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Gerda Barag Miriam Margarete Brandt Berta Grünspan Ruth Jaffe Fanny Lowtzky Margarete Obernik-Reiner Lili Peller-Roubiczek (Österreich) Anna Smeliansky |
Gerda Dina Barag, in Berlin als Tochter eines Arztes geboren, war seit ihrer frühen Jugend in der zionistischen Bewegung aktiv. Sie studierte Medizin in Berlin, wo sie ihren Mann, den aus Russland stammenden Arzt Gershon Barag (1902-1957) kennenlernte. Gershon Barag lebte seit seiner Kindheit in Palästina, hatte in in Frankfurt Medizin studiert und absolvierte nun in Berlin seine Lehranalyse bei Jenö Harnik. Nach Hitlers Machtübernahme brach Gerda Barag ihr Studium vorzeitig ab und folgte ihrem Mann in die Schweiz nach Zürich, wo sie in der psychiatrischen Klinik in Münsingen arbeitete. Später kehrte sie nach Deutschland zurück, um in Berlin ihr Medizinstudium abzuschließen und 1935 zu promovieren.
Ende 1935 emigrierten die Barags über die Schweiz und London nach Palästina und ließen sich in Tel Aviv nieder. Gerda Barag absolvierte hier von 1935 bis 1938 eine Lehranalyse bei Mosche Wulff und war seit 1946 ordentliches Mitglied der Palästinensischen Psychoanalytischen Gesellschaft Chewrah Psychoanalytith b' Erez Israel (CPI), der sie zwanzig Jahre lang auch als Schatzmeisterin diente. Sie lehrte am Israel Psychoanalytic Institute und an der School of Psychiatry der Universität Tel Aviv. Ihre Tochter wurde Psychiaterin wie ihre Eltern und ihr Sohn Dan Professor für Archäologe.
Margarete Brandt wurde in Bronischewitz in Posen geboren, sie war das älteste von drei Kindern des Rittergutsbesitzers Isaak Brandt und seiner Frau Amalie geb. Joachim. 1911 legte sie in Berlin ihr Abitur an der Auguste-Viktoria-Schule zu Charlottenburg ab und besuchte anschließend die Land- und Hauswirtschafts-Frauenschule Arvedshof in Sachsen. Danach studierte sie Medizin in Berlin, Freiburg und Heidelberg, wo sie 1918 promovierte. Von 1926 bis 1933 arbeitete sie als niedergelassene Ärztin und Stadtschulärztin in Berlin. Während dieser Zeit absolvierte sie ihre Lehranalyse bei Max Eitingon am Berliner Psychoanalytischen Institut.
1933 emigrierte sie nach Palästina und wurde ein Jahr später Assistentin von Max Eitingon am Palestine Psychoanalytic Institute in Jerusalem, wo sie bis 1964 als Analytikerin tätig war. Sie betreute unter anderem schwer erziehbare Kinder in Zusammenarbeit mit der Schulfürsorge in Jerusalem. 1943 übernahm sie nach Eitingons Tod die Leitung des Psychoanalytischen Instituts, das nun in Max Eitingon Institute of Psychoanalysis umbenannt wurde.
Miriam Margarete Brandt blieb unverheiratet und lebte zusammen mit ihrer Schwester Elfriede Brandt in den Räumen des Psychoanalytischen Instituts in Jerusalem.
Berta (Betty Beile) Grünspan wurde als zweites von sechs Kindern des jüdischen Kaufmanns Hermann Grünspan in Niedzybrodrie in Galizien geboren. Sie besuchte dort bis zu ihrem vierzehnten Lebensjahr die deutsche Schule und half danach im Haushalt der Famlie mit. Mit 17 Jahren ging sie nach Wien, um sich zur Krankenschwester ausbilden zu lassen. Anschließend arbeitete sie als OP-Schwester am Wiener Rothschildspital. Während des Ersten Weltkriegs pflegte sie verletzte Soldaten an der serbischen Front und beschloss Ärztin zu werden. Sie holte die Matura nach und studierte von 1917 bis 1924 Medizin an der Universität Wien. Anschließend arbeitete sie als praktische Ärztin im Versorgungsheim der Stadt Wien.
Berta Grünspan engagierte sich für Sozialismus, Zionismus und Frauenemanzipation und kam in den 1920er Jahren mit der Psychoanalyse in Berührung. Sie machte eine Analyse bei Willi Hoffer und ab 1933 Kontrollanalysen bei Hermann Nunberg, Jeanne Lampl-de Groot und Grete Bibring. 1937 wurde sie außerordentliches Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung.
Nachdem ihr 1933 die Stelle beim Versorgungsheim gekündigt worden war, arbeitete Berta Grünspan in einem jüdischen Privatspital. 1938, als die Nazis in Wien einmarschierten, emigrierte sie nach Palästina. Sie ließ sich in Haifa nieder und eröffnete dort 1941 eine psychoanalytische Praxis. Als Mitglied und Lehranalytikerin von Chewrah Psychoanalytith b'Erez-Israel war sie an der Entwicklung der Palästinensischen Psychoanalytischen Vereinigung wesentlich mitbeteiligt.
1955 übersiedelte Berta Grünspan in den Kibbuz von Yfat, wo sie als Ärztin tätig war und bis zu ihrem Tod lebte. Noch mit über achtzig Jahren hielt sie während des Jom-Kippur-Kriegs Sprechstunden in der psychiatrischen Abteilung des Krankenhauses in Afule ab.
Ruth Jaffe wurde in Berlin als einzige Tochter einer deutsch-jüdischen Familie geboren. Ihr Vater Alfons Jaffe war Fabrikant und ihre Mutter Alice geb. Holländer Turnlehrerin. Von 1927 bis 1933 studierte Ruth Jaffe Medizin in Berlin, Freiburg und Wien und legte 1933 an der Universität Berlin ihr Staatsexamen ab. Nach Hitlers Machtergreifung emigrierte sie in die Schweiz und promovierte 1934 in Zürich über das Schicksal von Kindern mit Hirntumoren. Noch im gleichen Jahr wanderte sie nach Palästina aus. Sie ließ sich zur Sozialarbeiterin umschulen und leitete von 1938 bis 1943 die Wohlfahrtsabteilung beim Vaad Leumi (Nationalrat der Juden in Palästina) in Rishon-le-Zion.
Von 1943 bis 1949 arbeitete sie am Geha Psychiatric Hospital, wo sie 1951 geschäftsführende Direktorin wurde, und ab 1953 bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1973 war sie Klinische Direktorin des Shalvata Psychiatric Hospital. Mit Heinrich Winnik zählte Ruth Jaffe zu den ersten PsychoanalytikerInnen in Israel, die ein psychiatrisches Krankenhaus leiteten. Ihr Lehranalytiker war Mosche Wulff, der Gründer der Psychoanalytischen Vereinigungen in Russland und in Palästina, und sie gehörte zu den ersten Mitgliedern der Palästinensischen Psychoanalytischen Gesellschaft Chewrah Psychoanalytith b'Erez Israel (CPI). Seit 1960 war sie Lehranalytikerin am Israel Institute of Psychoanalysis, ab 1968 lehrte sie außerdem Psychiatrie an der University School of Medicine in Tel Aviv. Ein Schwerpunkt Ruth Jaffes war die Erforschung der Bewältigungsstrategien von Holocaust-Überlebenden.
Fanja (Fanny) Lowtzky wurde in Kiew geboren als eines von sieben Kinder des wohlhabenden jüdischen Textilunternehmers Isaak Schwarzmann. Einer ihrer Brüder war der russische Religionsphilosoph Lew Schestow (Leo Schwarzmann). 1898 begann sie ein Philosophiestudium in Bern und promovierte 1909 über Heinrich Rickert. Mit ihrem Mann, dem Komponisten Hermann Lowtzky (1871-1957), lebte sie bis zu Beginn der 1920er Jahre in Genf, wo sie eine erste Analyse vermutlich bei Sabina Spielrein machte.
1922 zog Fanja Lowtzky nach Berlin, absolvierte dort eine Lehranalyse bei dem ebenfalls aus Russland stammenden Max Eitingon und war von 1928 bis 1935 ordentliches Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft. 1935 erschien im Internationalen Psychoanalytischen Verlag ihr Buch über Sören Kierkegaard, in dem sie beschreibt, wie nahe dieser der Entdeckung seines Ödipuskonflikts kam, den er mit philosophischen und religiösen Begriffen zu lösen suchte.
Nach der Machtübernahme Hitlers emigrierte Fanja Lowtzky 1935 nach Paris und von da 1939 weiter nach Palästina. Sie wurde 1941 ordentliches Mitglied und 1944 Lehranalytikerin der Chewrah Psychoanalytith b'Erez-Israel (CPI). 1940 richtete sie am Psychoanalytischen Institut in Jerusalem ein psychoanalytisches Seminar für Lehrer, Jugendleiter und Kindergärtnerinnen ein. Mit diesem zweijährigen Kurs für psychoanalytische Heilpädagogik, der sich am Ansatz von August Aichhorn orientierte, eckte Fanny Lowtzky zwar bei der CPI an, trug aber wesentlich zur Verbreitung der Psychoanalyse im israelischen Erziehungswesen bei. Gefördert durch die Hadassah Medical Organisation, führte Lowtzkys Lehrer-Seminar 1942 zur Gründung der Palestine Association for Mental Hygiene und der Zeitschrift Higiena Ruhanith. Die CPI warf Lowtzky vor, Aichhorns Methode mit einem Maximum an Gewähren zu verwässern, und verweigerte 1952 die Anerkennung des Seminars.
Fanny Lowtzky übersiedelte 1957 nach Zürich, wo sie bis zu ihrem Tod lebte.
Die aus Prag stammende Kindergärtnerin und Pädagogin Margarete (Grete) Obernik engagierte sich als junge Frau für die zionistische Idee, bevor sie 1920 nach Palästina auswanderte. Sie gehörte dem zionistischen Club jüdischer Frauen und Mädchen in Prag an sowie dem Kreis um Jerubbaal, die 1918/1919 von Siegfried Bernfeld herausgegebene Zeitschrift der Wiener jüdischen Jugendbewegung. In Wien unterrichtete Grete Obernik, die eine Anhängerin der psychoanalytisch orientierten Reformpädagogik Siegfried Bernfelds war, Kinderpsychologie am jüdischen Pädagogium für Lehrer und Erzieher, das Bernfeld 1918 gegründet hatte.
In Palästina war sie Mitglied der ersten, 1920 von David Eder und Dorian Feigenbaum eingerichteten psychoanalytischen Gruppe, die sich jedoch nach wenigen Jahren wieder auflöste. Aus dieser Zeit stammt Oberniks Brief aus Palästina, in dem sie sich zur Stellung der Frau in Palästina äußerte. Sie kehrte nach Wien zurück, wo sie Anfang der 1930er Jahre Mitarbeiterin der von August Aichhorn geleiteten Erziehungs- und Jugendlichen-Beratungsstelle der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung war. Als im Mai 1933 das von der WPV eingerichtete Erziehungsberatungsseminar eröffnet wurde, hielt Aichhorn den einleitenden Vortrag und Grete Reiner-Obernik (inzwischen offenbar verheiratet) das erste Referat über den Fall eines 16jährigen Strichjungen aus ihrer Beratungspraxis.
Wieder in Palästina ließ Grete Obernik-Reiner sich in Tel Aviv nieder und schloss sich 1934 der Palestine Psychoanalytic Society, Chewrah Psychoanalytith b' Erez Israel (CPI), an. Sie hielt Vorträge zu Fragen der Gemeinschaftserziehung sowie zu sexuellen Problemen und wurde 1937 außerordentliches Mitglied der CPI. Ab 1941 tauchte sie im Mitgliederverzeichnis nicht mehr auf.
Anna (Chana) Smeliansky, deren Leben von einer angeborenen retinalen Atrophie überschattet war, stammte aus einem Dorf in der Nähe von Kiew. Sie erwarb ihre Schulbildung im Selbststudium und legte in Odessa die Abschlussprüfung ab. Um die Jahrhundertwende zog sie in die Schweiz, um in Bern (1900-1903) und Zürich (1903-1907) Medizin zu studieren, was ihr in Russland nicht möglich gewesen wäre. Sie promovierte 1906 bei William Silberschmidt am Hygiene-Institut der Universität Zürich.
Wie ihr älterer Bruder, der Schriftsteller Mosche Smilansky, begeisterte sich Anna Smeliansky für sozialistische und zionistische Ideen und wanderte 1912 nach Palästina aus, wo sie als Ärztin in Jerusalem arbeitete. Doch das gleißende mediterrane Licht schadete ihren Augen und so kehrte sie ein Jahr später nach Europa zurück. Sie ging nach Berlin, absolvierte dort eine psychoanalytische Ausbildung und wurde 1922 ordentliches Mitglied der Berliner Psychoanalytischen Vereinigung, später Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft (DPG). Anna Smeliansky und Ernst Simmel waren die ersten Assistenten Max Eitingons an der 1920 eröffneten Psychoanalytischen Poliklinik in Berlin.
Als 1933 mit Hitlers Machtergreifung die Arisierung der DPG begann, emigrierte Anna Smeliansky nach Palästina und ließ sich in Tel Aviv nieder. Gemeinsam mit den ebenfalls aus Berlin nach Palästina emigrierten Psychoanalytikern Max Eitingon, Mosche Wulff und Ilja Schalit gründete sie 1933 (offiziell 1934) in Tel Aviv die Palästinensische Psychoanalytische Vereinigung Chewrah Psychoanalytith b'Erez-Israel (CPI). 1934 wurde in Jerusalem das Psychoanalytische Institut eröffnet, dessen Ausbildungskomitee Anna Smeliansky seit 1939 angehörte. Obwohl nahezu erblindet, war sie bis kurz vor ihrem Tod als Analytikerin in freier Praxis tätig und nahm regelmäßig an den Sitzungen der CPI teil.