoanalytic Society and
Institute Archives
Die in Boston geborene Marian (Molly) Cabot Putnam war die Tochter von James Jackson Putnam, dem Gründer der ersten Boston Psychoanalytic Society, und seiner Frau Marian Cabot. In die Fußstapfen ihres Vaters tretend, studierte sie Medizin an der Johns Hopkins Medical School in Baltimore und erwarb dort 1921 ihren Doktorgrad. Anschließend spezialisierte sie sich als Kinderärztin bei Edwards A. Park an der Yale University School of Medicine und absolvierte zusätzlich ein Jahr in der Psychiatrie bei Adolf Meyer am Johns Hopkins sowie ein weiteres am Boston Children's Hospital. Von 1921 bis 1938 war sie an der Yale University in New Haven tätig, seit Mitte der 1930er Jahre als Assistant Professor für Psychiatrie und Mental Hygiene.
1933 (1929?) reiste Marian Putnam nach Wien, um dort eine psychoanalytische Ausbildung zu machen. Ihre Lehranalytikerin war Helene Deutsch, mit der sie auch befreundet war. 1937 wurde sie Mitglied der Boston Psychoanalytic Society, ein Jahr später ließ sie sich in Boston nieder. Putnams Schwerpunkt war die Kinderanalyse, sie interessierte sich besonders für Störungen während der ersten vier Lebensjahre und erforschte frühe Unterschiede im Verhaltensausdruck emotionaler Zustände. Die kindliche Entwicklung bildete den Schwerpunkt ihrer Vorlesungen an den Medical Schools der Boston und der Harvard University sowie am Massachusetts Institute of Technology und an der Simmons School of Social Work.
1943 gründete sie gemeinsam mit Beata Rank das Children's Center in Roxbury, Massachusetts, wo "atypische" Kleinkinder mit psychotischen Störungen, Kinder mit Entwicklungsstörungen, vaterlose Kinder und Kinder psychotischer Eltern behandelt wurden. Seit 1946 führte das Therapie- und Ausbildungszentrum den Namen James Jackson Putnam Children's Center, dessen Direktorin Marian Putnam bis zu ihrer Pensionierung 1962 war. Sie starb 78jährig an einem Herzinfarkt.

Lore Reich Rubin, die jüngste Tochter von Wilhelm und Annie Reich, wurde in Wien geboren. 1930 zog die Familie nach Berlin, wo Lore und ihre Schwester Eva in einen kommunistischen Kindergarten kamen. Nach der Machtübernahme Hitlers wurden die beiden Mädchen von ihrer Mutter zum Großvater nach Wien geschickt und lebten dort von 1933 bis 1936. 1938 emigrierte Annie Reich mit ihrem zweiten Mann Thomas Rubinstein und ihren Töchtern in die USA nach New York. Ein Jahr später floh auch Wilhelm Reich nach New York.
Nachdem Lore Reich zunächst Geschichte und Psychologie studiert hatte, absolvierte sie ein Medizinstudium an der New York University School of Medicine und graduierte dort 1954. Sie spezialisierte sich in der Psychiatrie und begann 1957 eine psychoanalytische Ausbildung am New York Psychoanalytic Institute. Anschließend wurde sie wie ihre Mutter Mitglied der NYPSI.
1957 heiratete sie den Historiker Julius Rubin (1921-2004), aus ihrer Ehe gingen drei Kinder hervor. Als Rubin 1964 Professor für Wirtschaftsgeschichte an der University of Pittsburgh geworden war, zog die Familie nach Pittsburgh, Pennsylvania. Lore Reich Rubin eröffnete hier eine eigene psychoanalytische Praxis und trat der Pittsburgh Psychoanalytic Society and Institute bei.
Lore Reich Rubin, die vor allem durch Edith Jacobson und deren Objektbeziehungstheorie geprägt wurde, befürwortet einen eklektischen, flexiblen Ansatz in der psychoanalytischen Theorie und Praxis. Ihr besonderes Interesse gilt der Auswirkung von Traumen auf die Entwicklung des Charakters.
Bertha Capen Reynolds, amerikanische Pionierin der Sozialarbeit und frühe Psychoanalytikerin, wurde in Brockton, Massachusetts, als Tochter von Mary Capen und Franklin S. Reynolds geboren. Als sie zwei Jahre alt war, starb ihr Vater, und die Mutter zog mit ihr nach Stoughton, um dort als Lehrerin zu arbeiten.
Bertha Reynolds besuchte von 1904 bis 1908 das Smith College in Northampton, ihre anschließende Unterrichtstätigkeit an der Atlanta University musste sie aus Krankheitsgründen abbrechen. 1912 machte sie eine Psychotherapie bei James J. Putnam, dem Gründer der APsaA, und begann im gleichen Jahr ein zweijähriges Studium an der Boston School for Social Workers (später Simmons College School of Social Work). Nach einer Tätigkeit als Sozialarbeiterin bei der Boston Children's Aid Society absolvierte sie 1917/18 eine Ausbildung an der Training School for Psychiatric Social Work, der späteren Smith College School for Social Work. Dort war sie von 1925 bis 1938 Associate Director und lehrte psychiatrische Sozialarbeit.
In dieser Zeit begann Bertha Reynolds 1927 eine Psychoanalyse bei Frankwood E. Williams, die sie nach fünfjähriger Unterbrechung 1932/33 fortsetzte. Ebenso wie sie als Sozialpädagogin einen marxistischen Ansatz vertrat, versuchte sie Psychoanalyse und Marxismus zu verbinden.
Von 1939 bis 1942 war Reynolds als selbständige Beraterin sozialer Einrichtungen tätig, danach bis 1947 als Supervisorin bei der National Maritime Union. Über diese Arbeit berichtete sie in ihrem Buch Social Work and Social Living. Von 1948 bis 1954 hielt sie an dem von Clara Thompson geleiteten William Alanson White Institute in New York ein Seminar ab über die Beziehung zwischen Sozialarbeit und Psychiatrie.
Bertha Reynolds berief sich auf christliche, marxistische und psychoanalytische Grundlagen. In ihrem Hauptwerk, Learning and Teaching in the Practice of Social Work, das zu den Klassikern auf diesem Gebiet zählt, beschrieb sie den Beitrag von Psychologie und Sozialwissenschaften für die Sozialarbeit.
Janet McKenzie Rioch und ihr älterer Bruder David wurden in Damoh in Indien geboren. Ihre Mutter Minnie Henley war Engländerin, ihr Vater David McKenzie Rioch Kanadier. Die Eltern gehörten der Sekte der Campbelliten an und missionierten in Indien, wo Janet Rioch bis zu ihrem zweiten College-Jahr lebte. Sie beendete ihre College-Ausbildung in den USA und studierte anschließend Medizin an der University of Rochester, wo sie 1930 promovierte. Nach einer Tätigkeit im Forschungslabor von Philip Bard an der Johns Hopkins Universität spezialisierte sie sich am Shepard and Enoch Pratt Hospital in Baltimore als Psychiaterin.
Janet Rioch eröffnete eine Praxis in New York City und war am Presbyterian Hospital und später am Roosevelt Hospital tätig, wo sie Direktorin der Abteilung für Kinder- und Jugendlichenpsychiatrie wurde. In dieser Zeit lernte sie den neofreudianischen Psychiater Harry Stack Sullivan kennen, dessen interpersonalen Ansatz sie übernahm. Auch mit seinen Mitstreiterinnen Frieda Fromm-Reichmann und Clara Thompson freundete sie sich an.
1943 trat sie gemeinsam mit Thompson, Sullivan, Fromm-Reichmann, Erich Fromm und David Rioch aus der von Karen Horney geleiteten Association for the Advancement of Psychoanalysis aus und gründete mit ihnen das New Yorker Institut der Washington School of Psychiatry, seit 1946 William Alanson White Institute. Janet Rioch war hier bis zu ihrem Tod als Lehranalytikerin und Supervisorin tätig. 1956 gehörte sie zu den InitiatorInnen der alternativ zur APsaA gegründeten American Academy of Psychoanalysis und wurde deren erste Präsidentin.
Janet Rioch war seit 1965 mit dem Physiologen Archibald Philip Bard (1898-1977) verheiratet.
Die Kinderanalytikerin Helen Ross stammte aus Independence, Missouri, wo sie als eines von sieben Kinder aufwuchs. Sie studierte von 1907 bis 1911 Latein und Pädagogik an der Universität von Missouri und unterrichtete anschließend fünf Jahre lang als Latein- und Englischlehrerin. 1916 schrieb sie sich für Soziologie und Wirtschaftswissenschaften am Bryn Mawr College ein, brach ihr Graduiertenstudium jedoch ab, um im Auftrag der US Railroad Administration zwei Jahre lang die Arbeitsbedingungen von Eisenbahnarbeiterinnen zu untersuchen. 1920 ging Helen Ross nach London und studierte dort an der London School of Economics.
Durch die Arbeit mit Mädchen in einem Sommercamp, das sie von 1914 an zusammen mit ihrer älteren Schwester leitete, begann sie sich für Psychoanalyse zu interessieren. 1929 ging sie nach Wien und machte eine Analyse bei Helene Deutsch, die ihr "völlige Neurosefreiheit" attestierte. Noch im gleichen Jahr hielt sie zusammen mit August Aichhorn am Wiener Psychoanalytischen Institut ein Seminar ab über die Analyse von Delinquenten und Kriminellen. Ihre kinderanalytische Ausbildung erhielt sie bei Anna Freud, mit der sie auch befreundet war.
1934 kehrte Helen Ross in die USA zurück und eröffnete in Chicago eine Privatpraxis. Sie war Direktorin des Kinderanalyseprogramms am Chicago Psychoanalytic Institute und lehrte als Professorin für Kinderpsychologie an der Universität von Chicago. Durch ihren Einsatz erhielt die von Anna Freud in London geleitete Hampstead Clinic ab 1952 finanzielle Mittel aus der amerikanischen Field Foundation. Helen Ross, die eine der wenigen amerikanischen LaienanalytikerInnen war, kämpfte wie Marianne Kris zeitlebens für die Anerkennung der Kinderanalyse durch die American Psychoanalytic Association.
1956 führte sie mit Bertram D. Lewin im Auftrag der APsaA eine großangelegte Untersuchung über die psychoanalytische Ausbildung in Amerika durch. Ihre kritische Bestandsaufnahme, die sie in ihrem gemeinsamen Buch Psychoanalytic Education in the United States präsentierten, hatte zur Folge, dass viele Institute ihre Ausbildungsprogramme revidierten. Nachdem dieses Projekt beendet war, zog Helen Ross nach Washington, D.C., wo sie als Lehr- und Kontrollanalytikerin des Washington Psychoanalytic Institute tätig war und bis zu ihrem Tod lebte.

Elizabeth Severn wurde als Leota Brown in einer Kleinstadt im Mittelwesten der USA geboren. Sie war ein ängstliches und kränkliches Kind und litt auch als junge Frau unter nervösen Störungen. Leota Brown heiratete um die Jahrhundertwende und bekam 1901 ihre Tochter Margaret. Als ihre Ehe wenige Jahre später scheiterte, änderte sie ihren Namen in Elizabeth Severn und eröffnete eine Heilpraxis als "Metaphysician".
1912 wanderte sie mit ihrer Tochter nach England aus, um sich in London als "Psychotherapeutin" niederzulassen. Sie veröffentlichte ihr erstes Buch Psychotherapy. Its Doctrine and Practice und beschrieb darin ihre Heilerfolge mithilfe positiven Denkens, Visualisierungen und Telepathie. Obwohl sie weder studiert noch promoviert hatte, führte sie einen Doktortitel. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, kehrte sie nach New York zurück, wo sie die nächsten zehn Jahre als Psychotherapeutin arbeitete. Sie litt jedoch unter Alpträumen, Halluzinationen und Depressionen und kam 1924 als hoffnungsloser Fall zu Sándor Ferenczi nach Budapest.
Ihre Analyse bei Ferenczi, von diesem später zur Lehranalyse erklärt, dauerte acht Jahre. Im Fokus standen schwere Traumatisierungen, denen Elizabeth Severn - "R.N." in Ferenczis klinischem Tagebuch - in ihrer Kindheit ausgesetzt war, vor allem der sexuelle Missbrauch durch ihren Vater. Die sehr intensive, Ferenczis Gesundheit strapazierende Behandlung mündete 1930 auf Severns Wunsch in eine wechselseitige Analyse. Dieses psychoanalytische Experiment zeitigte zunächst Erfolge, wurde dann aber immer problematischer, um schließlich 1932 abgebrochen zu werden. Ferenczi erkrankte an perniziöser Anämie und starb 1933.
Danach praktizierte Elizabeth Severn als Laienanalytikerin abwechselnd in London und New York, wo sie sich 1939 endgültig niederließ und bis an ihr Lebensende therapeutisch tätig war. Ihren Ansatz beschrieb sie 1933 in The Discovery of the Self als eine Mischung aus psychoanalytischen und spirituellen Vorstellungen. Sie starb im Alter von 79 Jahren an Leukämie.(Artikelanfang)
Ferenczis Analyse von Elizabeth Severn, die von Sigmund Freud als Ferenczis "böser Geist" bezeichnet wurde, zählt zu den Angelpunkten in der Geschichte der Psychoanalyse. Ihr verdankte Ferenczi u. a. wichtige Erkenntnisse über die Dynamik und Bedeutung realer Sexualtraumen in der Kindheit - was ihn zur Wiederaufnahme der "Verführungstheorie" bewegte - sowie über die Mechanismen der Gegenübertragung. Gemeinsam prägten Severn und Ferenczi den Begriff der "Orpha" für eine von Affekten losgelöste Intelligenz als letzter Schutz in traumatischen Situationen.
Die amerikanische Psychiaterin Rose Spiegel zählte zur ersten Generation der neofreudianischen bzw. kulturalistischen Schule an dem von Harry Stack Sullivan, Erich Fromm und Clara Thompson in New York gegründeten William Alanson White Institut of Psychiatry, Psychoanalysis and Psychology (WAWI). Sie studierte Medizin an der Cornell University in New York und begann 1928 als erste Frau eine Facharztausbildung am New Yorker Mount Sinai Hospital.
Anfang der 1940er Jahre machte sie eine Analyse bei Clara Thompson, eine weitere bei Erich Fromm folgte. 1947 war sie die erste Graduierte des WAWI, wo sie danach als Lehranalytikerin und Supervisorin tätig war. 1962 amtierte sie als Präsidentin der William Alanson White Psychoanalytic Society, und 1964 gründete sie zusammen mit Max Deutscher das Journal of Contemporary Psychoanalysis, das offizielle Organ des WAWI und der William Alanson White Psychoanalytic Society.
Rose Spiegel publizierte seit 1957 mehr als fünfzig psychoanalytische Arbeiten, einen Schwerpunkt bildete dabei das Gebiet der Depressionen, wo sie eine anerkannte Autorität war. Außerdem interessierte sie sich für die Behandlung der Schizophrenie, die Psychologie der Frau sowie ethische und historische Themen. Wie die anderen Kulturalisten berücksichtigte sie auch sie den Einfluss gesellschaftlicher Faktoren auf die individuelle Entwicklung.
In einem Forschungsprojekt über die Psychoanalyse und das Dritte Reich befragte Rose Spiegel gemeinsam mit Gerard Chrzanowski und Arthur Feiner Psychoanalytiker, die während der Nazizeit in Deutschland geblieben waren. Spiegel kam zu dem (umstrittenen) Schluss, dass die Psychoanalyse an dem von dem NSDAP-Mitglied Matthias H. Göring geleiteten Deutschen Institut für Psychologische Forschung und Psychotherapie in Berlin durchaus überleben konnte. (Artikelanfang)
Die aus Polen stammende Malvina Stock schloss ihr Medizinstudium in Lausanne ab und emigrierte nach einem längeren Aufenthalt in Lateinamerika in die USA. Sie ließ sich Anfang der 1940er Jahre in Boston nieder und praktizierte dort als Psychiaterin und Psychoanalytikerin. Sie war Lehranalytikerin und Supervisorin der Boston Psychoanalytic Society and Institute, wo sie als Vorsitzende des Education Committee klassische psychoanalytische Konzepte vertrat.
Malvina Stock war außerdem Mitglied des Committee for Advanced Psychoanalytic Studies an der Princeton University und lehrte am Beth Israel Hospital, am Hall Mercer Children's Center des McLean Hospital in Belmont, an der Simmons School of Social Work sowie an der Boston University School of Social Work.
Mitte der 1970er Jahre gehörte Malvina Stock zu den als "Boston Five" bekannt gewordenen fünf Lehranalytikern des BPSI, die unter der Führung von Robert Gardner die Spaltung der Boston Psychoanalytic Society bewirkten, indem sie das Psychoanalytic Institute of New England East (PINE) gründeten.
Malvina Stock starb im Alter von 65 Jahren an Krebs.

Die in Chicago geborene Helen H. Tartakoff stammte aus einer gebildeten irischen Einwandererfamile. Sie studierte bis 1927 Literatur und Philosophie an der University of Chicago. Auf Empfehlung von Franz Alexander, der sie zu einer psychoanalytischen Ausbildung ermutigte, ging sie 1934 nach Wien und machte dort eine Analyse bei Jenny Wälder. Sie nahm an Anna Freuds Seminar für Kinderanalyse teil und studierte außerdem zwei Jahre lang Medizin an der Wiener Universität.
Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland im Jahr 1938 kehrte sie in die USA zurück, wo sie ihr Medizinstudium an der Tufts University in Boston fortsetzte und 1940 promovierte. Später war sie in der Psychiatrischen Abteilung am Beth Israel Hospital tätig und gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Committee on Advanced Psychoanalytic Study. Helen Tartakoff, die einen ich-psychologischen Ansatz vertrat, war eine bedeutende Lehranalytikerin der Boston Psychoanalytic Society and Institute und leitete mehrere Jahre lang das Technikseminar. Mitte der 1970er Jahre schloss sie sich dem Psychoanalytic Institute of New England East (PINE) an.

Clara Mabel Thompson steht für eine Verbindung der Budapester Schule mit der neofreudianischen bzw. kulturalistischen Psychoanalyse. Sie wurde in Providence, Rhode Island, geboren als das jüngste von zwei Kindern eines erfolgreichen Pharma-Managers und einer streng gläubigen Baptistin. Mit dem Ziel, Missionsärztin zu werden, besuchte sie ab 1912 das Women's College der Brown University und studierte dann ab 1916 Medizin an der Johns Hopkins School of Medicine in Baltimore. Nach ihrem Examen 1920 spezialisierte sie sich in der Psychatrie und wurde Mitarbeiterin von Adolf Meyer an der Phipps Clinic der Johns Hopkins University. Hier begegnete sie 1923 Harry Stack Sullivan, der ihr langjähriger Vertrauter und Freund wurde.
1924 begann Clara Thompson eine Analyse bei dem Freudianer Joseph C. Thompson. Ein Jahr später gab sie ihre Arbeit an der Johns Hopkins University auf und eröffnete eine eigene Praxis in Baltimore. Die Sommer 1928 und 1929 verbrachte sie in Budapest, um sich von Sándor Ferenczi analysieren zu lassen, dessen Anschauungen ihren eigenen entgegenkamen. Wie Ferenczi glaubte sie, dass Störungen der kindlichen Entwicklung durch Unaufrichtigkeit und Lieblosigkeit der Eltern entstehen und nicht, wie Sigmund Freud meinte, aufgrund der Triebdynamik. Ausgehend von Ferenczis Emotionalisierung der analytischen Situation entwickelte Clara Thompson ihre eigene therapeutische Technik, die auf der Überzeugung basierte, dass es in der Analyse eher darauf ankomme, dem Patienten positive Erfahrungen zu vermitteln als Deutungen zu geben.
Durch ihre Analyse bei Ferenczi nahm Clara Thompson eine vermittelnde Rolle zwischen diesem und Harry Stack Sullivan ein, an den sie ihre Budapester Erfahrungen weitergab. Nachdem sie 1930 Präsidentin der Washington-Baltimore Psychoanalytic Society geworden war, lebte Clara Thompson von 1931 bis zu Ferenczis Tod 1933 in Budapest und kehrte danach in die USA zurück. Sie ließ sich in New York nieder und wurde 1936 Mitglied der New York Psychoanalytic Society (NYPS). Gemeinsam mit Karen Horney, Erich Fromm und Harry Stack Sullivan bildete sie eine informelle Gruppe, die sich Zodiac Club nannte.
Als Karen Horney 1941 zum Austritt aus der NYPS gezwungen wurde, verließ Clara Thompson gemeinsam mit ihr die New Yorker Vereinigung und beteiligte sich an der Gründung der Association for the Advancement of Psychoanalysis (AAP). Nach Differenzen mit Horney traten Thompson und Fromm 1943 aus der AAP aus und gründeten zusammen mit Sullivan das New Yorker Institut der Washington School of Psychiatry, seit 1946 William Alanson White Institute. Dieses Institut, dessen Direktorin Clara Thompson bis zu ihrem Tod war, vertritt eine Theorie, die auf Sullivans interpersonaler Psychiatrie und Fromms sozialpsychologischem Ansatz beruht. Danach spielen kulturelle Einflüsse, nicht die Triebstruktur, eine entscheidende Rolle in der psychischen Entwicklung. (Artikelanfang)
Clara Thompson, die sich - inspiriert durch Karen Horney - besonders für die psychische Entwicklung von Frauen interessierte, war in den 1940er und 1950er Jahren die einzige Vertreterin der interpersonalen kulturalistischen Schule, die deren Annahmen konsequent auf Frauen übertrug. In ihrem Aufsatz The role of women in this culture stellte sie 1942 die zentrale Rolle des Penisneids in der Freudschen Weiblichkeitstheorie in Frage: Die Probleme einer emanzipierten, berufstätigen "modernen" Frau rührten nicht aus dem ihr unterstellten Motiv des Penisneids her, sondern aus einem Konflikt mit den traditionellen sozialen Institutionen. Entgegen Horneys späterer Auffassung, dass es keine speziellen kulturell bedingten Neurosen von Frauen gäbe, bestand Thompson in ihrem Aufsatz Cultural pressures in the psychology of women darauf, dass Frauen aufgrund ihrer biologischen Funktion und gesellschaftlichen Rolle mit anderen Problemen konfrontiert werden als Männer.
In den 1950er Jahren starb Clara Thompsons Lebensgefährte, ein aus Ungarn emigrierter Künstler. Sie selbst erkrankte an Krebs, dem sie schließlich erlag.
Annemarie P. Weil kam in Berlin als Tochter jüdischer Eltern zur Welt. Sie studierte Medizin und promovierte 1935 in Basel. 1937 heiratete sie den Psychoanalytiker Frederic S. Weil (1900-1959), aus ihrer Ehe ging ihre Tochter Susan Caroline hervor.
Die Weils emigrierten 1940 von der Schweiz in die USA, wo sie sich in New York niederließen. Annemarie Weil absolvierte eine Ausbildung am New York Psychoanalytic Institute, die sie 1949 abschloss. Seit 1959 war sie als Lehr- und Kontrollanalytikerin des Instituts tätig und zählte zu dessen einflussreichsten Mitgliedern.
Annemarie Weil spezialisierte sich in der Kinderpsychiatrie. Sie war Junior Psychiatrist am New Yorker Bellevue Hospital, Senior Psychiatrist am Child Development Center und lehrte am Columbia University Center for Psychoanalytic Training and Research. Außerdem betrieb sie eine Privatpraxis in Manhattan.
Ihr Schwerpunkt waren Reifungstheorien. Annemarie Weil interessierte sich besonders für die neurologischen und organischen Aspekte der kindlichen Entwicklung. In ihrer bekanntesten Arbeit behandelte sie den "psychischen Urkern", der sich beim Kleinkind noch vor dem Eintritt in die symbiotische Phase herausbilde.

Ruth Maria Wilmanns wurde in Heidelberg geboren, sie war die Tochter des Psychiatrieprofessors Karl Wilmanns, der 1933 seinen Lehrstuhl verlor, weil er in einer Vorlesung Hitler als Hysteriker bezeichnet hatte. Ruth Wilmanns begann 1930 in Heidelberg ein Medizinstudium, das sie in München, Innsbruck und Stockholm fortsetzte und schließlich in der Schweiz beendete. 1935 promovierte sie in Basel. Nachdem sie kurze Zeit in einem Krankenhaus in Istanbul gearbeitet hatte, erlernte sie in der Berner Psychiatrischen Klinik Münsingen die Insulinschockbehandlung von Schizophrenen. 1937 emigrierte sie in die USA, wo sie als Assistenzärztin von Adolf Meyer in der psychiatrischen Phipps-Klinik am Johns Hopkins Hospital in Baltimore arbeitete und dort die Insulintherapie einführte.
1939 heiratete sie ihren Kollegen Theodore Lidz (1910-2001), aus ihrer Ehe gingen drei Söhne hervor. Die lebenslange Zusammenarbeit von Ruth und Theodore Lidz setzte in den 1940er Jahren mit der Untersuchung der familiären Bedingungen von Schizophrenen ein, gemeinsam verfassten sie zahlreiche Aufsätze. 1943 begann Ruth Lidz eine psychoanalytische Ausbildung am Washington-Baltimore Psychoanalytic Institute, ihr erster Analytiker war Lewis Hill, eine weitere Analyse machte sie bei Frieda Fromm-Reichmann. 1947 wurde sie Mitglied der Washington-Baltimore Psychoanalytic Society und der APsaA, später der Western New England Psychoanalytic Society.
1951 zog das Ehepaar Lidz nach New Haven, Connecticut, wo Ruth Wilmanns Lidz als Assistenzprofessorin und seit 1965 als Professorin für Psychiatrie an der Yale University School of Medicine lehrte. Wie ihr Mann wurde sie vor allem durch ihre Arbeit mit Schizophrenen bekannt. Außerdem befasste sie sich mit emotionalen Problemen, die mit Abtreibung, Schwangerschaft, Empfängnisverhütung und Unfruchtbarkeit zusammenhängen, und führte Beratungen von Gynäkologen und Geburtshelfern durch.
Nach einer Reise in den Südpazifik veröffentlichten Ruth und Theodore Lidz mehrere Arbeiten über Mannbarkeitsriten in Papua-Neuguinea, aus denen 1989 ihr gemeinsames Buch Oedipus in the Stone Age hervorging. (Artikelanfang)
Martha Wolfenstein wurde in Cleveland, Ohio, geboren, ihre Eltern Leo Wolfenstein und Anna Koppel stammten beide aus jüdischen Einwandererfamilien. Ihre Mutter starb, als Martha noch ein Kind war. Martha Wolfenstein besuchte das Radcliffe College für Frauen, studierte in Harvard Kunstwissenschaft und promovierte 1939 über Taine's philosophy of art. 1944 machte sie an der Columbia University in New York den Magister in Psychologie und arbeitete danach als Schulpsychologin.
Ihre psychoanalytische Ausbildung erhielt sie zwischen 1948 und 1953 am New York Psychoanalytic Institute, ihr Lehranalytiker war der aus Wien emigrierte Analytiker und Kunsthistoriker Ernst Kris. Martha Wolfenstein ließ sich als Kinderpsychotherapeutin und Psychoanalytikerin in New York nieder, gehörte aber, da sie Laienanalytikerin war, keiner Organisation der APsaA an. Sie war eine anerkannte Lehrerin und gesuchte Supervisorin und veranstaltete jahrelang am Albert Einstein College of Medicine ein wöchentliches Fallseminar.
Ihr Interesse galt besonders Kindern, die unter dem Verlust eines primären Objekts leiden. In ihren klassischen Studien zu diesem Thema, How is mourning possible?, Loss, rage, and repetition und The image of the lost parent, zeigte sie, dass Kinder auf den Tod eines Elternteils mit einer Ich-Spaltung reagieren, indem sie seinen Tod zwar verbal anerkennen, auf einer tieferen Phantasie- und Verhaltensebene jedoch leugnen. Statt das verlorene Objekt nach und nach aufzugeben, besetzen sie es umso intensiver.
Ein weiterer Schwerpunkt Martha Wolfensteins war die psychoanalytische Auseinandersetzung mit kulturellen Werten. Gemeinsam mit der Anthropologin Margaret Mead gab sie 1955 das Buch Childhood in Contemporary Cultures heraus, wo sie z. B. in ihrem Aufsatz French parents take their children to the park französische und amerikanische Kindheitsbilder verglich. Berühmt wurde ihr zusammen mit Nathan Leites verfasstes Buch Movies, eine psychoanalytisch inspirierte Untersuchung der Ängste, Träume und Hoffnungen in amerikanischen, britischen und französischen Kinofilmen der 1940er-Jahre.
Martha Wolfenstein starb in New York an einem Krebsleiden.
Elizabeth R. Zetzel wurde in New York als Tochter des Juristen James N. Rosenberg und seiner Frau Babette geboren. Sie besuchte bis 1928 das Smith College, begann anschließend ein Studium an der London School of Economics und wandte sich dann der Medizin zu. Sie spezialisierte sich in der Psychiatrie und arbeitete nach ihrer Approbation am Maudsley Hospital in London.
Ihre psychoanalytische Ausbildung erhielt sie während der 1930er Jahre in London, wo sie eine Lehranalyse bei Ernest Jones machte und Mitglied der British Psycho-Analytical Society wurde. In der Freud-Klein-Kontroverse der 1940er Jahre nahm sie eine vermittelnde Position ein. Als ihren wichtigsten Lehrer bezeichnete sie Donald Woods Winnicott.
1944 heiratete Elizabeth Rosenberg den Londoner Psychiater Eric Guttman, 1947 wurde ihr Sohn James Eric geboren. Nach dem Tod Guttmans heiratete sie 1949 den Amerikaner Louis Zetzel (1909-1993), der Professor für Gastroenterologie war, und kehrte noch im gleichen Jahr mit ihm in die USA zurück. Sie ließen sich in Boston nieder, wo ihre beiden Töchter Ellen und Judy zur Welt kamen. Elizabeth Zetzel wurde Mitglied und Lehranalytikerin der Boston Psychoanalytic Society und lehrte während der 1960er Jahre an der Harvard Medical School. Von 1961 bis 1965 war sie Sekretärin, danach Vizepräsidentin der IPA. Trotz ihrer Zweifel an Melanie Kleins theoretischen Positionen setzte sie sich dafür ein, dass deren klinische Ergebnisse in den USA rezipiert wurden.
Der Schwerpunkt ihrer Arbeit lag auf der Hysterie- und der Depressionsforschung. Die Fähigkeit, Depression und Angst zu ertragen, bedeutete für sie ein wichtiges Maß für die Ich-Stärke. Mit Zetzels Namen ist besonders der Begriff des "therapeutischen Bündnisses" assoziiert. Damit ist die aktive, therapiefördernde Kooperation des Patienten mit dem Analytiker gemeint, deren Ursprünge Zetzel in der Phase der Entstehung des Urvertrauens während der frühen Mutter-Kind-Interaktionen verortet.
Eine Auswahl ihres Lebenswerks bietet der Band The Capacity for Emotional Growth. Bis zu ihrem vorzeitigen Tod leitete Elizabeth Zetzel ein Projekt, das die Ausweitung psychoanalytischer Erkenntnisse auf die Psychotherapie allgemein erforschte. (Artikelanfang)