Psychoanalytikerinnen. Biografisches Lexikon

Psychoanalytikerinnen in Ungarn

Geschichte

Alice Balint
Charlotte Balkányi
Therese Benedek (Deutschland)
Margit Dubovitz
Judith Dupont (Frankreich)
Izette de Forest (USA)
Edit Gyömröi
Lilly Hajdu
Fanny Hann-Kende
Alice Hermann
Margit Herz (Österreich)
Erzsébet Kardos
Melanie Klein (England)
Vilma Kovács
Barbara Lantos (England)
Klara Lázár-Gerö (Australien)
Kata Lévy
Lucy Liebermann
Magda Ligeti
Vera Ligeti (Österreich)
Margaret Mahler (USA)
Julia Mannheim (England)
Livia Nemes
Erzsébet Révész Radó
Vera Roboz (Australien)
Lillian Rotter
Clara Thompson (USA)
Maria Torok (Frankreich)
Katarina Vértes (Skandinavien)
Lilla Wagner
Rosa Walk (Österreich)

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Nach dem Anschluss Österreichs 1938 an das Deutsche Reich emigrierte Edit Gyömröi mit ihrem leukämiekranken Ehemann, dem Journalisten László Újvári (1900-1940), über Triest nach Ceylon. Nach Újváris Tod heiratete sie 1941 Evelyn Frederick Charles (Lyn) Ludowyk (1906-1985), einen Anglistikprofessor an der Universität Colombo. Sie praktizierte als einzige Psychoanalytikerin in Ceylon, bis sie 1956 mit ihrem Mann nach London übersiedelte. Hier wurde sie Mitglied der British Psycho-Analytical Society und Mitarbeiterin Anna Freuds an der Hampstead Clinic. In den 1970er Jahren unterstützte Edit Ludowyk-Gyömröi den Wiederaufbau der ungarischen Psychoanalyse und deren Integration in die Internationale Psychoanalytische Vereinigung. Sie war bis zu ihrem achtzigsten Lebensjahr in London als Lehranalytikerin tätig.
Theoretisch hat sich Edit Gyömröi, die einen Gedichtband und mehrere unveröffentlichte Romane verfasste, nur wenig geäußert. In ihrem bekanntesten Aufsatz über Die Psychoanalyse eines jungen Konzentrationslageropfers berichtete sie über den Fall einer Jüdin, die in einer Kindergruppe Auschwitz überlebt hatte und als Jugendliche unter Identitätsproblemen litt.


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Lilly Hajdu war eine der ersten AnalytikerInnen, die einen Ursachenzusammenhang zwischen der psychodynamischen Konstellation einer Familie und der Entstehung von Schizophrenie herstellte und für die Ergänzung der Einzelanalyse durch eine Familien- und Gruppentherapie plädierte. In ihrem 1940 erschienenen Aufsatz Contributions to the etiology of schizophrenia stellte sie die These auf, dass eine der Ursachen von Schizophrenie in traumatischen Hungererfahrungen im Säuglingsalter zu suchen sei. Sie hob die Rolle zweier wichtiger Entstehungsfaktoren für die Schizophrenie hervor: den kalten sadistischen Charakter der Mutter und die passive Indifferenz des Vaters.
Hajdus Ansicht nach ist die Schizophrenie mithilfe der Prinzipien der aktiven Technik Ferenczis heilbar, zu denen die Aufgabe der Distanziertheit des Analytikers und das Mitvollziehen regressiver Kommunikationsformen zählt. Die wichtigsten Komponenten der psychoanalytischen Behandlung von Schizophrenen beschrieb sie in ihrem 1933 publizierten Aufsatz zur Analyse der Schizophrenie.


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1938 emigrierte Fanny Hann-Kende in die USA und wurde Mitglied und Lehranalytikerin der New York Psychoanalytic Society and Institute. Von 1948 an bis zu ihrem Tod war sie an der Columbia-Universität in der Psychiatrie und der Psychoanalytic Clinic for Training and Research tätig. Zu ihren Lehranalysandinnen zählte damals Ruth Easser.
Fanny Hann-Kende starb kurz vor ihrem 61. Geburtstag an Darmkrebs.



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In ihrem 1947 erschienenen Hauptwerk Emberré nevelés [Erziehung zum Menschen], das auf einer Reihe von Vorträgen basiert, richtete sich Alice Hermann gegen die Forderung der traditionellen Erziehung nach absolutem Gehorsam. Stattdessen plädierte sie dafür, Kinder ernst zu nehmen und als gleichrangige Wesen zu behandeln.



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Mit dem Erstarken des Faschismus in Ungarn begann der Exodus der ungarischen Analytiker. Nachdem ihre Tochter Alice Balint ihre Flucht nach England nur um drei Monate überlebt hatte, folgte Vilma Kovács 1940 einer Einladung von Marie Bonaparte nach Paris, kehrte jedoch noch im gleichen Jahr nach Budapest zurück. Körperlich und seelisch mitgenommen, erkrankte sie an einem Nierenleiden und starb ein Jahr nach ihrer Tochter.


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Wegen einer schweren Erkankung ihres Mannes litt Lillian Rotter in ihren letzten Lebensjahren unter Depressionen. Sie überlebte ihn um zwei Jahre und starb mit 85 Jahren an Altersschwäche.


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© 2007-2012 Brigitte Nölleke