Die Kinderpsychiaterin Anne-Marie Auestad war eine zentrale Figur für die Etablierung und Entwicklung der psychoanalytischen Kindertherapie in Norwegen. Nachdem sie 1979 als Psychoanalytikerin zugelassen worden war, richtete sie 1980 gemeinsam mit KollegInnen einen Ausbildungsgang für KinderanalytikerInnen in der Norwegischen Psychoanalytischen Vereinigung NPF (Norsk Psykoanalytisk Forening) ein.
Anne-Marie Auestad war Lehranalytikerin und Supervisorin der NPF und von 1964 bis 1992 Direktorin des Mentalhygienisk Rådgivningskontor in Oslo, einer kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulanz (heute im Diakonhjemmet Sykehus), deren therapeutische Arbeit sich unter ihrer Leitung am psychoanalytischen Objektbeziehungsansatz orientierte. Die Entwicklung emotionaler Verfügbarkeit durch persönliche Erfahrung spielte für Auestad eine wichtige Rolle. Als erste in Norwegen führte sie die psychoanalytische Säuglingsbeobachtung nach Esther Bick ein, wobei die Emotionen des Beobachters das Mittel bilden, mit dem Unbewussten des Kindes in Beziehung zu treten.
Mit dem von ihr 1971 herausgegebenen Buch Når barn må på sykehus [Wenn Kinder ins Krankenhaus müssen] trug Auestad maßgeblich dazu bei, dass sich die Situation der betroffenen Kinder und ihrer Familien entscheidend verbesserte. Sie war auch die treibende Kraft bei der Gründung der Norsk forening for psykoanalytisk psykoterapi med barn og ungdom [Norwegian Association for Psychoanalytic Psychotherapy of Children and Adolescents] im Jahr 1991.
In den letzten zehn Jahren ihres Lebens arbeitete Anne-Marie Auestad als Psychoanalytikerin in eigener Praxis.

Magli Elster ist in Norwegen als Lyrikerin und Literaturkritikerin bekannt und weniger als Psychoanalytikerin. Sie wurde in Kristiania (seit 1924: Oslo) geboren als älteste Tochter der Dichterin und Dramatikerin Aslaug Vaa und des Philologen und Psychoanalytikers Ola Raknes, der 1931 die Skandinavische Psychoanalytische Arbeitsgruppe mitgründete und ein Freund und Mitarbeiter Wilhelm Reichs war.
Ihre psychoanalytische Ausbildung erhielt Magli Raknes zwischen 1934 und 1937, zunächst in Oslo und dann in Prag. Ihr Lehranalytiker war Otto Fenichel, der 1933 von Berlin nach Oslo und 1935 nach Prag emigrierte. Anschließend wurde sie wie ihr Vater Mitglied der Dänisch-Norwegischen Psychoanalytischen Vereinigung (Dansk-Norsk Psykoanalytiska Förening) und praktizierte von 1937 bis 1943 als Psychoanalytikerin in Oslo.
1938 heiratete sie den Journalisten Torof Elster (1911-2006), den späteren Generaldirektor des Norwegischen Staatsrundfunks NRK (Norsk rikskringkasting). 1940 wurde ihr Sohn Jon Elster geboren, der später als Philosoph bekannt wurde.
Mitte der 1940er Jahre gab Magli Elster ihre psychoanalytische Tätigkeit auf und trat in die Fußstapfen ihrer Mutter. Ihr erster Gedichtband Trikken går i engen erschien 1952, eine Reihe weiterer Lyriksammlungen folgte. Von 1947 bis 1985 war sie als Literaturkritikerin beim Arbeiderbladet beschäftigt und in den 1960er Jahren die erste weibliche Vorsitzende der norwegischen Literaturkritikervereinigung. 1969 beteiligte sie sich an der Gründung der Association Internationale des Critiques Littéraires. Gemeinsam mit ihrem Mann erhielt sie 1986 den Fritt Ord Award.

Die finnnische Analytikerin Vilja Hägglund erhielt ihre psychoanalytische Ausbildung in Helsinki. 1973 wurde sie Mitglied der International Psychoanalytical Association und 1979 Lehranalytikerin der finnischen psychoanalytischen Gesellschaft Suomen Psykoanalyyttinen Yhdistys (SPY). Gemeinsam mit ihrem Mann, dem finnischen Psychoanalytiker Tor-Björn Hägglund (1928-2004), und der SPY gründete sie 1983 im nordfinnischen Oulo nahe dem Polarkreis das Psychotherapie-Zentrum Monasteri und bildete dort mehrere Generationen von PsychoanalytikerInnen und PsychotherapeutInnen aus.
Vilja Hägglund, selbst Mutter von acht Kindern, hat sich in ihren großenteils zusammen mit Tor-Björn Hägglund verfassten Publikationen vor allem mit weiblicher Sexualität, Mutterschaft und dem weiblichen sexuellen Innenraum beschäftigt. Wie Judith Kestenberg geht sie davon aus, dass bereits in einem frühen Stadium der psychosexuellen Entwicklung die Vorstellung eines weiblichen genitalen Innenraums besteht. Dieser werde vom Kind in seiner Phantasie mit mütterlicher Fürsorge, Triebbefriedigung und kreativer Erfahrung assoziiert und bilde einen Übergangsraum im Sinne Donald W. Winnicotts. Im positiven Fall komme es zur Identifikation mit der Mutter als einer Person, die sich und anderen Triebbefriedigungen gewährt, bei Frustration jedoch zu Neid und Aggression auf die Mutter.
Zu den weiteren Forschungsthemen Vilja Hägglunds zählen neben Entwicklungsfragen auch finnische Volksmärchen.
Die in Finnland geborene Leena-Maija Jokipaltio war die erste regulär ausgebildete Kinder- und Jugendpsychoanalytikerin in Skandinavien. Nachdem sie 1955 ihr Psychologiestudium an der Universität Helsinki abgeschlossen hatte, ging sie 1957 für neun Jahre nach Zürich und absolvierte dort ihre psychoanalytische Ausbildung. 1966 wurde sie außerordentliches Mitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse. Sie kehrte nach Helsinki zurück und wurde Lehranalytikerin der 1967 gegründeten Finnischen Psychoanalytischen Gesellschaft SPY (Suomen Psykoanalyyttinen Yhdistys).
Seit Mitte der 1970er Jahre war Leena-Maija Jokipaltio für die Ausbildung in Kinder- und Jugendpsychotherapie zuständig, 1978 etablierte sie in der SPY das erste reguläre Ausbildungsprogramm für Kinder- und Jugendanalyse in Skandinavien. Zusammen mit Kyllikki Lyytikäinen und Hilkka Valtonen gab sie 1985 Lasten psykoterapia heraus, das erste finnische Lehrbuch zur Kinderpsychotherapie, heraus.

Esther Lamm wurde in Stockholm geboren als Tochter des schwedisch-jüdischen Literaturhistorikers Martin Lamm und seiner Frau Greta geb. Wawrinsky. Sie studierte Medizin, spezialisierte sich auf die Psychiatrie und promovierte 1945. Ihre Lehranalyse machte sie bei dem niederländischen Psychoanalytiker René de Monchy, der während des Zweiten Weltkriegs nach Schweden emigriert war. 1950 wurde sie Mitglied, dann Lehranalytikerin der Svenska Psykoanalytiska Föreningen. Ihr psychoanalytisches Interesse galt vor allem der englischen Klein-Schule.
Esther Lamm war mit dem Kinderpsychiater Gustav Jonsson (1907-1994) verheiratet, einem frühen Befürworter der antiautoritären Erziehung. Wie ihr Mann gehörte sie in Stockholm zu einem Kreis sozialistischer Intellektueller. Ihre Kinder, der 1937 geborene Staffan und seine jüngere Schwester Annika, wuchsen im "Kollektivhaus", der ersten europäischen Wohngemeinschaft, auf. Die Ehe mit Jonsson wurde 1943 wieder geschieden. Von ihrem zweiten Mann, Rudolf Holmdahl, stammte ihr Sohn Martin.
Nach Kriegsende betreute Esther Lamm Frauen, die das Konzentrationslager überlebt hatten. Ihre Aufzeichnungen über diese Arbeit dienten Staffan Lamm als Grundlage für seinen 1998 gedrehten Kurzfilm Sara. Esther Lamm führte bis zu ihrem Tod eine psychoanalytische Privatpraxis und war als Analytikerin für Kinder, als Ratgebende und Vortragsreisende in der schwedischen Öffentlichkeit bekannt. Durch ihre Liebe zu Gedichten und ihr Interesse für Träume, die sie aufschrieb und sammelte, besaß sie einen besonderen Zugang zum Verständnis psychotischer Welten.

Margit Norell, eine schwedische Pionierin der Theorie der Objektbeziehungen, wurde als Margit Sonja Annie Quensel in Uppsala geboren. Sie war die ältere von zwei Töchtern des schwedischen Geologieprofessors Percy Quensel und der österreichischen Zoologin und Schriftstellerin Annie geb. Weiss. 1939 heiratete Margit Quensel den Theologen Curt Norell (1913-2004); 1942 bzw. 1944 kamen ihre Söhne Staffan Erik und Thomas Percy zur Welt, 1950 ihre Tochter Annie Elisabeth.
Margit Norell studierte Psychologie und machte eine Lehranalyse bei dem schwedischen Psychoanalytiker Gösta Harding. Sie absolvierte eine Ausbildung am William Alanson White Insitute in New York und wurde Mitglied und Lehranalytikerin der Svenska Psykoanalytiska Föreningen (SPAF). 1963 initiierte sie eine Arbeitsgruppe, die sich den Ideen Karen Horneys widmete und 1968 in der Gründung der Svenska Föreningen för Holistisk Psykoterapi och Psykoanalys (SFHPP) mündete (ab 2001 Svenska Psykoanalytiska Sällskapet). Diese schwedische Vereinigung für ganzheitliche Psychotherapie und Psychoanalyse orientierte sich zunächst an der neofreudianischen Schule und später, ab den 1970er Jahren, an der englischen Objektbeziehungstheorie.
Nachdem Margit Norell aus der SPAF und dann auch aus der SFHPP ausgetreten war, arbeitete sie als unabhängige Analytikerin und Supervisorin. Sie schuf ihre eigene Version der Objektbeziehungstheorie und scharte eine Gruppe von AnhängerInnen um sich, darunter Barbro Sandin, Birgitta Ståhle und Sven-Åke Christiansson. Auf ihrem Ansatz basierte das "Säter-Modell" für die Psychotherapie von Schizophrenen, das Barbro Sandin am Säter Sjukhus, einer rechtspsychiatrischen Klinik, entwickelt hat.
In die Schlagzeilen geriet die Margit-Norell-Schule im Zusammenhang mit dem Justizskandal um Thomas Quick alias Sture Bergwall, der in den 1990er Jahren wegen achtfachen Mordes verurteilt wurde. Er hatte sich während seiner Therapiesitzungen mit Birgitta Ståhle, unter Norells Supervision, zahlreicher Morde "erinnert", die er vermutlich nie begangen hatte.
Vera Harriete Maria Herzog stammte aus einer deutsch-jüdischen Buchdruckerfamilie, die im 19. Jahrhundert nach Schweden ausgewandert war. Sie kam in Stockholm zur Welt und war in erster Ehe mit dem schwedischen Arzt Edward Erik Kule Palmstierna (1900-1983) verheiratet. 1926 wurde ihr Sohn Hans geboren und 1928 in Lausanne ihre Tochter Gunilla, die später den Schriftsteller Peter Weiss heiratete.
Vera Palmstierna studierte Medizin und machte Mitte der 1930er Jahre eine Analyse bei Sigmund Freud in Wien. 1934 gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern der Finsk-Svenska Psykoanalytiska Förening. In Wien lernte sie den holländischen Psychoanalytiker René de Monchy (1893-1969), kennen, der zu der Zeit Analysand von Ruth Mack-Brunswick war. Sie ließ sich von ihrem ersten Mann scheiden, heiratete de Monchy 1937 und ging mit ihm und ihren beiden Kindern nach Rotterdam. In Holland trat sie der Vereniging voor Psychoanalytici in Nederland bei.
Nach der deutschen Besetzung Hollands durfte Vera Palmstierna ihren Beruf als Ärztin und Psychoanalytikerin nicht mehr ausüben. Sie emigrierte 1944 über Berlin nach Schweden und ließ sich 1945 mit ihrer Familie - vergrößert um den kleinen Allan de Monchy - in Stockholm nieder, wo Vera und Renè de Monchy Mitglieder der Svenska psykoanalytiska föreningen wurden. Zwei Jahre später beging Vera Palmstierna-de Monchy Selbstmord. René de Monchy heiratete eine seiner schwedischen Patientinnen und kehrte 1952 nach Holland zurück.

Stefi Pedersen wurde als Ellen Stephanie Mode in Berlin geboren. Sie war die einzige Tochter jüdischer Eltern, wurde aber katholisch getauft. Sie wuchs mit Mutter und Stiefvater in Berlin-Grunewald auf, ihr leiblicher Vater war Journalist und ständig unterwegs. Sozial und politisch engagiert, schloss sie sich der Deutschen Kommunistischen Partei an.
Stephanie Mode studierte Psychologie und begann Anfang der 1930er Jahre ihre Ausbildung am Berliner Psychoanalytischen Institut. Sie musste jedoch nach der Machtübernahme Hitlers 1933 emigrieren und folgte ihrem Analytiker Otto Fenichel nach Oslo. Durch Heirat wurde sie Stefi Pedersen, ließ sich aber 1939 wieder scheiden. 1942 legte sie ihr Magisterexamen an der Universität Oslo ab. Ein Jahr später, als die Deutschen Norwegen besetzten, floh Stefi Pedersen mit einer Gruppe jüdischer Kinder zu Fuß über die Berge nach Schweden. Sie machte in Stockholm eine Lehranalyse bei dem ebenfalls emigrierten niederländischen Psychoanalytiker René de Monchy und wurde Mitglied der Svenska Psykoanalytiska Föreningen.
Neben ihrer psychoanalytischen Tätigkeit hielt Stefi Pedersen Vorlesungen und Seminare an den Universitäten in Bergen, Oslo und Uppsala. Sie lehrte am Karolinska-Institut und war mehrere Jahre lang für die Ausbildung am Psychotherapiezentrum in Stockholm verantwortlich. Ihr Interesse galt besonders den Ansätzen von Alexander Mitscherlich, Erik H. Erikson und Margaret Little, mit der sie auch befreundet war.
Themen ihrer insgesamt etwa sechzig Publikationen waren unter anderem Narzissmus, Kränkungen und die psychischen Folgen politischer Verfolgung. In mehreren ihrer nach dem Krieg veröffentlichten Aufsätze befasste sie sich mit "Emigranten-Neurosen", zu denen Symptome wie Bewusstseinsspaltung, Halluzinationen, Depersonalisierung und Gedächtnisstörungen zählen. Diese Arbeiten trugen ihr die Anerkennung der Weltgesundheitsorganisation ein. Später wandte sie sich sozialen Problemen, vor allem von Jugendlichen, zu und setzte sich mit Armut auseinander.

Die schwedische Psychoanalytikerin Annastina Rilton gehörte zum aktiven Kern der 1943 neu gegründeten Svenska Psykoanalytiska Föreningen. Sie war in den 1950er Jahren im Ausbildungskomitee für die Festsetzung von Lehrmethoden und Auswahlkriterien zuständig und in diesem Zusammenhang Mitglied einer internationalen Forschungsgruppe. Gemeinsam mit Bo Larsson war sie Initiatorin der seit 1978 erscheinenden Zeitschrift The Scandinavian Psychoanalytic Review. Zu ihren bekanntesten Arbeiten zählt die psychoanalytische Interpretation des Gemäldes Näcken bzw. Strömkarlen [Wassergeist] des schwedischen Malers Ernst Josephson aus dem Jahr 1890, das sie als einen Selbstheilungsversuch deutete. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt Riltons war die weibliche Identität.
Annastina Rilton war mit Ralph Ingvar Rilton (1907-2006) verheiratet, einem aus Göteborg stammenden Maler, der 1940 ein Porträt von ihr anfertigte.

Emma Viktoria (Tora) Sandström wurde im schwedischen Arnäs als Tochter des Landwirts Johan Sandström und seiner Frau Katarina Charlotta Carlsson geboren. Sie ging in Stockholm zur Schule und absolvierte danach in Hamburg eine Lehrerinnenausbildung. Nachdem sie einige Jahre als Lehrerin an verschiedenen Schulen gearbeitet hatte, begann sie 1915 ein Philosophiestudium bei Adolf Phalén in Uppsala, das sie mit einer Abhandlung über Leibniz abschloss.
Ende der 1920er Jahre ging Tora Sandström nach Wien, um sich zur Psychoanalytikerin ausbilden zu lassen. Ohne Sigmund Freud begegnet zu sein, kehrte sie nach Schweden zurück und machte eine Analyse bei Alfhild Tamm, eine weitere bei dem Norweger Harald Schjelderup. 1931 nahm sie am ersten Treffen der skandinavischen psychoanalytischen Arbeitsgruppe in Stockholm teil und wurde 1934 Mitglied der Finsk-Svenska Psykoanalytiska Förening, deren Sekretärin sie von 1937 bis 1945 war.
1935 erschien ihre Pionierarbeit der psychoanalytischen Biografik über die schwedische Erzählerin Victoria Benedictsson, die ihre Werke unter dem Pseudonym Ernst Ahlgren veröffentlichte und nach einer unglücklichen Liebesaffäre mit dem dänischen Literaturkritiker Georg Brandes Selbstmord beging. Tora Sandström hob in ihrer Studie, in der sie die Ansätze Sigmund Freuds und Alfred Adlers kombinierte, die unaufgelösten oral-aggressiven Konflikte der Erzählerin hervor, die ihre Rolle als Frau nicht akzeptieren konnte. Benedictssons Männlichkeitskomplex und latente Homosexualität seien in dem Wunsch ihrer Eltern nach einem Sohn anstelle der Tochter begründet.
Mitte der 1930er Jahre eröffnete Tora Sandström in Stockholm eine psychotherapeutische Privatpraxis. Sich immer weiter von Freuds Ansichten entfernend, formulierte sie 1939 in ihrer Schrift Ist die Aggressivität ein Übel? eine eigene, biologisch verankerte Neurosenlehre, in der sie die Aggression auf Kosten anderer Trieb- und Libidoäußerungen in den Vordergrund stellte. Ihr zufolge entstehen Neurosen durch mangelnde Selbstbehauptung bzw. Aggressionshemmungen in der Kindheit. Sandström griff Ideen Melanie Kleins, Wilhelm Reichs und der zeitgenössischen Freiheitspädagogik auf und ermunterte ihre Patienten, aggressive Impulse auszuagieren. (Artikelanfang)
In den 1940er Jahren war Tora Sandström die einzige Frau, die in die Debatte über Einsteins Relativitätstheorie eingriff, u. a. mit einem Verriss der Einsteinkritik ihres früheren Lehrers Adolf Phalén. Ihr eigenes, eher idealistisch gefärbtes philosophisches Weltbild beschrieb sie in ihrem postum erschienenen Buch Rum, tid och medvetande [Raum, Zeit und Bewusstsein].
Trotz ihrer kritischen Haltung blieb Tora Sandström bis zu ihrem Tod Mitglied der Svenska Psykoanalytiska Föreningen.
Die norwegische Psychoanalytikerin Hjørdis Simonsen (vorher Christensen) war zunächst Philologin, bevor sie Anfang der 1930er Jahre ihre psychoanalytische Ausbildung in Berlin machte. Ihre Lehranalytikerin war Salomea Kempner. Im Juli 1933 wurde Hjørdis Christensen außerordentliches Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft. Nach der Gründung der Dänisch-Norwegischen Psychoanalytischen Vereinigung (Dansk-Norsk Psykoanalytisk Förening) im Jahr 1934 wurde ihre Mitgliedschaft auf diese übertragen. Von 1933 bis 1934 studierte sie Psychiatrie an der Universität Oslo.
Als Lehranalytikerin und Seminarleiterin gehörte Hjørdis Simonsen viele Jahre lang zu den zentralen Figuren der Dansk-Norsk Psykoanalytisk Förening. Die Vereinigung wurde 1947 von ihr, Harald Schjelderup und Trygve Braatøy neugegründet und ging sechs Jahre später in eine eigene norwegische psychoanalytische Arbeitsgruppe über. Vor allem dank des Einsatzes von Hjørdis Simonsen wurde diese Gruppe 1975 als Norsk Psykoanalytisk Forening Vollmitglied der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung.
Nach ihrem ersten, 1953 erschienenen Aufsatz über soziale Anpassung und psychische Gesundheit veröffentlichte Simonsen mehrere Artikel zu klassischen psychoanalytischen Konzepten.
Edith Székely wurde im pfälzischen Zeiskam geboren als Tochter des litauisch-jüdischen Arztes Julius Isak Sussmanowitz und seiner Frau Laura, geb. Metzger. Seit 1913 lebte die Familie in Speyer, wo Edith Sussmanowitz ihre Kindheit und Jugend verbrachte. Um Kinderärztin zu werden, studierte sie nach dem Abitur 1928 wie ihr älterer Bruder Ernst Sussmanowitz in Heidelberg Medizin. Gleich ihm sympathisierte sie mit sozialistischen Ideen und schloss sich einer linken Studentengruppe an.
In Heidelberg lernte Edith Sussmanowitz 1932 ihren Ehemann kennen, den aus Ungarn stammenden Psychologen und späteren Psychoanalytiker Lajos Székely (1904-1995). Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, verließen beide Deutschland. Edith Sussmanowitz setzte ihr Studium in Basel fort, während Lajos Székely nach Holland ging. Sie promovierte 1934 in Basel und zog dann ebenfalls nach Amsterdam, wo sie 1935 heirateten.
Als die Székelys von Ediths Bruder Ernst, der in die Sowjetunion emigriert war, erfuhren, dass dort ein Mangel an Ärzten herrschte, gingen sie 1937 nach Leningrad. Lajos Székely erhielt eine leitende Position am Bechterewschen Forschungsinstitut und Edith Székely eine Anstellung an einem Institut für Bluttransfusion. In Leningrad kam ihre Tochter Mirjam zur Welt. Nachdem jedoch ihr Bruder den stalinistischen Säuberungen zum Opfer gefallen war, flohen Edith Székely und ihr Mann 1938 nach Finnland, wo sie bis 1944 lebten.
Im selben Jahr gelang ihnen die Flucht nach Schweden, zwei Jahre später wurde ihre Tochter Vera geboren. 1951 ließ die Familie Székely sich in Nacka am Ostrand von Stockholm nieder, wo beide wieder in ihrem Beruf arbeiten konnten. Edith Székely, die ihre psychoanalytische Ausbildung in Deutschland erhalten hatte, verbrachte zur Fortbildung zwei Sommer in England und machte eine Analyse bei Barbara Lantos. Sie war Ehrenmitglied der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung und praktizierte als Psychoanalytikerin in Stockholm.

Die in Stockholm geborene Alfhild Tamm war die erste Frau in Schweden, die Psychiaterin wurde. Sie trug entscheidend dazu bei, dass die Psychoanalyse in Skandinavien Fuß fassen konnte. Nachdem sie 1905 am Karolinska-Institut in Stockholm promoviert hatte, ging sie zur weiteren Ausbildung ins Ausland und studierte in München (1908), Berlin (1909) und Wien (1913). 1914 eröffnete sie in Stockholm eine Privatklinik für Kinder mit Sprachstörungen, zwei Jahre später veröffentlichte sie das erste schwedische Handbuch über Sprechtherapien.
Nach ihrem ersten Wienaufenthalt reiste Alfhild Tamm zwischen 1924 und 1930 regelmäßig dorthin, um mehrere Kurzanalysen bei Paul Federn, Helene Deutsch und August Aichhorn zu machen. Ende 1926 wurde sie ordentliches Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung (WPV) und hielt dort ein Jahr später ihren Vortrag Mitteilung über einen Fall von Stottern. 1931 gründete Alfhild Tamm gemeinsam mit Sigurd Naesgaard aus Dänemark, Yrö Kulovesi aus Finnland und Harald Schjelderup aus Norwegen eine skandinavische psychoanalytische Arbeitsgruppe, die 1934 offiziell von der IPV anerkannt wurde. Sie wechselte von der WPV in die Finsk-Svenska Psykoanalytiska Förening, deren erste Präsidentin sie wurde.
Alfhild Tamm interessierte sich besonders für die Anwendung der Psychoanalyse in der Pädagogik und engagierte sich für die Sexualufklärung. In ihrem 1930 veröffentlichten Buch Ett sexualproblem plädierte sie für eine tolerante Einstellung zur Masturbation und erntete damit einen Sturm der Entrüstung in Schweden. Sie war an vielen pädagogischen Einrichtungen als ärztliche Beraterin tätig, hielt Vorträge über Psychoanalyse in der Schwedischen Ärztegesellschaft und hatte verschiedene Ämter in der öffentlichen Kinderfürsorge inne.
Einen Schwerpunkt ihrer Publikationen bildete die Therapie des Stotterns, das für sie eine Psychoneurose, in schweren Fällen eine Zwangsneurose ist, bei der Vermeidungstaktiken die Aussprache des gefürchteten Lauts verhindern sollen. Erforderlich sei eine Analyse der zugrunde liegenden Probleme, verbunden mit einer offeneren Haltung der Eltern gegenüber den sexuellen Bedürfnissen ihrer Kinder.
Alfhild Tamm lebte mit einer Frau zusammen, zu einer Zeit, als die Homosexualität auch in der psychoanalytischen Bewegung verpönt war. (Artikelanfang)
Hilkka Valtonen wurde in Vilppula in Finnland geboren. Nach dem Besuch der Sekundarschule in Haapamäki studierte sie Kunstgewerbe an der School of Arts and Crafts in Helsinki. Hier lernte sie ihren Mann kennen, den Künstler Osmo Valtonen (1929-2002), den sie 1955 heiratete.
Nachdem sie während der 1950er Jahre in der Werbung gearbeitet hatte, erwarb Hilkka Valtonen 1965 an der Universität Helsinki ein Diplom in Philosophie. Sie war mehrere Jahre lang in Krankenhäusern und als Psychotherapeutin bei der Student's Health Foundation in Helsinki tätig, bevor sie sich als Psychoanalytikerin in eigener Praxis niederließ.
1978 begann sie eine Ausbildung zur Kinder- und Jugendpsychoanalytikerin bei Leena-Maija Jokipaltio. Gemeinsam mit ihr und Kyllikki Lyytikäinen gab sie 1985 das erste finnische Lehrbuch für Kinderpsychotherapie, Lasten psykoterapia, heraus. Hilkka Valtonen war Mitglied und seit den 1980er Jahren Lehranalytikerin und Supervisorin der Finnischen Psychoanalytischen Gesellschaft SPY (Suomen Psykoanalyyttinen Yhdistys).
Katarina (Kató) Vértes stammte aus Ungarn. Sie promovierte zum Dr. phil und absolvierte vor dem Zweiten Weltkrieg eine Ausbildung zur Kinderanalytikerin bei Anna Freud in Wien. Nach dem "Anschluss" floh sie mit der Wiener Gruppe vor den Nationalsozialisten nach London. 1939 beging sie jedoch den Fehler, Budapest einen Besuch abzustatten, der dann bis Mitte der 1950er Jahre dauern sollte. Ihr in Ungarn lebender Bruder György Vértes war in den 1930er und 1940er Jahren Redakteur kommunistischer Literaturzeitschriften und ein entschiedener Gegner der Psychoanalyse.
1956 emigrierte Kató Vértes ein zweites Mal nach England und arbeitete zwei Jahre lang mit Anna Freud an der Hampstead Child Therapy Clinic in London zusammen. Danach ging sie nach Schweden, wo sie sich in Stockholm niederließ und Mitglied der Svenska Psykoanalytiska Föreningen (SPAF) wurde. Als die SPAF 1980 systematisch mit der Ausbildung von KinderanalytikerInnen begann, geschah dies unter der Verantwortung von Katarina Vértes und Klas Guettler. Wenige Jahre später wurde Katarina Vértes jedoch krank und starb Mitte der 1980er Jahre.

Nic Waal, die norwegische Pionierin der Kinderpsychiatrie, wurde als Caroline Schweigaard Nicolaysen in Kristiania (Oslo) geboren. Sie war das vierte Kind des Offiziers Vilhelm Bernhoft Nicolaysen und seiner Frau Anna, geb. Horn. Das lebhafte, aber empfindliche kleine Mädchen war häufig krank und erhielt daher Privatunterricht, bis sie ab 1921 die Katedralskolen besuchen konnte. Von 1923 bis 1930 studierte Caroline Nicolaysen in Oslo Medizin. Sie gehörte der Redaktion der Zeitschrift Æsculap an, sympathisierte mit der marxistischen Studentenbewegung Mot Dag und interessierte sich für soziale Fragen und die sexuelle Befreiung.
1927 heiratete sie den norwegischen Schriftsteller Sigurd Hoel (1890-1960), ihre Ehe wurde 1936 wieder geschieden. Mit ihrem zweiten Ehemann Wessel Waal (1894-1966) war sie von 1937 bis 1948 verheiratet, von ihm stammen ihre beiden Kinder Berit und Helge. 1951 ging sie eine dritte Ehe mit dem Arzt Alix Helju (1916-1954) ein, der drei Jahre später bei einem Bootsunglück ums Leben kam.
Nic Hoel litt immer wieder unter psychosomatischen Krankheiten und Depressionen und begann 1929 eine Analyse bei Harald Schjelderup. 1931 ging sie nach Berlin, um sich zur Psychoanalytikerin ausbilden zu lassen. Ihre Lehranalytikerin war Salomea Kempner. 1933 wurde sie außerordentliches Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft, ein Jahr später Mitglied der Dansk-Norsk Psykoanalytisk Förening.
Als Wilhelm Reich vor den Nationalsozialisten nach Oslo floh, gehörten Nic und Sigurd Hoel zu der Gruppe von Anhängern, die sich um ihn scharten. Nic Hoel begann bei dem ebenfalls nach Oslo emigrierten Freudomarxisten Otto Fenichel eine weitere Analyse, die sie bei Reich fortsetzte. Sie war eine der wenigen, die Wilhelm Reich 1934 bei dessen Ausschluss aus der IPV offen verteidigte. Obwohl sie später seine Orgontheorie nicht nachvollzog, unterstützte sie Reich nach seiner Emigration in die USA weiterhin.
Während der deutschen Besatzungszeit war Nic Waal im norwegischen Untergrund aktiv und beteiligte sich u. a. an der Evakuierung von Kindern und Erwachsenen aus dem Osloer jüdischen Kinderheim nach Schweden. Von 1939 bis 1941 arbeitete sie als Assistenzärztin an der Gaustad-Klinik. 1943 wurde sie wegen ihrer illegalen Aktivitäten vorübergehend verhaftet und emigrierte im Frühjahr 1945 nach Schweden, dann in die Vereinigten Staaten. Nach dem Krieg arbeitete sie als Ärztin in den USA, in Dänemark und Norwegen und unternahm Studienreisen in die Schweiz und nach Frankreich. 1951 erhielt sie in Norwegen die Zulassung als Psychiaterin, 1953 als Kinder- und Jugendpsychiaterin.
Nic Waal gründete 1951 in Oslo eine eigene kinderpsychiatrische Klinik, das Nic Waal Institut für Kinder-, Jugendlichen- und Familienpsychiatrie, das sie bis zu ihrem Tod leitete. Es gilt heute als das wichtigste norwegische Ausbildungszentrum für körperzentrierte Kinderpsychotherapie. Sie entwickelte eine Methode der Körperdiagnostik, die auf der Erkenntnis Wilhelm Reichs beruht, dass die Beobachtung von Ausdruck, Muskelspannung und Atem Aufschluss über emotionale Konflikte gibt.(Artikelanfang)
Nic Waal blieb zeit ihres Lebens sozialpolitisch engagiert und trat für Sexualaufklärung und antiautoritäre Methoden in der Kindererziehung ein. Ihre Popularität zeigte sich u. a. darin, dass die Norwegische Post zu ihrem 100. Geburtstag 2005 eine Sondermarke mit Nic Waals Porträt herausgab.