Psychoanalytikerinnen. Biografisches Lexikon

Geschichte der Psychoanalyse in Israel

Biografien

Verankerung in Psychiatrie und Universität

Nachdem Milton Rosenbaum 1953 die Abteilung für Psychiatrie an der Medizinischen Fakultät der Hebrew University aufgebaut und dort die Psychoanalyse eingeführt hatte, interessierten sich immer mehr Ärzte für eine psychoanalytische Ausbildung. In den 1970er Jahren betrug das Verhältnis von Medizinern zu nicht-ärztlichen Mitgliedern bereits 2:1, was der CPI die Auseinandersetzungen um die "Laienanalyse" bescherte. Erst in den 1990er Jahren kehrte sich dieses Verhältnis wieder um. Die ersten PsychoanalytikerInnen, die in Israel ein psychiatrisches Krankenhaus leiteten, waren in den 1950er Jahren Heinrich Winnik und Ruth Jaffe, eine Schülerin Wulffs.
Ein besonderes Anliegen Eitingons und Freuds war die Einrichtung eines Lehrstuhls für Psychoanalyse an der Hebrew University. Zwar lehrten dort in den 1950er Jahren Analytiker an der Medizinischen Fakultät, aber zu einer eigenen Professur kam es erst 1977, als dank der Initiative von Martin Wangh auf dem 30. IPA-Kongress in Jerusalem der Sigmund-Freud-Lehrstuhl eingeweiht wurde. Diesem aus Spenden von IPA-Mitgliedern finanzierten Lehrstuhl, dessen erster Inhaber Joseph Sandler aus London war, ist das Sigmund Freud Center for Study and Research in Psychoanalysis angegliedert.


Psychoanalyse und israelische Gesellschaft

Zu den Themen, mit denen sich israelische AnalytikerInnen auseinandersetzen, gehören Probleme der Holocaust-Überlebenden und der zweiten Generation ebenso wie die Erforschung und Behandlung der psychischen Folgen des israelisch-arabischen Konflikts und der daraus resultierenden Kriege. CPI und Freud Center organisierten einen Dialog zwischen israelischen und deutschen Analytikern, für den sich besonders Hillel Klein, selber ein Auschwitz-Überlebender, einsetzte.
Die Israel Psychoanalytic Society ist Mitglied der International Psychoanalytical Association und der European Psychoanalytical Federation. Sie hatte in den 1950er und 1960er Jahren zwischen 21 und 27 Mitglieder und umfasst heute an die 200 Mitglieder - bei einer Bevölkerung von rund 7,6 Millionen Einwohnern.


© 2007-2013 Brigitte Nölleke       Letzte Änderung: 2.4.2013