
Enid Flora Albu wurde in London geboren und besuchte das Cheltenham Ladies' College, bevor sie von 1922 bis 1925 ein Studium an der London School of Economics absolvierte. Seit 1926 war sie mit dem Philologen Robert N. Eichholtz verheiratet, von dem ihre beiden Töchter stammen.
Während und nach dem Zweiten Weltkrieg organisierte Enid Albu-Eichholtz in London die Family Welfare Association (später Institute of Family Relations) zur Unterstützung ausgebombter und obdachlos gewordener Familien. 1947/48 beteiligte sie sich an der Gründung des Family Discussion Bureau, dem späteren Institute of Marital Studies, und bildete Sozialarbeiter für die Familien- und Eheberatung aus. 1948 begann sie bei John Rickman an der Tavistock Clinic eine Lehranalyse, die sie nach dessen Tod 1951 bei Donald W. Winnicott fortsetzte. 1952 wurde sie außerordentliches Mitglied der British Psychoanalytical Society (BPAS) und 1954, nach ihrem Vortrag Drei Phasen einer Übertragungsneurose, ordentliches Mitglied.
Im Zusammenhang mit ihrer Arbeit am Tavistock Institute of Human Relations lernte Enid Albu-Eichholtz Michael Balint (1896-1970) kennen, den sie 1953, nach der Scheidung von Eichholtz, heiratete. Sie machte ihn mit der fallorientierten Case-Work-Technik vertraut, die sie bei der Ausbildung von Sozialarbeitern und Psychologen einsetzte. Zwischen 1949 und 1954 entwickelten Michael und Enid Balint die Methode der "Balint-Gruppe", bei der eine psychoanalytisch supervidierte Gruppe von Ärzten Fallberichte ihrer Patienten diskutiert und die Übertragung und Gegenübertragung in der Arzt-Patient-Beziehung bearbeitet. Auch nach ihrer Trennung setzten Enid und Michael Balint ihre Zusammenarbeit fort und entwickelten gemeinsam die Methode der Fokaltherapie sowie die sog. Flash-Technik für den Allgemeinarzt.
Seit 1963 war Enid Balint Lehranalytikerin der BPAS, wo sie zur Gruppe der Unabhängigen gehörte. Sie leitete bis 1965 das allgemein-medizinische Ausbildungs- und Forschungsseminar an der Tavistock Clinic und von 1970 bis 1974 das Londoner Institute of Psychoanalysis. In ihren Schriften - 1993 gesammelt in dem Band Before I was I veröffentlicht - bezog sie sich besonders auf die Ansätze von Sándor Ferenczi, Michael Balint und Donald Winnicott. Ihr Interesse galt vor allem der unbewussten Kommunikation, dem Verständnis präverbaler und körperlicher Prozesse sowie der Wechselbeziehung zwischen dem Präverbalen und der Sprache. Ziel ihrer analytischen Arbeit war die Entwicklung einer "imaginativen Wahrnehmung", bei der der Patient das, was er wahrnimmt, imaginiert und sich auf diese Weise seine eigene, teils imaginierte, teils wahrgenommene Welt erschafft. Erst durch Imagination, so Enid Balint, gewinnen äußere Welt und Selbst Realität und Lebendigkeit.
Nach Michael Balints Tod heiratete Enid Balint 1976 den Diplomaten und Historiker Robert Humphrey Gordon (Robin) Edmonds (*1920). (Artikelanfang)

Mary R. Barkas kam aus Neuseeland nach England, um Medizin am St. Marys Hospital und an der London School of Medicine for Women zu studieren. 1919 wurde sie als erste Frau Anstaltsärztin am Bethlem, Londons berühmtem psychiatrischen Krankenhaus. Sie erwarb 1923 ihr Diplom in Medizinischer Psychologie und arbeitete als Ärztin am psychiatrischen Maudsley Hospital in London, wo sie sich auf Psychotherapie spezialisierte.
Ihre psychoanalytische Ausbildung erhielt Mary Barkas vermutlich Anfang der 1920er Jahre in Wien. 1922 wurde sie außerordentliches Mitglied der British Psychoanalytical Society (BPAS). Sie hielt Vorträge über psychiatrische Themen, u. a. 1925 in der BPAS über The treatment of psychotic patients in institutions in the light of psycho-analysis. Ihre Ausführungen kommentierte ihr Kollege James Strachey auf gewohnt boshafte Weise in einem Brief an seine Frau Alix: "Dr. Barkas las über Psa und die Behandlung von Psychotikern in Anstalten. Natürlich erwies sie sich als Trottel; und Rickman, der sie [...] auf ein Podest gehoben hatte, war entsprechend wütend auf sie. Sie hat anscheinend nicht einmal das Naheliegendste gelesen, wie beispielsweise Abrahams Sachen über Manisch-Depressive und Zwanghafte; und darüber hinaus war sie hauptsächlich auf dem therapeutischen Kurs".
Mary Barkas kehrte später wieder nach Neuseeland zurück.

Die englische Kinderanalytikerin Esther Bick kam als Esteza Lifsza Wander in Przemysl in Galizien als älteste Tochter orthodox jüdischer Eltern zur Welt. Mit sieben Jahren wurde sie zu ihrer Tante nach Prag geschickt, um dieser bei der Betreuung ihres Babys zu helfen. Sie arbeitete dann als Kindergärtnerin, holte das Abitur nach und studierte in Wien bei Charlotte Bühler Psychologie. Bühler führte zu der Zeit ein Forschungsprojekt zur kindlichen Entwicklung durch. Obwohl Esther Bick den behavioristischen Ansatz Bühlers ablehnte, promovierte sie 1935 im Rahmen dieses Projekts über Gruppenbildung im zweiten Lebensjahr.
Nach Beendigung ihres Studiums heiratete sie den Arzt Phillip Bick, mit dem sie nach dem "Anschluss" Österreichs 1938 in die Schweiz floh. Da sie hier keine Arbeitserlaubnis erhielt, emigrierte sie - ohne ihren Ehemann - weiter nach England, ließ sich in Manchester nieder und begann 1941 eine Analyse bei Michael Balint. Esther Bick arbeitete in einem Kindertagesheim in Salford und von 1942 bis 1945 in einer Child Guidance Clinic in Leeds.
Nach Kriegsende zog sie nach London und begann 1947 eine Ausbildung bei der British Psychoanalytical Society. Ihre Lehranalyse setzte sie 1950 bei Melanie Klein fort, zu deren AnhängerInnen sie fortan zählte. 1948 wurde Esther Bick außerordentliches, 1953 ordentliches Mitglied der BPAS, ihren Einführungsvortrag hielt sie über weibliche Sexualängste (Anxieties underlying phobia of sexual intercourse in a woman). Sie spezialisierte sich auf die Kinderanalyse und nahm 1949 auf Einladung John Bowlbys ihre Arbeit als Kinderpsychotherapeutin in der Tavistock Clinic auf, wo sie einen Kurs für die systematische Kleinkind-Beobachtung einrichtete und diese Methode in die Ausbildung von Kinderanalytikern einführte.
Esther Bick übte einen maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der Kinderpsychotherapie in England aus. Ausgehend vom Bühler'schen Ansatz integrierte sie die Kinderbeobachtung in die psychoanalytische Arbeit und entwickelte sie weiter zur Technik der teilnehmenden psychoanalytischen Säuglingsbeobachtung, wie sie heute mit ihrem Namen verbunden ist. Neu daran war ihr Fokus auf die Emotionen des Beobachters als Mittel, mit dem Unbewussten des Kindes in Beziehung zu treten.
Wichtige, in die kleinianische Theorie eingebundene Konzepte Esther Bicks sind die "psychische Haut", die primäre Hautfunktion und das Abwehrphänomen der zweiten Haut. Nach Bick ermöglicht das Gefühl der eigenen Haut, sowohl aus dem Inneren wie als Begrenzung durch die Haut der Mutter (skin of self-and-mother), dem Baby in einem sehr frühen Entwicklungsstadium die Erfahrung eines Zusammenhalts seiner Person (primary skin containment). Gelingt dies nicht, bildet sich als Abwehr gegen die vernichtende Erfahrung von Desintegration bzw. einer undichten Grenze, durch deren Löcher das Selbst ausfließen kann, eine zweite Haut aus Muskelpanzerungen. - Mit diesen Überlegungen bereitete Esther Bick Didier Anzieus Begriff des Haut-Ichs vor. (Artikelanfang)

Marjorie Flowers Brierley studierte von 1916 bis 1921 Psychologie am Londoner University College und absolvierte danach ein Medizinstudium, das sie 1928 abschloss. 1922 heiratete sie William R. Brierley (1889-1963), Professor für Botanik und Ex-Ehemann ihrer Freundin Susan Isaacs. Von 1922 bis 1924 machte sie eine persönliche Analyse bei John Carl Flügel und von 1925 bis 1927 eine weitere Analyse bei Edward Glover. 1927 begann sie ihre psychoanalytische Ausbildung und wurde 1930 ordentliches Mitglied der British Psychoanalytical Society.
Seit 1933 war Marjorie Brierley Lehr- und Kontrollanalytikerin der BPAS und lehrte am Londoner Psychoanalytischen Institut. Im Streit zwischen Melanie Klein und Anna Freud nahm sie eine vermittelnde Position ein, sie gehörte später der sog. Middle Group der Unabhängigen an. Zusammen mit Edward Glover und James Strachey leitete sie von 1943 bis 1944 die Controversal Discussions, in denen sich Kleinianer_innen und Annafreudianer_innen um eine Klärung ihrer unterschiedlichen theoretischen Standpunkte bemühten.
Obwohl Marjorie Brierley Melanie Klein einen Mangel an präzisen Definitionen insbesondere der "inneren Objekte" vorwarf, stimmte sie in vielem mit ihr überein und betrachtete das Kleinsche Konzept der verinnerlichten Objektphantasien als vereinbar mit Sigmund Freuds Grundannahmen. Brierleys zwischen 1932 und 1947 veröffentlichten Aufsätze sind - mit Ausnahme ihrer beiden Artikel über Probleme der Weiblichkeit - in dem 1951 erschienenen Sammelband Trends in Psycho-Analysis enthalten. Berühmt wurde ihre Arbeit über Die Affekte in der Theorie und Praxis, in der sie den Affekt als essentielle Ich-Erfahrung vom Trieb unterschied und ihm so wieder seinen Platz in der psychoanalytischen Theorie einräumte.
Brierley verfasste zwischen 1932 und 1967 zahlreiche Artikel und Rezensionen für das International Journal of Psychoanalysis, dessen Mitherausgeberin sie bis 1978 war. Nachdem ihr Lehranalytiker Edward Glover 1944 die BPAS verlassen hatte, nahm Marjorie Brierley immer weniger an den Aktivitäten der Vereinigung teil. Als ihr Mann 1954 in Pension ging, zog sie sich ebenfalls aus der praktischen Arbeit zurück. (Artikelanfang)

Mary Chadwick war eine frühe Pionierin der Kinderanalyse in England. Die gelernte Krankenschwester erhielt ihre psychoanalytische Ausbildung an der Brunswick Square Clinic in London und bei Hanns Sachs am Berliner Psychoanalytischen Institut. 1922 begann sie in London mit ihrer kinderanalytischen Arbeit, ein Jahr später wurde sie außerordentliches Mitglied der British Psychoanalytical Society. Ihr Name wird in einer Reihe mit Ella Sharpe, Nina Searl und M. G. Lewis genannt, die alle eine ähnliche psychoanalytische Auffassung vertraten.
Mary Chadwick gehörte bis Mitte der 1940er Jahre der BPAS an. Die ordentliche Mitgliedschaft wurde ihr durch das Veto einer Minderheit verweigert, obwohl die Mehrheit in der BPAS, darunter auch Ernest Jones, sie unterstützte. Ihre Kollegin Melitta Schmideberg behauptete, Mary Chadwick sei wie Nina Searl von der "kleinianischen Clique" aus der Britischen Vereinigung hinausgedrängt worden - trotz der Tatsache, dass ihr Buch Women's Periodicity die Zustimmung Melanie Kleins gefunden hatte. Das Thema der Menstruation, das in der psychoanalytischen Literatur bis dahin wenig beachtet worden war, bildete einen der Schwerpunkte in Mary Chadwicks Publikationen.
Sie unterrichtete am British College of Nurses und veröffentlichte zahlreiche Arbeiten zur Psychologie des Kindes und der Erziehung. Zu ihren Analysandinnen zählte die amerikanische Dichterin Hilda Doolittle, die 1931 drei Monate lang bei ihr in Analyse war.
Die Kinderanalytikerin Rose Marjorie Edgcumbe wurde in London geboren, wo sie am University College Psychologie studierte. Mitte der 1950er Jahre ging sie in die USA, um dort ihr Psychologiestudium fortzusetzen und als klinische Psychologin in einem Kinderkrankenhaus zu arbeiten. Nach zwei Jahren kehrte sie nach England zurück und war am Booth Hall Children's Hospital in Manchester tätig. 1959 begann sie bei Anna Freud am Hampstead Child Therapy Course and Clinic in London eine Ausbildung zur Kinderanalytikerin, die sie 1963 abschloss.
Rose Edgcumbe wurde Mitglied der British Psycho-Analytical Society und arbeitete als Lehranalytikerin und Supervisorin an der Hampstead Clinic, ab 1984 Anna Freud Centre, dessen geschäftsführende Direktorin sie 1992/93 war. Sie veröffentlichte eine Reihe grundlegender Texte zur Theorie und Praxis der Kinderanalyse, z. B. über die sexuelle Entwicklung des Mädchens, über psychologische Aspekte des Spracherwerbs und über Symbolisierung. Ein Schwerpunkt ihres Interesses galt der Darstellung des annafreudianischen Ansatzes, in diesem Zusammenhang schrieb sie ihr vielbeachtetes Buch Anna Freud. A View of Development, Disturbance and Therapeutic Techniques.
Rose Edgcumbe, die seit 1990 mit Peter Theobald verheiratet war, starb im Alter von 67 Jahren an Krebs.
Elisabeth Therese Fanny Marx wurde in Karlsruhe geboren als die ältere von zwei Töchtern des jüdischen Rechtsanwalts Jakob Marx und seiner Frau Henriette geb. Fuchs (Abb.). Sie verließ Deutschland 1934, um eine Internatsschule bei Meran und danach eine Handelsschule in Neuchâtel zu besuchen. 1936 ging sie nach England, wo sie von 1937 bis 1941 eine Buchhändlerlehre in einem Londoner Antiquariat machte und sich am Pitman's College zur Sekretärin ausbilden ließ.
1938 emigrierten ihre Eltern nach Frankreich. Ihr Vater starb noch im gleichen Jahr in Nizza, ihre Mutter und ihre Schwester Gertrud wurden 1942 von der Gendarmerie verhaftet, den Deutschen übergeben und nach Auschwitz deportiert. Elisabeth Marx in London überlebte als einzige.
Von 1942 bis 1947 gehörte sie der britischen Armee an, zunächst als Köchin, dann beim Army Education Corps und schließlich als Verwaltungssekretärin. Von 1950 an arbeitete sie als Sekretärin ihres Onkels Siegmund Heinrich Fuchs (1898-1976) aus Karlsruhe, nun S. H. (Michael) Foulkes, Psychoanalytiker und Pionier der Gruppenanalyse, der 1933 ebenfalls nach England emigriert war. 1952 gehörte sie neben S. H. Foulkes und Norbert Elias zu den sieben GründerInnen der Group-Analytic Society (GAS), wo sie im Laufe der Zeit verschiedene Ämter, u. a. das der Vizepräsidentin, innehatte. 1960 heiratete sie S. H. Foulkes, dessen Assistentin sie bis zu seinem Tod war.
Danach übernahm Elizabeth Foulkes von 1976 bis 1988 die Herausgabe der Zeitschrift Group Analysis International Panel and Correspondence, später Group Analytic Contexts. Sie war für verschiedene Institutionen als Gruppentherapeutin tätig, zuletzt in der Ausbildung von Gruppenpsychotherapeuten am Goldsmith's College in London. Sie vertrat den gestaltpsychologisch inspirierten Ansatz von S. H. Foulkes, für den es keine Individualität ohne Gruppe gibt und psychische Störungen nur in sozialem Zusammenhang versteh- und behandelbar sind.
Liselotte (Lilly) Frankl stammte aus Wien und war die älteste Tochter des Kaufmanns Robert Frankl und seiner Frau Julie Baum. Nach dem Besuch des Reformgymnasiums für Mädchen studierte sie ab 1929 an der Wiener Universität Psychologie bei Charlotte Bühler und wurde deren Forschungsassistentin. Gleichzeitig besuchte sie die Vorlesungen Anna Freuds und machte eine persönliche Analyse bei Ernst Kris.
1935 promovierte sie über Lohn und Strafe. Versuch einer phänomenologischen Analyse und arbeitete anschließend als Erziehungsberaterin beim Wiener Jugendamt und am Karolinen-Kinderspital. Nach dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich emigrierte sie 1938 nach Schottland, wo sie Mitarbeiterin am Crichton Royal Hospital in Dumfries war. Sie absolvierte bis 1945 ein Medizinstudium an der London School of Medicine for Women und der University of St Andrews in Schottland und war anschließend als Psychiaterin an der East London Child Guidance Clinic tätig.
In London setzte Liselotte Frankl ihre psychoanalytische Ausbildung bei der British Psychoanalytical Society fort und wurde Mitglied und später Lehranalytikerin der BPAS. Sie arbeitete mit Anna Freud zusammen und war für die medizinisch-psychiatrische Betreuung an der Hampstead Child Therapy Clinic verantwortlich. Gemeinsam mit Ilse Hellmann führte sie in Hampstead ein Forschungsprojekt zur Adoleszenz durch. Ihre Veröffentlichungen umfassen neben Adoleszenzstudien Themen wie die Neigung zu Unfällen, die Auswirkung traditioneller Wickeltechniken bei albanischen Säuglingen und die Ich-Beteiligung am therapeutischen Bündnis.
1967 ließ Liselotte Frankl sich wegen einer depressiven Periode beurlauben und begab sich in psychiatrische Behandlung. Nach ihrer Genesung kehrte sie nicht mehr in ihre leitende Stellung zurück. Sie starb 78jährig in London.
Die englische Psychoanalytikerin Marjorie Ellen Franklin stammte aus einer wohlhabenden jüdischen Bankiersfamilie. Sie begann zunächst eine Ausbildung als Erzieherin an dem von Charlotte Mason geleiteten House of Education in Ambleside in England, wechselte aber bald zur Medizin. Nach ihrem Examen ging Marjorie Franklin in die USA, wo sie in New York ihre psychiatrische Ausbildung bei Adolf Meyer, dem Mitbegründer der NYPS und der APsaA, erhielt. Anschließend machte sie bei Sándor Ferenczi in Budapest eine psychoanalytische Ausbildung.
Marjorie Franklin zählte zu den frühen Mitgliedern der 1919 gegründeten British Psychoanalytical Society. Ihr Interesse galt jedoch nicht der Analyse von Privatpatienten, sondern dem Einsatz der Psychoanalyse für die weniger Privilegierten. Sie arbeitete in London als Consultant Psychiatrist am British Hospital for Functional Nervous Disorders, bei der Howard League for Penal Reform und am Institute for the Scientific Treatment of Delinquency (später Portman Clinic), zu dessen GründerInnen sie neben Edward Glover, Grace Pailthorpe und Melitta Schmideberg gehörte.
Anfang der 1920er Jahre hatte sie während ihrer Tätigkeit als Ärztin am Portsmouth Borough Mental Hospital begonnen, sich für den Zusammenhang von psychischen Störungen und der Umgebung der Patienten zu interessieren. Sie entwickelte ein therapeutisches Konzept, das sie "Planned Environmental Therapy" (PET) nannte und das in sogenannten Q Camps praktisch erprobt wurde. Gemäß dieser Milieutherapie auf den theoretischen Grundlagen von Donald W. Winnicott, Anna Freud, Otto Shaw und I. D. Suttie leben die Patienten in einer therapeutischen Gemeinschaft und werden von einem psychoanalytisch angeleiteten Team betreut. Die Therapie besteht im Aufbau nicht-autoritärer, liebevoller und akzeptierender Beziehungen.
1936 richtete Franklin gemeinsam mit dem Psychoanalytiker David Wills als erstes praktisches Experiment der Planned Environmental Therapy das Hawkspur Camp für verhaltensgestörte Männer ein, dem in den 1940er Jahren ein Camp für verhaltensgestörte Jungen folgte. Ein weiteres ihrer Projekte war das Children's Social Adjustement (CSA), das ebenfalls die Prinzipien der PET anwendete. 1966 wurde auf ihre Initiative hin der Planned Environmental Therapy Trust (PETT) zur Erforschung und Förderung des PET-Ansatzes ins Leben gerufen.

Die Ärztin und Psychoanalytikerin Kate Friedländer wurde in Innsbruck als Tochter ungarisch-jüdischer Eltern geboren. Ihr Vater Karl Frankl war Kaufmann, seine Familie stammte ebenso wie die seiner Frau Adele aus Preßburg. Käthe Frankl ging zu den Ursulinerinnen in die Schule und schloss sich wie ihre drei Geschwister einer zionistischen Jugendgruppe an. Von 1921 bis 1926 studierte sie in Innsbruck und Berlin Medizin und war danach Volontärärztin an der Nervenklinik der Berliner Charité unter Karl Bonhoeffer. Gleichzeitig begann sie eine Ausbildung am Berliner Psychoanalytischen Institut, ihre Lehranalyse machte sie vermutlich bei Hanns Sachs.
1929 heiratete sie Walter Misch (1889-1943), der damals Oberarzt an der Charité war und wie sie jüdischer Herkunft. Zwei Jahre später wurde ihre Tochter Sybille geboren. Gemeinsam verfassten sie 1932 einen Aufsatz über Die vegetative Genese der neurotischen Angst und ihre medikamentöse Beseitigung, der von Wilhelm Reich sehr gelobt wurde. 1933 wurde Käthe Misch-Frankl außerordentliches Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung, wo sie zur Gruppe linker Psychoanalytiker_innen um Otto Fenichel gehörte.
Käthe und Walter Misch verließen Deutschland nach dem Reichstagsbrand 1933 und emigrierten nach London. Käthe Misch erwarb einen britischen medizinischen Abschluss sowie ein Diplom in Medizinischer Psychologie und wurde 1933 außerordentliches, 1938 ordentliches Mitglied der British Psychoanalytical Society. 1934 ließ sie sich von ihrem ersten Mann scheiden und heiratete drei Jahre später Georg Friedländer, einen jüdischen Radiologen aus Breslau.
Kate Friedländer lehnte die in der Britischen Vereinigung dominierenden Ideen Melanie Kleins ab, sie teilte die Anschauungen Anna Freuds, mit der sie in den folgenden Jahren zusammenarbeitete. Nach dem Krieg gab Kate Friedländer den Anstoß zur Gründung des Hampstead Child Therapy Course, wo sie selbst unterrichtete und als Lehranalytikerin tätig war.
Ihr Hauptinteresse galt der Jugendkriminalität, sie entwickelte als erste eine systematische psychoanalytische Theorie der Ursachen von Delinquenz. Als Mitarbeiterin Edward Glovers am Institute for the Scientific Treatment of Delinquency knüpfte Kate Friedländer an August Aichhorns Wiener Arbeit mit verwahrlosten Jugendlichen an und führte psychologische Beratungen für auffällige Kinder und jugendliche Rechtsbrecher durch.
Sie gründete in West Sussex die erste Erziehungsberatungsstelle Englands, in der nach psychoanalytischen Erkenntnissen gearbeitet wurde. Eine individuelle Psychoanalyse mit jugendlichen Straftätern hielt Friedländer in der Regel jedoch für ungeeignet. Stattdessen kombinierte sie psycho- und soziotherapeutische Maßnahmen und legte großen Wert auf die präventive Aufklärung von Eltern, Lehrern und Sozialarbeitern.
In ihrem Hauptwerk The Psychoanalytic Approach to Juvenile Delinquency beschrieb sie die Entstehung delinquenten Verhaltens wie folgt: Eine latente Verwahrlosungsstruktur - starke unmodifizierte Triebe, ein schwaches, unter der Herrschaft des Lustprinzip stehendes Ich und ein unselbständiges Über-Ich - wird unter dem Einfluss negativer Umweltbedingungen manifest. Anders als beim Neurotiker, der sich Ersatzbefriedigung in der Phantasie verschafft, entlädt sich beim antisozialen Charakter der triebhafte Impuls in einer kriminellen Handlung. (Artikelanfang)
Als Edward Glover, den sie besonders schätzte, 1944 die BPAS verließ, zog Kate Friedländer sich ebenfalls aus der Vereinigung zurück. Sie starb vorzeitig im Alter von sechsundvierzig Jahren an Lungenkrebs.

Iseult Grant Duff entstammte einer alten englischen Adelsfamilie. Ihr Vater Sir Mountstuart Elphinstone Grant Duff war von 1881 bis 1886 britischer Gouverneur von Madras, wo Iseult als jüngstes von acht Kindern geboren wurde. Ihre Mutter, Lady Julia Grant Duff geb. Webster, war eine gefeierte Schönheit, die Gedichte schrieb und Bilder malte. Nach der Rückkehr der Familie nach England wuchs Iseult Grant Duff unter der Obhut einer deutschen Gouvernante im Herrenhaus York House in Twickenham auf.
Als junge Frau war Iseult Grant Duff einige Jahre lang Missionarin in Indien. Nachdem sie ihren Glauben verloren hatte, kehrte sie nach dem Ersten Weltkrieg nach England zurück. Während ihrer Ausbildung an der Brunswick Square Clinic in London lernte sie die Psychoanalytiker James Glover und Ella Sharpe kennen. Sie begann eine Lehranalyse bei Edward Glover, setzte sie in Berlin bei Hanns Sachs fort und beendete ihre Ausbildung schließlich bei Ernest Jones in London. 1923 wurde sie außerordentliches, 1933 ordentliches Mitglied der British Psychoanalytical Society, wo sie zu den AnhängerInnen Anna Freuds gehörte.
Iseult Grant Duff interessierte sich besonders für die Anwendung der Psychoanalyse auf Literatur und Dichtung. Sie übersetzte Sigmund Freuds Aufsatz Der Dichter und das Phantasieren ins Englische und schrieb über Themen wie die prägenitale Fixierung Jonathan Swifts und die Bisexualität der Therese von Lisieux.
Ende des Zweiten Weltkriegs zog sie sich aus der aktiven psychoanalytischen Arbeit zurück. Im Alter von siebzig Jahren beging sie gemeinsam mit ihrer durch Arthritis ans Bett gefesselten Freundin Selbstmord.

Nicena bzw. Lillian Florence Battiscombe Gunn kam in London als eine von drei Töchtern protestantischer Eltern zur Welt. Ihr Vater Charles Stephen Meacham war Chemiker, ihre Mutter Florence Wood stammte aus einer alten schottischen Familie. Ihre jüngere Schwester Gwendoline Emily Meacham, i. e. Wendy Wood, war eine bekannte Vorkämpferin für die Unabhängigkeit Schottlands. 1899 zog die Familie nach Südafrika, wo Charles Meacham eine leitende Stellung in einer Brauerei einnahm.
Lillian Florence Meacham heiratete den Ägyptologen Battiscombe George Gunn (1883-1950), der als Konservator und Professor in Kairo, Philadelphia und Oxford tätig war. 1928 wurde ihr Sohn, der spätere Physiker John Battiscombe Gunn, geboren. Die Ehe wurde Anfang der 1940er Jahre wieder geschieden.
Nicena Battiscombe Gunn begann 1924 als Studentin in Wien eine Ausbildung am Wiener Psychoanalytischen Ambulatorium, wo sie auch als Mitarbeiterin verzeichnet war. Noch im gleichen Jahr ging sie nach Budapest und setzte dort vermutlich ihre Ausbildung zur Psychoanalytikerin fort. Sie nahm an den Internationalen Psychoanalytischen Kongressen in Salzburg (1924) und Bad Homburg (1925) teil, war jedoch nicht Mitglied der British Psychoanalytical Society. 1938 besuchte sie Sigmund Freud in Wien.

Victoria Edith Hamilton wurde in Aberdeenshire in Schottland geboren als jüngste Tochter von Robert Edward Archibald Udney-Hamilton, dem 11. Lord Belhaven and Stenton, und seiner Frau Sheila de Hauteville Pearson. Sie studierte zunächst an der Glasgow School of Art und verfasste und illustrierte Kinderbücher. Dann ging sie nach London, wo sie bis 1967 am University College Philosophie studierte und als Kunsttherapeutin in einer Nervenklinik arbeitete. 1966 lernte sie Ronald D. Laing, den Vertreter der Antipsychiatrie, kennen und machte eine Analyse bei ihm. Anfang der 1970er Jahre absolvierte sie bei John Bowlby an der Tavistock Clinic eine Ausbildung zur Kinderpsychotherapeutin. Victoria Hamilton arbeitete für den National Health Service und in Erziehungsberatungsstellen und unterrichtete an verschiedenen Schulen und Colleges.
1976 heiratete sie Nicholas Tufnell und zog mit ihm nach Los Angeles, wo sie eine psychotherapeutische Praxis eröffnete. Zwei Jahre später wurde ihr Sohn Samuel geboren. 1991 promovierte sie im Fach Psychoanalyse am University College in London mit einer empirischen Untersuchung der Patterns of transference interpretation. Heute ist sie als Supervisorin und Kinderanalytikerin am Columbia University Center for Psychoanalytic Training and Research tätig.
Victoria Hamiltons psychoanalytischer Ansatz basiert auf den Konzepten der Bindungs- und Objektbeziehungstheorie. In ihrem Buch Narcissus and Oedipus greift sie die griechischen Mythen wieder auf, die Sigmund Freud zur Erläuterung seiner Theorien der psychischen Entwicklung benutzt hatte, ergänzt sie durch spätere psychoanalytische Erkenntnisse und konfrontiert sie mit ihren eigenen Beobachtungen an Kindern.
Für ihr 1996 erschienenes Buch The Analyst's Preconscious befragte Victoria Hamilton 65 Psychoanalytiker_innen in Großbritannien und den USA über die Beziehung zwischen ihren theoretischen Einstellungen und den Anforderungen der analytischen Praxis.

Martha Gemmell Dunlop Harris wurde als ältestes von vier Kindern auf der Farm ihrer Eltern in Beith, Ayrshire (Schottland), geboren. Ihr Vater Gabriel Dunlop war Landwirt, ihre Mutter Margaret McLure war vor ihrer Ehe Schneiderin mit eigener Werkstatt. Als Martha (Mattie) acht Jahre alt war, zog die Familie nach Turner's Hill in Sussex, wo sie die East Grinstead Grammar School besuchte. Von 1938 bis 1940 studierte sie Englisch am University College in London und arbeitete während und nach dem Zweiten Weltkrieg als Lehrerin an Sekundarschulen.
1941 heiratete sie den Forstwirtschaftler Harry Thompson, von dem sie sich 1949 wieder scheiden ließ. Ihr zweiter Ehemann wurde der Dichter und Englischlehrer Roland Harris (1919-1969). Von ihm stammten ihre beiden Töchter Meg (Harris Williams) und Morag.
Nach einem Psychologiestudium in Oxford ließ Martha Harris sich an der Tavistock Clinic bei John Bowlby und Esther Bick zur Kinderpsychotherapeutin ausbilden. Ende der 1950er Jahre folgte eine Ausbildung zur Psychoanalytikerin für Kinder und Jugendliche bei der British Psychoanalytical Society. 1960 übernahm sie die Leitung der Kindertherapie-Ausbildung an der Tavistock Clinic. Wie Esther Bick war Martha Harris eine Anhängerin der Ideen Melanie Kleins und eine Pionierin der systematischen Kinder-Beobachtung. Ein weiterer wichtiger Lehrer war Wilfred Ruprecht Bion für sie.
Nach dem Tod von Roland Harris heiratete sie in dritter Ehe den kleinianischen Psychoanalytiker Donald Meltzer (1922-2004), mit dem gemeinsam sie die psychoanalytische Arbeitseinheit "The Child-in-the-Family-in-the-Community" für Schulen und therapeutische Institutionen entwickelte.
Von Mitte der 1970er bis Mitte der 1980er Jahre hielten Donald Meltzer und Martha Harris Vorlesungen und Supervisionen in Italien ab und halfen die Ausbildung von Kindertherapeuten nach dem Tavistock-Modell in den wichtigsten italienischen Instituten zu etablieren.

Die Psychoanalytikerin und Psychiaterin Paula Heimann wurde als Tochter russisch-jüdischer Eltern in Danzig geboren. Nach dem Besuch des Mädchengymnasiums studierte sie ab 1918 Medizin in Königsberg, Berlin und Frankfurt am Main und legte 1925 ihr Staatsexamen in Breslau ab. 1926 promovierte sie in Heidelberg und arbeitete anschließend an der psychiatrischen Klinik der Universität Heidelberg und an der Charité in Berlin. 1924 heiratete sie den Internisten Franz Heimann, ein Jahr später wurde ihre Tochter Mirza geboren. Die Ehe wurde 1933 wieder geschieden.
Von 1928 bis 1932 ließ sich Paula Heimann am Berliner Psychoanalytischen Institut zur Psychoanalytikerin ausbilden, ihr Lehranalytiker war Theodor Reik, Kontrollanalytiker waren Karen Horney und Hanns Sachs. Nach der Machtübernahme Hitlers emigrierte sie noch 1933 mit ihrer Tochter nach London. Im gleichen Jahr wurde sie außerordentliches, 1939 ordentliches Mitglied der British Psychoanalytical Society. Ihr Einführungsvortrag trug den Titel A contribution to the problem of sublimation and its relation to processes of internalization. 1938 erwarb sie einen britischen medizinischen Doktorgrad in Edinburgh.
1934 lernte Paula Heimann Melanie Klein kennen, deren Betonung der Aggression und des Todestriebs sie besonders ansprach. Ein Jahr später begann sie eine Analyse bei ihr, die mit Unterbrechungen bis 1953 dauerte. Sie wurde eine enge Vertraute Kleins und vertrat während der 1930er und 1940er Jahre als ihre vehementeste Fürsprecherin neben Joan Riviere und Susan Isaacs die Kleinschen Positionen gegenüber den "Wienern" um Anna Freud. 1940 wurde sie Kontrollanalytikerin und 1944 Lehranalytikerin der BPAS, deren Ausbildungskommission sie ab 1949 angehörte.
Nach dem Krieg kam es zum Bruch zwischen Melanie Klein und Paula Heimann. Den äußeren Anlass bildete Heimanns Beitrag On countertransference, den sie 1949 auf dem Psychoanalytischen Kongress in Zürich hielt. In dieser Abhandlung, die als ein wegweisender Klassiker in die Geschichte der Psychoanalyse einging, vertrat Heimann eine von der kleinianischen abweichende Auffassung der Gegenübertragung. Für Melanie Klein bedeutete die Gegenübertragung lediglich eine Störung des analytischen Prozesses, Paula Heimann hingegen betrachtete die emotionale Reaktion des Analytikers auf seinen Patienten als ein zentrales Instrument zur Erforschung von dessen Unbewussten.
1955 verließ Paula Heimann die Gruppe der Kleinianer und schloss sich den Unabhängigen in der BPAS an. In den folgenden Jahren trat sie für eine Synthese von annafreudianischen und kleinianischen Positionen ein. Zu ihren LehranalysandInnen zählten u. a. Betty Joseph, Martha Eicke-Spengler, Emilio Rodrigu und Alexander Mitscherlich, dessen Frankfurter Institut sie unterstützte.
Paula Heimann, die ebenso für ihren Charme wie für ihre Strenge und Willensstärke bekannt war, starb 83jährig in London. (Artikelanfang)
Ilse Hellman(n) wuchs als jüngstes von drei Kindern in einer wohlhabenden jüdischen Familie in Wien auf. Ihre Eltern Paul Hellmann, Besitzer mehrerer Textilfabriken, und Irene Hellmann-Redlich empfingen während der 1920er Jahre in ihrem Wiener Salon Literaten und Künstler wie Hugo von Hofmannsthal, Richard Strauss und Gustav Mahler. Ilse Hellmann absolvierte eine zweijährige Ausbildung als Sozialarbeiterin, mit dem Schwerpunkt jugendliche Delinquenz. Sie ging dann nach Frankreich, wo sie in der Nähe von Paris in einem Heim für gefährdete Kinder arbeitete und gleichzeitig Psychologie-Kurse an der Sorbonne besuchte.
1935 kehrte sie nach Wien zurück und setzte ihr Psychologiestudium bei Charlotte Bühler fort, der sie nach ihrer Promotion 1937 nach England folgte, um sich an einem Forschungsprojekt über zurückgebliebene Kinder zu beteiligen. Während des Zweiten Weltkriegs kümmerte sich Ilse Hellmann um Kinder, die wegen der Luftangriffe aus London evakuiert worden waren. Von 1942 bis Kriegsende arbeitete sie mit Anna Freud in deren Hampstead War Nurseries zusammen. Die weitere Entwicklung der von ihren Familien getrennten "Kriegskinder", die in Hampstead in einer therapeutischen Gemeinschaft lebten, war auch in den nächsten Jahrzehnten noch Gegenstand ihrer Forschung.
In London ließ sich Ilse Hellman zur Psychoanalytikerin ausbilden und wurde 1945 außerordentliches, 1952 ordentliches Mitgled der British Psychoanalytical Society, wo sie zur Gruppe der Annafreudianer zählte. Seit 1955 war sie Lehranalytikerin. Als Mitarbeiterin Anna Freuds und Dorothy Burlinghams unternahm sie am Hampstead Child Therapy Course and Clinic Simultanalysen mit Mutter und Kind und war mehrere Jahre lang für die Arbeit mit Jugendlichen zuständig. Gemeinsam mit Liselotte Frankl führte sie ein Forschungsprojekt zur Adoleszenz durch.
Ilse Hellman war mit dem aus Holland stammenden Kunsthistoriker Arnold Noach (?-1976) verheiratet, ihre Tochter Maggy wurde 1949 geboren. Im Alter von 84 Jahren gab sie aus gesundheitlichen Gründen ihre psychoanalytische Praxis auf.

Ethilda Budgett-Meakin war die Tochter von Edward E. Meakin, dem mehrjährigen Herausgeber der Times von Marokko, und seiner Frau Sarah Anne Budgett. Sie wuchs in London auf und besuchte dort die North London Collegiate School und das University College. Ihr Medizinstudium, zu dessen Vorbereitung sie zwei Jahre lang in den Slums von Glasgow gearbeitet hatte, schloss sie 1898/99 am Londoner Royal Free Hospital ab. Nachdem sie in englischen Krankenhäusern gearbeitet hatte, ging sie als Missionarin nach Indien, wo sie später in Kalkutta das Victoria Hospital für Frauen leitete und über gynäkologische Fragen publizierte.
1907 heiratete Ethilda Budgett-Meakin in Kalkutta den Geiger Oscar Herford. Zehn Jahre später kehrte das Paar mit seinen vier Kindern nach England zurück und ließ sich in Reading nieder. Nachdem Ethilda Herford 1920 auf dem IPA-Kongress in Den Haag Karl Abraham kennengelernt hatte, ging sie nach Berlin, um bei ihm eine Analyse zu beginnen, die sie dann bei Sándor Ferenczi in Budapest fortsetzte.
Zurück in England spezialisierte sie sich auf die psychotherapeutische bzw. psychoanalytische Behandlung funktioneller nervöser Störungen und übernahm die Leitung des British Hospital for Functional Nervous Disorders in Camden Town. 1921 wurde sie außerordentliches, 1934 ordentliches Mitglied der British Psychoanalytical Society.
Ethilda Herford praktizierte als Psychoanalytikerin in Reading und war Mitarbeiterin am Institute for the Scientific Treatment of Delinquency und an der London Clinic of Psychoanalysis. Außerdem übersetzte sie drei Arbeiten Sigmund Freuds ins Englische. Herfords Leben war durch ihre soziale Einstellung geprägt. Sie interessierte sich für Erziehungsfragen und setzte sich gemeinsam mit ihrem Mann für den Frieden ein.

Susan Sutherland Isaacs war eine der wichtigsten VertreterInnen der psychoanalytischen Pädagogik in England. Sie wurde in Bromley Cross nahe Bolton (Lancashire) als neuntes Kind des Journalisten und Methodistenpredigers William Fairhurst geboren. Ihre Mutter Miriam Sutherland starb, als Susan sechs Jahre alt war. Wegen ihrer Abkehr vom Glauben musste sie auf Druck ihres Vaters mit fünfzehn das Boltoner Gymnasium verlassen und arbeitete zunächst als Hauslehrerin und Gouvernante. Sie ließ sich dann in Manchester zur Erzieherin ausbilden und studierte anschließend Philosophie an der Universität in Manchester sowie Psychologie am Newnham College in Cambridge. Nach Abschluss ihres Studiums bildete sie Erzieherinnen am Darlington Training College aus (1913/14) und lehrte Logik an der Universität Manchester (1914/15).
1914 heiratete sie den Botanikprofessor William B. Brierley (1889-1963) und zog mit ihm nach London, wo sie von 1916 an als Psychologie-Tutorin an der Universität tätig war. Damals vertrat sie, wie ihr Buch An Introduction to Psychology zeigte, noch einen biologischen Ansatz. Nachdem sie während des Ersten Weltkriegs an Psychoanalyse-Kursen der Brunswick Square Clinic teilgenommen hatte, ging Susan Isaacs nach Berlin, um bei Otto Rank eine Analyse zu machen, die sie dann bei John Carl Flügel und ab 1922 bei der Kleinianerin Joan Riviere in London fortsetzte. 1921 wurde sie außerordentliches, 1923 ordentliches Mitglied der British Psychoanalytical Society. Sie ließ sich von William Brierley scheiden - der der Ehemann ihrer Freundin Marjorie wurde - und heiratete 1922 den Metallurgen und Erziehungswissenschaftler Nathan Isaacs (1895-1966).
Von 1924 bis 1927 leitete Susan Isaacs die berühmte Malting House School in Cambridge. Inspiriert durch Melanie Kleins Ideen, war es das Ziel dieses pädagogischen Projekts, die freie Entwicklung der Phantasie bei zweieinhalb- bis siebenjährigen Kindern zu fördern. Mit den Ergebnissen dieses Experiments, dargestellt in Intellectual Growth in Young Children und Social Development of Young Children, beinflusste Isaacs u. a. auch Jean Piagets Denken. Dass die Kinder zur Äußerung ihrer sexuellen Neugierde ermutigt wurden, führte 1927 zur Schließung der Einrichtung.
Danach lehrte Susan Isaacs Entwicklungspsychologie am Londoner University College und leitete von 1933 bis 1943 das von ihr gegründete Department of Child Development an der Londoner Universität. Unter dem Pseudonym "Ursula Wise" beantwortete sie zwischen 1929 und 1936 Elternfragen zur Erziehung in Nursery World. Ihr zufolge sind die intellektuelle und die emotionale Entwicklung eines Kindes eng miteinander verknüpft. Anfangs ging sie davon aus, dass eine repressionsfreie Erziehung Entwicklungs- und Lernstörungen vorbeugt, übernahm dann aber die Auffassung Melanie Kleins, dass zu viel Freiheit in der Erziehung zwar die besondere Strenge des aus den ersten Lebensjahren stammenden Über-Ichs mildern könne, zugleich aber die mit ihm verbundenen Schuldgefühle und Aggressionen freisetze. (Artikelanfang)
Als scharfsinnigste Wortführerin Melanie Kleins im Disput mit Anna Freud und deren AnhängerInnen eröffnete Susan Isaacs 1943 die Controversial Discussions mit ihrer Abhandlung The nature and function of phantasy, die als eine der bedeutendsten Schriften der kleinianischen Literatur gilt. Darin definierte sie Phantasie - die unbewusste "phantasy" von "fantasy", den Tagträumen, abgrenzend - als psychische Repräsentanz der Triebe. Unbewusste Phantasien bildeten den primären Inhalt aller seelischen Vorgänge und die Grundlage aller unbewussten und bewussten Denkprozesse.
Susan Isaacs' klinische und theoretische Aufsätze sind zum Großteil in dem Sammelband Childhood and After enthalten. Sie erlag 1948 einem Krebsleiden.

Bevor die englische Kleinianerin Betty Joseph Psychoanalytikerin wurde, absolvierte sie eine Ausbildung zur Sozialpädagogin an der Birmingham University und der London School of Economics und beteiligte sich am Aufbau einer Child Guidance Clinic in Salford bei Manchester. 1940 begann sie in Manchester eine Analyse bei Michael Balint, die sie nach Kriegsende in London fortsetzten. Sie wurde 1949 Mitglied und Mitte der 1950er Jahre Lehranalytikerin der British Psychoanalytical Society, wo sie sich der Gruppe um Melanie Klein anschloss. Von 1951 bis 1954 machte sie eine weitere Analyse bei Paula Heimann.
Betty Joseph arbeitete vor allem die technischen Implikationen der Kleinschen Konzepte heraus, insbesondere die der projektiven und introjektiven Identifizierung. Ihr Ausgangspunkt war die Frage, auf welche Weise bestimmte Patienten ihr oft schmerzvoll erlebtes seelisches Gleichgewicht aufrechtzuerhalten suchen, obwohl sie bewusst eine Veränderung wünschen. Dies führte Betty Joseph zu einer eigenen Technik, die eine Weiterentwicklung von Melanie Kleins Konzept der "totalen Übertragungssituation" darstellt. Die Betonung liegt dabei auf der Interaktion zwischen Patient und AnalytikerIn im unmittelbaren Hier und Jetzt der analytischen Situation. Ihre besondere Aufmerksamkeit gilt dem Gegenübertragungs-Enactment des Analytikers, d. h. seiner Neigung, sich an der Inszenierung der inneren Objektbeziehungen des Patienten zu beteiligen.
Die wichtigsten Aufsätze Betty Josephs sind in dem 1989 erschienenen Sammelband Psychic Equilibrium and Psychic Change (Psychisches Gleichgewicht und psychische Veränderungen) enthalten.

Pearl King wurde in East Croydon, Surrey, geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie bis zur Einschulung in Tanganjika (Ostafrika), wo ihre Eltern Missionare waren. Sie studierte von 1937 bis 1941 Psychologie, mit Nebenfach Soziologie, am Bedford College der Londoner Universität und spezialisierte sich anschließend als Sozial- und Arbeitspsychologin.
Von 1946 bis 1950 absolvierte Pearl King ihre psychoanalytische Ausbildung am Institute of Psychoanalysis in London. Ihr Lehranalytiker war der Kleinianer John Rickman, der noch während ihrer Analyse das kleinianische Lager verließ. Zur gleichen Zeit führte sie am Tavistock Institute of Human Relations industriepsychologische Untersuchungen durch. Nach Rickmans Tod im Jahr 1951 machte sie eine weitere Analyse bei Marion Milner.
1951 wurde sie außerordentliches, 1954 ordentliches Mitglied der British Psychoanalytical Society, wo sie zur Gruppe der Unabhängigen gehörte. Seit 1955 war sie als Lehranalytikerin tätig. Pearl King hatte innerhalb der BPAS verschiedene Funktionen inne, u. a. - als erste Nichtmedizinerin - von 1982 bis 1984 das Amt der Präsidentin. Auch auf internationaler Ebene nahm sie wichtige Positionen in psychoanalytischen Organisationen ein, so war sie von 1957 bis 1961 Sekretärin der IPA und von 1963 bis 1967 Sekretärin der EPF.
Neben ihrem Interesse für die Analyse älterer Menschen bildete die Geschichte der Psychoanalyse einen Schwerpunkt Pearl Kings. Sie leitete von 1984 bis 1994 das Archiv der BPAS und initiierte ein Computersuchprogramm zur Geschichte der Psychoanalyse in England. Gemeinsam mit Riccardo Steiner veröffentlichte sie ein Buch über die berühmte Kontroverse zwischen Melanie Klein und Anna Freud während der 1940er Jahre.
1992 erhielt sie zusammen mit Hanna Segal den Sigourney Preis für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Psychoanalyse.

Melanie Klein spielte in der Geschichte der Psychoanalyse eine bedeutende Rolle als Begründerin einer eigenen Schule, deren Schwerpunkt auf der Analyse der präödipalen Entwicklung und der frühen Objektbeziehungen liegt. Sie wurde in einer jüdischen Familie in Wien geboren und war das jüngste von vier Kindern des aus Galizien stammenden Allgemeinarztes Moriz Reizes und seiner Frau Libussa Deutsch. Melanie Reizes' Beziehung zu ihrer tyrannischen Mutter war ambivalent; besonders eng verbunden war sie mit ihrem früh verstorbenen einzigen Bruder Emanuel.
Entgegen ihrem ursprünglichen Wunsch, Medizin zu studieren, schrieb sie sich an der Wiener Universität für Kunst und Geschichte ein, heiratete aber mit 21 Jahren den Chemieingenieur Arthur Klein. Sie zog mit ihm nach Rosenheim, wo ihre beiden Kinder Melitta (1904) und Hans (1907) zur Welt kamen. Ihr jüngster Sohn Ernst wurde 1914 in Budapest geboren, wohin die Familie 1910 übersiedelte.
Etwa 1914 begab sich die chronisch depressive Melanie Klein zu Sándor Ferenczi in Analyse, der sie dazu ermutigte, sich der damals noch in den Anfängen steckenden Kinderanalyse zu widmen. Ihre ersten Probanden waren ihre eigenen Kinder. Mit ihrem Einführungsvortrag Der Familienroman in statu nascendi - basierend auf der Analyse ihres Sohnes Erich - wurde sie 1919 Mitglied der Budapester Psychoanalytischen Vereinigung. Melanie Klein trennte sich von ihrem Mann und ging 1921 nach Berlin, wo sie drei Jahre später eine Lehranalyse bei Karl Abraham begann. 1923 wurde sie ordentliches Mitglied der Berliner Psychoanalytischen Vereinigung und eröffnete eine psychoanalytische Praxis in Berlin. In dieser Zeit entwickelte sie für die Analyse von Kindern eine Technik, bei der Spielhandlungen an die Stelle der freien verbalen Assoziationen treten.
Als nach Karl Abrahams Tod ihre Situation in Berlin wegen der Anfeindungen besonders von Franz Alexander und Sándor Radó untragbar wurde, folgte sie einer durch Alix Strachey vermittelten Einladung Ernest Jones' und ließ sich 1926 in London nieder. In England, wo sie 1927 Mitglied der British Psychoanalytical Society wurde, erfuhren ihre Ansichten zur Kinderanalyse eine sehr viel höhere Wertschätzung als in Berlin oder Wien. Zu ihren AnhängerInnen gehörten u. a. Joan Riviere, Susan Isaacs, John Rickman, später Paula Heimann, Hanna Segal, Herbert Rosenfeld, Donald W. Winnicott und Wilfred Ruprecht Bion. Es gab aber auch eine antikleinianische Opposition, die anfangs vor allem aus Edward Glover und Melanie Kleins Tochter Melitta Schmideberg bestand und 1938 durch die vor den Nazis nach London geflüchtete "Wiener Gruppe" um Anna Freud verstärkt wurde.
Die Gegnerschaft zwischen Melanie Klein und Anna Freud datierte aus dem Jahr 1927, als Melanie Klein auf dem Londoner Symposium zur Kinderanalyse Anna Freud angriff, die in ihrem Buch Einführung in die Technik der Kinderanalyse die Ansichten Kleins kritisiert hatte. Die Differenzen bezogen sich vor allem auf die Entstehung des Über-Ichs, das sich nach Sigmund und Anna Freud aus dem Ödipus-Komplex entwickelt. Im Unterschied dazu resultiert das archaische, sehr strenge Kleinsche Über-Ich aus frühen Entzugserfahrungen und hat seinen Ursprung in sadistischen Impulsen des Kindes, nicht in der Identifikation mit den Eltern. Melanie Klein schilderte eine von der äußeren Welt weitgehend unabhängige Innenwelt des Kindes, die von phantasmatischen, den Triebkonflikten entstammenden "guten" und "bösen" (Teil-)Objekten bevölkert ist. Diese inneren Objekte sind letztlich Erscheinungsformen einer angeborenen konflikthaften Triebstruktur, wobei sich Klein auf Sigmund Freuds Todestriebtheorie berief. Motor der psychischen Entwicklung sei die Angst als Reaktion auf destruktive Impulse, in denen Klein Abkömmlinge des Todestrieb sah.
Die Grundlagen ihrer Theorie präsentierte Melanie Klein in ihrem 1932 erschienenen Hauptwerk Die Psychoanalyse des Kindes (The Psycho-Analysis of Children). Eine Weiterentwicklung bedeuteten die wichtigen, der Konflikthaftigkeit gleichzeitiger Liebes- und Hassgefühle Rechnung tragenden Konzepte der paranoid-schizoiden und der depressiven Position, die sie in ihren Abhandlungen A contribution to the psychogenesis of manic-depressive states (1935), Mourning and its relation to manic-depressive states (1940) und Notes on some schizoid mechanism (1946) beschrieb. Charakteristisch für diese Positionen sind Mechanismen der Spaltung, projektiven Identifizierung und Wiedergutmachung.
Die entscheidenden Debatten zwischen KleinianerInnen und AnnafreudianerInnen, die sog. Controversial Discussions, wurden mitten im Zweiten Weltkrieg ausgetragenen und hatten 1946 die offizielle Etablierung von drei verschiedenen Strömungen innerhalb der BPAS zur Folge: Die A-Gruppe der Kleinianer, die B-Gruppe um Anna Freud und die Mittelgruppe der Unabhängigen.
Melanie Klein zog sich nach Kriegsende weitgehend aus der BPAS zurück und war vorwiegend als Lehr- und Kontrollanalytikerin tätig. Auf ihre Initiative hin wurde 1955 der Melanie Klein Trust gegründet. Zu ihren wichtigsten Spätwerken zählte 1957 die Schrift Envy and Gratitude, in der sie den Neid als einen angeborenen, für die Entwicklung des Kindes sehr bedeutsamen Destruktionstrieb bezeichnete. (Artikelanfang)
Melanie Klein starb 1960 - unversöhnt mit ihrer Tochter Melitta - nach einer erfolgreichen Darmkrebsoperation an den Folgen eines Hüftgelenkbruchs.

Barbara Lantos, als Borbála Ripper in Budapest geboren, studierte Medizin an der Budapester Universität und promovierte 1918. Sie verkehrte in radikalen Studentenzirkeln wie dem linksintellektuellen Galilei-Kreis, dem auch Therese Benedek, Edit Gyömröi und Lili Hajdu angehörten. Sie heiratete den kommunistischen Studenten A. Lantos, der 1919 nach dem Zusammenbruch der ungarischen Räterepublik in die Sowjetunion floh.
Barbara Lantos emigrierte über Wien nach Leipzig, wo sie ihre in Budapest bei Sándor Ferenczi begonnene Analyse als Lehranalyse bei Therese Benedek fortsetzte und dann bei Hanns Sachs in Berlin beendete. 1929 wurde sie in die Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft aufgenommen und gehörte dem Kreis marxistischer Psychoanalytiker_innen um Otto Fenichel und Wilhelm Reich an.
1933, nach der Machtübernahme Hitlers, emigrierte sie zunächst nach Paris, folgte dann aber 1935 ihrer Freundin Käthe Misch nach London und wurde wie diese Mitglied der British Psychoanalytical Society. Beide Analytikerinnen lehnten die Ideen Melanie Kleins ab und unterstützten während der Freud-Klein-Kontroverse die 1938 nach London emigrierte Anna Freud. Barbara Lantos arbeitete als Dozentin und Lehranalytikerin an dem von Anna Freud nach dem Zweiten Weltkrieg gegründeten Hampstead Child Therapy Course und repräsentierte ab 1953 die Gruppe der Annafreudianer_innen im Ausbildungsausschuss der BPAS. Später vertrat sie als wissenschaftliche Sekretärin der BPAS eine unabhängigere Position.
Auf der Grundlage der Ich-Psychologie verfasste Barbara Lantos Beiträge über das Wesen der Arbeit, die auch später noch Beachtung fanden. So bezeichnete Herbert Marcuse ihren Aufsatz Work and the instincts als den seinerzeit weitestgehenden Versuch, die Frage nach der Triebstruktur der Arbeit zu beantworten. Lantos definierte Arbeit als eine hochintegrierte Ich-Aktivität im Dienste der Selbsterhaltungstriebe, im Unterschied zum Spiel, das von prägenitalen Impulsen bestimmter Selbstzweck ist. (Artikelanfang)
Hilde Lewinsky gehörte zu einer Gruppe von PsychoanalytikerInnen, die während des Zweiten Weltkriegs versuchten, eine Zweigvereinigung der British Psychoanalytical Society (BPAS) in Manchester zu etablieren. Lewinsky studierte Psychologie an der Universität Manchester und absolvierte gleichzeitig ihre psychoanalytische Ausbildung an dem von Michael Balint und Alfred Gross 1940 gegründeten Manchester Training Center. Sie war Mitglied und Lehranalytikerin der BPAS und als niedergelassene Psychoanalytikerin sowie in Child Guidance-Kliniken tätig.
1952 verließ Hilde Lewinsky Manchester, um in den Vereinigten Staaten zu leben und zu arbeiten. Infolge einer Scharlacherkrankung in ihrer Kindheit litt sie zeit ihres Lebens unter chronischer Arthritis und starb bereits im Alter von 48 Jahren.
Margaret Isabel Little wurde in Bedford als zweitältestes von fünf Kindern eines Mathematiklehrers geboren; ihre Mutter war in Australien aufgewachsen. Margaret Little studierte Medizin und beendete 1927 ihre Ausbildung am St. Mary's Hospital. Von 1928 bis 1939 führte sie in West London eine Praxis als Allgemeinärztin. Von 1936 bis 1939 war sie Assistenzärztin an der Londoner Tavistock Clinic, wo sie sich zur Psychotherapeutin ausbilden ließ, und eröffnete anschließend eine psychotherapeutische Privatpraxis.
Ihre erste Analyse machte Margaret Little von 1936 bis 1938 bei einem Jungianer ("Dr. X"). Von 1940 bis 1947 war sie bei Ella Sharpe in Analyse, die ihre Lehranalytikerin wurde. Sie absolvierte eine Ausbildung am Londoner Psychoanalytischen Institut und wurde nach ihrem Aufnahmevortrag über The wanderer. Some notes on a paranoid patient 1945 Mitglied der British Psychoanalytical Society.
Da sie unter psychotischen Ängsten litt, begab sie sich 1949 ein weiteres Mal in Analyse zu Donald W. Winnicott. Über diese Analyse, die mit Unterbrechungen bis 1957 dauerte, berichtete sie ausführlich in ihrem Buch Psychotic Anxieties and Containment (Die Analyse psychotischer Ängste). Margaret Little wurde Lehranalytikerin der BPAS und schloss sich wie Winnicott der Gruppe der Unabhängigen an.
Bekannt geworden sind vor allem ihre Arbeiten zur Gegenübertragung. In ihrem 1951 erschienenen Aufsatz Countertransference and the patient's response to it ging sie über Paula Heimanns zur gleichen Zeit vertretene Auffassung der Gegenübertragung als Signal für den Analytiker noch hinaus. Nach Littles Ansicht spielt die Gegenübertragung eine ebenso wichtige Rolle in der Analyse wie die Übertragung: Der Patient bemerke oft unbewusst die Gegenübertragung des Analytikers, und wenn dieser deren Existenz nicht anerkenne, glaube der Patient auch nicht an die Übertragung.
1980 zog sich Margaret Little aus dem Berufsleben zurück. Neben ihrer Arbeit als Analytikerin malte sie und schrieb Gedichte. Ein Sammelband ihrer Aufsätze und Gedichte erschien 1981 unter dem Titel Transference Neurosis and Transference Psychosis.
Barbara Low wurde in London geboren als jüngstes von elf Kindern einer englisch-jüdischen Familie mit österreichischen und ungarischen Vorfahren. Sie besuchte in London die Frances Mary Buss School und das University College, ließ sich am Maria Grey Training College zur Lehrerin ausbilden und übte anschließend diesen Beruf mehrere Jahre lang aus. Nach dem Ersten Weltkrieg war sie Dozentin für Pädagogik, Literatur und Geschichte am London County Council Lehrerkolleg in Fullham. Sie trat in die Labour Party ein und war Mitglied der linksintellektuellen Fabian Society.
Mit der Psychoanalyse kam Barbara Low durch ihren Schwager David Eder in Berührung, der 1913 die London Psycho-Analytical Society mitgegründet hatte. 1919 gehörte sie selbst zu den Gründungsmitgliedern der British Psychoanalytical Society. Ihr erster Analytiker war Hanns Sachs in Berlin, danach machte sie eine Lehranalyse bei Ernest Jones in London. Damit sie die Analyse bezahlen konnte, schenkte ihr D. H. Lawrence, mit dem sie befreundet war, das Manuskript von Sea and Sardinia.
Barbara Low setzte sich dafür ein, dass 1926 in London eine psychoanalytische Poliklinik eröffnet wurde, wo nach Berliner Vorbild mittellose Patienten unentgeltlich behandelt wurden. Wie Susan Isaacs und Nina Searl war sie besonders an der Anwendung der Psychoanalyse in der Pädagogik interessiert und veröffentlichte zu diesem Thema mehrere Artikel in der IJP. Melanie Kleins Ansichten zur Kinderanalyse lehnte sie ab, und in den Freud-Klein-Disputen stand sie entschieden auf der Seite Anna Freuds, deren Einführung in die Psychoanalyse für Pädagogen sie übersetzte.
1920 erschien Barbara Lows Einführung Psycho-Analysis. A Brief Account of the Freudian Theory. Darin prägte sie den Ausdruck "Nirwanaprinzip", auf den Sigmund Freud sich in Jenseits des Lustprinzips berief. Low bezeichnete damit das Verlangen, zu einem pränatalen Zustand wunschloser Allmacht zurückzukehren - mit Freuds Worten: das Bestreben nach Herabsetzung, Konstanterhaltung und Aufhebung der inneren Reizspannung. (Artikelanfang)
Neben ihren Aktivitäten am Londoner Psychoanalytischen Institut, wo Barbara Low mehrere Jahre lang die Bibliothek betreute, war sie als Dozentin und Therapeutin am Institute for the Study and Treatment of Delinquency tätig. Zuletzt lebte sie zurückgezogen mit ihrer Schwester Florence Eder in Hampstead Garden, wo sie 78jährig im Schlaf verschied.

Julia Mannheim wurde als Károlyne Júlia Láng in Ungarn geboren. Sie studierte von 1911 bis 1916 in Budapest Philosophie und Psychologie, promovierte 1919 zum Dr. phil. und war anschließend als Lehrbeauftragte an der Budapester Universität tätig. Sie schloss sich dem sogenannten Sonntagskreis an, einem linksorientierten literarisch-philosophischen Zirkel, in dem auch Edit Gyömröi verkehrte.
Hier traf Julia Lang ihren späteren Ehemann Karl Mannheim (1893-1947), der an der Budapester Geisteswissenschaftlichen Universität Philosophie lehrte und 1919 nach der Niederschlagung der ungarischen Räterepublik emigrierte. 1920 folgte sie ihm nach Deutschland ins Exil, wo sie ein Jahr später in Heidelberg heirateten. Karl Mannheim war Lehrbeauftragter für Soziologie an der Heidelberger Universität, bevor er 1930 zum Professor für Soziologie und Nationalökonomie an die Frankfurter Universität berufen wurde.
Mit der Psychoanalyse kam Julia Mannheim in Berührung während ihrer Tätigkeit an einer Erziehungsberatungsstelle, die H. Homburger leitete, ein an der Lehre Sigmund Freuds interessierter Kinderarzt. Anfang der 1930er Jahre begann sie in Frankfurt eine psychoanalytische Ausbildung, die sie jedoch unterbrechen musste, weil Karl Mannheim 1933 wegen seiner jüdischen Herkunft seinen Lehrstuhl verlor.
Das Ehepaar Mannheim emigrierte zunächst in die Niederlande und dann nach England. Julia Mannheim setzte ihre psychoanalytische Ausbildung in London fort und wurde 1944 Mitglied der British Psychoanalytical Society. Neben ihrer Arbeit als Analytikerin und angesehene Dozentin in Anna Freuds Kinderanalyse-Seminar widmete sich Julia Mannheim nach dem Tod ihres Mannes der Herausgabe seiner Manuskripte. Außer einem vielversprechenden Aufsatz über ihre Analyse einer rauschgiftsüchtigen Patientin liegen keine Veröffentlichungen von ihr vor.
Isabel Menzies-Lyth, britische Psychoanalytikerin in der Tradition Melanie Kleins und Wilfred R. Bions, war eine Pionierin der Psychoanalyse von Organisationen. Sie wurde in Dysart, Fife, in Schottland als viertes Kind des Pfarrers Hugh Menzies geboren und besuchte das Madras College in St Andrews. Anschließend studierte sie Psychologie und Wirtschaftswissenschaften an der St Andrews University, wo sie nach Abschluss ihres Studiums von 1939 bis 1945 Lehrbeauftragte für Wirtschaftswissenschaften war.
Nach Kriegsende begann sie in London ihre psychoanalytische Ausbildung. Sie gehörte als einzige Frau zu einer Gruppe von Psychiatern und Psychologen, darunter auch ihr Analytiker Wilfred Bion, die 1946 das Tavistock Institute of Human Relations (TIHR) in London gründete. 1954 wurde sie Mitglied, 1960 Lehranalytikerin der British Psychoanalytical Society. 1957 qualifizierte sie sich als Kinderanalytikerin.
Neben ihrer psychoanalytischen Privatpraxis war sie als Organisationsberaterin tätig und führte bis 1975 für das TIHR zahlreiche Forschungsprojekte durch, vor allem im Gesundheitsbereich. Unter anderem untersuchte sie am Royal National Orthopaedic Hospital in Stanmore, wie die Situation von Kindern in längerer stationärer Behandlung verbessert werden kann. 1975 heiratete sie den Psychoanalytiker Oliver Lyth und übersiedelte nach Oxford.
1959 wurde Isabel Menzies' bahnbrechende Arbeit The functioning of social systems as a defense against anxiety erstmals veröffentlicht, in der sie am Beispiel des Londoner King's College Hospital die Abwehrfunktion bestimmter sozialer Strukturen nachwies. Menzies zeigte, dass die mit ihrer Tätigkeit verbundene unbewusste Angstabwehr von Krankenschwestern sich in einer unpersönlichen, gleichgültigen Beziehung zu den Patienten manifestiert. Dies werde institutionell gefördert z. B. durch Uniformierung und eine rigide Aufgaben- und Rollenhierarchie. Solche sozialen Strukturen sind nach Menzies geprägt von Abwehrmechanismen, wie sie Melanie Klein mit dem Begriff der paranoid-schizoiden Abwehr beschrieben hat. (Artikelanfang)
Die Kinderanalytikerin Merrell Middlemore gehörte in der British Psychoanalytical Society zu den Anhängerinnen Melanie Kleins. Mit ihrer Ausbildung als Geburtshelferin und Psychologin war sie in den 1930er Jahren eine der wenigen Analytiker_innen, deren Erkenntisse auf der empirischen Beobachtung von Säuglingen in den ersten beiden Lebensjahren beruhten. In ihrem Buch The Nursing Couple, das die frühe Interaktion von Mutter und Säugling zum Thema hat, zeigte Merrell Middlemore, wie variabel und komplex bereits früheste Reaktionen eines Neugeborenen sind und wie ausschlaggebend seine ersten Erfahrungen - wie er gehalten und gesäugt wird - für die Entwicklung seiner Gefühle und Phantasien sind. In der Art und Weise, wie ein Säugling die Nahrung aufnimmt, zeigen sich, so Middlemore, rudimentäre psychische Prozesse, aus denen sich nach einigen Monaten Phantasien bilden.

Marion Milner wurde in London als jüngstes von drei Kindern geboren. Ihr Vater Arthur Blackett war an der Londoner Börse tätig, ihre Mutter Caroline Maynard war eine begeisterte Malerin. Nach einer Ausbildung zur Montessori-Lehrerin studierte Marion Blackett bis 1923 Psychologie und Physiologie am Londoner University College und arbeitete anschließend am National Institute of Industrial Psychology. Auf Einladung des Arbeitspsychologen Elton Mayo, der zu der Zeit seine Hawthorne-Studien durchführte, ging sie 1927 mit einem Forschungsstipendium nach Boston.
Im gleichen Jahr heiratete sie den Erfinder, Amateurökonom und Stückeschreiber Dennis Milner (1892–1956), der durch seine Forderung nach einem Mindesteinkommen für alle bekannt wurde. 1932 kam ihr Sohn John zur Welt.
Angeregt durch Adrian und Karin Stephen, die sie durch ihren Bruder, den Physiknobelpreisträger Patrick Blackett, kennengelernt hatte, machte Marion Milner in Boston eine Analyse bei einem Jungianer. 1929 kehrte sie nach England zurück und arbeitete bis Kriegsbeginn 1939 als Psychologin an einer Mädchenschule. Sie führte eine Untersuchung der Probleme von Schülerinnen durch (The Human Problem in Schools) und hielt Psychologievorlesungen für die Workers Education Association. 1934 erschien (unter dem Pseudonym Joanna Field) A Life of One's Own, das erste ihrer auf eigenen Tagebuchaufzeichungen beruhenden Bücher.
1940 begann Marion Milner eine Lehranalyse bei Sylvia Payne und ließ sich am Londoner Psychoanalytischen Institut zur Kinderanalytikerin ausbilden. Unter der Supervision von Melanie Klein analysierte sie deren elfjährigen Enkel Michael und beschrieb seinen Fall in ihrem Aufsatz Aspects of symbolism in comprehension of the not-self. 1943 wurde sie Mitglied der British Psychoanalytical Society, wo sie zu den "Unabhängingen" gehörte. Sie machte eine weitere Analyse bei Donald W. Winnicott und behandelte gleichzeitig eine schizoide junge Frau, "Susan", die Winnicotts Frau Alice als Pflegetochter angenommen hatte. Deren von 1943 bis 1959 dauernde Analyse schilderte Milner in ihrem Buch The Hands of the Living God. Ihre eigene Analyse setzte sie 1949 bei Clifford Scott fort.
Marion Milners Interesse galt besonders dem Zusammenhang von Kreativität und Symbolbildung. Ausgehend von der These Melanie Kleins, Symbolik sei die Grundlage aller Sublimierung, definierte sie Kreativität als die Fähigkeit, Symbole zu bilden - nicht bloß im Dienste der Abwehr (Ernest Jones) oder zum Zweck der Wiedergutmachung (Melanie Klein), sondern um etwas Neues zu schaffen. Die künstlerische Tätigkeit wiederhole - bewusst - die Illusion von Allmacht in der Verschmelzung von Außen und Innen, wie man sie als Kind mit der Mutter erlebt hat. (Artikelanfang)
In ihrem wohl bekanntesten Buch On Not Being Able to Paint zeigte Marion Milner, die selbst gerne malte und Zeichnen und Malen als therapeutisches Mittel einsetzte, dass Schaffenshemmungen auf der Angst vor der Regression in einen undifferenzierten Zustand beruhen, wo die Grenzen zwischen Selbst und Objekt verschwimmen. Eine Vermischung von Innen und Außen zulassen zu können, betrachtete Milner als Bedingung psychischer Gesundheit. Sie war eine der wenigen, die Psychoanalyse mit mystischen Erfahrungen verbanden.
Marion Milner gehörte der 1954 gegründeten Imago Society an, die sich der Anwendung der Psychoanalyse auf die Kunst und andere nicht-klinische Bereiche widmete, und war seit Ende der 1970er Jahre Ehrenpräsidentin der British Association of Art Therapists.

Juliet Mitchell wurde in Neuseeland geboren, lebte aber seit ihrem vierten Lebensjahr in London. Bis 1962 besuchte sie das St Anne College in Oxford und war anschließend Dozentin für Englische Literatur an den Universitäten Leeds (1962/63) und Reading (1965-1971). Während der 1960er Jahre war sie in der Linken aktiv und Lebensgefährtin des Antipsychiaters David Cooper (1931–1986).
Juliet Mitchell betrachtete als erste angelsächsische Feministin die Psychoanalyse als Mittel zur Frauenbefreiung. Unter dem Eindruck der Kritik amerikanischer Feministinnen an Sigmund Freuds Weiblichkeitstheorien, begann sie sich mit der Psychoanalyse auseinanderzusetzen und veröffentlichte 1974 als Antwort ihr bekanntestes Buch Psychoanalyse und Feminismus. Darin betonte sie, dass die Psychoanalyse keine Verklärung der patriarchalischen Gesellschaft sei, sondern deren Analyse. Feministische Kritikerinnen würden meist übersehen, dass Freud - z. B. im Zusammenhang mit dem Penisneid - von unbewussten Mechanismen und nicht von bewussten Inhalten oder Normen spreche. Er habe - trotz mancher Fehlleistungen - das theoretische Rüstzeug geliefert, die Unterdrückung der Frauen zu begreifen und zu bekämpfen. In diesem Sinne, so das Fazit von Mitchells implizit lacanianischer Lesart Freuds, habe dieser der Frauenbewegung mehr zu bieten als die scheinbar radikaleren Ansätze Wilhelm Reichs oder Ronald D. Laings.
Ihre psychoanalytische Ausbildung begann Juliet Mitchell erst nach dem Erscheinen ihres Hauptwerks. 1974 wurde sie Kandidatin des Londoner Institute of Psychoanalysis, ihre Lehranalytikerin war Enid Balint. 1978 wurde sie außerordentliches, 1988 ordentliches Mitglied der British Psychoanalytical Society, wo sie zur Gruppe der Unabhängigen gehörte. Sie eröffnete in London eine Privatpraxis und führte dort von 1978 bis 1996 Analysen durch.
Juliet Mitchell ist heute Professorin für Psychoanalyse und Gender Studies an der University of Cambridge, Convener für Gender Studies in Cambridge und Fellow des Jesus College, Cambridge. (Artikelanfang)
Lois Mary Munro studierte Medizin und erwarb 1931 an der London School of Medicine for Women den Doktorgrad. Nach einer Ausbildung am Londoner Psychoanalytischen Institut und einer Analyse bei Paula Heimann wurde sie 1948 außerordentliches, 1951 ordentliches Mitglied der British Psychoanalytical Society, wo sie als "uabhängige Kleinianerin" galt. Lois Munro war wegen ihrer Intuition und Empathie, aber auch wegen ihrer Fähigkeit als "storyteller" sehr geschätzt.
In den 1950er Jahren setzte sich Lois Munro für die Psychoanalyse in der Tschechoslowakei ein, indem sie den Kontakt zwischen der illegalen psychoanalytischen Gruppe in Prag und deren KollegInnen im Westen aufrechterhielt. Ende der 1960er Jahre förderte sie als Mitglied eines Unterstützungskomitees der IPA die Bildung einer psychoanalytischen Arbeitsgruppe in Australien. Von 1960 bis 1969 leitete sie die London Clinic of Psychoanalysis, und 1971 war sie Mitgründerin des Royal College of Psychiatry. Bis zu ihrem Tod amtierte sie als Schatzmeisterin der European Psycho-Analytical Federation. Eine ihrer letzten AnalysandInnen war Anfang der 1970er Jahre Clare Winnicott.
Jessie Margaret Murray war keine ausgebildete Psychoanalytikerin, spielte aber als Gründerin der Medico-Psychological Clinic eine wichtige Rolle in der Geschichte der Psychoanalyse in England. Sie wurde als Älteste von drei Schwestern in Hazaribagh in Indien geboren, wo ihr Vater Hugh Murray als Leutnant der Royal Artillery diente. 1880 kehrte die Familie nach Großbritannien zurück. Jessie Murray begann 1900 ein Medizinstudium an der London School of Medicine for Women, das sie 1909 mit dem Bachelor der University of Durham abschloss; ihr Schwerpunkt war Medizinische Psychologie. Anschließend hörte sie Vorlesungen über Klinische Psychologie bei Pierre Janet in Paris. Zwischen 1908 und 1920 studierte sie mit Unterbrechungen Psychologie am University College London und promovierte 1919 an der Universität von Durham zum Dr. med.
1913 gründete Jessie Murray zusammen mit ihrer Freundin Julia Turner, Hector Munro und anderen in London die Medico-Psychological Clinic, später bekannt als Brunswick Square Clinic, deren Direktorin sie bis zu ihrem Tod war. Die Medico-Psychological Clinic bot als erste Klinik in England psychoanalytische Therapie und Ausbildung an. 1915 richtete Jessie Murray an der Klinik den ersten psychoanalytischen Ausbildungskurs ein, der drei Jahre dauerte und die Absolvierung einer persönlichen Analyse einschloss. Die Analysen wurden in der Regel von Jessie Murray und Julia Turner durchgeführt. Zahlreiche bekannte englische Psychoanalytiker_innen erhielten hier ihre erste Analyse oder ihre Ausbildung, darunter Nina Searl, Susan Isaacs, Sylvia Payne, James Glover, Mary Chadwick und Ella Sharpe. Die meisten StudentInnen waren Nicht-Mediziner.
Jessie Murray, die auch Mitglied der British Society for the Study of Sex Psychology war und sich in der Suffragetten-Bewegung engagierte, starb vorzeitig an Eierstockkrebs. 1922, zwei Jahre nach ihrem Tod, wurde die Brunswick Square Clinic geschlossen.
Edna Mary Oakeshott wurde in Didsbury, einem Vorort von Manchester, geboren. Die Tochter von Percy Yates, Inhaber einer Saatgutfirma, und Edith geb. Wright, hatte einen älteren Bruder, Frank Yates, der ein berühmter Mathematiker wurde, und drei jüngere Schwestern. 1928 heiratete sie Lindley Henshaw, mit dem sie drei Kinder hatte.
Anfang der 1940er Jahre führte Edna Henshaw als Schulpsychologin beim Mental Health Emergency Committee eine Untersuchung zur jugendlichen Delinquenz an staatlichen und kirchlichen Schulen in Bradford durch. Sie promovierte zum Dr. phil und war Assistentin für Pädagogik an der Universität in Manchester.
1941 begann sie eine psychoanalytische Ausbildung am neu gegründeten Manchester Training Center, machte eine Lehranalyse bei Michael Balint und wurde Mitglied der British Psychoanalytical Society. Sie ließ sich von ihrem ersten Mann scheiden, um 1943 Michael Balint zu heiraten. Die Ehe scheiterte und sie heiratete, nach der Scheidung von Balint im Jahr 1952, Stephen Oakeshott.
Edna Oakeshott lehrte am Institute of Education der Londoner Universität das Fach "Education of Maladjusted Children" und wurde für ihre Verdienste auf dem Gebiet der Erziehung verhaltensgestörter Kinder mit dem O.B.E. geehrt.

Edna O´Shaughnessy wurde in Südafrika geboren, studierte dort Philosophie und lehrte später dieses Fach in Oxford. In den 1950er Jahren begann sie eine Analyse bei Charles Anderson, die sie nach dessen Tod bei Roger Money-Kyrle fortsetzte. Sie ließ sich an der Tavistock Clinic zur Kinderpsychotherapeutin ausbilden und besuchte die Seminare Melanie Kleins. Ihre ersten Fälle wurden von Esther Bick, Betty Joseph und Hanna Segal supervidiert. Anschließend praktizierte sie als Kinderanalytikerin und unterrichtete an dem von Susan Isaacs gegründeten Department of Child Development des Institute of Education der Londoner Universität.
Seit den 1960er Jahren ist Edna O´Shaughnessy Mitglied und Lehranalytikerin der British Psychoanalytical Society. Außerdem ist sie Kontrollanalytikerin am Child and Family Department der Tavistock Clinic. Sie schloss sich der Gruppe der Kleinianer_innen an und zählt heute zu den renommiertesten Analytiker_innen der BPAS. 1975 war sie Mitherausgeberin der Writings of Melanie Klein.
O´Shaughnessys Werk, das von Sigmund Freud, Melanie Klein und Wilfred R. Bion geprägt wurde, zeichnet sich durch klinische Unmittelbarkeit und erkenntnistheoretisch valide Konzeptualisierung aus. Im Zentrum steht die Erkundung unbewusster Phantasien, die für sie im Klein'schen bzw. Isaacs'schen Sinne den primären Inhalt aller psychischen Prozesse bilden. Dabei kommt es ihr besonders auf das In-Worte-Fassen der in der Dynamik von Übertragung und Gegenübertragung momentan aktualisierten Phantasien an.

Die Malerin und Psychoanalytikerin Grace Winifred Pailthorpe wurde in St Leonards-on-Sea in Sussex als drittes von zehn Kindern des Börsenmaklers Edward Pailthorpe und seiner Frau Lavinia Green geboren. Nach ihrem Medizinstudium in Cambridge diente sie als Chirurgin im Ersten Weltkrieg und arbeitete während einer ihrer Reisen als Ärztin in Australien. 1922 kehrte sie nach England zurück, absolvierte eine Ausbildung am Londoner Psychoanalytischen Institut und wurde 1923 außerordentliches Mitglied der British Psychoanalytical Society.
Grace Pailthorpe spezialisierte sich in medizinischer Psychologie und führte in den 1920er Jahren eine fünfjährige kriminalpsychologische Untersuchung mit weiblichen Insassen in Gefängnissen und Erziehungsheimen durch, über deren psychoanalytisch interpretierten Ergebnisse sie in ihren Büchern Studies in the Psychology of Delinquency und What We Put in Prison and in Preventive and Rescue Homes berichtete. Pailthorpe initiierte 1931 die Association for the Scientific Treatment of Criminals, aus der unter der Beteiligung von Edward Glover und Kate Friedländer das Institute for the Scientific Treatment of Delinquency und 1933 die Portman Clinic hervorgingen.
Gemeinsam mit ihrem späteren Mann, dem Maler und Dichter Reuben Mednikoff (1906-1972), begann Grace Pailthorpe ab 1935 mit automatischem Zeichnen und Malen zu experimentieren. In ihrem Artikel The scientific aspect of surrealism vertrat sie die Ansicht, Surrealismus und Psychoanalyse verfolgten letztlich dasselbe Ziel, nämlich die Befreiung des Individuums. Mithilfe surrealistischer Techniken würden Verdrängungen aufgehoben und unbewusste Phantasien freigesetzt und wieder bewusst. Ihre Bilder aus der Serie The Ancestors in der International Surrealist Exhibition 1936 in London fanden die Bewunderung von André Breton.
Während des Zweiten Weltkriegs lebten Pailthorpe und Mednikoff in Vancouver in Kanada, wo Grace Pailthorpe als Analytikerin arbeitete. 1941 erschien ihr Artikel Deflection of energy, as a result of birth trauma, in dem sie für eine stärkere Beachtung des Geburtstraumas in der Analyse plädierte. (Artikelanfang)
Seit 1947 wieder in England, praktizierte sie Anfang der 1950er Jahre als Psychoanalytikerin in London. Später wandte sie sich der fernöstlichen Mystik zu - zum Schaden für den Surrealismus, denn sie vermachte ihre Sammlung surrealistischer Kunst einer Yoga-Gruppe, die die Bilder verbrannte.

Sylvia May Payne stammte aus Wimbledon in Surrey, wo sie als eines von neun Kindern eines Pfarrers aufwuchs. Sie besuchte die High School in Wimbledon und wollte mit dreizehn auf eine Musikschule gehen, beschloss dann aber Ärztin zu werden. Sie absolvierte das Westfield College und studierte Medizin an der London School of Medicine for Women. 1908 erlangte sie den Bachelor-Abschluss (M.B., B.Sc.) und heiratete im gleichen Jahr den Arzt John Ernest Payne, mit dem sie drei Söhne hatte.
Während des Ersten Weltkriegs diente Sylvia Payne als leitende Stabsärztin am Torquay Red Cross Hospital. Durch ihre Arbeit mit Kriegsneurotikern hörte sie erstmals von den Ideen Sigmund Freuds. 1919 begann sie eine Lehranalyse bei James Glover in London, die sie 1920 bei Hanns Sachs in Berlin fortsetzte. Zurück in England wurde sie 1922 außerordentliches, 1924 ordentliches Mitglied der British Psychoanalytical Society.
Sie eröffnete eine psychoanalytische Praxis in Eastborne, wo ihr Ehemann als Allgemeinarzt praktizierte. 1926 begann sie ihre Tätigkeit an der London Clinic of Psychoanalysis, 1927 wurde sie in den Ausbildungsausschuss der BPAS gewählt, und 1929 übernahm sie von John Rickman das Sekretariat des Londoner Institute of Psychoanalysis und wurde geschäftsführende Sekretärin der BPAS.
Sylvia Payne nahm in den Auseinandersetzungen zwischen den beiden Lagern von Anna Freud und Melanie Klein eine unabhängige Position ein, obwohl sie eher den Auffassungen Melanie Kleins zuneigte. So ging sie z. B. in ihrem Aufsatz Some observations on the ego development of the fetishist vom Kleinschen Konzept einer frühen Ich-Entwicklung aus. Paynes These lautete, dass Fetischismus noch vor der Phase der phallischen Kastrationsangst entsteht, in einer früheren Phase der Ich-Entwicklung, in der das männliche wie das weibliche Kind Partialobjekte von Mutter und Vater in seine Innenwelt introjiziert.
Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs verließ Ernest Jones London und betraute Sylvia Payne mit der Führung der BPAS, wo mitten im Krieg die Freud/Klein-Kontroverse eskalierte. Es war ihr Verdienst, dass es nach Kriegsende zu keiner Spaltung der BPAS kam. 1944 wurde Sylvia Payne für drei Jahre in das Amt der Präsidentin der BPAS gewählt, das sie von 1954 bis 1956 ein weiteres Mal ausübte. (Artikelanfang)
Die kleinianische Psychoanalytikerin Irma Brenman Pick stammt aus Südafrika, wo sie ihr Staatsexamen in Sozialwissenschaften an der University of the Witwatersrand in Johannesburg ablegte. 1955 kam sie nach London, um sich an der Tavistock Clinic als Kinderpsychotherapeutin ausbilden zu lassen. Anschließend absolvierte sie eine Ausbildung zur Kinder- und Erwachsenenanalytikerin bei der British Psychoanalytical Society (BPAS) und wurde eine Schülerin von Melanie Klein.
Neben ihrer Tätigkeit als Lehr- und Kontrollanalytikerin übte sie verschiedene Funktionen in der BPAS aus, zuletzt als deren Präsidentin von 1996 bis 1999. Außerdem war sie Vorsitzende der Ausbildungskommission der IPA. Sie ist mit dem Psychoanalytiker Eric Brenman verheiratet.
Besondere Beachtung fand ihr auch ins Deutsche übersetzter Aufsatz Working through in the countertransference [Durcharbeiten in der Gegenübertragung], worin sie die Gegenübertragung des Analytikers behandelt und das Durcharbeiten seiner Gefühlsreaktionen auf die Projektionen der Patienten. Irma Brenman hob hervor, dass jede Deutung in der Analyse auf eine Bewegung von der paranoid-schizoiden zur depressiven Position abzielt, was nicht nur für die Patientin, sondern auch für die Analytikerin gilt.

Dinora Pines wurde in Luzk, damals in Russland, als ältestes von drei Kindern jüdischer Eltern geboren. Ihr Vater Noe Pines war Augenchirurg, auch ihre Mutter Miriam Rebecca Jaschunsky hatte Medizin studiert. Ihr Bruder Malcolm Pines wurde ebenfalls Psychoanalytiker. Während des russischen Bürgerkriegs emigrierte die Familie über Antwerpen 1921 nach London, wo ihr Vater sich als praktischer Arzt niederließ. Nach dem Studium moderner Sprachen am London University College schrieb Dinora Pines sich 1940 an der London School of Medicine for Women ein, die ärztliche Approbation erhielt sie 1945. Anschließend war sie als Hautärztin am Londoner Elizabeth Garrett Anderson Hospital, einer Frauenklinik, tätig, wo sie Hilda Abraham kennenlernte und sich für die Psychoanalyse zu interessieren begann..
1947 heiratete Dinora Pines den Rechtsanwalt Anthony Lewison (1921-1993) und bekam zwei Söhne. Sie praktizierte als Allgemeinärztin in London und begann 1959 eine psychoanalytische Ausbildung bei Anna Freud am Hampstead Child Therapy Course and Clinic. 1965 wurde sie Mitglied der British Psychoanalytical Society und eröffnete eine eigene psychoanalytische Praxis in London. Sie war Lehranalytikerin, Supervisorin und Dozentin am Londoner Institute of Psychoanalysis und arbeitete außerdem am Brent Consultation Centre für Jugendliche. In der BPAS gehörte sie zur annafreudianischen B-Gruppe.
Dinora Pines setzte sich in ihren Veröffentlichungen vor allem mit den Körpererfahrungen von Frauen auseinander, wie Schwangerschaft, Unfruchtbarkeit, Abtreibung etc.. Dabei galt ihr Interesse der Frage, in welcher Weise sich Deprivations-, Schmerz- und Angsterleben in physische Störungen umsetzt. Ein Sammelband dieser Arbeiten erschien 1993 unter dem Titel A Woman's Unconscious Use of her Body (Der weibliche Körper. Eine psychoanalytische Perspektive).
Einen weiteren Schwerpunkt bildete ihre therapeutische Arbeit mit Frauen, die den Holocaust überlebt hatten. Pines beschrieb deren Überlebensstrategien sowie die Auswirkung ihrer Erfahrungen auf ihre Kinder.
Ruth Riesenberg wurde als älteste von zwei Schwestern in Suwalki in Polen geboren. Ihr Vater hatte Chemie studiert, sich dann aber als Anhänger der Linken dem Journalismus und der Politik zugewendet; ihre Mutter hatte Literatur studiert. Nachdem ihr Vater 1935 Polen aus politischen Gründen verlassen musste, wanderte die Familie nach Chile aus. Mehrere ihrer in Polen gebliebenen Angehörigen kamen im Holocaust um.
Ruth Riesenberg besuchte in Chile ein englisches College und studierte danach Psychologie. Anschließend begann sie am Institut der Asociación Psicoanalítica Chilena (APCh) eine psychoanalytische Ausbildung, ihr Lehranalytiker war Ramón Ganzaraín. Anfang der 1960er Jahre ging sie für ein Jahr nach London und ließ sich an der Tavistock-Klinik zur Kinderanalytikerin ausbilden. Nach Beendigung ihrer Lehranalyse wurde sie Mitglied der APCh, wo sie eine der ersten KinderanalytikerInnen war.
1963 emigrierte Ruth Riesenberg nach England und eröffnete in London eine psychoanalytische Privatpraxis. Sie absolvierte eine zweite Analyse bei Betty Joseph und wurde Mitglied und Lehranalytikerin der British Psychoanalytical Society (BPAS). In England lernte Ruth Riesenberg auch ihren Mann, den amerikanischen Philosophen Norman Malcolm (1911-1990), kennen, der an der Cornell University in New York lehrte. Sie lebte zwei Jahre mit ihm in den USA, bevor er 1978 Visiting Professor am Kings College in London wurde.
Ruth Riesenberg Malcolm gehörte zur Gruppe der Kleinianer_innen in der BPAS. Sie war Mitglied der Ausbildungskommission sowie des Melanie Klein Trusts und arbeitete seit den 1970er Jahren außerdem als Supervisorin der Sociedad Española de Psicoanálisis in Barcelona. Mit ihrem Buch On Bearing Unbearable States of Mind [Unerträgliche seelische Zustände erträglich machen] erschien 1999 eine Sammlung ihrer wichtigsten Arbeiten aus den Jahren 1970 bis 1998. Basierend auf den Theorien von Melanie Klein und Wilfred R. Bion, widmete sich Ruth Riesenberg vor allem den Fragmentierungen und Abwehrkonstellationen, die besondere Hindernisse in der Analyse darstellen, wie hyperbolisches Verhalten, Als-ob-Einsicht, Selbstbestrafung, Pseudokooperation (pseudo-compliance) oder bedeutsames Vergessen. (Artikelanfang)

Die Kleinianerin Joan Riviere wurde in Brighton, Sussex, geboren, sie war das älteste von drei Kindern einer gebildeten Familie des englischen Landadels. Ihr Vater Hugh John Verrall, zu dem sie eine sehr enge Beziehung hatte, war ein sozial engagierter Anwalt, ihre Mutter Anna Hodgson hatte vor ihrer Ehe als Gouvernante gearbeitet. Mit siebzehn ging Joan Hodgson Verrall für ein Jahr nach Deutschland und lernte dort die deutsche Sprache. Ihre akademische Bildung erhielt sie im Haus ihres Onkels Arthur W. Verrall und seiner Frau Margret, die beide als Altphilologen in Cambridge lehrten. Joan Verrall hatte Verbindung zum Bloomsbury-Kreis und war in der Suffragetten-Bewegung aktiv. Sie ließ sich zur Designerin ausbilden und arbeitete eine Zeitlang für die Hofschneiderei Nettleship.
1906 heiratete sie den Gerichtsanwalt Evelyn Riviere (1876-1945), zwei Jahre später wurde ihre Tochter Diana geboren. Als 1909 ihr Vater starb, erlitt Joan Riviere einen Nervenzusammenbruch und war danach häufig krank. 1916 begann sie eine Analyse bei Ernest Jones, die in eine Lehranalyse umgewandelt wurde und bis 1921 dauerte. Die Analyse war ein Fehlschlag, weshalb Joan Riviere 1922 eine zweite, erfolgreichere Analyse bei Sigmund Freud in Wien machte.
Joan Riviere gehörte 1919 zu den Gründungsmitgliedern der British Psycho-Analytical Society. Sie war von 1920 bis 1937 Übersetzungsredakteurin des International Journal of Psychoanalysis und bildete gemeinsam mit James und Alix Strachey die Übersetzer-Troika der 1924/25 erschienenen Collected Papers, der ersten englischen Freud-Ausgabe. Rivieres Übersetzungen gelten als besonders gelungen wegen ihres literarischen Stils, der auch ihre eigenen Schriften auszeichnet.
1924 begann Joan Rivieres Freundschaft mit Melanie Klein, deren Texte sie ebenfalls übersetzte. Sie wurde eine eloquente Verfechterin der Kleinschen Ideen und griff 1927 in ihrem Beitrag Symposium on child analysis erstmals die Positionen Anna Freuds an. Unter anderem widersprach sie deren Ansicht, dass in der Kinderanalyse keine Übertragung auf den Analytiker stattfinden könne, da Kinder sich noch in der Ödipussituation mit den ursprünglichen Objekten - den Eltern - befänden. Riviere hielt dagegen, die Objekte ödipaler und prägenitaler Phantasien seien mitnichten die realen Eltern, sondern unbewusste Vater- und Mutter-Imagines, die auf die realen Eltern übertragen werden. Wegen dieser Auffassung warf Sigmund Freud ihr vor, einen Weg zur Irrealisierung der Analyse einzuschlagen.
1930 wurde Joan Riviere Lehranalytikerin und Mitglied im Ausbildungsausschuss der BPAS. Gemeinsam mit Melanie Klein hielt sie Vorlesungen am Londoner Psychoanalytischen Institut, die 1937 unter dem Titel Love, Hate, and Reparation erschienen. Noch vor Klein führte sie 1932 in ihrem Aufsatz Jealousy as a mechanism of defense die Eifersucht auf den von der Urszene ausgelösten Neid zurück, und 1936 entwickelte sie als erste das Konzept der Wiedergutmachung. Ihr in Wien gehaltener Vortrag Zur Genese des psychischen Konfliktes im frühen Lebensalter, in dem sie die psychische Innenwelt des "kleinianischen Säuglings" beschrieb, gilt als einer der brillantesten Essays über kleinianisches Denken.
Am bekanntesten ist heute wohl ihr Aufsatz Weiblichkeit als Maske über den Typus der intellektuellen, beruflich erfolgreichen Frau, die gleichzeitig sehr weiblich wirkt. Joan Riviere zeigte, dass die Exhibition "männlicher" Fähigkeiten, gleichgesetzt mit der Aneignung des väterlichen Penis, bei diesen Frauen Vergeltungsangst auslöst, wogegen sie sich durch betont weibliches Verhalten zu schützen suchten. Weiblichkeit kann so als Maske dienen, um den Besitz von Männlichkeit zu verbergen. Vor allem Rivieres Schluss, zwischen echter Weiblichkeit und solcher Maskerade bestünde kein Unterschied, inspirierte Jacques Lacan und die Gender-Diskussion der 1990er Jahre. (Artikelanfang)
Ende 1938 zog Joan Riviere sich nach einer schweren Krankheit aus den Führungsgremien der BPAS zurück, ihre Lehrveranstaltungen setzte sie jedoch fort, ebenso ihre Tätigkeit als Lehr- und Kontrollanalytikerin. In den Freud/Klein-Kontroversen der 1940er Jahre blieb sie eher im Hintergrund. Während der 1950er Jahre wurde ihr Verhältnis zu Melanie Klein distanzierter, u. a. teilte sie nicht deren Interesse für die Analyse von Psychotikern.
1962 starb Joan Riviere an den Folgen eines Lungenemphysems.

Anne-Marie Weil wurde in Genf geboren, wo sie Psychologie studierte und eine Zeitlang Assistentin von Jean Piaget war. Anfang der 1950er Jahre ging sie nach England und ließ sich von Anna Freud zur Kinderanalytikerin ausbilden. Sie machte eine Lehranalyse bei Edit Gyömröi, wurde Lehranalytikerin und Supervisorin der British Psychoanalytical Society und eröffnete eine psychoanalytische Privatpraxis in London.
1957 heiratete sie den aus Südafrika stammenden Psychoanalytiker Joseph Sandler (1927-1998), von dem ihre beiden Kinder Catherine und Paul stammen. Gemeinsam verfassten sie eine Reihe von Aufsätzen und übernahmen 1975 die Präsidentschaft der European Psychoanalytical Federation (EPF). Anne-Marie Sandler amtierte von 1990 bis 1993 als Präsidentin der BPAS und war von 1993 bis 1996 Direktorin des Anna Freud Centres in London. Sie ist außerdem Ehrenmitglied der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft.
Obwohl sie eine loyale Anhängerin Anna Freuds ist, hat sich Anne-Marie Sandler auch von den Ideen Melanie Kleins inspirieren lassen. Ihr Buch Innere Objektbeziehungen. Entstehung und Struktur, eine Sammlung programmatischer Beiträge von Joseph und Anne-Marie Sandler, liefert die theoretischen Grundlagen für eine Integration der Objektbeziehungstheorie in eine weiterentwickelte Ich-Psychologie.

Melitta Schmideberg, einzige Tochter der Psychoanalytikerin Melanie Klein und des Chemieingenieurs Arthur Klein, wurde im österreich-ungarischen Rosenberg als ältestes von drei Kindern geboren. 1910 zog die Familie nach Budapest, wo Melanie Klein ihre ersten Kinderanalysen mit Melitta (Fall "Lisa") und ihren beiden Brüdern durchführte. Bereits mit fünfzehn durfte Melitta Klein an den Sitzungen der Budapester Psychoanalytischen Vereinigung teilnehmen, deren Mitglied ihre Mutter war.
1921 ging Melanie Klein nach Berlin, wohin ihr Melitta Klein nach dem Abitur folgte, um Medizin zu studieren. Sie promovierte 1927 mit einer Arbeit über die Geschichte der homöopathischen Bewegung in Ungarn. In Berlin lernte Melitta Klein den Wiener Psychoanalytiker Walter Schmideberg (1890-1954) kennen, den sie 1924 heiratete. 1929 begann sie eine Lehranalyse bei Karen Horney und wurde zwei Jahre später außerordentliches Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung.
Die Bedrohung durch den Nationalsozialismus veranlasste die Schmidebergs 1928 zur Emigration nach London, wo Melanie Klein bereits seit 1926 lebte. Melitta Schmideberg absolvierte eine weitere Analyse bei Edward Glover, einem Gegner Melanie Kleins, und wurde 1933 ordentliches Mitglied, dann Lehranalytikerin der British Psychoanalytical Society.
Sie teilte anfangs die Kleinschen Aufassungen, wich aber schon in ihrem Aufnahmevortrag The play analysis of a three-year-old girl davon ab, indem sie die Probleme des Mädchens auf ein Fehlverhalten der Mutter, also auf reale äußere Faktoren, zurückführte. Im Laufe ihrer Analyse bei Glover entfremdete sich Melitta Schmideberg zunehmend von ihrer Mutter. Sie begann sie öffentlich anzugreifen und die empirische Grundlage der Kleinschen Theorien in Frage zu stellen. Ihr Wunsch nach Unabhängigkeit von der Mutter wandelte sich zu unversöhnlichem Hass.
1945 ging Melitta Schmideberg nach New York, wo sie mit straffälligen Jugendlichen arbeitete und 1950 die Association for the Psychiatric Treatment of Offenders mitgründete. Sie entfernte sich von der Psychoanalyse und schied 1962, ein Jahr nach ihrer Rückkehr nach London, aus der BPAS aus. Auch in England widmete sie sich der Behandlung und Wiedereingliederung von Straffälligen und gab seit 1957 die Zeitschrift International Journal of Offender Therapy heraus. (Artikelanfang)

Nina Searl erhielt ihre psychoanalytische Ausbildung an der Brunswick Square Clinic in London und bei Hanns Sachs in Berlin. Sie interessierte sich vor allem für die Anwendung der Psychoanalyse in der Pädagogik und war eine frühe Pionierin der Kinderanalyse in der British Psychoanalytical Society. Noch bevor die kinderanalytischen Arbeiten Melanie Kleins in England bekannt wurden, führte Nina Searl 1920 ihre erste Analyse mit einem sechsjährigen Mädchen durch. Sie war vermutlich auch die erste, die in der BPAS über die Technik der Kinderpsychoanalyse referierte.
Nina Searl war Lehranalytikerin am Londoner Psychoanalytischen Institut und beteiligte sich mit zahlreichen Artikeln und Vorträgen an der wissenschaftlichen Diskussion. Seit 1925 zählte sie zu den MitstreiterInnen Melanie Kleins in der Auseinandersetzung mit Anna Freud. Ihre psychoanalytische Karriere endete jedoch abrupt, als sie 1937 ihren Austritt aus der BPAS erklärte. Melitta Schmideberg warf den Kleinianern vor, seit 1932 eine Kampagne gegen Searl geführt zu haben. Nina Searl selbst begründete ihre Entscheidung u. a. damit, dass die Psychoanalyse ihrer Ansicht nach offen für ein höheres religiöses Ideal sein sollte und dass sie mit einer Gruppe zusammenarbeiten wollte, die sich für Geistheilung interessierte. Sie soll sich schließlich in ein Kloster zurückgezogen haben.
Einer ihrer letzten Aufsätze, Some queries on principles of technique, ein Beitrag über die Bedeutung der Widerstandsanalyse, ist unlängst als ein hervorragendes, spätere Entwicklungen antizipierendes Beispiel einer ich-psychologischen Behandlung des psychoanalytischen Prozesses gewürdigt worden.

Hanna Segal gilt als eine der bedeutendsten SchülerInnen Melanie Kleins. Sie wurde in Lodz in Polen geboren und wuchs in Warschau als jüngste Tochter polnisch-jüdischer Intellektueller auf. Ihr Vater Czeslaw Poznanski war Rechtsanwalt, ihre Mutter Isabelle Weintraub war mit der Psychoanalytikerin Eugénie Sokolnicka befreundet, die Hanna schon als Kind kennenlernte. Nach dem Bankrott seiner Anwaltskanzlei ließ sich Poznanski mit seiner Familie 1931 in Genf nieder, wo er als Redakteur einer Zeitschrift arbeitete.
Hanna Poznanska kehrte 1934 nach Warschau zurück, um dort ihr Abitur zu machen und Medizin zu studieren. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs war sie gerade in Paris, wo ihre Eltern seit 1938 lebten. Sie setzte ihr Medizinstudium in Paris fort, bis sie 1940 vor den deutschen Besatzungstruppen nach England fliehen musste. 1943 promovierte sie an der Polish Medical School der Edinburgh University.
In Edinburgh war sie ein Jahr lang bei dem Kleinianer David Matthew in Analyse, ging aber 1943 nach London, um sich am Institute of Psychoanalysis ausbilden zu lassen. Gleichzeitig arbeitete sie als Ärztin am Paddington Green Hospital und als Psychiaterin am Long Grove Hospital. Ihre Lehranalyse machte sie bei Melanie Klein. 1945 beendete sie ihre psychoanalytische Ausbildung und wurde 1949 ordentliches Mitglied der British Psychoanalytical Society. Ihren Einführungsvortrag hielt sie zum Thema Some aspects of the analysis of a schizophrenic. 1952 wurde sie zur Lehranalytikerin ernannt. 1946 heiratete sie den Mathematiker Paul Segal, mit dem sie drei Söhne hatte.
Hanna Segal wurde ebenso durch ihre luziden Einführungen in Melanie Kleins Werk wie durch ihre eigenen Beiträge zur psychoanalytischen Theorie und Praxis bekannt. Von ihr stammt eine der klarsten kleinianischen Definitionen des Todestriebs: Dieser ist für sie kein biologischer Drang, zum Anorganischen zurückzukehren, sondern ein psychischer Wunsch, die durch die Geburt herbeigeführte plötzliche Veränderung zunichte zu machen.
Segal war eine Pionierin der kleinianischen Analyse von Psychotikern, für deren Unfähigkeit, zwischen Symbol und Symbolisiertem zu unterscheiden, sie den Ausdruck "symbolische Gleichsetzung" schuf. Sie entwickelte die Kleinsche Symboltheorie weiter und beschrieb die wichtige Rolle der depressiven Position bei der Symbolbildung und in der künstlerischen Kreativität. In ihren Beiträgen zur Ästhetik beleuchtete sie den kreativen Gebrauch von Symbolen im Alltagsleben wie im Kunstwerk.
Hanna Segal übte mehrere wichtige Funktionen in der BPAS aus, darunter von 1977 bis 1980 das Amt der Präsidentin. 1977 wurde sie auf den Freud Memorial Chair am University College London berufen. 1992 erhielt sie für ihre Leistungen auf dem Gebiet der Psychoanalyse den Sigourney Award. (Artikelanfang)

Ilse Seglow, eine Pionierin der Gruppenanalyse, wurde in Hamburg als drittes von vier Kindern Rabbiners Caesar Seligmann und seiner Frau Ella Kauffmann geboren. Als sie zwei Jahre alt war, zog die Familie nach Frankfurt am Main.
Ihre erste Ehe mit dem Arzt Martin Goldner wurde nach zwei Jahren wieder geschieden. Sie wurde Schauspielerin und lernte in Theaterkreisen ihren zweiten Mann Joseph Ziegellaub kennen. Ende der 1920er Jahre begann sie in Frankfurt ein Studium der Soziologie und schrieb, betreut von Karl Mannheim und Norbert Elias, an einer Dissertation über Schauspiel und Gesellschaft. Sie beschloss, Psychoanalytikerin zu werden und ging zu Karl Landauer in die Analyse.
1933 flohen Ilse und Joseph Ziegellaub vor den Nazis nach Paris, wo ein Jahr später ihr Sohn Peter zur Welt kam. Sie kehrten mit falschen Papieren nach Deutschland zurück und lebten 1935/36 in Berlin, wo Ilse Ziegellaub im Kindergarten ihrer Freundin Nelly Wolffheim arbeitete. 1937 emigrierten die Ziegellaubs nach England. Ilse Ziegellaub absolvierte in Cambridge einen Ausbildungskurs der London School of Economics zur psychiatrischen Sozialarbeiterin und begann dann 1944 eine Analyse bei Hilde Maas in London. Im gleichen Jahr ließ sich Ilse Seglow, wie sie sich in England nannte, von ihrem zweiten Mann scheiden.
U. a. aus Altersgründen konnte sie nicht Mitglied der British Psychoanalytical Society werden, eine 1949 bei August Aichhorn in Wien begonnene Lehranalyse wurde durch dessen Tod vorzeitig beendet. In den 1950er Jahren arbeitete Ilse Seglow als psychiatrische Sozialarbeiterin und als Psychotherapeutin, bis sie mit Anfang 60 aus dem offiziellen Berufsleben ausschied, um sich ganz der Psychotherapie zu widmen. Nach einer Spaltung der British Association of Psychotherapists, die sie 1952 mitinitiiert hatte, gründete Ilse Seglow 1973 das London Centre for Psychotherapy, das sie bis in ihr hohes Alter autokratisch leitete. Sie unterstützte die Gründung des Instituts für Gruppenanalyse in Heidelberg, auf dessen Arbeit sie maßgeblichen Einfluss nahm.
Ilse Seglow verstand sich in der Nachfolge von S. H. Foulkes (Siegmund Heinrich Fuchs), dessen gruppenanalytisches Konzept von den Theorien Norbert Elias' beeinflusst war. Als Foulkes 1952 die Group Analytic Society ins Leben rief, gehörte Ilse Seglow zu den Gründungsmitgliedern. Sie sah in der Gruppenanalyse neben der Therapie auch einen gesellschaftskritischen Ansatz.

Ella Sharpe wurde in Haverhill in Suffolk als älteste von drei Schwestern geboren. Sie hing sehr an ihrem Vater und teilte dessen Vorliebe für Shakespeare und die englische Literatur. Als er starb, fühlte sie sich, obwohl selbst noch ein Teenager, für den Unterhalt der Familie verantwortlich. Nachdem sie drei Jahre lang englische Literatur an der Nottingham University studiert hatte, verzichtete sie auf eine weitere Ausbildung in Oxford, um Geld zu verdienen. Sie unterrichtete englische Literatur an mehreren Schulen, schließlich von 1904 bis 1916 am Hucknall Pupil Teachers' Training Center.
Eine zerbrochene Freundschaft und der Tod von Freunden und Schülern im Ersten Weltkrieg lösten eine Depression bei ihr aus. Wegen Angstanfällen suchte sie psychotherapeutische Hilfe in der Medico-Psychological Clinic am Brunswick Square in London, wo sie von Jessie Murray und James Glover mit Erfolg behandelt und ihr Interesse für die Psychoanalyse geweckt wurde. Sie gab ihre Lehrtätigkeit auf und begann 1917 an der Brunswick Square Clinic eine psychoanalytische Ausbildung. 1920 ging sie nach Berlin, um eine Analyse bei Hanns Sachs zu machen. 1921 wurde sie außerordentliches, 1923 ordentliches Mitglied der British Psychoanalytical Society.
Ella Sharpe war Lehranalytikerin am Institute of Psychoanalysis und zählte zu den ersten KinderanalytikerInnen in England. Ursprünglich war sie eine Anhängerin Melanie Kleins, gehörte aber später der Middle Group der Unabhängigen an. Sie leitete zu Beginn des Zweiten Weltkriegs das Psychoanalytische Lehrinstitut und nahm in der Freud-Klein-Kontroverse der 1940er Jahre die Rolle einer Moderatorin ein.
Zu den Schwerpunkten Ella Sharpes gehörten Fragen der psychoanalytischen Technik, so betonte sie in ihren Vorlesungen z. B. schon früh die Rolle der Gegenübertragung. Außerdem interessierte sie sich für die Bedingungen künstlerischer Kreativität. Ihrer Ansicht nach verfügt der Künstler im Unterschied zum Neurotiker über ein realitätstüchtiges Ich und ist daher in der Lage, die Schöpfungen seiner Phantasie zu externalisieren, anstatt sie wie der Neurotiker in der Realität auszuleben. Als ihr bedeutendster Beitrag zur psychoanalytischen Theorie wird ihre Arbeit über die Traumanalyse angesehen. Sie erkannte 1937 als erste, dass Traumarbeit und Symbolisierung die gleichen Mechanismen aufweisen wie die poetische Sprache - eine Entdeckung, die zwanzig Jahre später Jacques Lacan mit seiner Formel "l'inconscient est structuré comme un langage" wieder aufgriff.
Ella Freeman Sharpe hatte ein chronisches Herzleiden und starb an einem Herzinfarkt. (Artikelanfang)

Elizabeth Bott wuchs in Kanada in einer Akademikerfamilie auf. Sie studierte Psychologie in Toronto und Anthropologie in Chicago, wo sie 1949 mit dem MA abschloss. Im gleichen Jahr ging sie nach London, um Anthropologie an der London School of Economics zu lehren und als Anthropologin am Tavistock Institute of Human Relations (TIHR) zu arbeiten. 1956 promovierte sie in Sozialanthropologie an der University of London, ihre Dissertation über Family and Social Network wurde bald zu einem anthropologischen Standardwerk.
Durch ihre Forschungstätigkeit am TIHR kam Elizabeth Spillius mit den Ideen Melanie Kleins in Berührung und begann 1956 eine Ausbildung am Londoner Psychoanalytischen Institut, ihre Lehranalytikerin war Lois Munro. 1958 unterbrach sie diese Ausbildung für zwei Jahre, um gemeinsam mit ihrem Mann, dem kanadischen Anthropologen James Spillius, im südpazifischen Königreich Tonga ein anthropologisches Forschungsprojekt durchzuführen. 1964 wurde sie Mitglied der British Psychoanalytical Society und ist seit 1975 als Lehr- und Kontrollanalytikerin tätig.
Neben ihrer direkten Lehrtätigkeit beteiligte sie sich an der Konzeption der Ausbildung in der BPAS, wo sie z. B. für eine systematische Integration der von Esther Bick entwickelten Methode der Säuglingsbeobachtung in die psychoanalytische Ausbildung sorgte. Von 1988 bis 1998 war sie Herausgeberin der Reihe New Library of Psychoanalysis, die in Zusammenarbeit mit dem London Institute of Psychoanalysis beim Routledge Verlag erscheint.
Elizabeth Bott Spillius gilt als eine der renommiertesten VertreterInnen der gegenwärtigen Kleinianischen Psychoanalyse. Ihr Beiträge zeichnen sich durch die doppelte Persepektive einer Psychoanalytikerin und Anthropologin aus. International bekannt wurde sie vor allem durch ihre prägnanten und verständlichen Einführungen in das Werk Melanie Kleins. Darüber hinaus widmete sie sich der Weiterentwicklung der Kleinianischen Theorie und Technik.
Karin Stephen war die jüngste Tochter von Frank Costelloe, einem zum Katholizismus konvertierten Nordiren, und Mary Pearsall Smith, die aus einer Quäkerfamilie in Philadelphia stammte. Ihre Mutter verließ die Familie wegen eines anderen Mannes, und als Karin zehn war, starb ihr geliebter Vater, so dass sie und ihre Schwester Ray bei ihrer Quäker-Großmutter aufwuchsen. Beide besuchten das Newnham College für Frauen in Cambridge, wo Karin Costelloe Schülerin ihres Onkels Bertrand Russell und des Philosophen George Edward Moore war. 1912 wurde sie in die Aristotelian Society aufgenommen, wahrscheinlich verfasste sie in dieser Zeit ihr Buch The Misuse of Mind über den Philosophen Henri Bergson.
Sie schloss sich dem Bloomsbury-Kreis an und heiratete 1914 Adrian Stephen (1883-1948), den jüngeren Bruder von Virginia Woolf. 1915 und 1918 wurden ihre beiden Töchter Ann und Judith geboren. Die mit sozialistischen Ideen sympathisierende Karin Stephen und ihr Mann waren Kriegsgegner und arbeiteten während des Ersten Weltkriegs auf einer Farm in Essex. Nach Kriegsende absolvierten beide auf Drängen von Ernest Jones ein Medizinstudium und begannen dann eine Analyse bei James Glover. Als Glover 1926 starb, beendete Karin Stephen ihre Lehranalyse bei Sylvia Payne und wurde 1927 außerordentliches, 1931 ordentliches Mitglied der British Psychoanalytical Society. 1927 ging sie für eine Zeit nach Baltimore, um am Sheppard and Enoch Pratt Hospital zu arbeiten, und machte dort eine weitere Analyse bei Clara Thompson. Nach der Freud-Klein-Kontroverse der 1940er Jahre schlossen sich Karin und Adrian Stephen zur Middle Group der Unabhängigen an.
Karin Stephen lag besonders die Vermittlung psychoanalytischen Wissens an Nicht-Analytiker am Herzen. Sie hielt in Cambridge die erste Reihe von öffentlichen Vorträgen zur Psychoanalyse, eine sehr gerühmte Einführung in die Psychoanalyse für Medizinstudenten, die 1933 unter dem Titel Psychoanalysis and Medicine als Buch erschien. (Artikelanfang)
Viel diskutiert wurde auch ihr Aufsatz über Relations between the superego and the ego, in dem sie die Ansicht vertrat, dass das Über-Ich als eigenständige mahnende und strafende Instanz ein pathologisches Phänomen sei, während normalerweise die Funktion der Selbstkontrolle vom Ich ausgeübt werde. In diesem Zusammenhang erklärte sie die kleinianischen inneren Objekte zu einer Fiktion des Analytikers.
Schon seit ihrem Studium in Cambridge litt Karin Stephen unter Schwerhörigkeit und musste ein Hörrohr benutzen. Nach mehreren erfolglosen Operationen zur Verbesserung ihrer Hörfähigkeit kam eine partielle Gesichtslähmung hinzu. Sie hatte immer wieder mit Depressionen zu kämpfen und beging schließlich Selbstmord.

Alix Strachey kam in der Künstlerkolonie Nutley, New Jersey, zur Welt. Kurz nach ihrer Geburt ertrank ihr Vater, der amerikanische Musiker Harry Smyth-Florence, und ihre Mutter, die englische Malerin Mary Sargant, kehrte mit Alix und ihrem älteren Bruder Philip nach England zurück. Von 1911 bis 1914 studierte Alix Sargant-Florence moderne Sprachen am Newnham College in Cambridge. Sie war schon damals für ihren scharfen Verstand und ihre Ironie bekannt, litt jedoch vermutlich an Magersucht und erlebte mit zwanzig eine erste melancholische Krise. Während des Ersten Weltkriegs lebte sie mit ihrem Bruder in Bloomsbury und schloss sich dem Kreis um Lytton Strachey und Virginia Woolf an. Dort begegnete sie James Strachey (1887-1967), den sie 1920 heiratete.
Noch im gleichen Jahr gingen die Stracheys nach Wien, um bis 1922 eine Analyse bei Sigmund Freud zu machen. Gleichzeitig begannen sie mit der Übersetzung der Werke Freuds ins Englische. 1922 wurde Alix Strachey außerordentliches, 1923 ordentliches Mitglied der British Psychoanalytical Society. Auf Freuds Empfehlung hin begab sie sich 1924 nach Berlin zu einer weiteren Analyse bei Karl Abraham. Aus dieser Zeit stammt ihr berühmter Briefwechsel mit James Strachey, in dem sie ein lebendiges Bild der Berliner Psychoanalytiker-Szene zeichnete. Hier lernte sie Melanie Klein kennen und war von deren Ideen sehr beeindruckt. Durch ihre Vermittlung wurde Melanie Klein 1925 von der BPAS zu einer Vortragsreihe nach London eingeladen. Alix Strachey übersetzte u. a. ihr grundlegendes Werk Die Psychoanalyse des Kindes ins Englische.
Nach Abrahams Tod setzte Alix Strachey ihre Analyse 1926 in London bei Edward Glover, später bei Sylvia Payne fort. Im Laufe der Auseinandersetzungen zwischen KleinianerInnen und AnnafreudianerInnen in der BPAS wuchs ihr Unbehagen an der Weiterentwicklung der Kleinschen Theorie, dem sie in ihrem Aufsatz A note on the use of the word internal Ausdruck verlieh. Sie schloss sich wie ihr Mann der Middle Group der Unabhängigen an.
Seit Ende der 1940er Jahre arbeiteten Alix und James Strachey an der Herausgabe der Standard Edition, der englischen Ausgabe von Sigmund Freuds Werken, deren Großteil sie beide übersetzten. Darüber hinaus übertrug Alix Strachey gemeinsam mit Douglas Bryan eine Auswahl aus Karl Abrahams Schriften ins Englische und erarbeitete ein Verzeichnis psychoanalytischer Termini. (Artikelanfang)
Alix Strachey interessierte sich besonders für die psychosozialen Voraussetzungen des Kriegs. Als eine solche Voraussetzung beschrieb sie in ihrem Buch The Unconscious Motives of War die regressiven und potentiell destruktiven Gruppenphänomene, auf denen Institutionen wie Schule, Kirche, Armee und der Nationalstaat beruhen. In der Gruppe werde das Über-Ich des Einzelnen durch eine Autorität von außen ersetzt und eine unrealistische Denkweise sowie Gleichgültigkeit bzw. Feindseligkeit gegenüber den außerhalb der Gruppe Stehenden gefördert. Mithilfe der Erkenntnisse der Psychoanalyse, glaubte sie, könnten solche destruktiven Tendenzen abgemildert werden.

Die Kinderanalytikerin Frances Tustin wurde im nordenglischen Darlington geboren, sie war das einzige Kind tief religiöser Eltern. Nach deren Trennung 1926 lebte Frances Vickers bei ihrer Mutter und sah ihren Vater, dem sie sehr nahestand, über fünfzehn Jahre lang nicht mehr. Sie machte von 1932 bis 1934 am Whitelands College in Putney, London, eine Ausbildung zur Lehrerin. 1938 heiratete sie den Verwaltungsbeamten John Taylor, von dem sie sich 1946 scheiden ließ. Zwei Jahre später ehelichte sie den Physikprofessor Arnold Tustin (1899-1994).
Frances Tustin war mehrere Jahre lang als Lehrerin tätig, bevor sie 1943 durch Vorlesungen Susan Isaacs' auf die Psychoanalyse aufmerksam wurde. 1950, nach dem Tod ihres ersten Kindes, begann sie an der Tavistock Clinic in London eine dreijährige Ausbildung zur Psychotherapeutin für Kinder. Sie begann bei dem Kleinianer Wilfred Ruprecht Bion eine Analyse, die mit Unterbrechungen vierzehn Jahre dauerte. 1953 ging sie nach Boston und machte ein Praktikum an dem von Beata Rank und Marian Putnam geleiteten James Jackson Putnam Center, einem der ersten Zentren, wo autistische Kinder behandelt wurden.
Frances Tustin war Mitglied der Association of Child Psychotherapists, Ehrenmitglied der British Psychoanalytical Society und lehrte an der Tavistock Clinic. Sie integrierte die autistische Pathologie in die Theorien Melanie Kleins und wurde eine international anerkannte Autorität auf dem Gebiet des Autismus. Auf der Grundlage kleinianischer bzw. neo-kleinianischer Annahmen entwickelte sie 1972 eine Typologie des Autismus, die heute als klassisch gilt.
Für Tustin besteht der kindliche Autismus aus zwei Phasen: Die erste zeichnet sich aus durch eine ungewöhnlich enge Beziehung zur Mutter, häufig in Verbindung mit einem ausgeschlossenen oder abwesenden Vater, die zweite durch die vorzeitige Wahrnehmung körperlicher Getrenntheit von der Mutter. Diese Wahrnehmung wirkt traumatisierend, da das Kleinkind noch nicht in der Lage ist, das Abwesende zu symbolisieren. Es erlebt dann sein Getrenntsein nicht nur als Verlust des Objekts, sondern als eigene körperliche Vernichtung, wogegen es sich durch autistische Formen und Objekte und durch die Konstruktion einer autistischen Schale zu schützen sucht. (Artikelanfang)

Clare Winnicott wurde als ältestes von vier Kindern im englischen Scarborough geboren. Ihr Vater James Nimmo Britton war baptistischer Geistlicher, ihre Mutter Elsie, geb. Slater ebenfalls in der Baptistenkirche aktiv. Nach dem Besuch der High School machte Clare Britton von 1929 bis 1930 eine Lehrerinnenausbildung am Selly Oak College in Birmingham und war danach bei der Young Women's Christian Association (YWCA) tätig. Für ihre sozialpädagogische Weiterbildung absolvierte sie 1937/38 einen einjährigen Lehrgang für Sozialwissenschaften an der London School of Economics (LSE) und 1940 den Mental Health Course am LSE.
Während des Zweiten Weltkriegs betreute Clare Britton in Oxfordshire evakuierte, von ihren Familien getrennte und häufig traumatisierte Kinder. Dabei lernte sie ihren späteren Mann kennen, den Psychoanalytiker Donald Woods Winnicott (1896-1971), der diese Arbeit als psychiatrischer Berater betreute. Von 1947 bis 1958 leitete sie den vom Britischen Innenministerium und der LSE eingerichteten Child Care Course, einen Lehrgang für Sozialarbeiter, an dem sich auch Donald Winnicott mit Vorlesungen beteiligte. Nach der Auflösung des Child Care Course unterrichtete Clare Winnicott bis 1964 am Applied Social Studies Course der LSE.
1951 heiratete sie Donald Winnicott, mit dem sie durch gemeinsame Interessen, Temperament und gegenseitige Inspiration eng verbunden war. Wichtige Ideen wie z. B. das Konzept des Übergangsobjekts finden sich in Fallbeschreibungen Clare Winnicotts, noch bevor Donald Winnicott sie theoretisch ausformulierte. 1948 hatte sie eine Analyse bei dem Kleinianer Clifford Scott begonnen, die sie nach dessen Übersiedelung nach Kanada 1954 bei Melanie Klein fortsetzte. Obwohl deren Theorien sie beeindruckten, kritisierte Clare Winnicott die mangelnde Berücksichtigung der Umweltfaktoren und die Betonung der negativen Momente in der Übertragung.
1960 wurde Clare Winnicott Mitglied der British Psychoanalytical Society, praktizierte aber zunächst nicht als Psychoanalytikerin. Von 1964 bis 1971 leitete sie als Direktorin der Child Care Studies im Innenministerium die Ausbildung von Sozialarbeitern in der Kinderfürsorge. Nach dem Tod ihres Mannes machte Clare Winnicott eine weitere Analyse bei Lois Munro und eröffnete 1972 eine eigene psychoanalytische Praxis. Daneben arbeitete sie zehn Jahre lang als Supervisorin und Lehrende für die British Association of Psychotherapists, einem Ausbildungszentrum für psychoanalytische Psychotherapie.
Mit ihrem Ansatz psychoanalytisch inspirierter Sozialarbeit übte Clare Winnicott ihrerzeit großen Einfluss auf die britische Kinderfürsorge aus. Schwerpunktthemen ihrer Schriften sind das Verständnis der innerpsychischen Welt des Kindes, insbesondere bei Verlust und Trennung, Techniken der Kommunikation mit Kindern, die Rolle des Sozialarbeiters als "Übergangsfigur" und die Gegenübertragung in der Beziehung zwischen Helfern und Hilfsbedürftigen.
Clare Winnicott erlag 1984 einem langjährigen Krebsleiden. (Artikelanfang)