
Anny Angel-Katan wurde in Wien geboren als Tochter des jüdischen Kinderarztes Ludwig Rosenberg und seiner Frau Judith Rie. Ihr Vater war ein Tarockfreund Sigmund Freuds und sie selbst eine Kinderfreundin Anna Freuds. Nach der Matura 1917 studierte Annie Rosenberg in Wien Medizin und promovierte 1923 zum Doktor der Gesamten Heilkunde. 1926 heiratete sie den Rechtsanwalt Otto Angel. Ihre Ehe, aus der ihr Sohn Klaus hervorging, wurde nach zwei Jahren wieder geschieden.
Ihre psychoanalytische Ausbildung erhielt sie bei Max Eitingon in Berlin, bei Theodor Reik und Wilhelm Reich. 1925 wurde sie ordentliches Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung, das Thema ihres ersten Referats lautete Einige Beobachtungen an einem Kinde. Abgeschlossen hat sie ihre Lehranalyse 1934 bei Anna Freud. Von 1929 an arbeitete sie in der von Wilhelm Reich und Marie Frischauf gegründeten Sozialistischen Gesellschaft für Sexualberatung und Sexualforschung und führte gemeinsam mit Annie Reich und Edith Buxbaum Beratungen bei sexuellen Problemen durch. Sie spezialisierte sich auf die Kinderanalyse und beteiligte sich an Lehrveranstaltungen des Wiener Psychoanalytischen Instituts.
Annie Angel war Mitglied der KPÖ, seit 1934 im antifaschistischen Widerstand aktiv und wie Muriel Gardiner Kurierin der Revolutionären Sozialisten. 1936 emigrierte sie nach Holland und heiratete ein Jahr später den holländischen Arzt und Psychoanalytiker Maurits Katan (1897-1977). 1939 wurde ihre Tochter Anna Marie geboren. Seit 1937 arbeitete Anny Angel-Katan als Lehranalytikerin am Psychoanalytischen Institut in Den Haag. Auch in Holland engagierte sie sich im Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Während sie selbst durch falsche Papiere geschützt war, musste ihr Mann zeitweilig im Versteck leben.
Nach Kriegsende wanderte Anny Angel-Katan mit ihrer Familie in die USA aus und ließ sich in Cleveland, Ohio nieder. Als Mitglied der Detroit Psychoanalytic Society versammelte sie einen Kreis "importierter" Absolventen von Anna Freuds Hampstead Child Therapy Course um sich und begründete so die kinderanalytische Bewegung in Cleveland. Neben ihrer Lehrtätigkeit, u. a. als Professorin für Kinderpsychoanalyse an der Universitätskinderklinik in Ohio, beteiligte Anny Katan sich am Aufbau eines psychoanalytischen Instituts in Cleveland und gehörte 1957 zu den Gründungsmitgliedern der Cleveland Psychoanalytic Society. (Artikelanfang)
1950 gründete sie in Cleveland die Therapeutic Nursery School (später: Hanna Perkins Center for Child Development). Hier entwickelte sie eine neue Behandlungsform für Kinder im Vorschulalter, bei der deren Eltern miteinbezogen wurden. Gemeinsam mit ihrer Cousine Marianne Kris und anderen bildete sie 1962 eine eigene Interessengruppe für KinderanalytikerInnen innerhalb der APsaA. Für ihre Arbeit mit schwer erziehbaren Kindern wurde Anny Katan vom Weißen Haus geehrt.
Die Psychiaterin und Psychoanalytikerin Gottfriede (Friedl) Aufreiter wurde in Wien geboren und wuchs dort im Stadtteil Neubau auf, wo ihre Eltern Inhaber eines Gasthauses waren. Friedl Zwickl studierte Medizin an der Wiener Universität, promovierte dort 1939 und arbeitete von 1940 bis 1946 in der Ambulanz der psychiatrisch-neurologischen Universitätsklinik in Wien. 1939, ein Jahr nach dem "Anschluss" Österreichs an Hitler-Deutschland, wurde sie Ausbildungskandidatin der Wiener Arbeitsgemeinschaft des Deutschen Instituts für psychologische Forschung und Psychotherapie ("Göring-Institut") und machte von 1939 bis 1941 bei August Aichhorn ihre Lehranalyse.
1942 heiratete sie ihren Kollegen Johann (Hans) Aufreiter (1916-2001), der gleichzeitig mit ihr sein Medizinstudium abgeschlossen und eine psychotherapeutische Ausbildung absolviert hatte. Aus ihrer Ehe gingen drei Töchter hervor. 1946 wurde Friedl Aufreiter wie ihr Mann Mitglied der nach Kriegsende wieder gegründeten Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. Sie arbeitete als Analytikerin in freier Praxis, während Hans Aufreiter Ausbildungsseminare der WPV abhielt.
Wegen der politisch und ökonomisch instabilen Situation in Europa wanderten die Aufreiters 1954 nach Kanada aus und ließen sich in Montreal nieder. Sie wurden Mitglieder und Lehranalytiker der British Psycho-Analytical Society (BPAS), unter deren Schirmherrschaft sie 1955 zusammen mit dem ehemaligen BPAS-Präsidenten W. Clifford M. Scott in Montreal ein Lehrinstitut der Canadien Psychoanalytic Society aufzubauen begannen. In Ermangelung kanadischer Lehranalytiker erhielten alle KandidatInnen damals ihre Ausbildung bei Scott oder den Aufreiters. 1971 zog Friedl Aufreiter mit ihrem Mann nach London, Ontario, wo sie im Alter von 87 Jahren starb.
Grete Bibring-Lehner wurde in Wien geboren, ihre Eltern, der sozialdemokratische Fabrikant Moritz Lehner und seine Frau Victoria Stengel, gehörten der intellektuellen jüdischen Wiener Oberschicht an. Grete Lehner studierte ab 1918 in Wien Medizin und organisierte 1919 gemeinsam mit ihren Studienkollegen, den späteren Psychoanalytikern Otto Fenichel, Wilhelm Reich und Edward Bibring, das "Wiener Seminar für Sexologie". In diesem Seminar, in dem psychoanalytische Thesen zur Sexualität diskutiert wurden, hielt sie 1920 ihren ersten Vortrag über den sexuellen Ursprung der Sprache. Ein Jahr später heiratete sie Edward Bibring (1894-1959), der aus einer jüdischen Familie in Galizien stammte.
Noch während des Studiums, das sie 1924 abschloss, machte Grete Bibring-Lehner eine Lehranalye bei Hermann Nunberg. 1925 wurde sie Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. In den folgenden Jahren spezialisierte sie sich in Psychiatrie und Neurologie bei Julius Wagner-Jauregg und Emil Mattauschek. Sie hielt Sprechstunden am Ambulatorium des Wiener Psychoanalytischen Instituts ab und war seit 1934 Mitglied im Lehrausschuss der WPV. 1933 erschien ihre erste psychoanalytische Veröffentlichung Über die phallische Phase und ihre Störungen beim Mädchen.
Grete und Edward Bibring eröffneten Ende der 1920er Jahre eine gemeinsame Privatpraxis in Wien. Beide nahmen regelmäßig an Helene Deutschs psychoanalytischem Debattier- und Kartenclub "Zur Schwarzen Katze" teil. 1929 und 1931 wurden ihre beiden Söhne geboren.
1938, nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland, emigrierte Grete Bibring mit ihrer Familie nach England und arbeitete dort als Lehranalytikerin der British Psycho-Analytical Society. Drei Jahre später übersiedelten die Bibrings nach Boston, wo Grete Bibring Mitglied und Lehranalytikerin der Boston Psychoanalytic Society wurde, deren Präsidentin sie von 1955 an war.
Grete Bibring war eine gefragte Lehranalytikerin, sie verkörperte für die Amerikaner den Inbegriff der humanistisch gebildeten Wiener Freudianerin. Mit ihren zwischen 1957 und 1962 durchgeführten Forschungen zur psychologischen Bedeutung der Schwangerschaft und der Mutter-Kind-Beziehung leistete sie einen wichtigen Beitrag zur Psychologie der Frau.
Ihre Lehrtätigkeit erstreckte sich neben psychiatrischen Fächern auch auf klinische Psychologie und Sozialarbeit. Sie unterrichtete am Bostoner Simmons College, School of Social Work, und leitete von 1946 bis 1965 die Psychiatrische Abteilung des Beth Israel-Hospital. 1961 erhielt sie als erste Frau eine Professur für Psychiatrie an der Harvard Medical School. Ein Jahr später wurde sie zur Präsidentin der APsaA gewählt, und von 1959 bis 1963 amtierte sie als Vizepräsidentin der IPA. (Artikelanfang)
Nach ihrer Pensionierung hielt sie noch mehrere Jahre lang am Radcliffe Institute ein Seminar ab über Probleme der weiblichen Erziehung und der beruflichen Karriere von Frauen. Sie starb im Alter von 78 Jahren an den Folgen einer schweren Gehirnblutung.
Hedwig Bolterauer wurde in Berlin geboren, wo ihr Vater Inhaber eines Delikatessengeschäfts und königlich-preußischer Hoflieferant war. Ihre Mutter war Sängerin. Sie studierte Philosophie und Psychologie in Berlin und Wien, wo sie 1927 an dem von Karl Bühler geleiteten Psychologischen Institut über Die Sprache des Jugendlichen im Tagebuch promovierte. In dieser von Charlotte Bühler angeregten Untersuchung entwickelte Hedwig Fuchs eine Methode der Sprachanalyse, welche die Identifizierung und Qualifizierung von Autoren und Texten ermöglichen sollte. Sie verglich echte und fiktive Jugendtagebücher und wies nach, dass das von Hermine Hug-Hellmuth herausgebene Tagebuch eines halbwüchsigen Mädchens eine Fälschung war.
Sie unterrichtete ein Jahr lang an einer Frauenoberschule, bevor sie den österreichischen Mittelschullehrer Lambert Bolterauer (1903-2000) kennenlernte und 1929 heiratete. 1931 wurde ihre Tochter geboren, 1935 und 1938 folgten zwei Söhne. Von 1930 bis 1931 absolvierte Hedwig Bolterauer eine Ausbildung zur Bibliothekarin an der Österreichischen Nationalbibliothek und arbeitete danach von 1934 bis 1942 in diesem Beruf.
1941 begann sie, wie ihr Mann ein Jahr zuvor, eine Analyse bei August Aichhorn, der nach dem "Anschluss" in Österreich geblieben war, und wurde Ausbildungskandidatin der Wiener Arbeitsgemeinschaft des Deutschen Instituts für Psychologische Forschung und Psychotherapie. 1946 wurden Hedwig und Lambert Bolterauer Mitglieder der nach Kriegsende wiedergegründeten Wiener Psychoanalytischen Vereinigung (WPV) und beteiligten sich am Wiederaufbau der Vereinigung.
Hedwig Bolterauer richtete zusammen mit Rosa Dworschak die Erziehungsberatungsstelle der WPV ein und besuchte Seminare von Anna Freud in London. 1954 wurde sie Lehranalytikerin der WPV und übte diesen Beruf bis ins hohe Alter aus.

Die Kinderanalytikerin Berta Bornstein wurde als zweite Tochter der jüdischen Kaufleute Getzel und Gisella Bornstein in Krakau geboren. Kurz nach ihrer Geburt übersiedelte die Familie nach Berlin, wo Berta wie ihre ältere Schwester Steff Bornstein den Beruf der Fürsorgerin ergiff und als Lehrerin für schwer erziehbare Kinder arbeitete.
Beide Schwestern begannen 1924 eine Ausbildung am Berliner Psychoanalytischen Institut. Berta Bornstein machte eine Lehranalyse bei Hans Lampl und schloss sich der Gruppe linker PsychoanalytikerInnen um Otto Fenichel an. Sie spezialisierte sich auf Kinderanalyse und ging 1929 nach Wien, wo sie ihre Lehranalyse bei Edward Bibring beendete und mit Anna Freud zusammenarbeitete. 1930 wurde sie außerordentliches Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft und veröffentlichte ihre erste psychoanalytische Arbeit über die Beziehungen zwischen Sexual- und Intellektentwicklung.
Nach Hitlers Machtübernahme blieb Berta Bornstein in Wien und wurde 1933 in die Wiener Psychoanalytische Vereinigung (WPV) aufgenommen. Sie eröffnete eine psychoanalytische Praxis und heiratete 1933 den Wiener Industrieangestellten Leopold Pfaller, der 1941 starb. Von 1936 an war Berta Bornstein Lehr- und Kontrollanalytikerin der WPV. Sie analysierte u. a. die zehnjährige Tochter Eva von Wilhelm und Annie Reich, die in Grete Frieds privatem Kinderheim für Kinder von Analysanden und Analytikern untergebracht war. Berta Bornstein befürwortete eine Trennung vom Vater, da sie an dessen geistiger Gesundheit zweifelte.
Nach dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland im Jahr 1938 emigrierte Berta Bornstein nach New York. Da sie keine Ärztin war, wurde sie nur "special member" der New York Psychoanalytic Society. Sie unterrichtete von 1942 bis 1960 am New Yorker Psychoanalytischen Institut und war dort zwischen 1952 und 1955 Leiterin der kinderpsychoanalytischen Abteilung. Außerdem lehrte sie ab 1951 Kinderanalyse am Institut der Philadelphia Psychoanalytic Society.
Berta Bornstein entwickelte eine spezielle Technik der Widerstandsanalyse, die die von Anna Freud praktizierte nicht-analytische Vorbereitung einer Kinderanalyse überflüssig machte. Wie Melanie Klein, deren Ansatz sie jedoch scharf kritisierte, arbeitete sie schon in den 1930er Jahren mit sehr kleinen Kindern. Obwohl sie sich ausführlich mit der Bedeutung des Ichs in der Kindheit beschäftigte, war sie keine Vertreterin der Ich-Psychologie. Grundlegend sind ihre Arbeiten zur Latenzzeit und zur Technik der Kinderanalyse. Ihre 1949 veröffentlichte Analyse eines phobischen Kindes bezeichnete Anna Freud damals als die beste Fallbeschreibung auf dem Gebiet der Kinderanalyse.
Berta Bornstein starb wie ihre Schwester an einem Herzinfarkt. (Artikelanfang)
Marie Briehl wurde in der Ukraine als viertes von acht Kindern des jüdischen Intellektuellen Barnett Hurwitz geboren, der 1900 mit seiner Familie in die USA auswanderte und sich in New York niederließ. Marie und ihre Schwester Rosetta Hurwitz absolvierten eine Lehrerinnen-Ausbildung am Hunter College und an der Columbia University und besuchten die New School for Social Research, wo in den frühen 1920er Jahren Carl Gustav Jung, Otto Rank und Sándor Ferenczi Vorlesungen hielten.
Marie Hurwitz heiratete den Architekten und späteren Psychoanalytiker Walter Briehl (1897-1982), der noch vor ihr nach Wien ging, um dort Medizin zu studieren und eine Lehranalyse bei Wilhelm Reich zu absolvieren. Sie selbst kam 1924 zusammen mit ihrer Schwester Rosetta nach Wien. Sie begann eine Analyse bei Paul Schilder und war eine der ersten AmerikanerInnen, die eine kinderanalytische Ausbildung bei Anna Freud machten. Marie Briehl nahm regelmäßig an den Sitzungen der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung teil und unterrichtete Englisch an der Burlingham-Rosenfeld-Schule sowie englische und amerikanische Literatur an der Wiener Universität.
Da sie Laienanalytikerin, also keine Ärztin war, konnte sie nach ihrer Rückkehr in New York nur als Gast an den Versammlungen des New York Psychoanalytic Institute teilnehmen, später wurde ihr auch dieser Status wieder entzogen. Von 1930 an war sie Mitarbeiterin des Mount Sinai Hospital, wo sie Therapien mit Kindern und Jugendlichen durchführte. Gemeinsam mit Rosetta Hurwitz, Esther Menaker und Caroline Zachary engagierte sie sich für eine Organisation nicht-medizinischer Kindertherapeuten.
1946 zog Marie Briehl mit ihrem Mann nach Los Angeles und wurde Mitglied und Lehranalytikerin des Southern California Psychoanalytic Institute. Sie führte Analysen mit Kindern und Erwachsenen durch und leitete das Child Analysis Committee. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1982 gründete sie die Walter Briehl Human Rights Foundation und organisierte 1984 eine internationale Konferenz.
Marie Briehl starb im Alter von 96 Jahren an Herzversagen.

Die aus New York stammende Kinderanalytikerin Dorothy Burlingham war die jüngste von acht Töchtern des berühmten Glaskünstlers und Millionärs Louis Comfort Tiffany und seiner Frau Louise Wakeman Knox. Nach dem Besuch des Brearley College für Mädchen und einer Zeichenschule heiratete Dorothy Tiffany 1914 den Chirurgen Robert Burlingham (1888-1938) und bekam vier Kinder von ihm. 1921 trennte sie sich von ihrem Mann, der an manisch-depressiven Zuständen litt und später schließlich Selbstmord beging. Sie übersiedelte 1925 nach Wien, um ihre Kinder, vor allem ihren asthmakranken Sohn Bob, von Anna Freud analysieren zu lassen.
Dorothy Burlingham begann selbst eine Analyse bei Theodor Reik, die sie 1927 als Lehranalyse bei Sigmund Freud fortsetzte. 1932 wurde sie außerordentliches, 1934 ordentliches Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. Ihr Einführungsreferat hielt sie über Die Kinderanalyse aus der Sicht der Mutter. Zwischen ihr und Anna Freud entwickelte sich eine lebenslange enge Freundschaft, die durch ihre gemeinsamen pädagogisch-psychoanalytischen Arbeitsprojekte gefestigt wurde. In der Öffentlichkeit eher reserviert und kühl wirkend, galt Dorothy Burlingham als eine sehr begabte, ausgeprägt mütterliche Analytikerin.
1927 gründeten Anna Freud, Dorothy Burlingham und Eva Rosenfeld die freie Burlingham-Rosenfeld-Schule in Wien-Hietzingen, wo bis 1932 Kinder und Jugendliche von analytisch geschulten Lehrern, darunter Anna Freud, Peter Blos, Erik H. Erikson und August Aichhorn, Projektunterricht erhielten. 1937 richteten Dorothy Burlingham und Anna Freud mit den finanziellen Mitteln Burlinghams und ihrer amerikanischen Kollegin Edith Jackson das Jackson Day Nursery ein, einen experimentellen Kindergarten für Kleinkinder aus armen Wiener Familien.
Nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten in Wien floh Anna Freud 1938 mit ihrem Vater nach London. Dorothy Burlingham ging zurück in die USA, von wo aus sie zahlreichen Wiener AnalytikerInnen die Flucht in die Vereinigten Staaten ermöglichte. 1940 folgte sie ihrer Lebensgefährtin Anna Freud nach London und wurde wie diese Lehr- und Kontrollanalytikerin der British Psycho-Analytical Society.
1941 eröffneten beide die Hampstead War Nurseries, eine Institution für Kriegskinder und -waisen, in der durch die Bildung familienähnlicher Kleingruppen mit einer Ersatzmutter versucht wurde, der Trennungserfahrung entgegenzuwirken. Ihre wichtigste Entdeckung war, dass die Entwicklungsstörungen, die durch das Fehlen der Mutter verursacht wurden, durch die stabile Beziehung zu einer Ersatzmutter behoben werden konnten. Über diese Arbeit berichteten sie in den gemeinsam veröffentlichten Büchern Kriegskinder und Anstaltskinder. 1947 gründeten Dorothy Burlingham und Anna Freud den Hampstead Child Therapy Course, eine Ausbildungsstätte für Kinderanalyse. 1952 wurde die Hampstead Child Clinic eröffnet, wo gestörte Kinder behandelt und unterrichtet werden.
Eines der ersten Projekte war die unter Burlinghams Leitung durchgeführte Simultananalyse von Müttern und ihren Kindern, mit deren Hilfe geklärt werden sollte, wie die Neurose einer Mutter sich auf ihr Kind auswirkt. Auf Burlinghams Initiative geht auch der Hampstead Index zurück, ein System zur Kategorisierung des in der Analyse gewonnenen Materials. (Artikelanfang)
Weitere Schwerpunkte Dorothy Burlinghams waren die Erforschung der psychischen Situation von Zwillingen und die psychoanalytische Arbeit mit blinden Kindern. Sie richtete in der Hampstead Child Clinic einen Kindergarten für blinde Kinder ein sowie eine Beratungsstelle für Eltern blinder Babies. In ihren 1972 unter dem Titel Psychoanalytic Studies of the Sighted and the Blind erschienenen Aufsätzen setzte sie sich mit der Funktion der visuellen Wahrnehmung beim Aufbau der Persönlichkeit eines Kindes auseinander.

Foto: Dan Szekely
© The Edith Buxbaum
Journal
Die in Wien geborene Kinderanalytikerin Edith Buxbaum war das einzige Kind des aus Böhmen stammenden jüdischen Kaufmanns Samuel Buxbaum und seiner Frau Jeanette Seidler. Sie besuchte in Prag und Wien die Schule und machte 1920 das Abitur. Gemeinsam mit den späteren PsychoanalytikerInnen Annie Pink, Wilhelm Reich, Otto Fenichel und ihrem Cousin Bruno Bettelheim war sie in der österreichischen Jugend- und Friedensbewegung aktiv. Edith Buxbaum studierte an der Wiener Universität Geschichte und promovierte 1925 mit der Arbeit Beiträge zur Frage der Markgenossenschaften in Tirol. Danach arbeitete sie bis 1936 als Gymnasiallehrerin für Geschichte.
Neben Studium und Beruf absolvierte sie eine Ausbildung am Wiener Psychoanalytischen Institut und nahm ab 1927 an Anna Freuds kinderanalytischem Seminar teil. Nach einer Lehranalyse bei Hermann Nunberg wurde sie 1928 außerordentliches, 1933 ordentlichen Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung (WPV). In ihrem Einführungsreferat Reaktion auf Fragestunden in der Klasse von 1931 reflektierte sie ihre schulischen Erfahrungen. 1935 begann sie eine zweite Analyse bei Salomea Gutmann-Isakower.
Edith Buxbaum unterrichtete psychoanalytische Pädagogik am Wiener Lehrinstitut und war für die psychoanalytische Ausbildung von Lehrern, Erziehern, Kindergärtnerinnen und Fürsorgerinnen zuständig. Außerdem leitete sie eine Arbeitsgemeinschaft zur Anwendung der Psychoanalyse auf praktische Pädagogik. Sie beteiligte sich an der von Wilhelm Reich und Marie Frischauf 1928 in Wien gegründeten Sozialistischen Gesellschaft für Sexualberatung und Sexualforschung und arbeitete ab 1930 in den Proletarischen Sexualberatungsstellen.
Am 27. Dezember 1934 wurde sie von der Wiener Staatspolizei wegen ihres antifaschistischen Engagements festgenommen und verbrachte anschließend vier Wochen im Gefängnis. Ihr Fall war einer der Auslöser für das von der WPV über ihre Mitglieder verhängte politische Abstinenzgebot. Edith Buxbaum verlor ihre Stelle als Lehrerin und entging 1937 einer erneuten Verhaftung durch ihre Flucht nach Schweden, von wo aus sie in die USA emigrierte.
Edith Buxbaum ließ sich in New York nieder und war dort von 1938 bis 1946 als Psychoanalytikerin und Supervisorin tätig. Sie unterrichtete am New York Psychoanalytic Institute und lehrte u. a. von 1944 bis 1947 Psychologie an der New School for Social Research. Nachdem sie 1944 den ebenfalls aus Wien emigrierten Rechtsanwalt und Psychoanalytiker Fritz Schmidl (1897-1969) geheiratet hatte, übersiedelte sie 1947 mit ihrem Mann nach Seattle und wurde Mitgründerin, Lehranalytikerin und später Präsidentin der Seattle Psychoanalytic Society.
In den nächsten 25 Jahren arbeitete Edith Buxbaum als Psychoanalytikerin an der Northwest Clinic for Psychiatry and Neurology, lehrte an der School of Medicine der Universität Washington und baute das Seattle Institute for Child Analysis auf. Außerdem war sie als Beraterin für Wohlfahrtsorganisationen tätig. Ihren Ruf als eine der bedeutendsten VertreterInnen der Wiener Psychoanalytischen Pädagogik in der Nachkriegszeit begründete Edith Buxbaum im deutschsprachigen Raum mit ihrem Aufsatz Die Rolle der Eltern bei der Ätiologie von Lernstörungen. Darin beschrieb sie anhand von Fallstudien ihre Arbeit mit psychogen lernbehinderten und verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen sowohl aus intrapsychischer wie aus familientherapeutischer Perspektive. (Artikelanfang)
Universelle Lernstörungen, die auch Verhaltensprobleme einschließen, begriff Buxbaum als eine gestörte Ich-Funktion, die in einer teilweise symbiotischen Beziehung zwischen Mutter und Kind begründet ist. Ihrer Ansicht nach befindet sich das auffällige Kind in einem unaufhörlichen Liebeskampf mit seiner Mutter. Ihre These veranschaulichte sie u. a., indem sie einen Zusammenhang zwischen Lesestörungen und unterdrückten Aggressionen aufzeigte.
Edith Buxbaum starb in Seattle an einem Eierstockkrebs.

Erika Danneberg wuchs in einem kleinbürgerlichen deutschnationalen Elternhaus in Wien auf. Nach einer Buchhandelslehre (1940-1943) studierte sie während und nach dem Zweiten Weltkrieg Germanistik und Psychologie an der Wiener Universität und promovierte 1951 über die Auswirkungen des Kriegs auf Jugendliche. Sie arbeitete als Verlagssekretärin, Erzieherin, Autorin, Lektorin und Übersetzerin, u. a. von Colette, sowie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Sozialwissenschaftlichen Forschungsstelle der Universität Wien.
1949 heiratete sie den Schriftsteller Hermann Hakel (1911-1987). Das Scheitern dieser Ehe führte sie Ende der 1950er Jahre in eine Analyse bei Tea Genner-Erdheim, die dann ihre Lehranalytikerin wurde. Ihre kinderanalytische Ausbildung erhielt sie bei Hedda Eppel. Sie wurde Mitglied und 1973 Lehranalytikerin der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung, war von 1974 bis 1978 im Vorstand der WPV und bis 1983 Mitglied im Lehrausschuss.
Gemeinsam mit Hedda Eppel gründete sie 1961 die erste Kinderanalytische Beratungsstelle der WPV. Aus ihrer langjährigen Zusammenarbeit entstanden gemeinsame Publikationen mit familientherapeutischem Ansatz. 1978 begann Erika Danneberg in Deutschland eine dreijährige gruppenanalytische Ausbildung (Gras) und war anschließend als Mitarbeiterin der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Gruppenanalyse in Altaussee tätig.
Anfang der 1970er Jahre wurde Erika Danneberg Mitglied der KPÖ. Sie reiste nach Kuba und ab 1984 mehrmals nach Nicaragua, wo sie sich an dem Projekt Marie Langers zur Weiterbildung nicaraguanischer Fachkräfte in einem von der sandinistischen Regierung eingerichteten Psychosozialen Dienst (Salud Mental) beteiligte. Über diese Arbeit berichtete Erika Danneberg u. a. in ihrem Marie Langer gewidmeten Buch In Nicaragua. Tagebuchaufzeichnungen über ihre fünf Nicaragua-Aufenthalte, die zugleich eine Art Selbstanalyse darstellen, publizierte sie unter dem Titel Nicaragua - Eine lange Liebe. Neben ihren politischen und psychoanalytischen Schriften veröffentlichte Erika Danneberg auch Gedichte. (Artikelanfang)
Die Kinderanalytikerin Julia Deming stammte aus Oswego in Kansas. Sie besuchte das Bryn Mawr College und das Women's Medical College in Philadelphia, wo sie 1922 ihr Medizinstudium abschloss. Sie absolvierte ihre psychiatrische Facharztausbildung am Boston Psychopathic Hospital und war anschließend von 1928 bis 1931 leitende Psychiaterin im New England Home for Little Wanderers, einem Heim für gestörte Kinder in Boston. Aus dieser Zeit stammte ihre erste psychoanalytische Arbeit Problems presented by children of parents forced to marry.
1932 ging Julia Deming nach Wien, um eine Lehranalyse bei Anna Freud zu machen, ihre KontrollanalytikerInnen waren Helene Deutsch und August Aichhorn. Sie besuchte die Arbeitsgruppe für Kinderpsychoanalyse, die Jenny Wälder und Berta Bornstein für amerikanische AnalytikerInnen eingerichtet hatten, und nahm an Anna Freuds kinderanalytischem Fallseminar teil. Als Dorothy Burlingham und Edith Jackson 1937 den experimentellen Kindergarten Jackson Day Nursery für Kleinkinder aus Wiener Arbeiterfamilien eröffneten, war Julia Deming für die Verpflegung der Kinder zuständig. Über ihre Erfahrungen führte sie ein Tagebuch, in dem sie die Verhaltensweisen der Kleinkinder dokumentierte.
Zusammen mit anderen amerikanischen KandidatInnen der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung (WPV) übersetzte sie August Aichhorns Buch Verwahrloste Jugend ins Englische. Von Deming stammt auch die amerikanische Übersetzung von Steff Bornsteins Aufsatz Eine Kinderanalyse. 1937 wurde sie als außerordentliches Mitglied in die WPV aufgenommen.
Nach dem "Anschluss" Österreichs wurde Julia Deming vorübergehend von den Deutschen festgenommen und beteiligte sich nach ihrer Freilassung an der Rettung von Sigmund und Anna Freud. 1938 kehrte sie nach Boston zurück. Sie war Lehranalytikerin, Schatzmeisterin und Vizepräsidentin der Boston Psychoanalytic Society and Institute und praktizierte als Psychiaterin u. a. am Philadelphia General Hospital und am Massachusetts Mental Health Center. Sie starb im Alter von 76 Jahren in Philadelphia.

Helene Rosenbach wurde im polnischen Przemysl geboren, als jüngstes von vier Kindern des jüdischen Rechtsanwalts Wilhelm Rosenbach und seiner Frau Regina geb. Leizor. Sie war das Lieblingskind ihres Vaters, während sie unter ihrer strengen Mutter litt. Gegen den Willen der Eltern erkämpfte sie sich die Möglichkeit, das Abitur abzulegen. In diese Zeit fiel ihre Begegnung mit dem Sozialistenführer Hermann Liebermann, dessen politische Ziele sie sich zu eigen machte und der ihr Liebhaber wurde. Sie nahm an Demonstrationen teil und gründete 1905 die erste Organisation für Arbeiterinnen in Przemysl.
1907 schrieb sie sich an der Medizinischen Fakultät der Universität in Wien ein, wo sie zu den ersten Medizinstudentinnen zählte. 1911 ging sie nach München, um experimentelle Psychologie bei Ernst Kraepelin zu studieren. Hier lernte sie den Internisten und späteren Psychoanalytiker Felix Deutsch (1884-1964) kennen, den sie 1912 heiratete. 1917 wurde ihr Sohn Martin geboren.
Im Anschluss an ihre Promotion praktizierte Helene Deutsch von 1912 bis 1918 als (unbezahlte) Assistenzärztin an der Wagner-Jauregg-Klinik für Psychiatrie in Wien und leitete dort während des Ersten Weltkriegs die psychiatrische Frauenabteilung. 1913/1914 arbeitete sie jeweils für einige Monate in einer Klinik für geistig zurückgebliebene Kinder und in der Münchner Psychiatrischen Klinik Kraepelins.
Interesse für die Psychoanalyse, aber auch persönliche Probleme bewogen Helene Deutsch 1918 zu einer einjährigen Analyse bei Sigmund Freud, dessen Lieblingsschülerin sie bald wurde. Noch im gleichen Jahr wurde sie Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung und entfaltete in den 1920er und 1930er Jahren eine intensive Vortrags-, Lehr- und Publikationstätigkeit. 1923/24 absolvierte sie eine Zweitanalyse bei Karl Abraham in Berlin und verfasste dann ihr erstes Buch Zur Psychoanalyse der weiblichen Sexualfunktionen, eine Vorarbeit für ihr Hauptwerk über die Psychologie der Frau.
Dank ihres Einsatzes wurde 1924 das Ausbildungsinstitut der Wiener Vereinigung gegründet, dessen Präsidentin Helene Deutsch bis zu ihrer Emigration war. 1932 übernahm sie außerdem die Leitung des Technischen Seminars der WPV. Bei der sehr gefragten Lehranalytikerin versammelte sich regelmäßig die jüngere Analytikergeneration im Club "Zur Schwarzen Katze", bestehend aus den Ehepaaren Bibring, Kris, Hoffer, Hartmann, Wälder und Deutsch, um beim Kartenspiel psychoanalytische Probleme zu erörtern.
1934 entschloss sich Helene Deutsch zur Emigration in die USA, ihr Mann folgte ihr Anfang 1936. Sie ließen sich in Boston nieder, wo Helene Deutsch Mitglied und einflussreiche Lehranalytikerin der Boston Psychoanalytic Society wurde. Neben ihrer psychoanalytischen Privatpraxis arbeitete sie an der von Stanley Cobb geleiteten psychiatrischen Klinik des Massachusetts General Hospital.
Helene Deutsch war eine der ersten Schülerinnen Freuds, die sich der Psychoanalyse des Weiblichen widmete. In ihrem Buch über Die Psychologie der Frau entwarf sie anhand von Fallgeschichten, literarischen Beispielen und ihrer Selbstanalyse eine normative Typologie der Frau. Freuds Unterscheidung von männlicher Aktivität und weiblicher Passivität zugrundelegend, entwickelte Helene Deutsch ihre berühmte These vom weiblichen Masochismus: Das Mädchen verzichtet wegen der tatsächlichen Minderwertigkeit der Klitoris gegenüber dem Penis auf sexuelle Aktivität. An die Stelle maskulin-narzisstischer Wünsche treten weibliche Passivität und das masochistische Bedürfnis, aus Liebe zu leiden. Denn einen Mann zu lieben bedeute für die Frau, ein Objekt zu wählen, das ihr die Schmerzen von Defloration und Geburt beschert.
Ein Gegengewicht zum Masochismus der Frau bildet nach Deutsch ihr Narzissmus, beides ist in ihrem Idealtypus der weiblich-erotischen Frau harmonisch ausbalanciert. Dieses Ideal verwirkliche sich im Mütterlichen, während sein Gegentypus, die Frau mit einem "Männlichkeitskomplex", aus Angst vor ihren rezeptiv-passiven Anteilen ihre Aktivität nach außen richtet und dabei gefühlsmäßig verkümmert.
Helene Deutschs Auffassungen wurden bereits von Zeitgenossinnen und erst recht von späteren Feministinnen als "reaktionär" verurteilt. Simone de Beauvoir dagegen benutzte sie neben Freud als wichtigste psychoanalytische Quelle ihres Buchs Le deuxième sexe. Eine der Hauptkontrahentinnen Helene Deutschs, die den Penisneid als Tatsache und nicht als psychisches Konstrukt ansah und schon von Freud wegen ihrer mangelnden Unterscheidung von Psychischem und Biologischem kritisiert wurde, war Karen Horney mit ihrer These vom Penisneid als kulturellem Phänomen. (Artikelanfang)
Neben ihren Arbeiten über die weibliche Sexualität beschäftigte sich Helene Deutsch auch mit der Kinderanalyse, den Problemen von Jugendlichen und mit dem Konzept der inauthentischen oder "Als-ob-Persönlichkeit". Sie publizierte bis in ihr hohes Alter und erregte Anfang der 1970er Jahre Aufsehen, als sie im Arztkittel an einer Anti-Vietnam-Demonstration teilnahm. Helene Deutsch starb mit 97 Jahren in Cambridge, Mass.
Rosa Dworschak wurde als Tochter eines Militärkapellmeisters und Ministerialbeamten in St. Peter in der Steiermark geboren. Sie war eine Absolventin der Vereinigten Fachkurse für Volkspflege, der ersten, von Ilse Arlt 1912 in Wien gegründeten Fürsorgeschule Österreich-Ungarns. Außerdem studierte sie Komposition an der Wiener Musikakademie. Von 1916 an war sie als Sozialarbeiterin, später als Fürsorgeleiterin und Erziehungsberaterin in verschiedenen Wiener Bezirksjugendämtern tätig. Am Wiener Jugendamt lernte sie 1918 den Psychoanalytiker August Aichhorn kennen, und als dieser 1923 psychoanalytisch orientierte Erziehungsberatungsstellen in Wien einrichtete, wurde Rosa Dworschak seine engste Mitarbeiterin und Schülerin. Seit 1949 gehörte sie der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung (WPV) an.
Nach dem Zweiten Weltkrieg trat Rosa Dworschak maßgeblich für eine Modernisierung der Fürsorge ein. Sie gab Kurse für Erziehungsberater des Städtischen Jugendamtes und Berufsberater des Wiener Arbeitsamts und baute zusammen mit Hedwig Bolterauer die Erziehungsberatung der WPV auf. 1949 begründete sie die erste öffentliche Wiener Child Guidance Clinic, das Institut für Erziehungshilfe in Wien-Heiligenstadt, wo sie bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1962 als Erziehungsberaterin und Therapeutin für Kinder und Jugendliche arbeitete. 1950 war sie Mitinitiatorin der August-Aichhorn-Gesellschaft, die es sich zur Aufgabe machte, psychoanalytische Themen in öffentlichen Vorträgen zu verbreiten.
Als international anerkannte Expertin für Erziehungsberatung setzte sich Rosa Dworschak für die Einführung der Psychoanalyse in die Sozialfürsorge-Ausbildung ein. Gegen anfänglichen Widerstand führte sie die Case-Work-Methode ein, eine vertiefte Einzelfallhilfe, die eine partnerschaftliche Beziehung zwischen Sozialarbeiter und Klient voraussetzt. Die 1961/62 von ihr geleitete Studientagung zum Thema "Casework und Supervision" gilt als die Geburtsstunde der Supervision in der österreichischen Sozialarbeit. Wichtig war ihr auch die Einbeziehung der Familie in die Therapie, um auf die "neurotisch-verwahrloste Familienatmosphäre" Einfluss nehmen zu können.
Ruth Selke wurde als Tochter jüdischer Eltern in Odessa geboren, wohin ihr Vater Ludwig Selke als Abteilungsleiter einer Hamburger Bank versetzt worden war. Ihre Mutter Jenny Lewin stammte aus Warschau. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde der Vater interniert, und die Mutter musste mit den fünf Kindern nach Hamburg zurückkehren. 1920 zog die Familie nach Danzig. Ruth Selke ging in Odessa, Hamburg, Danzig und Freiburg zur Schule, wo sie 1925 das Abitur ablegte.
Sie studierte bis 1930 in Freiburg Medizin und spezialisierte sich im Fach Psychiatrie. Ihre Assistenzarztzeit absolvierte sie bei Albert Fränkel in Heidelberg und am Bürgerspital in Stuttgart. 1932 promovierte sie in Heidelberg mit der Arbeit Sechs Lebensläufe als sozialhygienischer Beitrag zur Frage Alkoholismus und Tuberkulose.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten emigrierte Ruth Selke 1933 nach Wien. Dort arbeitete sie in der psychiatrischen Abteilung des Krankenhauses Rosenhügel und begann eine Lehranalyse bei Theodor Reik. Als dieser nach Holland emigrierte, setzte sie ihre Analyse bei Richard Sterba fort. 1937 wurde sie Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung.
Ein Jahr zuvor hatte Ruth Selke den Wiener Psychoanalytiker Kurt R. Eissler (1908-1999) geheiratet. 1938, nach dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland, emigrierten die Eisslers in die USA. Sie ließen sich zunächst in Chicago nieder, wo Ruth Eissler-Selke als Kinderpsychiaterin am Michael Reese Hospital und als Ärztin in einer Anstalt für delinquente Mädchen tätig war. Sie eröffnete eine psychoanalytische Privatpaxis und wurde Lehranalytikerin am Chicago Psychoanalytic Institute. Einer ihrer Analysanden in dieser Zeit war Heinz Kohut.
1948 übersiedelte Ruth Eissler-Selke mit ihrem Mann nach New York und wurde dort Mitglied und Lehranalytikerin der New York Psychoanalytic Society. Von 1957 bis 1959 hatte sie das Amt der Vizepräsidentin der IPA inne, und von 1950 bis 1985 war sie Mitherausgeberin der Zeitschrift The Psychoanalytic Study of the Child.
Neben psychoanalytischen Arbeiten schrieb Ruth Eissler-Selke auch Gedichte, die 1976 unter dem Titel Gezeiten in deutscher Sprache veröffentlicht wurden. Zeitgeschichtliches floss in ihren 1946 erschienenen Fallbericht einer schizophrenen Frau ein, die unter dem Wahn litt, gegen ihren Willen als Nazi-Spion missbraucht zu werden.
Hedda Eppel wurde in Wien als Tochter jüdischer Eltern geboren. Nach dem Abitur 1937 besuchte sie eine Sprachschule. 1939 emigrierte sie nach England und kümmerte sich dort um traumatisierte Kriegskinder und Kinder aus Konzentrationslagern. Durch diese Arbeit begann sie sich für die Psychoanalyse zu interessieren und lernte Anna Freud kennen.
1946 kehrte Hedda Eppel nach Österreich zurück. Sie studierte in Wien Psychologie und absolvierte gleichzeitig eine Ausbildung am Wiener Psychoanalytischen Institut. Ihre Lehranalytiker waren August Aichhorn, Robert Jokl und schließlich Otto Fleischmann. Ihre Ausbildung zur Kinderanalytikerin erhielt sie an der Hampstead Child Therapy Clinic in London. 1954 wurde sie Mitglied, später Lehranalytikerin der WPV. Sie spezialisierte sich auf Kinderanalyse und psychoanalytische Pädagogik. 1961 gründete sie gemeinsam mit Erika Danneberg die erste Kinderberatungsstelle der WPV. Ihrem Einsatz war es zu verdanken, daß es seit 1972 eine Zusatzausbildung für Kinderanalyse in der WPV gibt.
Nach Tätigkeiten am Albert Einstein College in New York und am Jacoby Hospital lehrte Hedda Eppel von 1972 bis 1977 am Pädagogischen Institut der Universität Wien. Von 1984 bis 1987 war sie Vorsitzende des Lehrausschusses der WPV, wo sie vor allem psychoanalytische Technik und psychoanalytische Entwicklungspsychologie unterrichtete. Einer ihrer Schwerpunkte war das psychoanalytische Konzept der Identifizierung und dessen Folgerungen für die Psychologie und die Pädagogik.
Aus ihrer Arbeit an der Kinderanalytischen Beratungsstelle der WPV gingen gemeinsame Veröffentlichungen mit Erika Danneberg hervor, darunter die Dokumentation der gleichzeitigen Behandlung eines achtjährigen Jungen und seiner Mutter. Nach Ansicht der Autorinnen lassen psychische Störungen von Kindern auf eine psychische Problematik bei den Eltern rückschließen, weshalb es bei neurotischen Kindern eines familientherapeutischen Ansatzes bedarf.

Anna Freud war die jüngste Tocher von Sigmund Freud, dessen Lehre sie - nach Hermine Hug-Hellmuth und neben Melanie Klein - um die Kinderanalyse erweitert hat. Mit ihrer Schrift über die Abwehrmechanismen des Ichs war sie eine Wegbereiterin der Ich-Psychologie. Anna Freud wuchs mit ihren drei Brüdern und zwei Schwestern im bürgerlich-jüdischen Milieu Wiens auf. Sie bewunderte ihren Vater, während das Verhältnis zu ihrer Mutter Martha Freud zeitlebens gespannt war. Nach der Reifeprüfung 1912 absolvierte sie eine Ausbildung zur Lehrerin und unterrichtete von 1917 bis 1920 in Wien an einer Volksschule. Ihr Wunsch, Psychoanalytikerin zu werden, wurde von ihrem Vater unterstützt, und sie begann 1918 eine Analyse bei ihm, die fast vier Jahre dauerte und durch einen intensiven Austausch mit Lou Andreas-Salomé und Max Eitingon ergänzt wurde. Anna Freud wurde eine begabte, von ihm sehr geschätzte Schülerin und Mitarbeiterin ihres Vaters, nach dessen Krebserkrankung auch seine Pflegerin und Statthalterin bei offiziellen Anlässen.
Von 1920 an arbeitete Anna Freud als Lektorin in der englischen Abteilung des Internationalen Psychoanalytischen Verlags. 1922 wurde sie in die Wiener Psychoanalytische Vereinigung (WPV) aufgenommen, ihren Einführungsvortrag hielt sie über Schlagephantasie und Tagtraum, eine auf eigenen Erfahrungen beruhende Fallstudie zum Vater-Tochter-Verhältnis. Im Jahr darauf eröffnete sie eine eigene psychoanalytische Praxis neben der ihres Vaters in der Berggasse 19 (Abb.). Seit 1924 war sie Mitglied im Geheimen Komitee, dem inoffiziellen Führungsgremium der IPV. 1925 wurde sie Lehr- und Kontrollanalytikerin der WPV und hielt in den folgenden Jahren Vorlesungen und Seminare ab mit dem Schwerpunkt Kinderanalyse und psychoanalytische Pädagogik.
1927 gründete Anna Freud zusammen mit ihrer Lebensgefährtin Dorothy Burlingham und mit Eva Rosenfeld in Wien die Hietzinger Experimentierschule, in der bis 1932 Kinder befreundeter Familien nach der "Projektmethode" unterrichtet wurden. Im gleichen Jahr wurde sie Sekretärin der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (bis 1934). Ebenfalls 1927 erschien eine Sammlung ihrer Vorlesungen unter dem Titel Einführung in die Technik der Kinderanalyse. In diesem Buch, das den Auftakt zur sog. Freud-Klein-Kontroverse bildete, äußerte sie sich kritisch zu den Thesen Melanie Kleins.
Anna Freud vertrat wie ihr Vater die Auffassung, dass das Über-Ich auf der triadischen Entwicklungsstufe aus der Auflösung des Ödipuskomplexes und der Identifikation mit den Eltern hervorgeht und nicht, wie Melanie Klein behauptete, aus frühen Entzugserfahrungen in der Mutter-Kind-Dyade. Sie ging von einer Wechselwirkung zwischen angeborenen und Umweltfaktoren aus und hielt wegen der Abhängigkeit des kindlichen Über-Ichs von äußeren Einflüssen eine pädagogische Ergänzung der Kinderanalyse für unumgänglich. Melanie Klein, die keinen Unterschied zwischen Kinder- und Erwachsenenanalyse machte, stellte eine von der realen äußeren Welt weitgehend unabhängige, phantasmatische Innenwelt ins Zentrum ihrer Analyse und bestand auf dem Primat destruktiver Triebregungen, während Anna Freud autoerotische und narzisstische Strebungen für die frühesten hielt.
Nach der Emigration Helene Deutschs übernahm Anna Freud 1935 die Leitung des Wiener psychoanalytischen Lehrinstituts. 1936 erschien ihr wichtigstes theoretisches Werk Das Ich und die Abwehrmechanismen. Darin beschrieb sie anhand von Beispielen normale und neurotische Formen der Abwehr - darunter erstmals die Identifizierung mit dem Angreifer -, mit deren Hilfe sich das Ich gegen Triebregungen und äußere Bedrohungen zu schützen sucht. Die Betonung liegt hier nicht mehr auf der Erforschung der Tiefenschichten des Es, sondern auf der Analyse des Ichs und seiner Abwehrarbeit.
Gemeinsam mit Dorothy Burlingham und Edith Jackson eröffnete Anna Freud 1937 die von Montessori-Ideen inspirierte Jackson-Nursery, eine Kindertageskrippe für Wiener Arbeiterkinder. 1938 marschierten die deutschen Truppen in Wien ein. Die Familie Freud floh mit Hilfe u. a. von Marie Bonaparte und Ernest Jones über Paris nach London. Sigmund Freud überlebte die Emigration nur um ein Jahr.
Mit der Ankunft Anna Freuds in London, wo sie Mitglied und Lehranalytikerin der British Psycho-Analytical Society (BPAS) wurde, kam es zu einer Verschärfung der Kontroverse zwischen ihren AnhängerInnen und den ParteigängerInnen Melanie Kleins, die bereits seit 1926 in London lebte. Den Höhepunkt der Auseinandersetzungen bildeten die 1943 und 1944 in London ausgetragenen "Controversial Discussions", die 1946 die Einrichtung von drei getrennten Ausbildungsgängen der BPAS für Kleinianer, Annafreudianer und Unabhängige zur Folge hatten.
Von 1941 bis 1945 führten Anna Freud und Dorothy Burlingham das Kriegskinderheim Hampstead War Nurseries. Über die Erforschung und Behandlung seelischer Schäden durch Kriegs- und Trennungserlebnisse berichteten sie in ihren beiden Büchern Kriegskinder und Anstaltskinder. 1947 gründete Anna Freud die Hampstead Child Therapy Courses, eine Ausbildungsstätte für Kinderpsychoanalyse, der 1952 eine psychosomatische Kinderklinik angeschlossen wurde. Hampstead Child Therapy Clinic and Course wurde von Anna Freud bis zu ihrem Tod geleitet und danach in Anna Freud Centre umbenannt. (Artikelanfang)
Sie entwickelte für die Arbeit mit Kindern ein diagnostisches Schema, das "metapsychologische Entwicklungsprofil", mit dem die normale oder abnormale Enwicklung eines Kindes beurteilt werden konnte. Ergebnis ihrer Arbeit an der Hampstead Clinic bildet ihr Buch Wege und Irrwege in der Kinderentwicklung.
Von 1944 bis 1949 wiederum Sekretärin, danach Vizepräsidentin der IPV und ab 1945 Mitherausgeberin der Zeitschrift The Psychoanalytic Study of the Child, setzte Anna Freud sich für die offizielle Anerkennung der Kinderanalyse durch die Standesorganisation ein. Während der 1960er Jahre hielt sie Gastvorlesungen und Vorträge in den USA, wo sie ihre größten Erfolge verzeichnete.
Seit 1975 litt Anna Freud an einer unerklärlichen kräftezehrenden Eisenmangelanämie. Im Oktober 1982 starb sie nach einem Gehirnschlag im Schlaf.
Muriel Gardiner wurde in Chicago geboren als Tochter des reichen Fleischbarons Edward Morris und seiner puritanisch strengen Frau Helen, geb. Swift. Bis 1922 besuchte sie das renommierte Wellesley College für Frauen in Massachusetts, verbrachte dann ein Jahr in Italien und studierte anschließend in Oxford Literatur.
1926 ging Muriel Gardiner nach Wien und machte bei der Amerikanerin Ruth Mack Brunswick eine dreijährige persönliche Analyse, die später in eine Lehranalyse umgewandelt wurde. In Wien lernte sie auch ihren ersten Mann Julian Gardiner kennen, von dem ihre Tochter Constance stammte; die Ehe wurde nach einigen Jahren wieder geschieden. Muriel Gardiner interessierte sich besonders für die Anwendung der Psychoanalyse in der Erziehung und erhielt Unterricht bei Robert Wälder, Siegfried Bernfeld und August Aichhorn. 1932 begann sie außerdem ein Medizinstudium an der Universität Wien.
Nach Reisen in Deutschland und Russland schloss Muriel Gardiner sich 1934 der sozialistischen Untergrundbewegung in Wien an. Sie übernahm Kurierdienste und half gefährdeten Juden und Sozialisten bei ihrer Flucht, darunter auch dem "Wolfsmann" Sergius Pankejeff, den sie als Patienten von Ruth Mack Brunswick kennengelernt hatte. In ihrem Buch Der Wolfsmann vom Wolfsmann stellte Muriel Gardiner Pankejeffs Erinnerungen den Fallberichten Sigmund Freuds und Mack Brunswicks gegenüber, ergänzt durch eine Schilderung seines späteren Lebenswegs.
In ihrer Wiener Wohnung versteckte sie auch ihren späteren Mann Joseph Buttinger (1906-1992), den Obmann des Zentralkomitees der Revolutionären Sozialisten. 1937 beendete sie ihre Analyse bei Mack Brunswick und ein Jahr später promovierte sie in Wien. 1939 heiratete sie Buttinger in Paris und kehrte bei Kriegsbeginn in die USA zurück. Über die Zeit in Wien berichtete sie in ihrem Buch Deckname "Mary". Ihre psychoanalytische Ausbildung schloss Muriel Gardiner 1947 in der Philadelphia Association for Psychoanalysis ab und wurde 1955 als Lehranalytikerin zugelassen. Sie praktizierte als Psychiaterin und Psychoanalytikerin und unterrichtete am Psychoanalytischen Institut in Philadelphia. (Artikelanfang)
Ihre Hauptaufgabe sah sie in der psychiatrischen Beratungstätigkeit an Schulen und in Jugendgefängnissen. Ihre Arbeit mit inhaftierten Kindern beschrieb sie in ihrem erfolgreichen populärwissenschaftlichen Buch Mörder ohne Schuld. Wenn Kinder töten. Muriel Gardiner spendete einen großen Teil ihres Vermögens der psychoanalytischen Bewegung. Unter anderem unterstützte sie Anna Freuds Hampstead Clinic, das Londoner Freud-Museum und das von Kurt R. Eissler gegründete Freud-Archiv.

Elisabeth Rozetta Geleerd wurde als ältestes von drei Kindern in Rotterdam geboren. Ihr Vater war der wohlhabende jüdische Schiffsausrüster Moses Geleerd. Ihre Mutter Bertha geb. Haas starb an Tuberkulose, als Elisabeth zehn Jahre alt war. Elisabeth Geleerd studierte Medizin an der Universität Leiden und promovierte dort 1936. Anschließend ging sie nach Wien, um eine Lehranalyse bei Anna Freud zu machen. Als sich die politische Situation zuspitzte, emigrierte sie 1938 nach London und beendete ihre psychoanalytische Ausbildung am Institut der British Psycho-Analytical Society. Sie war als Psychiaterin am Maudsley und am Mill Hill Hospital tätig, bis sie 1940 in die USA auswanderte.
Elisabeth Geleerd ließ sich in Topeka nieder, wo sie von 1940 bis 1945 an der Menninger-Klinik arbeitete und 1943 die psychotherapeutische Leitung der Southard School übernahm. 1946 zog sie nach New York und heiratete Rudolph Loewenstein (1898-1976), eine der Gründerfiguren der französischen Psychoanalyse, der in den USA zusammen mit Heinz Hartmann die Grundlagen der Ich-Psychologie entwickelte. Elisabeth Geleerd-Loewenstein eröffnete eine Privatpraxis in New York und war seit 1947 Lehranalytikerin am New Yorker Psychoanalytischen Institut.
Ihr Spezialgebiet war die Psychoanalyse schwer gestörter Kinder und Jugendlicher, für deren Behandlung sie neue Techniken entwickelte. Seit 1955 Mitglied des Ausbildungsausschusses der NYPS, nahm sie maßgeblich Einfluss auf die Kinder- und Jugendlichenanalyse in den USA. Sie war Anhängerin des kinderanalytischen Ansatzes Anna Freuds und kritisierte die Auffassungen Melanie Kleins, indem sie auf die Gefahr vorzeitiger Es-Deutungen hinwies, die ihrer Meinung nach die Abwehr des Kindes in der Analyse verstärkten. In ihren Publikationen über Schizophrenie in der Kindheit und Entwicklungsprobleme im Jugendalter beschrieb Elisabeth Geleerd-Loewenstein die Abwehrmaßnahmen, mit welchen das Ich frühe Traumata aus der Mutter-Kind-Beziehung zu bewältigen sucht.
Ihrer Ansicht nach entsteht Schizophrenie bereits in der frühen Kindheit, wobei genetische Faktoren ebenso beteiligt seien wie sehr frühe Umweltbedingungen. Viele Probleme in der Adoleszenz lassen sich ihr zufolge damit erklären, dass alle Jugendlichen eine partielle Regression auf das Stadium unklarer Objektgrenzen durchlaufen, d. h. eine Wiederholung des Wunschs nach Einssein mit dem Objekt und der gleichzeitigen Angst vor Ich-Auflösung. (Artikelanfang)
Die in Wien geborene Tea Ludmilla Erdheim war die einzige Tochter von Osias Erdheim, einem erfolgreichen jüdischen Kaufmann, der eine "höhere Tochter" aus dem Wiener Bürgertum geheiratet hatte. Sie studierte in Wien Medizin, promovierte 1932 und arbeitete anschließend von 1932 bis 1933 als Ärztin an der Neurologisch-Psychiatrischen Klinik der Universität Wien und von 1934 bis 1938 als Sekundarärztin an der Wiener Nervenheilanstalt Maria-Theresien-Schlössel. 1934 lernte sie ihren späteren Mann, den österreichischen Politiker und Schriftsteller Laurenz Genner (1894-1962) kennen. Aus ihrer Ehe, die 1950 wieder geschieden wurde, gingen zwei Töchter hervor.
1934 begann Tea Erdheim eine psychoanalytische Ausbildung bei der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung (WPV). Sie machte bis 1936 eine Analyse bei Eduard Hitschmann, die sie dann bei Jeanne Lampl de Groot bis zu deren Emigration 1938 fortsetzte. Tea Genner-Erdheim gehörte zu der Gruppe um August Aichhorn, die nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland 1938 in Wien blieb und die psychoanalytische Arbeit privat fortsetzte.
Von 1941 bis 1944 war sie als praktische Ärztin kriegdienstverpflichtet. Laurenz Genner war als Mitglied der Revolutionären Sozialisten und der KPÖ im antifaschistischen Widerstand aktiv und mehrfach in Haft, bevor die Genners 1944 aufs Land flüchteten. Erst 1945 kehrten sie wieder nach Wien zurück. Auch Tea Genner schloss sich der Kommunistischen Partei an, trat jedoch nach der Niederschlagung des Ungarn-Aufstands 1956 aus der Partei aus.
1946 wurde Tea Genner-Erdheim Mitglied der WPV, an deren Wiederaufbau nach Kriegsende sie maßgeblich beteiligt war. Zusammen mit Otto Fleischmann war sie für die Einrichtung des psychoanalytischen Ambulatoriums in Wien zuständig. Sie war bis 1949 Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie an der Psychiatrischen Universitätsklinik und unterrichtete bereits als Lehrbeauftragte der WPV, bevor sie 1954 Lehranalytikerin und Mitglied des Lehrausschusses der WPV wurde.
Tea Genner-Erdheim war eine Anhängerin der Ich-Psychologie Heinz Hartmanns und plädierte früh schon für die psychotherapeutische Arbeit mit Gruppen. 1962 irritierte sie ihre Wiener KollegInnen mit einer vom Sujet wie von der Vortragsform her unkonventionellen Interpretation des Brecht-Songs Surabaya Johnny, den sie als Metapher der frühen Objektbeziehung deutete. In einem anderen Vortrag über Conrad Ferdinand Meyer setzte sie sich mit der Psychologie des Künstlers auseinander. Ihre Arbeiten blieben jedoch unveröffentlicht.
Als Analytikerin beliebt und angesehen und von ihren AnalysandInnen wie z. B. Erika Danneberg sehr verehrt, erscheint Tea Genner-Erdheim in den Aufzeichnungen ihrer Tochter Claudia Erdheim (Bist du wahnsinnig geworden?) privat eher als neurotische Tyrannin im Widerspruch zwischen Unkonventionalität und Standesdünkel.

Salomea Gutmann-Isakower wurde in Oswiecin in Galizien als Tochter des jüdischen Lehrers Simon Rettich geboren. Sie studierte in Krakau Medizin und spezialisierte sich als Fachärztin für Nerven- und Geisteskrankheiten. 1910 heiratete sie den Arzt Felix Gutmann. Nach ihrer Scheidung im Jahr 1921 zog Salomea Gutmann von Krakau nach Wien und arbeitete dort als Ärztin am Allgemeinen Krankenhaus und an der Psychiatrischen Klinik bei Paul Schilder. 1928 eröffnete sie eine eigene Arztpraxis in Wien. Im gleichen Jahr wurde sie außerordentliches, 1933 ordentliches Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. Von 1934 an war sie als Lehranalytikerin der WPV tätig. Sie wurde als sehr still und zurückgezogen beschrieben, aber als eine der schärfsten und kritischsten Analytikerinnen. Zu ihren AnalysandInnen in dieser Zeit zählte auch Edith Buxbaum.
1938 heiratete Salomea Gutmann den Wiener Arzt und Psychoanalytiker Otto Isakower (1899-1972). Nach dem Anschluss Österreichs emigrierten beide nach England, wo sie sich in Liverpool niederließen.
Salomea Isakower wurde Mitglied der British Psycho-Analytical Society und gründete gemeinsam mit ihrem Mann und anderen in Liverpool eine Studiengruppe für Psychoanalyse. Trotz der erfolgreichen Zusammenarbeit mit Michael Balint und dem Manchester Training Center gestaltete sich ihre berufliche Situation in Liverpool immer schwieriger, und so wanderten die Isakowers 1940 in die USA aus. Salomea Gutmann-Isakower wurde Lehr- und Kontrollanalytikerin der New York Psychoanalytic Society und führte in New York eine psychoanalytische Privatpraxis.

Dora Hartmann wurde in Wien als jüngstes von vier Kindern eines Rechtsanwalt geboren. Sie studierte Medizin an der Wiener Universität, promovierte 1925 und spezialisierte sich in der Kinderheilkunde. Danach praktizierte sie als Kinderärztin in Wien und veröffentlichte zwischen 1927 und 1931 mehrere pädiatrische Aufsätze.
Ende der 1920er Jahre machte sie vermutlich eine Analyse bei Sigmund Freud. 1928 heiratete sie den Psychiater und Psychoanalytiker Heinz Hartmann (1894-1970), der einer der Begründer der Ich-Psychologie war. 1938, nach dem "Anschluss" an Deutschland, verließen Dora und Heinz Hartmann mit ihren beiden Söhnen Ernest (*1934) und Lawrence (*1937) Österreich. Sie lebten zunächst in Paris und in der Schweiz, bevor sie 1941 in die USA emigrierten und sich in New York niederließen. Dora Hartmann beendete hier ihre psychiatrische und psychoanalytische Ausbildung und wurde 1948 Mitglied, 1958 Lehranalytikerin der New York Psychoanalytic Society.
Sie spielte in den USA eine führende Rolle in der Kinderpsychiatrie, gehörte für mehrere Jahre dem Aufnahmeausschuss des New Yorker Psychoanalytischen Instituts an und engagierte sich in der Association for Child Psychoanalysis. Dora Hartmann vertrat wie ihr Mann die Auffassungen der Ich-Psychologie, die eine weitgehende Unabhängigkeit des Ichs vom Triebgeschehen annimmt.
Margit Herz wude als Tochter jüdisch-assimilierter Eltern im slowakischen Lôcse in Ungarn geboren. Ihr Vater Alfred Herz war ein hochrangiger Militärarzt, weshalb die Familie häufig Wohnort und Sprachraum wechselte. 1917 begann Margit Herz ein Studium an der medizinischen Fakultät in Wien, um Psychiaterin zu werden. Sie wechselte 1918/19 nach Budapest und erlebte dort die Revolution und deren Niederschlagung. Da ein Studium in Budapest für Juden nun nicht mehr möglich war, ging sie 1920 an die deutsche Universität in Prag. Ein Jahr später kehrte sie nach Wien zurück.
Margit Herz spezialisierte sich ab 1923 in Psychiatrie und Neurologie, u. a. an der Wagner-Jauregg-Klinik und in der Frauenpsychiatrie bei Paul Schilder. In dieser Zeit verfasste sie ihre sozialkritische Studie über den Zusammenhang von psychiatrischen Erkrankungen und der Wohnungsnot in Wien. 1925 promovierte sie an der Universtät Wien.
Ein Jahr zuvor hatte sie eine Analyse bei Eduard Hitschmann begonnen, und 1925 wurde sie außerordentliches Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. Sie arbeitete am Ambulatorium der WPV und absolvierte eine weitere Analyse bei Robert Hans Jokl. Von 1926 bis 1930 war sie als Ärztin am psychiatrischen Krankenhaus Steinhof tätig, anschließend in der Neurologischen Abteilung des Maria-Theresien-Schlössel. Von 1935 bis zum Praxisverbot für jüdische Ärzte im Jahr 1938 führte sie in Wien eine eigene Praxis für Neurologie und Psychoanalyse.
Im Juni 1938, nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland, heiratete Margit Herz den Wiener Vertreter Bruno Hohenberg. Mit Hilfe von Grete Bibring, die bereits in London war, konnte sie mit ihrem Mann nach England emigrieren. Ein Jahr später wanderte sie in die USA aus, wurde Mitglied der New York Psychoanalytic Society und eröffnete in New York eine psychoanalytische Praxis.
Nach dem Tod ihres Mannes ging Margit Herz-Hohenberg nach Israel und praktizierte von 1959 bis 1964 in Haifa. 1988 kehrte sie wieder nach New York zurück, wo sie bis zu ihrem Tod lebte.

Margarethe Hilferding war das erste weibliche Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. Sie wurde in Wien als Tochter jüdischer Eltern geboren, ihr Vater war der Allgemeinarzt Paul Hönigsberg, ihre Mutter die Frauenrechtlerin Emma Hönigsberg, geb. Breuer. Nach einer Ausbildung und Tätigkeit als Lehrerin begann Margarethe Hönigsberg 1898 in Wien ein Philosophiestudium, wechselte dann aber 1900, als Frauen zu diesem Fach zugelassen wurden, zur Medizin. 1903 promovierte sie als erste Frau, die an der Wiener Universität Medizin studiert hatte.
Während ihres Studiums schloss sie sich der Freien Vereinigung Sozialistischer Studenten an. Hier lernte sie Rudolf Hilferding (1877-1941) kennen, den austromarxistischen Theoretiker und späteren Finanzminister der Weimarer Republik, den sie 1904 heiratete. Bis 1907 praktizierte Margarethe Hilferding als Ärztin in Wien, dann zog sie nach Berlin, wo ihr Mann als Redakteur der Neuen Zeit arbeitete. Ein Jähr später kehrte sie mit ihren beiden Söhnen Karl und Peter nach Wien zurück, ihre Ehe war gescheitert, wurde aber erst 1923 geschieden. Margarethe Hilferding eröffnete 1910 eine Praxis als Allgemeinärztin im Wiener Arbeiterbezirk Favoriten, wo sie von 1918 bis 1934 auch sozialdemokratische Bezirksrätin war.
Ihre Aufnahme in die WPV wurde 1910 von Paul Federn vorgeschlagen. Isidor Sadger und Fritz Wittels waren prinzipiell gegen die Aufnahme von Frauen, Sigmund Freud sprach sich dafür aus. In geheimer Abstimmung wurde Margarethe Hilferding mit 13 von 15 Stimmen zum Mitglied gewählt. In ihrem Einführungsvortrag Zur Grundlage der Mutterliebe vertrat sie die damals revolutionäre Ansicht, dass es keine angeborene Mutterliebe gibt. Diese werde erst durch die körperliche Beschäftigung mit dem Kind ausgelöst, das in der Zeit nach der Entbindung ein natürliches Sexualobjekt der Mutter darstelle. Mit ihren Ausführungen nahm Margarethe Hilferding grundlegende psychoanalytische Theorien zur Mutter-Kind-Beziehung vorweg.
Als sich 1911 der Streit zwischen Sigmund Freud und Alfred Adler zuspitzte, gehörte sie zu den sechs Mitgliedern, die zusammen mit Adler die WPV verließen. Als Linke konnte sich Margarethe Hilferding von der Individualpsychologie Adlers angezogen fühlen, der Umwelt- und Erziehungseinflüssen eine größere Bedeutung zumaß als die Freudsche Psychoanalyse. Individualpsychologische Positionen vertrat sie aber erst seit 1925, dem Jahr ihres Eintritts in den Wiener Verein für Individualpsychologie. Sie war ab 1927 Leiterin einer Erziehungsberatungsstelle des Vereins und 1930 Mitglied im Vorstand.
Margarethe Hilferding-Hönigsberg praktizierte als Frauenärztin und Schulärztin, sie hielt Kurse und Vorlesungen über Erziehungs- und Frauenfragen und war in der sozialistischen Frauenorganisation aktiv. Sie publizierte vor allem über Themen wie Frauengesundheit, Mutterschaft und Geburtenregelung. 1926 plädierte sie in ihrem Buch Geburtenregelung für eine - auch eugenisch begründete - Liberalisierung der Abtreibung. (Artikelanfang)
1934 wurde Margarethe Hilferding als Jüdin die Kassenzulassung entzogen und sie konnte nur noch privat praktizieren. Nach dem "Anschluss" Österreichs 1938 arbeitete sie noch ehrenamtlich im Wiener Rothschildspital (Abb.). Im Juni 1942 wurde sie nach Theresienstadt deportiert und im September desselben Jahres in Treblinka ermordet.
Die gebürtige Münchnerin Hedwig Hoffer wuchs als Tochter von Albert Schulmann und Ernestine Rau in einer gebildeten jüdischen Famlie in Süddeutschland auf. Sie absolvierte eine Lehrerinnenausbildung, bevor sie 1909 den Jenaer Zoologieprofessor Julius Schaxel (1887-1943) heiratete. Ihre Ehe wurde 1926 geschieden. 1924 zog sie nach Wien, um dort eine psychoanalytische Ausbildung zu machen, ihre Lehranalytikerin war Anna Freud. 1925 wurde sie außerordentliches, zwei Jahre später ordentliches Mitglied und Lehranalytikerin der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung.
Sie interessierte sich besonders für psychoanalytische Pädagogik und engagierte sich im Kinderheim Baumgarten, das Siegfried Bernfeld 1919 für verwahrloste jüdische Kriegswaisen gegründet hatte. An diesem Projekt war auch der Psychoanalytiker Willi Hoffer (1897-1967) beteiligt, den sie 1933 heiratete. Sie gab zusammen mit Anna Freud und August Aichhorn am Wiener Lehrinstitut Kurse für Pädagogen und hielt Vorträge zu Erziehungsfragen. Einer ihrer Analysanden in Wien war der Romancier und Kulturkritiker Hermann Broch.
Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland im Jahr 1938 emigrierten Hedwig und Willi Hoffer nach England. Hedwig Hoffer wurde Mitglied und Lehranalytikerin der British Psycho-Analytical Society und eine Mitstreiterin Anna Freuds in den Auseinandersetzungen mit den KleinianerInnen. Gegen Melanie Kleins These eines verfolgenden Über-Ichs des Kleinkindes wandte sie z. B. ein, dass allenfalls Babys aus der Arbeiterklasse sich verfolgt fühlen könnten.
Hedwig Hoffer stand in dem Ruf einer exzellenten Klinikerin. Sie lebte und arbeitete bis zu ihrem Tod in London.

Hermine Hug-Hellmuth war die erste Kinderanalytikerin und Erfinderin der Spieltherapie, die nach ihr Melanie Klein und Anna Freud weiterentwickelten. In Wien geboren, wuchs Hermine Hug als Tochter von Hugo Hug, Ritter von Hugenstein und seiner Frau Ludowica, geb. Leiner in einer katholischen Familie auf. Der sehr strenge Vater war kaiserlicher Berufsoffizier, die Mutter, die schon 1883 starb, gebildet und musikalisch.
Hermine Hug von Hugenstein absolvierte eine Lehrerinnenausbildung und war Volks- und Bürgerschullehrerin, bevor sie sich 1897 an der philosophischen Fakultät der Universität Wien einschrieb. 1908 promovierte sie im Fach Physik mit einer Arbeit über Radioaktivität. Während ihres Studiums lernte sie den Wiener Nervenarzt Isidor Sadger kennen, der ihr Analytiker wurde und sie in den Kreis um Sigmund Freud einführte. 1911 erschien (unter dem Pseudonym H. Hellmuth) ihre erste psychoanalytische Arbeit, die Analyse eines Traumes eines fünfeinhalbjährigen Jungen. Es war ein Fallbericht über ihren Neffen Rolf Hug, den Sohn ihrer Halbschwester Antonia Hug, für den sie nach deren Tod 1915 das Sorgerecht erhielt und dessen Vormund Isidor Sadger wurde.
Nach der Veröffentlichung ihres Aufsatzes Über Farbenhören, einer Selbstanalyse ihrer Synästhesien, wurde Hermine Hug 1912 Redaktionsmitglied der Zeitschrift Imago und ständige Mitarbeiterin der IZP. 1913 erschien ihre Monographie Aus dem Seelenleben des Kindes, in der sie eine empirische Untermauerung von Freuds Theorie der kindlichen Sexualität unternahm. Im selben Jahr wurde sie in die Wiener Psychoanalytische Vereinigung aufgenommen, wo sie für Kinderpsychologie und Pädagogik zuständig war.
Sie hielt im Wiener Frauenverein Vorträge zum Thema Neue Wege der Kinderseele und führte ab 1919 in der heilpädagogischen Abteilung der Wiener Kinderklinik Analysen durch. In ihrer Abhandlung Zur Technik der Kinderanalyse, die Hug-Hellmuth 1920 auf dem Internationalen Psychoanalytischen Kongress in Den Haag vortrug, nahm sie vieles vorweg, was Anna Freud später aufgreifen sollte. Sie plädierte für eine "heilerziehliche Analyse", um den jungen Patienten Werte zu vermitteln und sie zu willenskräftigen Menschen zu erziehen, und ersetzte als erste die Technik der freien Assoziation in der Kinderanalyse durch das Spiel mit dem Kind.
Als 1919 das von ihr herausgegebene Tagebuch eines halbwüchsigen Mädchens erschien, das mit der Enthüllung sexueller Phantasien großes Aufsehen erregte, wurden Zweifel an der Authentizität des Tagebuchs laut, am vehementesten von Charlotte Bühler. Biografische Parallelen lassen vermuten, dass Hermine Hug-Hellmuth selbst die Verfasserin war. 1921 hielt Hug-Helmuth Vorträge über Kinderanalyse und psychoanalytische Erziehung am Berliner Psychoanalytischen Institut. Sie freundete sich mit Karen Horney an, obwohl sie selbst ein eher biologistisches Frauenbild vertrat. Ab 1922 leitete sie die Kurse der WPV für Angehörige pädagogischer Berufe. Unter ihrer Leitung wurde 1923 am Ambulatorium der WPV die erste psychoanalytisch orientierte Erziehungsberatungsstelle eröffnet.
Im September 1924 wurde Hermine Hug-Hellmuth von ihrem 18-jährigen Neffen Rolf Hug ermordet, nachdem sie seinen Geldforderungen nicht mehr nachgekommen war. In der Öffentlichkeit gab man der Psychoanalyse die Schuld an der Entwicklung des Neffen vom bevorzugten Analyseobjekt der Tante zu ihrem Mörder. (Artikelanfang)
Rosetta Hurwitz wurde in der Ukraine als drittes von acht Kindern geboren. Ihr Vater, der jüdische Intellektuelle Barnett Hurwitz, wanderte 1900 mit seiner Familie in die USA aus und ließ sich in New York nieder. Rosetta und ihre Schwester Marie Briehl absolvierten eine Lehrerinnenausbildung am Hunter College und an der Columbia University und besuchten die New School for Social Research, wo in den frühen 1920er Jahren Carl Gustav Jung, Otto Rank und Sándor Ferenczi Vorlesungen abhielten.
1924 ging Rosetta Hurwitz gemeinsam mit ihrer Schwester nach Wien und ließ sich dort 1925/26 und 1929 zur Kinderanalytikerin ausbilden. Auf Empfehlung Sigmund Freuds machte sie eine Analyse bei Siegfried Bernfeld. Sie hospitierte bei Erwin Lazar in der Universitäts-Kinderklinik und nahm an den Seminaren des Wiener Psychoanalytischen Instituts teil. Die Technik der Kinderanalyse lernte sie bei Anna Freud, von Bernfeld und August Aichhorn ließ sie sich in die Arbeit mit verwahrlosten Kindern einführen. Um die Spieltherapie Melanie Kleins kennenzulernen, verbrachte sie auch einige Zeit in Berlin. 1929 erschien ihre amerikanische Übersetzung von Bernfelds Buch Psychologie des Säuglings [The Psychology of the Infant].
Zurück in New York arbeitete Rosetta Hurwitz als Lehrerin und Kindertherapeutin und setzte sich für die Verankerung der Psychoanalyse in der Ausbildung von LehrerInnen ein. Sie war Mitarbeiterin am Mount Sinai Hospital und unterrichtete an der New School for Social Research. Als Laienanalytikerin, also Nichtmedizinerin, erhielt sie wie ihre Schwester Marie Briehl 1930 nur einen Gaststatus in der New York Psychoanalytic Society, der ihnen beiden später jedoch wieder entzogen wurde.

Die in Krakau geborene Judith (Ida) Silberpfennig wuchs als jüngstes von drei Kindern in einer wohlhabenden jüdischen Fabrikantenfamilie auf. Wegen einer angeborenen Verkrümmung der Wirbelsäule musste sie als kleines Mädchen einen Halteapparat tragen. Als sie 14 Jahre alt war, zog ihre Familie nach Wien. Judith Silberpfennig studierte Medizin an der Wiener Universität und spezialisierte sich in Neurologie und Psychiatrie. 1934 begann sie eine Ausbildung bei der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung und machte bis 1937 eine Lehranalyse bei Eduard Hitschmann.
1937 emigrierte Judith Silberpfennig, die in Wien Kontakt zur sozialistischen Untergrundbewegung hatte, nach New York. Sie erhielt eine Stelle bei Paul Schilder in der Psychiatrischen Abteilung des Bellevue Hospitals und spezialisierte sich auf Kinderpsychiatrie. Ihre psychoanalytische Ausbildung setzte sie am New York Psychoanalytic Insitute bei Hermann Nunberg fort. 1943 wurde sie Mitglied und Lehranalytikerin der New York Psychoanalytic Society. Ein Jahr zuvor hatte sie ihren Mann, den ebenfalls aus Polen stammenden Rechtsanwalt Milton Kestenberg (1913-1991), kennengelernt. Ihre beiden Kinder kamen nach dem Krieg zur Welt.
Judith Kestenberg konzentrierte sich auf die Kinderpsychoanalyse und begann Anfang der 1950er Jahren mit der systematischen Beobachtung von Kleinkindern. Dabei betrachtete sie unwillkürliche muskuläre Spannungsverläufe als einen Schlüssel zum Verständnis der Affekte. Sie gelangte zu der These, dass bei Mädchen wie Jungen eine mütterliche Phase der phallischen vorausgeht, die sie "innergenitale Phase" nannte. Die Beobachtung und Dokumentation der Bewegungen von Säuglingen und Kleinkindern führte in den 1960er Jahren zur Entwicklung des "Kestenberg Movement Profile", das die Differenzierung unterschiedlicher Bewegungsmuster für Abwehr, Anpassung, Objektbeziehungsformen, Selbstbild usw. ermöglichte und somit eine Einschätzung normaler oder pathologischer Entwicklung.
Ein weiterer Schwerpunkt Judith Kestenbergs war ihr Forschungsprojekt zu "Kinder-Überlebenden". Seit den 1970er Jahren arbeitete sie mit Menschen, die als Kinder von Opfern - aber auch von Tätern - den Holocaust überlebt hatten. Ihrer Ansicht nach erfolgt die Übertragung auf die zweite Generation durch "Transposition", d. h. die Kinder versetzten sich in die Verfolgungszeit ihrer Eltern zurück, um wie in einem Zeittunnel die Vergangenheit zu bewältigen.
Judith Kestenberg lehrte als Professorin an der New York University Medical School sowie am Long Island Jewish Medical Center. Gemeinsam mit ihrem Mann gründete sie 1961 die Institution Child Development Research und 1981 das Projekt International Study of Organized Persecution of Children. (Artikelanfang)
Flora Kraus kam in Wien als Tochter von Ferdinand Spalitzer und Hermine Fischel zur Welt. 1913 heiratete sie in zweiter Ehe Maximilian Kraus, der vermutlich Direktor einer Bank war. 1925 wurde die Ehe wieder geschieden. Anderen Quellen zufolge war sie mit dem sozialdemokratischen Gesundheitspolitiker Siegfried Kraus verheiratet.
1924 wurde Flora Kraus ordentliches Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. In ihrem ersten Vortrag Über Männer- und Frauensprachen bei den Primitiven wendete sie psychoanalytische Gesichtspunkte auf Sprachforschung und Völkerkunde an. Dabei führte sie die Entstehung gesonderter Frauen- und Männersprachen bei "primitiven" Völkern auf die Wirkung bestimmter Verdrängungsfaktoren zurück, wobei die verdrängten sexuellen Inhalte sprachumbildend und sprachschöpferisch wirksam seien.
Flora Kraus arbeitete als Assistentin der Kinderanalytikerin Hermine Hug-Hellmuth, die seit 1923 die erste Erziehungsberatungsstelle des Wiener Psychoanalytischen Ambulatoriums leitete. Nach dem Tod Hug-Hellmuths im Jahr 1924 übernahm Flora Kraus die Leitung der Erziehungsberatungsstelle. 1928 trat sie aus der WPV aus. Die Gründe für ihr Ausscheiden sind ebenso wenig bekannt wie ihre weitere berufliche Tätigkeit. Flora Kraus blieb bis 1940 in Wien, dann emigrierte sie zunächst nach England und schließlich nach Chicago. 1947 kehrte sie nach Wien zurück, wo sie elf Jahre später starb.

Marianne Kris wurde in Wien als jüngste Tochter von Oskar Rie und Melanie Bondy geboren. Ihr Vater war der Kinderarzt der Familie Freud, ein Tarockfreund Sigmund Freuds und seit 1908 Mitglied der WPV. Marianne Rie gehörte zu den ältesten Freundinnen Anna Freuds und war auch kurz bei Sigmund Freud in Analyse. Sie studierte an der Wiener Universität Medizin mit dem Schwerpunkt Psychiatrie und promovierte 1925. Freud riet ihr zu einer psychoanalytischen Ausbildung am Berliner Lehrinstitut, wo sie von 1925 bis 1927 eine Lehranalyse bei Franz Alexander machte.
1927 kehrte sie nach Wien zurück und heiratete den Wiener Kunsthistoriker Ernst Kris (1900-1957), der später als Theoretiker der Ich-Psychologie bekannt wurde. 1928 wurden Marianne und Ernst Kris Mitglieder der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. Marianne Kris nahm am kinderanalytischen Seminar Anna Freuds teil und veröffentlichte 1932 ihre erste kinderanalytische Arbeit Ein Märchenstoff in einer Kinderanalyse.
1938, nach dem "Anschluss" Österreichs, floh Marianne Kris mit ihrem Mann und den Kindern Anna und Anton nach England, wo sie Mitglied und Lehranalytikerin der British Psycho-Analytical Society wurde. 1940 emigrierte die Familie Kris in die USA und ließ sich in New York nieder. 1944 wurde Marianne Kris Mitglied der New York Psychoanalytic Society (NYPS), wo sie neben Berta Bornstein eine der wenigen LehranalytikerInnen für Kinderanalyse war. Sie setzte sich in der New Yorker Vereinigung für die Aufnahme von LaienanalytikerInnen ein und unterrichtete auch nicht-ärztliche Berufsgruppen, wie zum Beispiel ErzieherInnen und SozialarbeiterInnen an der Jewish Board of Guardians.
Gemeinsam mit ihrem Mann beteiligte sich Marianne Kris am Yale University Child Study Center an Langzeitstudien mit Müttern und Kindern, bei denen Erkenntnisse über die unbewusste Haltung der Mutter und angeborenene Eigenschaften des Kindes kurz- und langfristige Voraussagen ermöglichen sollten. Einen ihrer Schwerpunkte bildete eine von ihr ab 1958 am Yale Child Study Center durchgeführte Studie über die gleichzeitige Psychoanalyse mehrerer Familienmitglieder, deren Ergebnisse sie 1972 am New York Psychoanalytic Institute vorstellte. Außerdem nahm sie zusammen mit Peter Neubauer an Studien über Kibbuzkinder teil. (Artikelanfang)
Nach dem Tod von Ernst Kris übernahm Marianne Kris dessen Position in der Redaktion der Zeitschrift The Psychoanalytic Study of the Child. Zusammen mit Anna Freud kämpfte sie um die Anerkennung der als zweitklassig geltenden Kinderanalyse und bewirkte, dass 1964 in der APsaA ein regelmäßiges Forum über Kinderanalyse eingerichtet wurde. 1965 wurde sie die erste Präsidentin der Association für Child Psychoanalysis in New York.
Einem breiteren Publikum wurde Marianne Kris als Therapeutin von Marilyn Monroe bekannt. Als diese 1962 Selbstmord beging, hinterließ sie ihrer Analytikerin ein Viertel ihres Vermögens, das zum Großteil in die Hampstead-Klinik von Anna Freud floss.
Estelle Levy wurde in New York als Tochter jüdischer Eltern geboren. Sie arbeitete sechs Jahre lang als psychiatrische Fürsorgerin bei der Mental Hygiene for Jewish Social Service Association in New York, bevor sie 1927 nach Wien ging, um sich zur Psychoanalytikerin ausbilden zu lassen. Als eine der ersten AmerikanerInnen absolvierte sie eine kinderanalytische Ausbildung bei Anna Freud. 1931 referierte sie zum Thema Eine Phobie vor Nachtfaltern und wurde als außerordentliches Mitglied in die Wiener Psychoanalytische Vereinigung aufgenommen.
Sie eröffnete eine psychoanalytische Privatpaxis in Wien und berichtete 1932 in ihrem Aufsatz Psychoanalyse eines Kindes mit Stehlzwang über den Fall eines achtjährigen Jungen, den sie erfolgreich behandelt hatte. Dessen Stehlzwang wie auch sein Prahlen und Lügen führte sie auf den Kastrationskomplex und das ödipale Konkurrieren des Jungen mit dem Vater zurück. Die Objekte seines zwanghaften Stehlens fungierten dabei als Penissymbole, die ihn für den Verzicht auf die Vaterrolle entschädigen sollten. Hinzu kam als weitere Bedingung ein Mangel an Befriedigung seiner Liebeswünsche.
1932 kehrte Estelle Levy nach New York zurück und stellte einen Antrag auf Aufnahme in die New York Psychoanalytic Society. Sie wurde jedoch, da sie keine Ärztin war, nicht angenommen und blieb bis 1938 Mitglied der WPV. 1936 ging sie nach Los Angeles, wo sie sich an der Gründung der Los Angeles Psychoanalytic Study Group beteiligte, die der San Francisco Psychoanalytic Society angegliedert war und 1946 als Los Angeles Psychoanalytic Society and Institute eigenständig wurde.
Vera Ligeti wurde in Budapest geboren, wo sie 1948 an einem Mädchengymnasium das Abitur machte und anschließend Psychologie (bei Imre Hermann), Pädagogik und Marxismus sowie Finnougristik und sumerische Sprachen studierte. Nach der Niederschlagung des ungarischen Volksaufstands im Jahr 1956 emigrierte Vera Ligeti nach Wien, studierte dort Psychologie und Völkerkunde und promovierte 1958. 1957 heiratete sie den Komponisten György Ligeti (1923-2006), 1965 wurde ihr Sohn Lukas geboren.
Vera Ligeti absolvierte eine Lehranalyse bei Tea Genner-Erdheim und wurde 1974 Mitglied, später Lehranalytikerin der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. Sie lehrte am Wiener Psychoanalytischen Institut und war zehn Jahre lang an der Child Guidance Clinic in Wien tätig. Von 1958 bis 1990 arbeitete sie am Wiener Institut für Erziehungshilfe, wo sie einige Jahre die psychotherapeutische Betreuung einer Gruppe von jugendlichen Ungarnflüchtlingen leitete. Bei der Behandlung dieser Jugendlichen, deren Situation geprägt war durch die Trennung von den Eltern und die traumatische Flucht sowie durch Regression und Verwahrlosung, orientierte sie sich an August Aichhorns Arbeit mit verwahrlosten Jugendlichen und dem Ansatz von Anna Freud. Über dieses Projekt berichtete sie 1973 in ihrem gemeinsam mit Hans Strotzka verfassten Aufsatz Die Psychodynamik einer Gruppenregression.
Zusammen mit Elisabeth Brainin und Samy Teicher veröffentlichte Vera Ligeti das Buch Vom Gedanken zur Tat, in dem, ausgehend von der Verdrängung des Nationalsozialismus in der Psychoanalyse nach dem Zweiten Weltkrieg, unbewusste Aspekte des Antisemitismus analysiert werden.
Vera Ligeti lebt in Wien und ist als Supervisorin für Kinderanalyse und Kinderpsychotherapie tätig.

Die in Chicago geborene Ruth Mack Brunswick war die einzige Tochter des Richters Julian W. Mack, eines bekannten jüdischen Philantropen, und seiner Frau Jessie Fox. Sie besuchte das Radcliffe College und studierte danach an der Tufts Medical School Medizin mit Schwerpunkt Psychatrie. In erster Ehe war sie mit dem Herzspezialisten Hermann Blumgart verheiratet, der sie auf die Psychoanalyse aufmerksam machte.
Nach ihrer Graduierung ging sie 1922 nach Wien, um eine Analyse bei Sigmund Freud zu machen, die mit Unterbrechungen bis 1938 dauerte (Abb.). Sie ließ sich von Blumgart scheiden und heiratete 1928 den Musiker Mark Brunswick (1902-1971), der ebenfalls bei Freud in Analyse war. 1926 wurde Ruth Mack Brunswick außerordentliches, 1929 ordentliches Mitglied der New York Psychoanalytic Society, der sie auch weiterhin angehörte, als sie 1930 in die Wiener Psychoanalytische Vereinigung aufgenommen wurde.
Von 1930/31 an leitete sie am Wiener Lehrinstitut eine Arbeitsgemeinschaft zur Psychosenforschung. Seit 1932 war sie Mitarbeiterin der Psychoanalytic Quarterly, und 1935 wurde sie in den Lehrausschuss der WPV gewählt. Ruth Mack Brunswick fungierte als Vermittlerin zwischen Freuds Kreis in Wien und den amerikanischen Analytikern. Zu ihren AnalysandInnen gehörten u. a. Karl Menninger, Max Schur, Muriel Gardiner, René de Monchy und die Schauspielerin Myrna Loy.
Freud, der ihre analytischen Fähigkeiten hoch einschätzte, überwies ihr neben anderen Patienten Sergius Pankejeff, den berühmten "Wolfsmann", den Ruth Mack Brunswick von Oktober 1926 bis Februar 1927 behandelte. In ihrem 1929 veröffentlichten Nachtrag zu Freuds Analyse des Wolfmanns hob sie die wichtige Rolle hervor, die das Geschlecht des Analytikers für den psychotischen Patienten spielt.
Ruth Mack Brunswick blieb - mit Ausnahme einiger Monate, die sie wegen der Geburt ihrer Tochter Mathilde 1928/29 in den USA verbrachte - bis zum "Anschluss" 1938 in Wien. Dann kehrte sie in die USA zurück, eröffnete eine psychoanalytische Privatpraxis in Washington und wurde Lehranalytikerin der New York Psychoanalytic Society. Wie Marie Bonaparte in Frankreich, verstand sie sich als Statthalterin Freuds in Amerika, die über die korrekte Interpretation seines Werks wachte. Ihr wissenschaftliches Interesse galt neben der Therapie von Psychosen der psychosexuellen Entwicklung der Frau. Als ihre bedeutendste Arbeit gilt ihr 1940 erschienener Artikel The pre-oedipal phase of the libido development. Bereits 1929 hatte sie in Die Analyse eines Eifersuchtswahnes auf die Bedeutung der präödipalen Phase hingewiesen.
Auf Mack Brunswick geht die Differenzierung zwischen einem aktiven und passiven Ödipuskomplex zurück (anstelle der bis dahin verwendeten Formulierung: positiver und negativer Ödipuskomplex). Danach wird die präödipale Sexualität des Mädchens zum aktiven Ödipuskomplex mit der Mutter als Objekt, ehe es sich im passiven Ödipuskomplex dem Vater zuwendet. Zum Penisneid äußerte Ruth Mack Brunswick eine von Freud abweichende Ansicht: Der Kindeswunsch des kleinen Mädchens gehe dem Penisneid voraus und hänge mit dem Wunsch zusammen, die Attribute der omnipotenten Mutter zu besitzen. Er sei aber nicht nur narzisstisch, sondern auch durch den objektorientierten Wunsch motiviert, die Mutter zu besitzen. (Artikelanfang)
Wegen psychosomatischer Magen- und Gallenbeschwerden nahm Ruth Mack Brunswick seit den 1930er Jahre Schlafmittel und Morphium, was schließlich zu einer Drogenabhängigkeit führte. Deprimiert durch Krankheit, den Tod ihrer Eltern und die Scheidung von Mark Brunswick, machte sie in New York noch einmal eine Analyse bei Hermann Nunberg. Im Januar 1946 stürzte sie so unglücklich, dass sie an einem Schädelbruch starb.
Die Kinderanalytikerin Anna Mänchen wurde in Kowno in Litauen als Tochter eines jüdischen Gutsbesitzers geboren. Nachdem ihr Vater 1903 gestorben war, lebte sie in Russland und besuchte in Odessa und Petersburg das Gymnasium. Von 1921 an studierte sie in Wien Psychologie und Geschichte und promovierte 1925 mit einer geschichtsphilosophischen Arbeit über Alexander Herzen und das Problem der Entwicklungswege Rußlands.
1927 heiratete sie den Wiener Historiker und Sinologen Otto Mänchen-Helfen (1894-1969) und zog mit ihm im gleichen Jahr nach Moskau, wo Otto Mänchen eine leitende Stelle am Marx-Engels-Institut antrat. Anna Mänchen-Helfen interessierte sich für die progressive Pädagogik der Sowjetunion und besuchte in Moskau das Kinder-Laboratorium der russischen Psychoanalytikerin Vera Schmidt. Als ihr Mann 1930 Dozent an der Universität in Berlin wurde, begann Anna Mänchen eine Ausbildung am Berliner Psychoanalytischen Institut.
Die Machtübernahme Hitlers zwang sie 1933 zur Rückkehr nach Wien, wo sie Kandidatin der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung (WPV) wurde und eine Lehranalyse bei Anna Freud machte. Sie veröffentlichte 1936 ihren Aufsatz Denkhemmung und Aggression aus Kastrationsangst, einen Beitrag zum psychodynamischen Verständnis von Lernstörungen, und wurde ein Jahr später außerordentliches Mitglied der WPV.
Als nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland 1938 die Wohnung von Anna und Otto Mänchen von der SS durchsucht worden war, versteckten sie sich eine Zeitlang bei Mary O'Neil Hawkins, die in Wien ihre psychoanalytische Ausbildung absolvierte. Noch im selben Jahr emigrierten sie mit ihrem Sohn in die USA. Nach einem Aufenthalt in New York und Alameda ließen sie sich zunächst in Oakland nieder und übersiedelten 1947 nach Berkeley, Kalifornien.
Anna Mänchen wurde Mitglied und Lehranalytikerin der San Francisco Psychoanalytic Society, deren Präsidentin sie von 1955 bis 1957 war. Sie zählte dort zu den einflussreichsten Kinderanalytikerinnen aus der Schule Anna Freuds und spielte eine wichtige Rolle beim Aufbau der Kinderanalyse in San Francisco. Bis 1968 lehrte sie an der School of Social Welfare der Universität Berkeley. 1973/74 amtierte sie als Präsidentin der Association of Child Analysis.

Die Kinderanalytikerin Christine (Mädi) Olden wurde als Marie-Christine Fournier in Prag geboren, ihre Eltern waren der Wiener Historiker August Fournier und seine Frau Dora Gabillon. Sie war in erster Ehe mit Hans Fortwängler (1871-?) verheiratet, von dem ihre 1909 geborene Tochter Marie-Christine stammte. Nach ihrer Scheidung heiratete sie 1920 den Journalisten und Rechtsanwalt Rudolf Olden (1885-1940), die Ehe hielt jedoch nur wenige Jahre. Nach einer weiteren Heirat mit einem tschechischen Kommunisten namens Mayer nannte sie sich auch Christine Ma[e]yer-Fournier.
Christine Olden begann ihre psychoanalytische Ausbildung bei Hanns Sachs in Berlin und setzte sie dann in Wien fort. Sie gehörte zu der Gruppe von LinksfreudianerInnen um Siegfried Bernfeld und Otto Fenichel. Mitte der 1930er Jahre ging sie nach Prag, wo sie sich der von Fenichel geleiteten Psychoanalytischen Arbeitsgemeinschaft anschloss. 1938 beendete sie dort ihre Ausbildung und wurde in die Schweizerische Gesellschaft für Psychoanalyse aufgenommen.
Noch im gleichen Jahr emigrierte sie in die USA, ließ sich in Los Angeles nieder und wurde Mitglied der für Laienanalytiker offenen Los Angeles Psychoanalytic Study Group. 1943 zog sie nach New York und war dort Ehrenmitglied der New York Psychoanalytic Society.
Bekannt wurde besonders ihre 1941 veröffentlichte Arbeit über die Anziehungskraft der narzisstischen Persönlichkeit auf Einzelne wie auf Gruppen, die an der von ihr verkörperten Omnipotenz partizipieren möchten.

Die in Salzburg geborene Else Pappenheim wuchs in Wien als Tochter des österreichisch-jüdischen Nervenarztes und Psychoanalytikers Martin Pappenheim und dessen erster Frau Edith Goldschmidt auf. Ihre Tante war die Ärztin Marie Frischauf, die Ende der 1920er Jahre in Wien mit Wilhelm Reich zusammenarbeitete. Wie ihre Freundin Marie Glas besuchte Else Pappenheim die Privatschule der feministischen Sozialdemokratin Eugenie Schwarzwald. Sie studierte ab 1929 in Wien Medizin und arbeitete anschließend von 1935 bis 1938 als Sekundarärztin an der Wiener Universitätsklinik für Psychiatrie und Neurologie.
Von 1934 bis 1937 machte Else Pappenheim eine Lehranalyse bei Otto Isakower und absolvierte eine Ausbildung am Wiener Psychoanalytischen Institut. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich verlor sie die Praxiserlaubnis und ihre Stelle an der Universitätsklinik. Sie emigrierte Ende 1938 über Palästina (wo ihr Vater 1933 die Palästinensische Psychoanalytische Vereinigung mitgegründet hatte) in die Vereinigten Staaten. Sie ließ sich in Baltimore nieder und arbeitete bis 1940 als Forschungsassistentin an der Phipps-Klinik der Johns Hopkins School of Medicine, wo sie bei dem Psychiater Adolf Meyer die - aus ihrer Sicht "starre" - amerikanische Psychoanalyse kennenlernte. 1941 zog sie nach New York und beendete hier zwei Jahre später ihre Lehranalyse bei dem ebenfalls emigrierten Otto Isakower. Sie graduierte am New York Psychoanalytic Institute und wurde 1944 Mitglied der APsaA.
1946 heiratete sie ihren (entfernten) Cousin, den Elektroingenieur und späteren Patentanwalt Stephen Frishauf (1920-2011). Ein Jahr später wurde ihre Tochter Elisabeth geboren, Sohn Peter folgte 1949. Das Ehepaar war 1947 nach New Haven übergesiedelt, kehrte jedoch 1952 nach New York zurück, wo Else Pappenheim eine psychoanalytische Privatpraxis eröffnete. Bis 1986 lehrte und arbeitete sie als Neurologin und Psychiaterin an verschiedenen Universitäten und Krankenhäusern in New York, darunter von 1964 bis 1978 am Downstate Medical Center in Brooklyn und Kings County Hospital.
Neben psychiatrisch-neurologischen Studien interessierte sich Else Pappenheim besonders für Pathographien und die Geschichte der Psychiatrie und Psychoanalyse. Bereits 1929 schrieb sie einen Matura-Aufsatz über Das Pathologische in Hölderlins Leben und Werk. Sie veröffentlichte Arbeiten über die Geschichte der Wiener Schule der Medizin, die Vorläufer Sigmund Freuds wie z. B. den österreichischen Psychiater Ernst Freiherr von Feuchtersleben, und Freuds frühe Krankengeschichten. Ihre gesammelten Schriften sind 2004 unter dem Titel Hölderlin, Feuchtersleben, Freud erschienen. (Artikelanfang)

Lili Esther Roubiczek wurde in Prag als Tochter des jüdischen Textilfabrikanten Ludwig Roubiczek geboren. Sie begann noch in Prag ein Biologiestudium, wechselte dann 1920 nach Wien, um bei Karl Bühler Psychologie zu studieren. Nachdem sie 1921 in London eine Ausbildung bei der Reformpädagogin Maria Montessori absolviert hatte, eröffnete sie 1922 das "Haus der Kinder", die erste Montessori-Schule für Arbeiterkinder in Wien.
Lili Roubiczek war als Beraterin der Kinderfürsorge-Abteilung der Stadt Wien tätig und initiierte Seminare für Kindergärtnerinnen sowie einen Ausbildungskurs, an dem auch Psychoanalytiker wie z. B. Erik H. Erikson teilnahmen. Anna Freud lud sie in ihr kinderanalytisches Seminar ein, und obwohl sich Maria Montessori mit der Verbindung ihrer Pädagogik mit der Psychoanalyse nicht anfreunden konnte, entstand ein lebhafter Austausch zwischen der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung (WPV) und der wiedergegründeten Wiener Montessori-Gesellschaft. Nach Analysen bei Siegfried Bernfeld und Hermann Nunberg wurde Lili Roubiczek 1931 außerordentliches Mitglied der WPV. Ihren Einführungsvortrag hielt sie über das Thema Montessoripädagogik und psychoanalytische Pädagogik.
1933 heiratete sie den sozialistischen Sozialmediziner Sigismund Peller (1890-1985) und emigrierte ein Jahr später mit ihm nach Palästina. 1935 wurde sie außerordentliches Mitglied der Chewrah Psychoanalytith b'Erez-Israel in Jerusalem und richtetete dort eine Montessori-Schule für deutschsprachige Emigrantenkinder ein. 1938 gingen sie und ihr Mann in die USA, zunächst nach Baltimore, dann 1940 nach New York, wo Lili Peller-Roubiczek als Lehr- und Kinderanalytikerin arbeitete und Ausbildungsprogramme für Lehrer entwickelte.
Lili Peller-Roubiczek interessierte sich besonders für die Sprach- und Spielentwicklung von Kindern, und obwohl sie sich in den USA stärker der Psychoanalyse zuwandte, setzte sie sich auch weiterhin mit der Montessori-Pädagogik auseinander. Ihr Verdienst war es, eine Synthese zwischen den fortschrittlichen Erziehungsideen der Reformpädagogik und den Erkenntnissen der Psychoanalyse zu schaffen. (Artikelanfang)

Maria Weigl war die Tochter des österreichisch-jüdischen Komponisten Karl Weigl und der Wiener Opernsängerin Elsa Pazeller. Nach der Scheidung ihrer Eltern 1913 lebte sie bei ihrer Mutter. Sie ließ sich zur Kindergärtnerin ausbilden und studierte in Wien Anthropologie und Psychologie. Beeinflusst durch Erik H. Erikson und Anna Freud, interessierte sie sich besonders für die Anwendung der Psychoanalyse in der Erziehung von Kleinkindern.
1933 heiratete sie den Psychoanalytiker Gerhart Pisk (später Piers) (1908-1978). Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich floh sie 1938 in die Schweiz und promovierte ein Jahr später in Basel. 1939 emigrierte das Ehepaar Piers in die USA und ließ sich in Chicago nieder, wo Maria Piers neben der Betreuung ihrer beiden Kinder Margaret und Matthew als Sozialarbeiterin tätig war. Ab Anfang der 1950er Jahre lehrte sie an der Universität von Chicago und am Chicago Institute of Psychoanalysis, dessen Direktor Gerhart Piers seit 1956 war.
Ihr Schwerpunkt war die Kinderpsychologie. Als eine der ersten nutzte sie das Fernsehen, um mit Filmen über Kindererziehung die Eltern zu erreichen. 1966 war sie Gründungsdirektorin des Institute for Early Childhood Education, einer Ausbildungs- und Forschungsstätte für die Entwicklung und Erziehung von Kleinkindern im städtischen Umfeld. Das Institut, in dem sie bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1986 tätig war, wurde 1968 in Erikson Institute for Advanced Study in Child Development umbenannt.

Beata Tola Rank wurde in Neusandetz in Polen als Tochter einer assimilierten jüdischen Familie geboren. Sie studierte in Krakau Psychologie, schloss das Studium aber nicht ab. 1918 heiratete sie Otto Rank (1884-1939), der während des Ersten Weltkriegs als Leutnant der österreichischen Armee in Krakau stationiert war und für die Krakauer Zeitung arbeitete. Ein Jahr später wurde ihre Tochter Helene geboren.
Sie zogen 1918 nach Wien, wo Otto Rank Schriftführer der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung (WPV) und Mitherausgeber der Zeitschrift Imago war. Beata Rank, die von Sigmund Freud als Gesprächspartnerin und Organisatorin sehr geschätzt wurde, arbeitete für den Internationalen Psychoanalytischen Verlag und übersetzte 1923 Freuds Aufsatz Über Träume ins Polnische. Sie nahm an Anna Freuds kinderanalytischem Seminar teil und machte eine Analyse bei Mira Oberholzer in der Schweiz. 1923 wurde sie Mitglied der WPV. Als sich ab 1924 die Konflikte zwischen Sigmund Freud und Otto Rank zuspitzten, der mit seiner Betonung des Geburtstraumas und der vorsprachlichen Mutterbeziehung die Bedeutung des Ödipuskomplexes in Frage stellte, versuchte Beata Rank vergeblich zu vermitteln.
1926 übersiedelten die Ranks nach Paris, wo Beata Rank als Kinderanalytikerin praktizierte. Beide gehörten dem Kreis um Henry Miller und Anaïs Nin an, mit der Otto Rank eine Liebesbeziehung einging. 1934 trennte sich Beata Rank von ihrem Mann und emigrierte zwei Jahre später mit ihrer Tochter in die USA. Sie ließ sich in Boston nieder und wurde Mitglied, Lehranalytikerin und Vorsitzende des Educational Committee der Boston Psychoanalytic Society.
Beata Rank, die einen klassisch-freudianischen Ansatz vertrat, galt als bedeutende Kinderanalytikerin und arbeitete sehr erfolgreich mit verhaltensgestörten und psychotischen Kindern. Sie leitete gemeinsam mit Marian Putnam das James Jackson Putnam Children's Center für Vorschulkinder und war Co-Direktorin des Judge Baker Guidance Center. Sie war mit der ebenfalls nach Boston emigrierten Helene Deutsch befreundet.

Annie Reich stammte aus einer gebildeten jüdischen Familie der gehobenen Wiener Mittelschicht. Ihr Vater Alfred Pink war ein erfolgreicher Geschäftsmann, ihre Mutter Therese geb. Singer war ausgebildete Lehrerin, sie starb 1918 während einer Influenza-Epidemie. Annie Pink besuchte in Wien das Mädchenrealgymnasium und engagierte sich wie ihr Bruder in der sozialistischen Wiener Jugendbewegung, wo sie Berta Bornstein, Siegfried Bernfeld und Otto Fenichel kennenlernte. 1921 schrieb sie sich als eine der ersten Frauen in Wien für ein Medizinstudium ein. Gleichzeitig begann sie eine Analyse bei Wilhelm Reich (1897-1957), den sie 1922 heiratete. 1924 und 1928 wurden ihre beiden Töchter Eva und Lore geboren. Annie Reich setzte ihre Analyse bei Hermann Nunberg fort und schloss sie später bei Anna Freud ab.
1926 promovierte sie an der Wiener Universität, 1928 wurde sie außerordentliches und 1929 ordentliches Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. Ihr Einführungsreferat hielt sie über einen Fall von Epilepsie. Sie interessierte sich sehr für Sexualpolitik und arbeitete an den von Wilhelm Reich und Marie Frischauf gegründeten sozialistischen Sexualberatungsstellen mit. Anfang der 1930er Jahre veröffentlichte sie mehrere sexualpolitische Schriften, darunter Das Kreidedreieck, eine damals in der kommunistischen Kinderarbeit sehr populäre Aufklärungsschrift. Trotz ihrer sexualaufklärerischen Haltung stand Annie Reich der Orgasmus-Theorie Wilhelm Reichs distanziert gegenüber, sie blieb zeitlebens eine klassische Freudianerin.
Nach einer Reise 1929 durch die Sowjetunion, wo sie sich bei Vera Schmidt über das psychoanalytische Kinderheim-Laboratorium informierten, zogen Annie und Wilhelm Reich 1931 nach Berlin. Annie Reich wurde Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft und gehörte wie ihr Mann zum Kreis marxistischer PsychoanalytikerInnen um Otto Fenichel. Als 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, floh Annie Reich nach Prag, während Wilhelm Reich nach Skandinavien ins Exil ging - es war das Ende ihrer bereits zerrütteten Ehe.
In Prag war Annie Reich Mitgründerin und Lehranalytikerin der Prager Psychoanalytischen Arbeitsgemeinschaft. 1938 heiratete sie den aus Russland stammenden jüdischen Historiker Thomas Rubinstein, einen ehemaligen Angehörigen der Regierung Alexander Kerenskys. Im gleichen Jahr emigrierte sie mit ihrem Mann und den beiden Töchtern in die USA und ließ sich in New York nieder. Annie Reich wurde Mitglied der New York Psychoanalytic Society, deren Präsidentin sie von 1960 bis 1962 war. Sie praktizierte als Lehr- und Kontrollanalytikerin in New York und arbeitete am Mount Sinai Hospital.
Annie Reichs gesammelte Schriften erschienen unter dem Titel Psychoanalytic Contributions. Zu ihren bekannteren Arbeiten gehören Veröffentlichungen über Narzissmus und Gegenübertragung. In ihrem Aufsatz Narcissistic object choice in women beschrieb sie, wie eine defizitäre infantile Beziehung zur Mutter in pathologische Formen narzisstischer Objektwahl münden kann. Ihr Fallbeispiel einer Patientin, die sich mit kurzlebigen Objektwahlen ihrer exhibitionistischen Mutter anzugleichen suchte, zeigt, dass das Ich-Ideal narzisstischer Frauen eine Identifizierung mit der frühen glorifizierten Mutter-Imago repräsentiert. (Artikelanfang)
Wenige Monate vor ihrem Tod übersiedelte sie zu ihrer Tochter Lore nach Pittsburgh, wo sie nach mehreren Schlaganfällen starb. Lore Reich Rubin wurde ebenfalls Psychoanalytikerin; Eva Reich setzte als Ärztin die bioenergetischen Erkenntnisse ihres Vaters in die Praxis um.

Eva Marie Rosenfeld, eine Nichte der von Sigmund Freud verehrten Sängerin Yvette Guilbert, wurde in New York geboren und wuchs mit drei älteren Brüder in einem jüdischen Elternhaus in Berlin auf. Ihr Vater Theodor Rosenfeld war Theaterimpresario und Mitbegründer der Berliner "Freien Bühne". 1908, ein Jahr nach dem Tod ihres Vaters, begann Eva Rosenfeld als Erzieherin im Zellerhaus, einer Berliner Einrichtung für Waisenmädchen aus der Arbeiterklasse, zu arbeiten.
1911 heiratete sie ihren Cousin Valentin Rosenfeld (1886-1970), der in Wien Jura studierte und nebenbei Vorlesungen Sigmund Freuds besuchte. Sie zog zu ihm nach Wien und widmete die nächsten Jahre ihren Kindern und dem Wiener Kultur- und Geistesleben. Zwei ihrer vier Kinder starben 1918 an der Ruhr.
Nach dem Ersten Weltkrieg richtete sie in ihrem Haus eine Stätte für junge Mädchen ein, um sie in Hauswirtschaft und Gartenpflege zu unterweisen. Sie nahm auch schwer erziehbare Jugendliche auf, darunter eine schwierige Patientin von Anna Freud. Eva Rosenfeld und Anna Freud wurden enge Freundinnen und gründeten 1927 gemeinsam mit Dorothy Burlingham die Burlingham-Rosenfeld-Schule in Wien-Hietzingen, die bis 1932 bestand. In dieser Schule erhielten Kinder und Jugendliche Projektunterricht und wurden von psychoanalytisch geschulten Lehrern betreut, zu denen u. a. Erik H. Erikson gehörte.
1929 begann Eva Rosenfeld ihre dreijährige Analyse bei Sigmund Freud. Ihr Leben war damals überschattet von dem Tod ihrer Tochter Mädi, die zwei Jahre zuvor bei einem Bergunfall ums Leben gekommen war. Außerdem stand ihre Ehe kurz vor dem Scheitern, und Dorothy Burlingham nahm immer mehr ihren Platz an Anna Freuds Seite ein. Nach der Trennung von ihrem Mann kehrte sie 1931 nach Berlin zurück, um Ernst Simmel bei der Leitung des psychoanalytischen Sanatoriums Schloss Tegel zu unterstützen, das jedoch noch im gleichen Jahr aus finanziellen Gründen schließen musste.
In dieser Zeit entschied sich Eva Rosenfeld für eine psychoanalytische Ausbildung am Berliner Lehrinstitut und 1935 wurde sie Mitglied der IPV. Ein Jahr später emigrierte sie mit ihrer Mutter und ihrem Sohn nach England. In London machte sie von 1938 bis 1941 eine weitere Analyse bei Melanie Klein - zu einer Zeit, als sich die Kontroverse zwischen Anna-FreudianerInnen und KleinianerInnen auf einem Höhepunkt befand. Dass sie eine vermittelnde Position einnahm, führte zu einer Entfremdung sowohl von Anna Freud als auch von Melanie Klein. (Artikelanfang)
Als Mitglied der British Psycho-Analytical Society gehörte Eva Rosenfeld der sog. Mittelgruppe an. Sie eröffnete eine Praxis in Oxford, hielt Vorträge und Referate und führte Lehranalysen durch. Die Stärke Eva Rosenfelds, die eine inspirierende Lehrerin und mitreißende Rednerin war, lag weniger in der Theorie als in der Therapie und der Ausbildung von Therapeuten. Ihre analytische Methode bestand aus einer Mischung aus klassisch freudianischem Vorgehen und kleinianischen Techniken.
Melitta Sperling wurde in Sniatyn in Galizien geboren. Sie besuchte bis 1918 das Gymnasium in Wien und studierte an der Wiener Universität Medizin. Nach ihrer Promotion 1924 spezialisierte sie sich in Kinderheilkunde und Psychiatrie und arbeitete am Wiener Allgemeinen Krankenhaus und am Kinderkrankenhaus in Bad Hall.
1929 heiratete sie den Wiener Arzt und Psychoanalytiker Otto Sperling (1899-2002), mit dem sie einen Sohn und eine Tochter hatte. Melitta Sperling eröffnete 1929 eine Privatpraxis in Wien und begann eine Lehranalyse bei Anna Freud, die sie 1938 jedoch abbrechen musste, als die Deutschen in Wien einmarschierten.
Otto und Melitta Sperling emigrierten 1938 in die USA und ließen sich in New York nieder, wo Melitta Sperling als Psychiaterin am Brooklyn Jewish Hospital arbeitete. Ihre psychoanalytische Ausbildung setzte sie von 1939 bis 1942 am New Yorker Psychoanalytischen Institut fort. Sie wurde Mitglied, dann Lehr- und Kontrollanalytikerin für Kinder und Erwachsene der New York Psychoanalytic Society (NYPS) und eröffnete eine psychoanalytische Privatpraxis. Außerdem lehrte sie Psychiatrie und Psychoanalyse in der Division of Psychoanalytic Education am Downstate Medical Center der State University of New York.
Melitta Sperling interessierte sich besonders für psychosomatische Erkrankungen im Kindesalter und leitete bis 1953 die von ihr initiierte kinderpsychiatrische Station im Brooklyn Jewish Hospital. 1960 gründete sie die erste Arbeitsgruppe für Psychosomatik in der NYPS. Sie führte die psychoanalytische Parallelbehandlung von Mutter und Kind ein und wurde vor allem durch ihre Erfolge auf dem Gebiet psychosomatischer Erkrankungen des Kindes, insbesondere der Colitis ulcerosa, bekannt. Dabei konzentrierte sie sich auf die Rolle der prägenitalen Konflikte und die spezielle Mutter-Kind-Beziehung psychosomatischer Patienten, deren Krankheitsbilder sie auch als "prägenitale Konversionssymptome" beschrieb.

Editha Sterba wurde in Budapest als Tochter eines Obersten der österreichisch ungarischen Monarchie geboren. Sie besuchte das Mädchengymnasium in Prag, danach - als einziges Mädchen - das humanistische Knabengymnasium in Baden bei Wien, wohin ihre Familie nach der Pensionierung des Vaters gezogen war. 1915 begann sie an der Wiener Universität Germanistik, klassische Philologie und Musikwissenschaften zu studieren und promovierte 1921 über Das Wiener Lied von 1789-1815.
Durch die Vermittlung Otto Ranks bekam sie eine Stellung in dem 1918 gegründeten Internationalen Psychoanalytischen Verlag, wo sie zehn Jahre lang als Lektorin und Herausgeberin tätig war. Nach der Scheidung von ihrem ersten Mann (Alberti) heiratete sie 1926 den Wiener Arzt Richard Sterba (1898-1989), der wie sie zu den ersten Ausbildungskandidaten des 1925 gegründeten Wiener Psychoanalytischen Lehrinstituts gehörte. Editha Sterba wurde Ende 1925 außerordentliches, 1930 ordentliches Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung (WPV). Nach Abschluss ihrer Ausbildung eröffneten Richard und Editha Sterba in Wien eine gemeinsame psychoanalytische Praxis.
Editha Sterba spezialisierte sich auf die Psychoanalyse von Kindern und stellte ihre Fälle in Anna Freuds Seminar für Kinder-Analyse vor. August Aichhorn betraute sie mit der Führung der psychoanalytischen Beratungsstellen an Wiener Schulen, und 1928 übernahm sie von Flora Kraus die Leitung der Erziehungsberatungsstelle der WPV. Eine 1932 eingerichtete zweite Beratungsstelle wurde gemeinsam von Editha Sterba, August Eichhorn, Anna Freud und Willi Hoffer betreut. Ab 1934 leitete Editha Sterba das Anfängerseminar für Kinderanalyse. Von ihren damals publizierten Fallanalysen fand die erfolgreiche Behandlung eines autistischen Jungen, die 1933 unter dem Titel Ein abnormes Kind erschien, besondere Beachtung.
Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland emigrierten die Sterbas 1938 mit ihren beiden kleinen Töchtern zunächst in die Schweiz. Ihre weitere Auswanderung gestaltete sich schwierig, u. a. weil der Präsident der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung, Ernest Jones, sich anfangs weigerte, die Ausreise des "Ariers" Richard Sterba zu unterstützen, der seiner Meinung nach die Sache der Psychoanalyse in Österreich vertreten sollte. 1939 konnten sie in die USA ausreisen, wo sie sich schließlich in Detroit niederließen. Editha Sterba wurde Mitglied der Detroit Psychoanalytic Society, außerdem gehörte sie der APsaA, der Association for Child Analysis und der Michigan Psychoanalytic Association an.
Neben ihrer Privatpraxis war sie an zahlreichen Projekten und Forschungsarbeiten beteiligt. Unter anderem entwickelte sie für den Jewish Family Service Methoden zur Behandlung von Jugendlichen, die den Holocaust überlebt hatten. Sie war am Departement of Psychiatry der Wayne University für Kinderpsychiatrie zuständig, arbeitete am Children's Hospital in Michigan und lehrte am Fachbereich für Psychologie der University of Michigan. (Artikelanfang)
1954 veröffentlichte Editha Sterba gemeinsam mit ihrem Mann eine psychoanalytische Studie über Beethoven und dessen konflikthafte Beziehung zu seinem Neffen Karl, die durch ihre provozierenden Thesen zu Beethovens Homosexualität Aufsehen erregte.
Josefine Stroß wurde in Wien als Tochter des österreichisch-jüdischen Lederhändlers Heinrich Stroß geboren. 1920 begann sie ihr Medizinstudium an der Wiener Universität und promovierte 1925. Anschließend spezialisierte sie sich bei Wilhelm Knöpfelmacher auf die Kinderheilkunde und eröffnete dann eine Privatpraxis als Kinderärztin in Wien. 1931 beteiligte sie sich an der von Paul Lazarsfeld und Marie Jahoda durchgeführten Studie über Die Arbeitslosen von Marienthal.
Josefine Stross war eine langjährige Vertraute von Anna Freud, die sie über ihre Studienkollegin Marianne Kris kennenlernte. Sie begann 1933 eine Analyse bei Richard Sterba und wurde 1937 außerordentliches Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. Bis 1938 arbeitete sie als Kinderärztin in der von Edith Jackson und Dorothy Burlingham gegründeten Jackson-Kinderkrippe und führte ein protokollarisches Tagebuch über die Entwicklung der Kleinkinder.
Nach dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich begleitete Josefine Stross Sigmund Freud und seine Tochter Anna in die Emigration nach London. Sie wurde Mitglied der British Psycho-Analytical Society und beteiligte sich am Aufbau der War Nurseries und des Hampstead Child Therapy Course and Clinic, wo sie als Kinderärztin arbeitete und lehrte.
In ihren Kursen und Seminaren bemühte sich Josefine Stross, die selbst nie als Psychoanalytikerin praktizierte, besonders um das Verständnis der schwierigen Mutter-Kind-Beziehung in den ersten beiden Lebensjahren des Kindes. Nach dem Tod von Anna Freud zog sie sich aus ihrer beruflichen Arbeit zurück. Ihre wissenschaftlichen Aufzeichnungen blieben unveröffentlicht.

Lia (Juliana) Laszky stammte aus einer begüterten Wiener Arztfamilie. Während ihres Medizinstudiums in Wien verliebte sich ihr Studienkollege Wilhelm Reich (1897-1957) in sie und weckte ihr Interesse an der Psychoanalyse. Auf sein Betreiben hin begann sie um 1919 eine Analyse bei Isidor Sadger. 1921 heiratete die begabte Cellospielerin den Dirigenten Hans Swarowsky (1899-1975) und gab ihr Studium auf. Aus der Ehe ging ihr Sohn Anton hervor.
Nach einer Ausbildung zur Erzieherin arbeitete Lia Swarowsky in einer Montessori-Kindertagesstätte in Wien. 1927 trennte sie sich von ihrem Mann, um mit Reich zusammenzuleben, dessen Interesse an einer Verbindung von Psychoanalyse und Politik sie teilte. Sie trat in die KPÖ ein und unternahm 1928/29 gemeinsam mit Reich Exkursionen in die Wiener Vorstädte, um über sexuelle Probleme zu diskutieren und Merkblätter zur Sexualaufklärung zu verteilen.
1930 schloss sie sich der von Wilhelm Reich und Marie Frischauf gegründeten Sozialistischen Gesellschaft für Sexualberatung und Sexualforschung an und arbeitete in den Proletarischen Sexualberatungsstellen mit, wo sie mit Edith Buxbaum für Sexualfragen von Kindern und Jugendlichen zuständig war. Trotz ihres Engagements in der Sexpol-Bewegung teilte Lia Swarowsky Reichs Orgasmustheorie nicht, sie war wie Annie Reich eine orthodox-freudianische Analytikerin.
1936 heiratete sie den Wiener Rechtsanwalt Hugo Knöpfmacher (1890-1980) und emigrierte mit ihm 1939 über England in die USA. Lia Knoepfmacher arbeitete als Psychoanalytikerin in New York und beteiligte sich in den 1950er Jahren an der Paul Federn Study Group, die sich als erste die psychoanalytische Weiterbildung von Sozialarbeitern zur Aufgabe setzte. Seit 1971 gehörte sie als Senior Associate dem Center for Modern Psychoanalytic Studies in New York an. (Artikelanfang)
Die Kinderpsychiaterin Emmy Sylvester wurde in Wien geboren. Sie studierte Psychologie, Philosophie und Geschichte an der Wiener Universität und legte dort 1930 ihre Prüfung zur Lehrbefähigung ab. Unter dem Einfluss von Charlotte Bühler, mit der sie an verschiedenen Projekten zusammenarbeitete, interessierte sich Emmy Sylvester besonders für die Beobachtung und Erforschung des Kleinkindes. 1932 promovierte sie im Fach Psychologie über Das zwei- bis vierjährige Kind in neuer Situation. Untersuchung über die Variationsbreite kindlichen Verhaltens. Anschließend absolvierte sie an der Universität Wien ein Medizinstudium, das sie 1937 mit einer Promotion abschloss. Während ihrer Facharztausbildung spezialisierte sie sich in der Kinderheilkunde.
Gleichzeitig begann sie eine psychoanalytische Ausbildung am Lehrinstitut der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung, ihre Lehranalytikerin war Editha Sterba. 1938, nach dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland, emigrierte sie in die USA und ließ sich in Chicago nieder. Dort arbeitete sie in der kinderpsychiatrischen Abteilung des Michael Reese Hospital und schloss ihre psychoanalytische Ausbildung am Chicago Psychoanalytic Institute ab.
Emmy Sylvester plädierte dafür, schwer gestörte Kinder außerhalb der Familie in einer geschützten Umgebung zu therapieren. Sie beteiligte sich an der Gründung der unter der Leitung Bruno Bettelheims berühmt gewordenen Sonia Shankman Orthogenic School für auffällige Kinder in Chicago. Zusammen mit Bettelheim entwickelte sie die theoretischen Grundlagen für diese Institution, wobei sie sich auf die Arbeit der Wiener Analytiker Siegfried Bernfeld und August Aichhorn mit verwahrlosten Kindern und Jugendlichen bezogen. Emmy Sylvester und Bruno Bettelheim verfassten mehrere Artikel gemeinsam und prägten den Begriff des "therapeutischen Milieus" für die angestrebte heilende Atmosphäre in der Klinik.
1951 zog Emmy Sylvester nach San Francisco und wurde Lehranalytikerin und Kinderanalytikerin der San Francisco Psychoanalytic Society. Sie unterrichtete am Mount Zion Hospital und am Letterman Hospital, war klinische Professorin an der Stanford Medical School und Life Fellow der American Psychiatric Association. Sie galt als eine der besten Kinderanalytikerinnen der Nachkriegszeit, war zweimal verheiratet und lebte bis zu ihrem Tod in San Francisco. (Artikelanfang)
Fri(e)da Teller wurde in Prag als Tochter des jüdischen Buchhändlers Wilhelm Teller geboren. Nach der Reifeprüfung am deutschen Mädchengymnasium in Prag war sie von 1908 bis 1913 Gasthörerin an der Philosophischen Fakultät der Prager Karls-Universität und besuchte Vorlesungen in Germanistik, Anglistik, Romanistik, Kunst- und Musikgeschichte, Geschichte und Pädagogik.
Von 1914 an schrieb sie für die Literaturzeitschrift Euphorion, vorwiegend Rezensionen. 1917 erschien in der psychoanalytischen Zeitschrift Imago ihre Arbeit Musikgenuß und Phantasie, in der sie die Beziehung von Musik und Seelenleben am Beispiel Goethes und Jean Pauls aufzeigte. Frida Teller vertrat die These, dass Musik die psychische Zensur aufhebt und den verdrängten Wunschphantasien eine Phantasiebefriedigung erlaubt. Sie stelle daher eine Äußerungsform des seelisch Unterdrückten dar, vergleichbar dem Traum, der Fehlhandlung und dem neurotischen Symptom.
1920 wurde Frida Teller ordentliches Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung (WPV). In den folgenden Jahren hielt sie zahlreiche Vorträge, u. a. über Die Wechselbeziehung von psychischem Konflikt und körperlichem Leiden bei Schiller (1920), Psychoanalytische Beobachtungen bei Schiller (1921), Übertragungen in der Analyse (1923) und Libidoentwicklung und Artumwandlung (1925). In ihren pathographischen Ausführungen über Schiller hob sie hervor, dass dessen künstlerische Sublimierungsarbeit missglückte und er nur im Kompromisssymptom der tödlichen Krankheit eine Durchsetzung und zugleich Abwehr der unbewussten libidinösen Strömung erreichen konnte.
1926 erklärte Frida Teller ihren Austritt aus der WPV. Da sie sich in ihren Arbeiten häufig auf Otto Rank bezog, könnte ihr Austritt mit dem Bruch zwischen Rank und Sigmund Freud zusammenhängen. Über ihren weiteren Lebensweg ist nichts bekannt, einigen Quellen zufolge soll sie von den Nationalsozialisten ermordet worden sein.

Gertrude Ruth Höllwarth wurde in Wien geboren, wo sie Medizin studierte und 1944 mit einer Arbeit Über Ranula promovierte. Anschließend arbeitete sie in einer Klinik in Leipzig und danach in der Psychiatrisch-Neurologischen Universitätsklinik in Wien. Ihre psychoanalytische Ausbildung erhielt sie nach Kriegsende bei der wieder eröffneten Wiener Psychoanalytischen Vereinigung (WPV). Ihre Lehranalytiker waren Otto Fleischmann und nach dessen Emigration in die USA Alfred Winterstein. 1951 wurde Gertrude Höllwarth Mitglied der WPV.
Noch im gleichen Jahr wanderte sie nach Brasilien aus und arbeitete als Lehranalytikerin in São Paulo, bevor sie Mitte der 1950er Jahre in die USA übersiedelte. Sie zog nach Topeka in Kansas, wo sie 1956 den Wiener Juristen und Psychoanalytiker Ernst Ticho (1915-1997) heiratete, der gleichzeitig mit ihr seine Ausbildung bei der WPV absolviert hatte. Wie ihr Mann wurde Gertrude Ticho Mitarbeiterin der Menninger-Klinik. Sie war Lehranalytikerin und von 1969 bis 1974 Direktorin des Topeka Institute for Psychoanalysis. Nach ihrem Umzug nach Washington lehrte sie zwanzig Jahre lang an der George Washington University und bildete AnalytikerInnen am Washington Psychoanalytic Institute aus.
Gertrude Ticho war eine Vertreterin der Ich-Psychologie und der Objektbeziehungstheorie. Zu ihren wichtigsten Arbeiten zählen ihre Veröffentlichungen über die Selbstanalyse als Ziel der psychoanalytischen Behandlung. Ihrer Ansicht nach sollte sich der Patient die Technik des Analytikers aneignen und auch unabhängig von diesem anwenden können, um Zugang zu seinem Unbewussten zu bekommen. Ihre Erfahrungen als Analytikerin in drei verschiedenen Kulturen beschrieb Gertrude Ticho in ihrem 1971 erschienenen Aufsatz Cultural aspects of transference and countertransference.
2001 ging sie in den Ruhestand und starb drei Jahre später an einem Herzleiden.

Die Kinderanalytikerin Jenny Wälder wurde in Lemberg in Galizien als zweite von drei Töchtern einer assimilierten jüdischen Familie geboren; ihr Vater war ein erfolgreicher Geschäftsmann. Nach der Reifeprüfung 1917 in Wien studierte sie von 1919 bis 1925 Medizin an der Universität Wien und praktizierte danach bis 1930 am Wiener Kaiser-Franz-Josef-Spital.
Angeregt durch ihre Freundin Grete Bibring-Lehner begann sie noch während ihres Studiums eine Analyse bei dem Wiener Psychoanalytiker Robert Hans Jokl. 1928 wurde sie außerordentliches Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung (WPV). 1930 berichtete sie in ihrem ersten Vortrag Aus der Analyse eines Falles von Pavor Nocturnus über die Behandlung eines siebenjährigen Jungen mit Herzneurose und nächtlichem Aufschrecken und wurde noch im gleichen Jahr ordentliches Mitglied der WPV. 1930 war auch das Jahr ihrer Eheschließung mit dem Wiener Psychoanalytiker Robert Wälder (1900-1967).
Gemeinsam mit Berta Bornstein veranstaltete Jenny Wälder in ihrer Wohnung ein wöchentliches Seminar über Kinderanalyse für amerikanische KandidatInnen, an dem u. a. Julia Deming, Edith Jackson und Mary O'Neil Hawkins teilnahmen. 1936 wurde Jenny Wälder in den Lehrausschuss der WPV gewählt und begann ihre Arbeit als Lehr- und Kontrollanalytikerin. 1938, im Jahr des Anschlusses Österreichs an das Deutsche Reich, emigrierten Jenny und Robert Wälder mit ihren beiden Töchtern in die USA und ließen sich in Boston nieder. Nach der Scheidung von Robert Wälder heiratete Jenny Wälder 1941 den aus Australien stammenden Historiker Duncan Hall (1891-1976).
Jenny Wälder-Hall spielte in den USA eine führende Rolle in der Kinderpsychiatrie. Sie war Lehr- und Kontrollanalytikerin der Boston Psychoanalytic Society und unterrichtete in Boston Kinderanalyse und Kinderpsychiatrie am Psychoanalytic Insitute, Nursery Training Institute und am Beth-Israel Hospital, bevor sie 1943 nach Bethesda, Maryland, übersiedelte.
Ab 1944 war sie Mitarbeiterin am Baltimore-Washington Psychoanalytic Institute, wo sie als Anhängerin Anna Freuds die Ideen von Harry Stack Sullivan bekämpfte. Von 1950 bis 1954 lehrte sie auch in der Philadelphia Association for Psychoanalysis, die auf ihr Betreiben hin 1961 eine Abteilung für Kinderanalyse einrichtete. Außerdem beteiligte sie sich an der Gründung der Association for Child Analysis in Michigan und am Aufbau des psychoanalytischen Lehrinstituts in Miami, Florida.
Rosa Walk stammte aus einer jüdischen Familie und wurde in Marmaroziget in Ungarn geboren. Sie besuchte bis 1919 ein Mädchengymnasium in Budapest und studierte anschließend Medizin in Frankfurt am Main. 1924 wechselte sie nach Wien, wo sie vier Jahre später promovierte. 1927 heiratete sie den Wiener Kaufmann und Privatbeamten Anton Johann Walk und konvertierte zum evangelischen Glauben. Ihr Ehemann, von dem sie sich später trennte, galt 1933 als in Shanghai verschollen und wurde für tot erklärt.
Rosa Walk absolvierte Analysen bei Ruth Mack-Brunswick und Edward Bibring und wurde 1933 außerordentliches Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. Ein Jahr später eröffnete sie in Wien eine psychoanalytische Privatpraxis. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich floh Rosa Walk 1938 nach Frankreich, wo sie zwischen Paris und Südfrankreich hin- und herpendelte, während sich das Emergency Committee der American Psychoanalytic Association um ein Affidavit für sie bemühte. 1942 fiel sie der Gestapo in die Hände und wurde verhaftet. Es ist ungeklärt, ob sie sich in der Haft das Leben nahm oder nach Auschwitz deportiert wurde.