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Vilja Hägglund Leena-Maija Jokipaltio Esther Lamm Vera Palmstierna |
Stefi Pedersen Annastina Rilton Tora Sandström Hjørdis Simonsen |
Edith Székely Alfhild Tamm Katarina Vértes Nic Waal |
Die Finnin Vilja Hägglund erhielt ihre psychoanalytische Ausbildung in Helsinki. 1973 wurde sie Mitglied der IPA und 1979 Lehranalytikerin der Suomen Psykoanalyyttinen Yhdistys (SPY) [Finnische Psychoanalytische Gesellschaft]. Gemeinsam mit ihrem Mann, dem finnischen Psychoanalytiker Tor-Björn Hägglund (1928-2004), und der SPY gründete sie in Oulo, nahe dem Polarkreis, das Psychotherapie-Zentrum Monasteri und bildete dort PsychoanalytikerInnen und -therapeutInnen aus. Vilja Hägglund publizierte über weibliche Sexualität sowie über Volksmärchen und Mythen. Sie zog acht Kinder auf und lebt heute in Oulu.
Die in Finnland geborene Leena-Maija Jokipaltio war die erste regulär ausgebildete Kinderanalytikerin in Skandinavien. Nachdem sie 1955 ihr Psychologiestudium an der Universität Helsinki abgeschlossen hatte, ging sie 1957 für neun Jahre nach Zürich und absolvierte dort ihre psychoanalytische Ausbildung. 1966 wurde sie außerordentliches Mitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse. Sie kehrte nach Helsinki zurück und wurde Lehranalytikerin der 1967 gegründeten finnischen psychoanalytischen Gesellschaft Suomen Psykoanalyyttinen Yhdistys (SPY). Seit Mitte der 1970er Jahre war sie in der SPY für die Ausbildung von KinderanalytikerInnen verantwortlich. Zusammen mit Kyllikki Lyytikäinen und Hilkka Valtonen gab sie 1985 Lasten psykoterapia, das erste finnische Lehrbuch zur Kinderpsychotherapie, heraus.

Esther Lamm wurde in Stockholm geboren als Tochter des schwedisch-jüdischen Literaturhistorikers Martin Lamm und seiner Frau Greta, geb. Wawrinsky. Sie studierte Medizin, spezialisierte sich auf die Psychiatrie und promovierte 1945. Ihre Lehranalyse machte sie bei dem niederländischen Psychoanalytiker René de Monchy, der während des Zweiten Weltkriegs nach Schweden emigriert war. 1950 wurde sie Mitglied, dann Lehranalytikerin der Svenska Psykoanalytiska Föreningen. Ihr psychoanalytisches Interesse galt vor allem der englischen Klein-Schule.
Esther Lamm war mit dem Kinderpsychiater Gustav Jonsson (1907-1994) verheiratet, einem frühen Befürworter der antiautoritären Erziehung. Wie ihr Mann gehörte sie in Stockholm zu einem Kreis sozialistischer Intellektueller. Ihre Kinder, der 1937 geborene Staffan und seine jüngere Schwester Annika, wuchsen im "Kollektivhaus", der ersten europäischen Wohngemeinschaft, auf. Die Ehe mit Jonsson wurde 1943 wieder geschieden. Von ihrem zweiten Mann, Rudolf Holmdahl, stammte ihr Sohn Martin.
Nach Kriegsende betreute Esther Lamm Frauen, die das Konzentrationslager überlebt hatten. Ihre Aufzeichnungen über diese Arbeit dienten Staffan Lamm als Grundlage für seinen 1998 gedrehten Kurzfilm Sara. Esther Lamm führte bis zu ihrem Tod eine psychoanalytische Privatpraxis und war als Analytikerin für Kinder, als Ratgebende und Vortragsreisende in der schwedischen Öffentlichkeit bekannt. Durch ihre Liebe zu Gedichten und ihr Interesse für Träume, die sie aufschrieb und sammelte, besaß sie einen besonderen Zugang zum Verständnis psychotischer Welten.
Vera Palmstierna war jüdischer Herkunft und stammte aus einer deutsch-russischen Familie. Sie war in erster Ehe mit dem Arzt Edward Erik Kule Palmstierna (1900-1983) verheiratet. Ihre 1928 geborene Tochter Gunilla Palmstierna heiratete 1964 Peter Weiss.
Vera Palmstierna studierte Medizin und machte Mitte der 1930er Jahre eine Analyse bei Sigmund Freud in Wien. 1934 gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern der Finsk-Svenska Psykoanalytiska Förening. In Wien lernte sie ihren zweiten Mann, den holländischen Psychoanalytiker René de Monchy (1893-1969), kennen, der zu der Zeit Analysand von Ruth Mack-Brunswick war. Sie ging mit ihm nach Amsterdam und trat der Vereniging voor Psychoanalytici in Nederland bei.
Nach der deutschen Besetzung Hollands durfte Vera Palmstierna ihren Beruf als Ärztin und Psychoanalytikerin nicht mehr ausüben. Sie emigrierte 1943 mit ihrem Mann nach Stockholm, wo beide Mitglied der Svenska psykoanalytiska föreningen wurden. Vier Jahre später beging Vera Palmstierna-de Monchy Selbstmord. René de Monchy heiratete eine seiner schwedischen Patientinnen und kehrte 1952 nach Holland zurück.
Stefi Pedersen, die in Berlin geborene und aufgewachsene Tochter wohlhabender deutsch-jüdischer Eltern, konvertierte zum Katholizismus und schloss sich der Kommunistischen Partei an. Ihre psychoanalytische Ausbildung begann sie am Berliner Psychoanalytischen Institut, musste jedoch nach der Machtübernahme Hitlers 1933 emigrieren. Sie folgte ihrem Analytiker Otto Fenichel nach Prag und dann nach Oslo, wo sie ihr Magisterexamen ablegte und die norwegische Staatsbürgerschaft erwarb. 1943, als die Deutschen Norwegen besetzten, floh Stefi Pedersen mit einer Gruppe jüdischer Kinder zu Fuß über die Berge nach Schweden. Sie absolvierte in Stockholm eine Lehranalyse bei dem niederländischen Psychoanalytiker René de Monchy und wurde Mitglied der Svenska Psykoanalytiska Föreningen.
Neben ihrer psychoanalytischen Tätigkeit hielt Stefi Pedersen Vorlesungen und Seminare an den Universitäten in Bergen, Oslo und Uppsala ab. Sie unterrichtete am Karolinska-Institut und war mehrere Jahre lang für die Ausbildung am Psychotherapiezentrum in Stockholm verantwortlich. Ihr Interesse galt besonders den Ansätzen von Alexander Mitscherlich, Erik H. Erikson und Margaret Little, mit der sie auch befreundet war.
Themen ihrer Publikationen waren u. a. Narzissmus, Kränkungen und die psychischen Folgen politischer Verfolgung. In mehreren ihrer nach dem Krieg veröffentlichten Aufsätze befasste sie sich mit "Emigranten-Neurosen", zu denen Symptome wie Bewusstseinsspaltung, Halluzinationen, Depersonalisierung und Gedächtnisstörungen zählen. Diese Arbeiten trugen ihr die Anerkennung der WHO ein. Später wandte sie sich sozialen Problemen, vor allem von Jugendlichen, zu und setzte sich mit Armut auseinander.

Die schwedische Psychoanalytikerin Annastina Rilton gehörte zum aktiven Kern der 1943 neu gegründeten Svenska Psykoanalytiska Föreningen. Sie war in den 1950er Jahren im Ausbildungskomitee für die Festsetzung von Lehrmethoden und Auswahlkriterien zuständig und in diesem Zusammenhang Mitglied einer internationalen Forschungsgruppe. Gemeinsam mit Bo Larsson war sie Initiatorin der seit 1978 erscheinenden Zeitschrift The Scandinavian Psychoanalytic Review. Zu ihren bekanntesten Arbeiten zählt die psychoanalytische Interpretation des Gemäldes Näcken bzw. Strömkarlen [Wassergeist] des schwedischen Malers Ernst Josephson aus dem Jahr 1890, das sie als einen Selbstheilungsversuch deutete. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt Riltons war die weibliche Identität.
Annastina Rilton war mit Ralph Ingvar Rilton (1907-2006) verheiratet, einem aus Göteborg stammenden Maler, der 1940 ein Porträt von ihr anfertigte.

Emma Viktoria (Tora) Sandström wurde im schwedischen Arnäs als Tochter des Landwirts Johan Sandström und seiner Frau Katarina Charlotta Carlsson geboren. Sie ging in Stockholm zur Schule und absolvierte danach in Hamburg eine Lehrerinnenausbildung. Nachdem sie einige Jahre als Lehrerin an verschiedenen Schulen gearbeitet hatte, begann sie 1915 ein Philosophiestudium bei Adolf Phalén in Uppsala, das sie mit einer Abhandlung über Leibniz abschloss.
Ende der 1920er Jahre ging Tora Sandström nach Wien, um sich zur Psychoanalytikerin ausbilden zu lassen. Ohne Sigmund Freud begegnet zu sein, kehrte sie nach Schweden zurück und machte eine Analyse bei Alfhild Tamm, eine weitere bei dem Norweger Harald Schjelderup. 1931 nahm sie am ersten Treffen der skandinavischen psychoanalytischen Arbeitsgruppe in Stockholm teil und wurde 1934 Mitglied der Finsk-Svenska Psykoanalytiska Förening, deren Sekretärin sie von 1937 bis 1945 war.
1935 erschien ihre Pionierarbeit der psychoanalytischen Biografik über die schwedische Erzählerin Victoria Benedictsson, die ihre Werke unter dem Pseudonym Ernst Ahlgren veröffentlichte und nach einer unglücklichen Liebesaffäre mit dem dänischen Literaturkritiker Georg Brandes Selbstmord beging. Tora Sandström hob in ihrer Studie, in der sie die Ansätze Sigmund Freuds und Alfred Adlers kombinierte, die unaufgelösten oral-aggressiven Konflikte der Erzählerin hervor, die ihre Rolle als Frau nicht akzeptieren konnte. Benedictssons Männlichkeitskomplex und latente Homosexualität seien in dem Wunsch ihrer Eltern nach einem Sohn anstelle der Tochter begründet.
Mitte der 1930er Jahre eröffnete Tora Sandström in Stockholm eine eigene psychotherapeutische Praxis. Sich immer weiter von Freuds Ansichten entfernend, formulierte sie 1939 in ihrer Schrift Ist die Aggressivität ein Übel? eine eigene Neurosenlehre, in der sie die Aggression auf Kosten anderer Trieb- und Libidoäußerungen in den Vordergrund stellte. Sie griff Ideen Melanie Kleins und der zeitgenössischen Freiheitspädagogik auf und ermunterte ihre Patienten, aggressive Impulse auszuagieren. (Artikelanfang)
In den 1940er Jahren war Tora Sandström die einzige Frau, die in die Debatte über Einsteins Relativitätstheorie eingriff, u. a. mit einem Verriss der Einsteinkritik ihres früheren Lehrers Adolf Phalén. Ihr eigenes, eher idealistisch gefärbtes philosophisches Weltbild beschrieb sie in ihrem postum erschienenen Buch Rum, tid och medvetande [Raum, Zeit und Bewusstsein].
Trotz ihrer kritischen Haltung blieb Tora Sandström bis zu ihrem Tod Mitglied der Svenska Psykoanalytiska Föreningen.
Die norwegische Philologin Hjørdis Simonsen (vorher Christensen) erhielt ihre psychoanalytische Ausbildung während der 1930er Jahre in Berlin. Sie wurde im Juli 1933 außerordentliches Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft. Nach der Gründung der Dansk-Norsk Psykoanalytisk Förening im Jahr 1934 wurde ihre Mitgliedschaft auf diese übertragen. Hjørdis Simonsen war viele Jahre lang eine der zentralen Figuren der dänisch-norwegischen Vereinigung, die 1947 von ihr, Harald Schjelderup und Trygve Braatøy neugegründet wurde und sechs Jahre später in eine eigene norwegische psychoanalytische Arbeitsgruppe überging. Dank des Einsatzes von Simonsen wurde diese Gruppe 1975 als Norsk Psykoanalytisk Forening voll anerkanntes Mitglied der IPA.
Edith Székely wurde im pfälzischen Zeiskam geboren als Tochter des jüdischen Arztes Isak Sussmanowitz. Seit 1913 lebte die Familie in Speyer. Edith Sussmanowitz studierte wie ihr älterer Bruder in Heidelberg Medizin, um Kinderärztin zu werden. Sie sympathisierte mit sozialistischen Ideen und schloss sich einer linken Studentengruppe an. In Heidelberg lernte sie 1932 ihren Ehemann, den aus Ungarn stammenden Psychoanalytiker Lajos Székely (1904-1995), kennen. Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, verließen beide Deutschland. Edith Sussmanowitz setzte ihr Studium in Basel fort, während Lajos Székely nach Holland ging. Sie promovierte 1934 in Basel und zog dann ebenfalls nach Amsterdam, wo sie 1935 heirateten.
Als die Székelys erfuhren, dass in der Sowjetunion ein Mangel an Ärzten herrschte, gingen sie 1937 nach Leningrad, wo Lajos Székely eine leitende Stelle am Bechterewschen Forschungs-Institut erhielt und Edith Székely an einem Institut für Bluttransfusion arbeitete. In Leningrad kam ihre Tochter Mirjam zur Welt. 1938 flohen sie vor den stalinistischen Säuberungen nach Finnland und lebten dort bis 1944.
1944 gelang ihnen die Flucht nach Schweden, zwei Jahre später wurde ihre Tochter Vera geboren. 1951 ließen sie sich in Nacka am Ostrand von Stockholm nieder, wo beide wieder in ihrem Beruf arbeiten konnten. Edith Székely, die ihre psychoanalytische Ausbildung in Deutschland erhielt, verbrachte zur Fortbildung zwei Sommer in England und machte eine Analyse bei Barbara Lantos. Sie ist Ehrenmitglied der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft und lebt heute in Nacka.
Die in Stockholm geborene Alfhild Tamm war die erste Frau in Schweden, die Psychiaterin wurde. Sie trug entscheidend dazu bei, dass die Psychoanalyse in Skandinavien Fuß fassen konnte. Nachdem sie 1905 am Karolinska-Institut in Stockholm promoviert hatte, ging sie zur weiteren Ausbildung ins Ausland und studierte in München (1908), Berlin (1909) und Wien (1913). 1914 eröffnete sie in Stockholm eine Privatklinik für Kinder mit Sprachstörungen, zwei Jahre später veröffentlichte sie das erste schwedische Handbuch über Sprechtherapien.
Nach ihrem ersten Wienaufenthalt reiste Alfhild Tamm zwischen 1924 und 1930 regelmäßig dorthin, um mehrere Kurzanalysen bei Paul Federn, Helene Deutsch und August Aichhorn zu machen. Ende 1926 wurde sie ordentliches Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung (WPV) und hielt dort ein Jahr später ihren Vortrag Mitteilung über einen Fall von Stottern. 1931 gründete Alfhild Tamm gemeinsam mit Sigurd Naesgaard aus Dänemark, Yrö Kulovesi aus Finnland und Harald Schjelderup aus Norwegen eine skandinavische psychoanalytische Arbeitsgruppe, die 1934 offiziell von der IPV anerkannt wurde. Sie wechselte von der WPV in die Finsk-Svenska Psykoanalytiska Förening, deren erste Präsidentin sie wurde.
Alfhild Tamm interessierte sich besonders für die Anwendung der Psychoanalyse in der Pädagogik und engagierte sich für die Sexualufklärung. In ihrem 1930 veröffentlichten Buch Ett sexualproblem plädierte sie für eine tolerante Einstellung zur Masturbation und erntete damit einen Sturm der Entrüstung in Schweden. Sie war an vielen pädagogischen Einrichtungen als ärztliche Beraterin tätig, hielt Vorträge über Psychoanalyse in der Schwedischen Ärztegesellschaft und hatte verschiedene Ämter in der öffentlichen Kinderfürsorge inne.
Einen Schwerpunkt ihrer Publikationen bildete die Therapie des Stotterns, das für sie eine Psychoneurose, in schweren Fällen eine Zwangsneurose ist, bei der Vermeidungstaktiken die Aussprache des gefürchteten Lauts verhindern sollen. Erforderlich sei eine Analyse der zugrunde liegenden Probleme, verbunden mit einer offeneren Haltung der Eltern gegenüber den sexuellen Bedürfnissen ihrer Kinder.
Alfhild Tamm lebte mit einer Frau zusammen, zu einer Zeit, als die Homosexualität auch in der psychoanalytischen Bewegung verpönt war. (Artikelanfang)
Katarina (Kató) Vértes stammte aus Ungarn. Sie promovierte zum Dr. phil und absolvierte vor dem Zweiten Weltkrieg eine Ausbildung als Kinderanalytikerin bei Anna Freud in Wien. Sie floh mit der Wiener Gruppe vor den Nationalsozialisten nach London, beging jedoch 1939 den Fehler, Budapest einen Besuch abzustatten, der dann bis Mitte der 1950er Jahre dauern sollte. Ihr in Ungarn lebender Bruder György Vértes war in den 1930er und 1940er Jahren Redakteur kommunistischer Literaturzeitschriften und ein entschiedener Gegner der Psychoanalyse.
1956 emigrierte Kató Vértes ein zweites Mal nach England und arbeitete zwei Jahre lang mit Anna Freud an der Hampstead Child Therapy Clinic in London zusammen. Danach ging sie nach Schweden, wo sie sich in Stockholm niederließ und Mitglied der Svenska Psykoanalytiska Föreningen (SPF) wurde. Als die SPF 1980 systematisch mit der Ausbildung von KinderanalytikerInnen begann, geschah dies unter der Verantwortung von Katarina Vértes und Klas Guettler. Katarina Vertes wurde jedoch wenige Jahre später krank und starb Mitte der 1980er Jahre.

Nic Waal, die norwegische Pionierin der Kinderpsychiatrie, wurde als Caroline Schweigaard Nicolaysen in Kristiania (Oslo) geboren. Sie war das vierte Kind des Offiziers Vilhelm Bernhoft Nicolaysen und seiner Frau Anna, geb. Horn. Das lebhafte, aber empfindliche kleine Mädchen war häufig krank und erhielt daher Privatunterricht, bis sie ab 1921 die Katedralskolen besuchen konnte. Von 1923 bis 1930 studierte Caroline Nicolaysen in Oslo Medizin. Sie gehörte der Redaktion der Zeitschrift Æsculap an, sympathisierte mit der marxistischen Studentenbewegung Mot Dag und interessierte sich für soziale Fragen und die sexuelle Befreiung.
1927 heiratete sie den norwegischen Schriftsteller Sigurd Hoel (1890-1960), ihre Ehe wurde 1936 wieder geschieden. Mit ihrem zweiten Ehemann Wessel Waal war sie von 1937 bis 1948 verheiratet, von ihm stammen ihre beiden Kinder Berit und Helge. 1951 ging sie eine dritte Ehe mit dem Arzt Alix Helju ein, der drei Jahre später bei einem Bootsunglück ums Leben kam.
Nic Hoel litt immer wieder unter psychosomatischen Krankheiten und Depressionen und begann 1929 eine Analyse bei Harald Schjelderup. 1931 ging sie nach Berlin, um sich zur Psychoanalytikerin ausbilden zu lassen. Ihre Lehranalytikerin war Salomea Kempner. 1933 wurde sie außerordentliches Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft, ein Jahr später Mitglied der Dansk-Norsk Psykoanalytisk Förening.
Als Wilhelm Reich vor den Nationalsozialisten nach Oslo floh, gehörten Nic und Sigurd Hoel zu der Gruppe von Anhängern, die sich um ihn scharten. Nic Hoel begann bei dem ebenfalls nach Oslo emigrierten Freudomarxisten Otto Fenichel eine weitere Analyse, die sie bei Reich fortsetzte. Sie war eine der wenigen, die Wilhelm Reich 1934 bei dessen Ausschluss aus der IPV offen verteidigte. Obwohl sie später seine Orgontheorie nicht nachvollzog, unterstützte sie Reich nach seiner Emigration in die USA weiterhin.
Während der deutschen Besatzungszeit war Nic Waal im norwegischen Untergrund aktiv und beteiligte sich u. a. an der Evakuierung von Kindern und Erwachsenen aus dem Osloer jüdischen Kinderheim nach Schweden. Von 1939 bis 1941 arbeitete sie als Assistenzärztin an der Gaustad-Klinik. 1943 wurde sie wegen ihrer illegalen Aktivitäten vorübergehend verhaftet und emigrierte im Frühjahr 1945 nach Schweden, dann in die Vereinigten Staaten. Nach dem Krieg arbeitete sie als Ärztin in den USA, in Dänemark und Norwegen und unternahm Studienreisen in die Schweiz und nach Frankreich. 1951 erhielt sie in Norwegen die Zulassung als Psychiaterin, 1953 als Kinder- und Jugendpsychiaterin.
Nic Waal gründete 1951 in Oslo eine eigene kinderpsychiatrische Klinik, das Nic Waal Institut für Kinder-, Jugendlichen- und Familienpsychiatrie, das sie bis zu ihrem Tod leitete. Es gilt heute als das wichtigste norwegische Ausbildungszentrum für körperzentrierte Kinderpsychotherapie. Sie entwickelte eine Methode der Körperdiagnostik, die auf der Erkenntnis Wilhelm Reichs beruht, dass die Beobachtung von Ausdruck, Muskelspannung und Atem Aufschluss über emotionale Konflikte gibt.(Artikelanfang)
Nic Waal blieb zeit ihres Lebens sozialpolitisch engagiert und trat für Sexualaufklärung und antiautoritäre Methoden in der Kindererziehung ein. Ihre Popularität zeigte sich u. a. darin, dass die Norwegische Post zu ihrem 100. Geburtstag 2005 eine Sondermarke mit Nic Waals Porträt herausgab.