|
Ada Berna-Citroen Elisabeth C. M. Frijling-Schreuder Elisabeth Geleerd Loewenstein (Österreich) Hendrika C. Halberstadt-Freud Jeanne Lampl-de Groot Maria Moltzer Nel Tibout |
Ada Citroen machte bei Anna Freud in Wien eine Ausbildung zur Kinderanalytikerin und war Mitglied der Nederlandse Vereniging voor Psychoanalyse. 1940 heiratete sie in Amsterdam den Schweizer Kinderanalytiker Jacques Berna. Zwei Tage vor dem Einmarsch der Deutschen in Holland flohen beide zunächst nach Frankreich, wo sie vergeblich auf ein amerikanisches Visum warteten und schließlich in die Schweiz emigrierten. Ada und Jacques Berna ließen sich in Zürich nieder und eröffneten in Klosters ein therapeutisches Kinderheim. Ada Berna-Citroen wurde in die Schweizerische Gesellschaft für Psychoanalyse aufgenommen. Nach der Geburt ihres Sohnes Tommy Ende 1942 erkrankte sie schwer und starb im darauf folgenden Jahr.
Die in Amsterdam geborene Schriftstellerin und Kinderpsychiaterin Elisabeth Catharina Margaretha (Bets) Frijling-Schreuder trat kurz nach 1945 in die Nederlandse Vereniging voor Psychoanalyse (NVP) ein. Ihre psychoanalytische Ausbildung erhielt sie bei Jeanne Lampl-de Groot. Sie studierte in Amsterdam Medizin und promovierte 1955 über das Thema Preventie van neurotische gezinsrelaties [Prävention neurotischer Familienbeziehungen]. Von 1960 an veranstaltete sie im Rahmen der NVP regelmäßig ein Seminar über Kinderanalyse, 1966 wurde dann ein spezieller Ausbildungsgang für Kinderpsychoanalyse in der holländischen Vereinigung eingerichtet. Elisabeth Frijling-Schreuder war Leiterin der von Nel Tibout gegründeten Erziehungsberatungsstelle Medisch Opvoedkundig Bureau (MOB) in Amsterdam und seit 1965 Professorin für Kinderpsychiatrie an der Universität Amsterdam.

Hendrika Clara (Iki) Freud [nicht verwandt mit Sigmund Freud] wurde in Amsterdam als Tochter ungarisch-jüdischer Einwanderer geboren. Sie studierte Psychologie und arbeitete während der 1960er Jahre als leitende Psychologin am Fachbereich Kinderpsychiatrie der Universität Amsterdam. Gleichzeitig machte sie eine psychoanalytische Ausbildung und wurde Mitglied der Nederlandse Vereniging voor Psychoanalyse, für die sie neben ihrer Privatpraxis in Amsterdam als Lehranalytikerin und Supervisorin tätig ist. 1979 promovierte sie über Het Sadomasochisme. Proust en Freud.
Hendrika Freud war in erster Ehe mit Victor Halberstadt (*1939) verheiratet, der an der Universität Leiden als Professor für Volkswirtschaft lehrt und von dem ihre Tochter Jutka und ihr Sohn Yuri stammen. Nach der Scheidung von Halberstadt heiratete sie den holländischen Oboisten Han De Vries (*1941).
Bekannt wurde Hendrika Halberstadt-Freud vor allem durch ihr Buch Elektra versus Ödipus, in dem sie, inspiriert durch den Mythos der Elektra, eine eigene Version des weiblichen Ödipiskomplex entwirft. Für Halberstadt-Freud verkörpert die Tochter Agamemnons, die aus Hass gegen ihre Mutter ihren Bruder Orest zum Muttermord anstiftet, das Drama der Mutter-Tochter-Beziehung. Eine ihrer zentralen Thesen ist, dass dem Mädchen die Trennung von der Mutter, der sie psychisch wie anatomisch gleicht, nie vollständig gelingt. Die Problematik der Tochter bestehe daher in einer lebenslangen Gratwanderung zwischen den Extremen eines mörderischen Hasses auf die Mutter und der vollkommenen Symbiose mit ihr.

Jeanne (Adriana) de Groot wurde in Schiedam in Holland als dritte von vier Töchtern einer reichen, gebildeten und sozial engagierten Familie geboren. Ihr Vater Michaël Coenradus Maria de Groot war Kaufmann und Leiter einer kooperativen Druckerei, ihre Mutter Henriette Dupont beschäftigte sich mit Musik und Literatur. 1914 begann Adriana de Groot ein Medizinstudium an der Universität Leiden und promoverte 1921 in Amsterdam.
1922 ging sie nach Wien, um bis 1925 eine Analyse bei Sigmund Freud zu machen, mit einer Nachtragsanalyse 1931. Jeanne de Groot wurde eine enge Vertraute Freuds und war Trägerin eines seiner berühmten Ringe. Gleichzeitig zu ihrer Ausbildung bei der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung (WPV) praktizierte sie an der psychiatrischen Klinik von Julius Wagner-Jauregg. Auf Freuds Anraten ging sie 1925 nach Berlin, um dort ihre psychoanalytische Ausbildung abzuschließen. Hier lernte sie den östereichisch-jüdischen Psychoanalytiker Hans Lampl (1889-1958) kennen und heiratete ihn 1925. 1926 und 1928 wurden ihre beiden Töchter geboren.
1925 wurde Jeanne Lampl-de Groot Mitglied der Nederlandse Vereniging voor Psychoanalyse (NVP). Außerdem war sie von 1926 bis 1933 Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft und lehrte am Berliner psychoanalytischen Institut. Nach Hitlers Machtübernahme kehrte sie nach Wien zurück und wurde in die WPV aufgenommen, für die sie bis 1938 als Lehr- und Kontrollanalytikerin tätig war. Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland emigrierte sie ein weiteres Mal mit ihrer Familie, zunächst nach Den Haag, dann nach Amsterdam. Nachdem sich die NVP nach der deutschen Besetzung Hollands 1941 aufgelöst hatte, setzte Jeanne Lampl-de Groot ihre Tätigkeit in der geheimen Amsterdamschen Psychoanalytischen Werkgroep fort.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete sie 1946 gemeinsam mit ihrem Mann und anderen Kollegen das Psychoanalytische Institut in Amsterdam und organisierte 1950 die erste europäische Zusammenkunft der Psychoanalytiker nach dem Zweiten Weltkrieg. 1958 wurden sie und ihr Mann in einen schweren Autounfall verwickelt, bei dem Hans Lampl ums Leben kam. Jeanne Lampl-de Groot überlebte und war bis in ihr hohes Alter als Analytikerin in Amsterdam tätig.
Geprägt durch die Ich-Psychologie Anna Freuds und Heinz Hartmanns, galt das Interesse Jeanne Lampl-de Groots neben der Kinderanalyse besonders dem Narzissmus und der Entwicklung der Weiblichkeit. Bereits in ihrer ersten psychoanalytischen Veröffentlichung setzte sie sich mit der Entwicklungsgeschichte des Ödipuskomplexes der Frau auseinander. In Übereinstimmung mit Sigmund Freud vertrat sie die Ansicht, dass sich bis zur phallischen Phase die Kinder beiderlei Geschlechts im Psychischen gleich entwickeln. Die psychische Differenz entstehe erst mit der Entdeckung der unterschiedlichen Geschlechtsorgane, was beim Mädchen Minderwertigkeitsgefühle und die Wendung von der aktiven Mutter- zur passiven Vaterbeziehung zur Folge hat. Der Unterschied zwischen Mann und Frau beruht daher, wie sie in ihrem Aufsatz Zu den Problemen der Weiblichkeit ausführte, auf dem Unterschied zwischen Aktivität und Passivität. (Artikelanfang)

Maria Moltzer war eine Vertreterin der Analytischen Psychologie, die C. G. Jung nach seinem Bruch mit Sigmund Freud 1913 begründete. Sie stammte aus einer reichen holländischen Industriellenfamilie, der das Unternehmen Bols-Spirituosen gehörte. Wohl um sich von ihrer Herkunft zu distanzieren, führte sie ein bescheidenes, asketisches Leben. Aus Protest gegen den Missbrauch von Alkohol wurde sie Krankenschwester. Um 1910 ging sie nach Zürich, um sich von Carl G. Jung in der Psychiatrie ausbilden zu lassen. Sie arbeitete als Assistentin am Burghölzli und war im Kreise C. G. Jungs für Kinderanalysen zuständig.
1911 nahm sie am Internationalen Psychoanalytischen Kongress in Weimar teil. 1913 eröffnete sie in Zürich eine eigene Praxis. Eine enge berufliche Beziehung verband Maria Moltzer mit Franz Riklin, der als ihr Lehrer Jung ablöste. Mitte der 1920er Jahre verließ sie Zürich und kehrte nach Holland zurück, wo sie für den Rest ihres Lebens ansässig war und eine Praxis betrieb.
Maria Moltzer inspirierte Jung nicht nur zur Ausformulierung seines Konzepts von der Anima, der Personifikation des Weiblichen im Unbewussten des Mannes. Auf sie geht auch die Einführung des intuitiven Typus neben dem intro- und dem extravertierten Typus zurück, sowie die Formulierung einer Tendenz zur Individualisierung neben den kollektiven Tendenzen der Intro- und Extraversion.
Die in Zwolle geborene Petronella Hendrica Catharina (Nel) Tibout war eine Pionierin der Kinderanalyse in Holland. Sie studierte Medizin in Amsterdam und Groningen und spezialisierte sich an der Valerius Klinik in Groningen als Kinderpsychiaterin. Sie absolvierte eine psychoanalytische Ausbildung und wurde Mitglied der Nederlandse Vereniging voor Psychoanalyse. 1928 gründete sie nach dem Vorbild der amerikanischen Child Guidance Clinic die erste psychoanalytische Erziehungsberatungsstelle in Amsterdam, das Medisch Opvoedkundig Bureau (MOB), dessen Leiterin sie bis 1948 war. Nel Tibout führte außerdem die Milieutherapie in die Ausbildung psychiatrisch ausgerichteter Sozialarbeiter ein.
Nachdem sie 1948 ihre Doktorarbeit über die Psychotherapie von Kindern mit Verhaltensstörungen publiziert hatte, zog sich Nel Tibout aus der MOB-Arbeit zurück. 1951 übersiedelte sie in die USA und war bis 1962 als Lehranalytikerin an der Menninger-Klinik in Topeka tätig.