Psychoanalytikerinnen. Biografisches Lexikon

Psychoanalytikerinnen in Großbritannien

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1936 richtete Franklin gemeinsam mit dem Psychoanalytiker David Wills als erstes praktisches Experiment der Planned Environmental Therapy das Hawkspur Camp für verhaltensgestörte Männer ein, dem in den 1940er Jahren ein Camp für verhaltensgestörte Jungen folgte. Ein weiteres ihrer Projekte war das Children's Social Adjustement (CSA), das ebenfalls die Prinzipien der PET anwendete. 1966 wurde auf ihre Initiative hin der Planned Environmental Therapy Trust (PETT) zur Erforschung und Förderung des PET-Ansatzes ins Leben gerufen.




Als Edward Glover, den sie besonders schätzte, 1944 die BPAS verließ, zog Kate Friedländer sich ebenfalls aus der Vereinigung zurück. Sie starb vorzeitig im Alter von sechsundvierzig Jahren an Lungenkrebs.







Für ihr 1996 erschienenes Buch The Analyst's Preconscious befragte Victoria Hamilton 65 PsychoanalytikerInnen in Großbritannien und den USA über die Beziehung zwischen ihren theoretischen Einstellungen und den Anforderungen der analytischen Praxis.










Nach Kriegsende heiratete Ilse Hellman den niederländischen Kunsthistoriker Arnold Noach (?-1976), der die deutsche Besatzungszeit in Holland überlebt hatte. Ihre Tochter Margaret wurde 1949 geboren. Im Alter von 84 Jahren gab Ilse Noach aus gesundheitlichen Gründen ihre psychoanalytische Praxis auf.







Als scharfsinnigste Wortführerin Melanie Kleins im Disput mit Anna Freud und deren AnhängerInnen eröffnete Susan Isaacs 1943 die Controversial Discussions mit ihrer Abhandlung The nature and function of phantasy, die als eine der bedeutendsten Schriften der kleinianischen Literatur gilt. Darin definierte sie Phantasie - die unbewusste "phantasy" von "fantasy", den Tagträumen, abgrenzend - als psychische Repräsentanz der Triebe. Unbewusste Phantasien bildeten den primären Inhalt aller seelischen Vorgänge und die Grundlage aller unbewussten und bewussten Denkprozesse.
Susan Isaacs' klinische und theoretische Aufsätze sind zum Großteil in dem Sammelband Childhood and After enthalten. Sie erlag 1948 einem Krebsleiden.









Melanie Klein starb 1960 - unversöhnt mit ihrer Tochter Melitta - nach einer erfolgreichen Darmkrebsoperation an den Folgen eines Hüftgelenkbruchs.









Neben ihren Aktivitäten am Londoner Psychoanalytischen Institut, wo Barbara Low mehrere Jahre lang die Bibliothek betreute, war sie Kodirektorin der Imago Publishing Company und als Dozentin und Therapeutin am Institute for the Study and Treatment of Delinquency tätig. Zuletzt lebte sie zurückgezogen mit ihrer ebenfalls unvereiratet gebliebenen älteren Schwester Florence in Hampstead Garden Suburb.



Das Ehepaar Mannheim emigrierte zunächst in die Niederlande und dann nach England. Julia Mannheim setzte ihre psychoanalytische Ausbildung in London fort und wurde 1944 Mitglied der British Psychoanalytical Society. Neben ihrer Arbeit als Psychoanalytikerin in eigener Praxis und als Dozentin in Anna Freuds Kinderanalyse-Seminar widmete sich Julia Mannheim nach dem Tod ihres Mannes der Herausgabe seiner Manuskripte. Außer einem vielversprechenden Aufsatz über ihre Analyse einer rauschgiftsüchtigen Patientin liegen keine Veröffentlichungen von ihr vor.








In ihrem wohl bekanntesten Buch On Not Being Able to Paint zeigte Marion Milner, die selbst Malerin war und Zeichnen und Malen als therapeutisches Mittel einsetzte, dass Schaffenshemmungen auf der Angst vor der Regression in einen undifferenzierten Zustand beruhen, wo die Grenzen zwischen Selbst und Objekt verschwimmen. Eine Vermischung von Innen und Außen zulassen zu können, betrachtete Milner als Bedingung psychischer Gesundheit. Sie war eine der wenigen, die Psychoanalyse mit mystischen Erfahrungen verbanden.
Marion Milner gehörte der 1954 gegründeten Imago Society an, die sich der Anwendung der Psychoanalyse auf die Kunst und andere nicht-klinische Bereiche widmete. Seit Ende der 1970er Jahre war sie Ehrenpräsidentin der British Association of Art Therapists.















1940 verließen Pailthorpe und Mednikoff England und lebten ab 1942 in Vancouver in Kanada, bis sie 1947 nach England zurückkehrten. Grace Pailthorpe eröffnete Anfang der 1950er Jahre eine psychoanalytische Privatpraxis in London und richtete zusammen mit Reuben Mednikoff (jetzt Richard Pailthorpe) die erste Schule für Kunsttherapie in Dorking ein. In den 1960er Jahren wandten beide sich der fernöstlichen Mystik zu. Grace Pailthorpe starb im Alter von 89 Jahren an Krebs.







Einen weiteren Schwerpunkt bildete ihre therapeutische Arbeit mit Frauen, die den Holocaust überlebt hatten. Pines beschrieb deren Überlebensstrategien sowie die Auswirkung ihrer Erfahrungen auf ihre Kinder.






Ende 1938 zog Joan Riviere sich nach einer schweren Krankheit aus den Führungsgremien der BPAS zurück, ihre Lehrveranstaltungen setzte sie jedoch fort, ebenso ihre Tätigkeit als Lehr- und Kontrollanalytikerin. In den Freud/Klein-Kontroversen der 1940er Jahre blieb sie eher im Hintergrund. Während der 1950er Jahre wurde ihr Verhältnis zu Melanie Klein distanzierter, u. a. teilte sie nicht deren Interesse für die Analyse von Psychotikern.
1962 starb Joan Riviere an den Folgen eines Lungenemphysems.











Ilse Seglow verstand sich in der Nachfolge von S. H. Foulkes (Siegmund Heinrich Fuchs), dessen gruppenanalytisches Konzept von den Theorien Norbert Elias' beeinflusst war. Als Foulkes 1952 die Group Analytic Society ins Leben rief, gehörte Ilse Seglow zu den Gründungsmitgliedern. Sie sah in der Gruppenanalyse neben der Therapie auch einen gesellschaftskritischen Ansatz.








Viel diskutiert wurde auch ihr Aufsatz über Relations between the superego and the ego, in dem sie die Ansicht vertrat, dass das Über-Ich als eigenständige mahnende und strafende Instanz ein pathologisches Phänomen sei, während normalerweise die Funktion der Selbstkontrolle vom Ich ausgeübt werde. In diesem Zusammenhang erklärte sie die kleinianischen inneren Objekte zu einer Fiktion des Analytikers.
Schon seit ihrem Studium in Cambridge litt Karin Stephen unter Schwerhörigkeit und musste ein Hörrohr benutzen. Nach mehreren erfolglosen Operationen zur Verbesserung ihrer Hörfähigkeit kam eine partielle Gesichtslähmung hinzu. Sie hatte immer wieder mit Depressionen zu kämpfen und beging schließlich Suizid.



Alix Strachey interessierte sich besonders für die psychosozialen Voraussetzungen des Kriegs. Als eine solche Voraussetzung beschrieb sie in ihrem Buch The Unconscious Motives of War die regressiven und potentiell destruktiven Gruppenphänomene, auf denen Institutionen wie Schule, Kirche, Armee und der Nationalstaat beruhen. In der Gruppe werde das Über-Ich des Einzelnen durch eine Autorität von außen ersetzt und eine unrealistische Denkweise sowie Gleichgültigkeit bzw. Feindseligkeit gegenüber den außerhalb der Gruppe Stehenden gefördert. Mithilfe der Erkenntnisse der Psychoanalyse, glaubte sie, könnten solche destruktiven Tendenzen abgemildert werden.











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