Psychoanalytikerinnen. Biografisches Lexikon

Geschichte der Psychoanalyse in Skandinavien

Biografien

Dansk Psykoanalytisk Selskab
Aus einer 1953 in Kopenhagen von dem schwedischen IPV-Mitglied Nils Nielsen und den in New York bzw. Wien ausgebildeten dänischen Analytikern Thorkil Vanggaard und Erik Bjerg Hansen gegründeten psychoanalytischen Arbeitsgruppe entstand 1957 auch in Dänemark eine neue psychoanalytische Vereinigung, die Dansk Psykoanalytisk Selskab (DPAS). Vanggaard, Chefarzt der psychiatrischen Abteilung am Rigshospitalet, führte die dynamische Psychotherapie in Dänemark ein. Nach seiner Abwendung von der Psychoanalyse und dem Tod Hansens stagnierte die dänischen Psychoanalyse. 1980 hatte die DPS lediglich 19 ordentliche Mitglieder, obwohl sie seit den 1970er Jahren auch KandidatInnen aus Südschweden ausbildete. Einer der Gründe dafür war, dass eine psychoanalytische Behandlung in Dänemark nicht zu den Kassenleistungen zählt. Nach einer leichten Erholung während der 1980er Jahre weist die dänische Vereinigung zu Beginn des 21. Jahrhunderts ca. 30 Mitglieder auf.


Norsk Psykoanalytisk Forening

Nachdem Harald Schjelderup, Trygve Braatøy und Hjørdis Simonsen 1947 in Norwegen die Dansk-Norsk Psykoanalytiska Förening wiederbelebt hatten, gründeten Norweger wie Dänen 1953 eine eigene psychoanalytische Arbeitsgruppe. Die IPV verweigerte ihr jedoch die Anerkennung, weil man immer noch den Einfluss der Ideen Wilhelm Reichs fürchtete. 1967 wurde in Oslo das Norsk Psykoanalytisk Institutt gegründet. Vier Jahre später akzeptierte die IPV die norwegische Arbeitsgruppe, und 1975 erreichte schließlich die Norsk Psykoanalytisk Forening (NPF) die Aufnahme in die Internationale Vereinigung. Bis 2005 hatte die NPF ca. 50 Mitglieder und 70 Kandidaten.
Zu den bedeutendsten AnalytikerInnen Norwegens zählen: Harald Schjelderup, Pionier der 1920er und 1930er Jahre, der das norwegische Konzentrationslager Grini überlebte und sich vor allem mit klinischen Fragen beschäftigte; Trygve Braatøy, der in einem Buch über Knut Hamsun die Theorien Alfred Adlers und Sigmund Freuds kombinierte und später die Vegetotherapie Reichs anwendete; Ola Raknes, ein Freund und Mitarbeiter Wilhelm Reichs, der sich dessen Orgonlehre verschrieb; und Nic Waal, Analysandin Reichs und Spezialistin auf dem Gebiet der Kinderpsychiatrie.

Seit 1968 halten die psychoanalytischen Vereinigungen der vier skandinavischen Länder Schweden, Finnland, Norwegen und Dänemark alle zwei Jahre eine eigene nordische Konferenz ab. Seit 1978 geben sie gemeinsam die englischsprachige Zeitschrift The Scandinavian Psychoanalytic Review heraus.


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