Hilda Clara Abraham wurde in Zürich geboren und wuchs in Berlin auf. Sie war die Tochter Karl Abrahams, des Pioniers der deutschen Psychoanalyse, und seiner Frau Hedwig geb. Bürgner. Weil Hilda als Kind eine ausgeprägte Neigung zu Tagträumen zeigte, unternahm ihr Vater eine Analyse mit seiner siebenjährigen Tochter nach dem Vorbild von Sigmund Freuds Analyse des "kleinen Hans". Als junges Mädchen war sie dann bei dem niederländischen Psychoanalytiker Johan van Ophuijsen in Analyse während dessen sechsmonatigen Berlinaufenthalts 1922/23. Eine weitere Analyse bei Hilde Maas folgte.
Hilda Abraham studierte Medizin in Berlin und begann 1933 am Berliner Psychoanalytischen Institut eine Lehranalyse. Nach der Machtübernahme Hitlers konnte sie ihr Studium noch beenden, bevor sie 1938 mit ihrer Mutter und ihrem vier Jahre jüngeren Bruder Grant - ihr Vater war bereits 1925 gestorben - nach England emigrierte. Sie schloss ihre psychoanalytische Ausbildung in London ab und wurde Mitglied und Lehranalytikerin der British Psycho-Analytical Society. Nachdem sie 1945 ihre britische Zulassung erhalten hatte, war sie viele Jahre lang als Psychiaterin an der Paddington Clinic in London tätig.
Hilda Abraham zählte - wie ihre Freundin Dinora Pines - zu den AnhängerInnen Anna Freuds. Obwohl Karl Abraham der Mentor Melanie Kleins in Berlin gewesen war, blieb seine Tochter immer eine entschiedene Gegnerin der Kleinschen Ideen. Neben ihrem Interesse für die Psychologie der Frau widmete sie sich besonders dem Werk ihres Vaters. Ihre Biografie Karl Abrahams blieb jedoch unvollendet.

Lou Andreas-Salomé, die "Dichterin der Psychoanalyse", war schon eine bekannte Schriftstellerin, als sie sich mit fünfzig Jahren der Psychoanalyse zuwandte. Geboren und aufgewachsen war Louise von Salomé in St. Petersburg als jüngere Schwester von fünf Brüdern. Ihr Vater, der zaristische General Gustav von Salomé, war ein wohlhabender Baltendeutscher hugenottischen Ursprungs, ihre Mutter Luise Wilm die Tochter eines Hamburger Zuckerfabrikanten.
Louise von Salomés erster geistiger Mentor war Hendrik Gillot, ein unorthodoxer niederländischer Prediger. Sein Heiratsantrag, den sie ablehnte, zerstörte die Beziehung. 1880 ging Lou von Salomé nach Zürich, um Theologie, Philosophie und Kunstgeschichte zu studieren. Zwei Jahre später lernte sie in Rom die Philosophen Paul Rée und Friedrich Nietzsche kennen, die sich beide in sie verliebten. Nachdem ihr Traum eines geschwisterlich-intellektuellen Dreierbunds gescheitert war, ließ sich Lou von Salomé 1882 mit Rée in Berlin nieder. 1887 heiratete sie den Göttinger Orientalistikprofessor Friedrich Carl Andreas (1846-1930), mit dem sie eine lebenslange platonische Ehe führte. 1897 begegnete sie Rainer Maria Rilke, ihre Liebesbeziehung dauerte einige Jahre und mündete dann in eine Freundschaft.
Lou Andreas-Salomé wählte die Laufbahn einer freien Schriftstellerin und wurde eine bekannte Persönlichkeit der literarischen Welt von Berlin und München. Sexuelle Leidenschaft und Liebe bildeten das Thema vieler ihrer Romane und Erzählungen, darunter Fenitschka, die Lobpreisung einer spontanen, von den Zwängen der Ehe befreiten Sexualität. Lou Andreas-Salomé zeichnete die Frau als in sich ruhende Einheit von Geist, Intellekt, Körper und Gefühlen, während der differenziertere Mann von Unzufriedenheit angetrieben sich ständig neu zu beweisen sucht.
1911 nahm Lou Andreas-Salomé am Weimarer Psychoanalytischen Kongress teil, ein Jahr später reiste sie nach Wien, um sich von Sigmund Freud zur Psychoanalytikerin ausbilden zu lassen. Von 1912 bis 1913 nahm sie an den wöchentlichen Sitzungen der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung (WPV) teil. Ihre Eindrücke aus dieser Zeit hielt sie in ihrem Tagebuch In der Schule bei Freud fest. Es entwickelte sich bald eine freundschaftliche Beziehung zwischen Andreas-Salomé und Freud, der in ihr eine "Versteherin par excellence" sah. Die zweihundert Briefe, die sie im Laufe von 25 Jahren wechselten, bezeugen ihre gegenseitige Sympathie. Auf Sigmund Freuds Bitte hin unterstützte sie ihn bei der Analyse seiner Tochter Anna Freud, deren "mütterliche Freundin" sie wurde.
Nachdem Lou Andreas-Salomé 1913 ihre erste psychoanalytische Arbeit Vom frühen Gottesdienst veröffentlicht hatte, eröffnete sie eine eigene psychoanalytische Praxis in Göttingen. 1922 wurde sie ordentliches Mitglied der WPV. 1923/24 praktizierte sie auch in Königsberg, wo sie Otto Bruns beim Aufbau einer psychoanalytischen Poliklinik half und Analysen mit Ärzten durchführte.
Geschlechterbeziehung und Narzissmus sind die zentralen Themen in Lou Andreas-Salomés Schriften, deren poetisch-metaphorische Sprache für heutige Ohren nach Meinung von Kritikern gelegentlich ans Kitschige grenzt. Ihre wichtigsten Aussagen über Psychoanalyse und Weiblichkeit sind in ihrem Aufsatz Zum Typus Weib enthalten, worin sie für die Anerkennung der Differenz zwischen den Geschlechtern plädierte. Als ihre bedeutendste psychoanalytische Abhandlung gilt der Essay Narzißmus als Doppelrichtung. Ihr eigener Narzissmus spielte eine wichtige Rolle in ihren Sitzungen mit Freud, dem sie für seinen 1914 erschienenen Aufsatz Zur Einführung in den Narzißmus als Modell diente.
Das von Freud gezeichnete positive Bild der narzisstischen Frau entspricht Andreas-Salomés eigener Sicht der Frau als Narzisstin par excellence, das heißt als unabhängiges, selbstgenügsames und beneidenswertes Wesen. Im Narzissmus sah Lou Andreas-Salomé nicht nur eine Entwicklungsstufe oder einen pathologischen Zustand, sondern auch eine Kraft, die zur Gefühlsidentifizierung mit der Welt und zur Fusion mit dem anderen antreibt. In diesem Narzissmus, so Andreas-Salomé, habe jede Kulturtat ihren Ursprung.
Trotz schwerer Krankheiten - Diabetes, Brustkrebs und Erblindung - war Lou Andreas-Salomé bis zu ihrer Krebsoperation 1935 als Psychoanalytikerin tätig. Sie starb zwei Jahrer später an Nierenversagen. (Artikelanfang)

Thea Bauriedl, die Begründerin der Beziehungsanalyse, wurde in Berlin geboren. Sie studierte Musik und Sprachen, bevor sie 1960 Ruprecht Bauriedl heiratete und zwei Töchter bekam. Die Ehe wurde 1975 wieder geschieden.
Von 1966 bis 1970 studierte Thea Bauriedl Psychologie, Philosophie und Psychopathologie an der Universität München und war dort anschließend Assistentin am Institut für Psychologie, bis sie 1975 über Theoretische Probleme der ichpsychologischen Diagnostik promovierte (Habilitation 1985). Ihre psychoanalytische Ausbildung absolvierte sie von 1971 bis 1978 an der Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie in München (APPM). Seit 1982 ist sie mit dem Psychoanalytiker Frieder Wölpert verheiratet, mit dem sie einen Sohn hat.
Von 1981 bis 1995 und erneut ab 1999 leitet Thea Bauriedl die Abteilung für psychoanalytische Paar-, Familien- und Sozialtherapie an der APPM. Seit 1989 arbeitet sie dort als Dozentin, Lehr- und Kontrollanalytikerin, und von 1995 bis 1999 war sie Vorsitzende der APPM. 1986 gründete sie mit KollegInnen das von ihr geleitete private Institut für Politische Psychoanalyse in München, dessen Zeitschrift Anmerkungen aus dem Institut für Politische Psychoanalyse München sie mitherausgibt. Außerdem ist sie Begründerin und Leiterin des Arbeitskreises Beziehungsanalyse München und sitzt im wissenschaftlichen Beirat von Fachzeitschriften sowie politischen Institutionen wie Attac und Humanistische Union.
Zu Thea Bauriedls Schwerpunkten zählen wissenschaftstheoretische Grundlagen der Psychoanalyse und angewandte Psychoanalyse, insbesondere Paar- und Familientherapie, politische Psychoanalyse und psychoanalytische Friedens- und Konfliktforschung. Auf der Grundlage der psychoanalytischen Objektbeziehungstheorie entwickelte sie ab 1970 ihr Konzept der Beziehungsanalyse. In deren Zentrum stehen die unbewussten Verschmelzungs-, Abgrenzungs- und Austauschprozesse zwischen Personen, ihr Anwendungsgebiet ist die Beziehungsdynamik in Familien, Gruppen und Institutionen sowie in Gesellschaft und Politik. In der Beziehungsanalyse kommt der symmetrisch-interaktiven unbewussten Beziehung zwischen Analytiker und Analysand eine besondere Bedeutung zu.
Thea Bauriedl betont das dialektisch-emanzipatorische Prinzip der Psychoanalyse und deren kulturkritisches Potenzial. Ihr Ziel ist es, mithilfe psychoanalytischer Erkenntnisse über unbewusste Prozesse in Politik und Gesellschaft aufzuklären, kollektive Verdrängungen bewusst zu machen und auf diese Weise Veränderung zu ermöglichen. (Artikelanfang)

Therese Benedek war eine Pionierin der psychoanalytisch orientierten Psychosomatik. Sie wurde in der ungarischen Kleinstadt Eger geboren als Tochter des jüdischen Kaufmanns Ignatz Friedmann und seiner Frau Charlotte geb. Link. 1898 zog die Familie nach Budapest, wo Therese Friedmann von 1911 bis 1916 Medizin studierte. Sie besuchte Vorträge von Sándor Ferenczi und verkehrte in linksintellektuellen Kreisen, denen auch die späteren AnalytikerInnen Barbara Lantos, Imre Hermann und Jenö Harnik angehörten. Nach Beendigung ihres Studiums spezialisierte sie sich in Budapest und Bratislava auf Kinderheilkunde. 1918/19 absolvierte sie eine fünfmonatige Analyse, einige Sitzungen hatte sie auch bei Ferenczi. 1919 heiratete sie den Dermatologen Tibor Benedek (1892-1974), aus ihrer Ehe gingen zwei Kinder, Thomas (*1926) und Judith (*1929), hervor. Mit Beginn des reaktionären Regimes von Miklos Horthy verließen Therese und Tibor Benedek Ungarn und emigrierten 1920 nach Deutschland.
Sie ließen sich in Leipzig nieder, wo Therese Benedek von 1920 bis 1925 als Assistenzärztin an der psychiatrischen Universitätsklinik arbeitete. 1921 begann sie als erste Psychoanalytikerin in Leipzig zu praktizieren. Sie nahm an den Sitzungen der Berliner Psychoanalytischen Vereinigung teil und wurde dort 1923 als außerordentliches, 1924 als ordentliches Mitglied aufgenommen. Von 1922 bis 1935 leitete sie die Leipziger psychoanalytische Arbeitsgemeinschaft, die unter ihrem Einfluss neu gestaltet und 1927 der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft (DPG) angegliedert wurde. Zu ihren Analysanden zählten in dieser Zeit so unterschiedliche Persönlichkeiten wie Gerhart Scheunert, der 1933 Mitglied der NSDAP wurde, Ewald Roellenbleck, Fritz Riemann und die links orientierte Barbara Lantos.
Ab 1933 gehörte Therese Benedek als Lehr- und Kontrollanalytikerin der DPG dem Berliner Psychoanalytischen Institut an. Zwei Jahre nach Hitlers Machtübernahme wurde in der DPG das "freiwillige" Ausscheiden der jüdischen Mitglieder beraten, um auf diese Weise die deutsche Psychoanalyse zu "retten". Therese Benedek wies dieses Ansinnen zunächst entschieden zurück, musste aber wie ihre acht jüdischen KollegInnen ihren Austritt aus der DPG erklären.
1936 emigrierten die Benedeks in die USA nach Chicago, wo Therese Benedek die Nachfolge Karen Horneys als Lehranalytikerin am Chicago Institute for Psychoanalysis antrat, das von Franz Alexander geleitet wurde. Dessen psychosomatische Orientierung kam ihren eigenen Interessen entgegen. Hier entstanden ihre Studien zur Psychosexualität der Frau, durch die Therese Benedek international bekannt wurde.
Sie erforschte den Einfluss hormoneller Faktoren auf die psychische Befindlichkeit und vertrat die Auffassung, dass die weibliche Identität in einem biologischen Bedürfnis, Kinder zu gebären, verankert ist. Anders als Sigmund Freud meinte sie, dass nicht der vaginale Orgasmus der Gradmesser für die psychosexuelle Reife der Frau sei, sondern die Mutterschaft bzw. die Ausbildung von Mütterlichkeit. 1949 verwendete sie als erste den Begriff "Symbiose" für die primäre Mutter-Kind-Einheit. Sie selbst war kein gutes Beispiel für ihre psychobiologische Theorie, denn um die Erziehung ihrer beiden Kinder kümmerte sie sich weitgehend nicht selber.
Weitere Schwerpunkte ihrer Schriften waren das Konzept der depressiven Konstellation, die Eltern-Kind-Beziehung im Rahmen einer sich wandelnden Familienstruktur und die Phasen einer lebenslangen Persönlichkeitsentwicklung. Ihre wichtigsten Arbeiten sind in dem 1973 veröffentlichten Sammelband Psychoanalytic Investigations enthalten.
Im Alter wurde Therese Benedek zunehmend durch eine Verminderung ihrer Hörfähigkeit beeinträchtigt, was sie sehr belastete, da sie weiterhin Psychoanalysen durchführte. Drei Jahre nach dem Tod ihres Mannes starb sie an einem Herzinfarkt. (Artikelanfang)
Die gebürtige Rheinländerin Ina Böhlendorf war Lehrerin, bevor sie in Berlin Medizin studierte. Ihr Staatsexamen legte sie 1939 ab und erhielt ein Jahr später ihre Approbation. Gleichzeitig absolvierte sie eine psychoanalytische Ausbildung am Deutschen Institut für Psychologische Forschung und Psychotherapie ("Göring-Institut"). Ihr Lehranalytiker war Carl Müller-Braunschweig, bei dem sie von 1935 bis 1939 in Analyse war. Wahrscheinlich machte sie auch noch eine jungianische Analyse. Anfang der 1940er Jahre gab sie am Göring-Institut Kurse für Fürsorgerinnen und hielt Vorlesungen in der kindertherapeutischen Abteilung.
Nach dem Krieg beteiligte Ina Böhlendorf sich an der Neugründung der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft und am Aufbau psychoanalytischer Institute in Berlin und Stuttgart. Von 1948 bis 1950 war sie Leiterin der Poliklinik für Erwachsene am Stuttgarter Institut für Psychotherapie und Tiefenpsychologie. Zu der Zeit interessierte sie sich besonders für die Entwicklung einer Arbeitstherapie.
Ende 1951 zog Ina Böhlendorf nach Hannover, wo sie entscheidend an der Etablierung der psychoanalytischen Ausbildung beteiligt war. Sie wurde 1952 als Dozentin und Lehranalytikerin an das "Institut für analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie für das Land Niedersachsen und Erziehungsberatung (Child Guidance Clinic)" berufen und baute dort die Ausbildungsabteilung auf. Bis 1965 leitete sie am Institut die Weiterbildung in psychoanalytischer Therapie, insbesondere von Ärzten und Psychologen. Seit 1953 war sie auch Vorstandsmitglied der DGPT.
Mit der Gründung des Ärztlichen Vereins für analytische Psychotherapie schuf Böhlendorf eine weitere Voraussetzung für die Institutionalisierung der Aus- und Fortbildung zum analytischen Psychotherapeuten in Hannover, die 1965 in die Gründung eines eigenständigen Lehrinstituts für Psychotherapie mündete. Im gleichen Jahr führten jedoch die jahrelangen Kompetenzstreitigkeiten zwischen ihr und der Institutsleitung zu Ina Böhlendorfs Entlassung. Sie starb im Alter von 84 Jahren vereinsamt in Hannover.
Viveka Böök wurde in Lund geboren als jüngstes von fünf Kindern des schwedischen Professors für Literaturgeschichte, Fredrik Böök, und seiner Frau Tora geb. Olsson. 1938 heiratete sie den Arzt Birger Ekman (*1915), von dem ihre drei Söhne Hampus, Pontus und Lukas stammen.
Viveka Böök studierte Soziologie bei Margaret Mead in den USA. 1951 ging sie nach München und absolvierte eine sechsjährige Analyse bei Fritz Riemann am Münchner Institut für psychologische Forschung und Psychotherapie. Anschließend machte sich eine Lehranalyse bei dem Schweizer Psychoanalytiker Harold Winter und wurde Mitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse. In den 1960er Jahren gehörte sie dem Arbeitskreis um Fritz Friedmann an, der sich in kritischer Distanz zum synoptisch orientierten Riemann-Institut um eine "authentische" Psychoanalyse bemühte. Aus diesem Kreis ging 1973 die Psychoanalytische Arbeitsgemeinschaft München (Institut der DPV) hervor, deren Mitglied und Lehranalytikerin Viveka Böök 1978 wurde.
Bööks literarisches Interesse bekundet ihr Aufsatz "Negative capability" bei Keats und bei Bion. Darin behandelt sie die von dem englischen Dichter John Keats und dem Psychoanalytiker Wilfred R. Bion beschriebene "negative Fähigkeit", Unsicherheiten, Geheimnisse und Zweifel auszuhalten, ohne sie unbedingt aufklären zu wollen.

Die in Brüssel geborene Suzanne Aimée Cassirer war die Tochter des bekannten Berliner Kunsthändlers und Verlegers Paul Cassirer und dessen erster Frau Lucie Oberwarth. Ihre Mutter, in zweiter Ehe mit Ermanno Ceconi verheiratet, war Autorin mehrerer Bücher über die italienische Kultur. Suzanne Cassirer studierte Philosophie und Kunstgeschichte in Marburg und Hamburg, später Medizin in Berlin. Ihre erste Ehe mit dem Privatgelehrten und Wirtschaftsberater Hans Paret, dem Vater ihrer beiden Kinder Peter und Renate, wurde 1932 geschieden.
In Berlin begann Suzanne Cassirer eine Lehranalyse bei Hanns Sachs, die sie von 1932 bis 1934 bei Sigmund Freud in Wien fortsetzte. 1934 heiratete sie ihren Kontrollanalytiker Siegfried Bernfeld (1892-1953). Ende desselben Jahres emigrierten Suzanne und Siegfried Bernfeld mit den Kindern zunächst nach Frankreich, dann 1937 nach Kalifornien, wo sie sich in San Francisco niederließen. Als "Laienanalytiker" wurden beide nur Ehrenmitglieder der San Francisco Psychoanalytic Society, an deren Aufbau Siegfried Bernfeld maßgeblich beteiligt war. Suzanne Bernfeld erhielt keine Ernennung zur Lehranalytikerin, weil sie wegen der politischen Verhältnisse in Europa ihre Ausbildung nicht hatte formal abschließen können.
Mit ihren biografischen Studien zu Sigmund Freud schufen Suzanne und Siegfried Bernfeld die Grundlagen für eine wissenschaftliche Freud-Biografik. Als Ernest Jones Anfang der 1950er Jahre an seiner dreibändigen Freud-Biografie arbeitete, gehörten die Bernfelds neben Anna Freud und James Strachey zu seinen wichtigsten Ansprechpartnern.

Franziska Deri wurde in Wien geboren, ihre Eltern waren der aus Hamburg stammende jüdische Kaufmann Otto Hertz und seine in Perchtoldsdorf bei Wien beheimatete Frau Franziska geb. Neußer. Ihr älterer Bruder Friedrich Otto Hertz wurde später in England ein bekannter Soziologie und Wirtschaftswissenschaftler. Franziska Hertz studierte in Wien Psychologie und Soziologie und promovierte 1902. Anschließend ging sie nach Berlin und gründete eine Fürsorgeorganisation, deren Direktorin sie elf Jahre lang war. In Berlin heiratete sie den Kunsthistoriker Max Deri (1878-1938), der sich für psychoanalytische Kunstinterpretation interessierte und zu diesem Thema u. a. in der Zeitschrift Imago publizierte.
Nach einer persönlichen Analyse 1921/22 bei Karl Abraham begann Franziska Deri 1926 eine Ausbildung am Berliner Psychoanalytischen Institut. Sie absolvierte ihre Lehranalyse von 1926 bis 1929 bei Hanns Sachs; Kontrollanalytikerin war Karen Horney. Von 1930 bis 1932 arbeitete Deri als Analytikerin in dem von Ernst Simmel geleiteten psychoanalytischen Sanatorium Schloss Tegel. 1932 wurde sie vermutlich Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft, wo sie zum Kreis um Otto Fenichel gehörte.
Als die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht kamen, emigrierte Franziska Deri 1933 nach Prag. Dort organisierte sie gemeinsam mit Annie Reich und Steff Bornstein den Aufbau der Prager Psychoanalytischen Arbeitsgemeinschaft, deren Leiterin sie bis 1935 war. Die Prager Gruppe wurde der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung angeschlossen, in die Deri 1934 als Mitglied übernommen wurde. Sie begann Sigmund Freuds Schriften ins Tschechische zu übersetzen, hielt Vorträge in Prag und in Brünn und leitete ein wissenschaftliches Symposium bei der Vierländertagung 1935 in Wien.
1935 emigrierte Frances Deri in die USA. Auch ihr Mann und ihre beiden Söhne, von denen der jüngere kurze Zeit in einem Konzentrationslager interniert war, konnten in die USA auswandern. (Artikelanfang)
Einer Einladung Ernst Simmels folgend, ging sie 1936 nach Los Angeles und schloss sich der Los Angeles Psychoanalytic Study Group an, die 1942 der neu gegründeten San Francisco Psychoanalytic Society (SFPS) angegliedert wurde. Als "Laienanalytikerin" ohne medizinische Ausbildung war sie nur Ehrenmitglied der SFPS. 1946 wurde das Los Angeles Psychoanalytic Institute (LAPSI), das Laienanalytikern gegenüber aufgeschlossener war, offiziell eigenständig. Frances Deri, die als klassische Freudianerin die Ausrichtung des LAPSI bis zu dessen Spaltung Anfang der 1950er Jahre mitprägte, praktizierte als Lehr- und Kontrollanalytikerin in Los Angeles, wo sie bis zu ihrem Tod lebte.

Käthe Dräger kam als ältestes von drei Kindern in Berlin zur Welt, ihr Vater Friedrich Dräger war Mittelschullehrer und linksliberal eingestellt. Sie wurde selbst Lehrerin und arbeitete in der ersten Hälfte der 1920er Jahre als Hauslehrerin in Mecklenburg, danach unterrichtete sie von 1926 bis 1933 an einer Reformschule in Berlin-Neukölln. In dieser Zeit trat sie der KPD bzw. nach ihrem Ausschluss der KPD(Opposition) bei, die nach Hitlers Machtübernahme in den Untergrund ging.
1931 begann Käthe Dräger ihre Ausbildung am Psychoanalytischen Institut in Berlin und wurde 1936 Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft (DPG). Ihre Lehranalytikerin war Ada Müller-Braunschweig. 1937 übernahm Dräger eine leitende Funktion im Berliner Komitee der KPD(O), hielt dies jedoch vor ihren Psychoanalytiker-Kollegen geheim, da die DPG ihren Mitgliedern politische Abstinenz auferlegt hatte.
Als sich die DPG 1938 auflösen musste, setzte Käthe Dräger ihre psychoanalytische Arbeit am Deutschen Institut für Psychologische Forschung und Psychotherapie ("Göring-Institut") und in privater Praxis fort. Nach wie vor als Lehrerin tätig, wurde sie 1942 wegen "politischer Unzuverlässigkeit" nach Kattowitz im besetzten Polen strafversetzt und konnte erst 1944 wieder in Berlin als Psychotherapeutin arbeiten.
Nach dem Krieg engagierte sich Käthe Dräger zunächst in Ostberlin, geriet jedoch bald mit der SED in Konflikt. 1950 beendete sie ihre Unterrichtstätigkeit am Friedrich-Fröbel-Haus in Berlin-Pankow und übernahm die Leitung der Erziehungsberatungsstelle des Westberliner Jugendamts Charlottenburg, wo sie bis zu ihrer Pensionierung 1961 blieb.
Als Carl Müller-Braunschweig 1950 die Deutsche Psychoanalytische Vereinigung (DPV) als klassisch-freudianische Alternative zu der nach dem Krieg wieder ins Leben gerufenen DPG gründete, zählte Käthe Dräger zu den Gründungsmitgliedern. Von 1956 bis 1964 war sie Leiterin des Unterrichtsausschusses der DPV, und von 1964 bis 1968 übte sie dieses Amt am Berliner Psychoanalytischen Institut aus. Seit 1960 war sie außerdem Mitherausgeberin des Jahrbuchs der Psychoanalyse. (Artikelanfang)
Von 1968 bis 1970 amtierte Käthe Dräger als stellvertretende Vorsitzende der DPV. Manche hielten sie für die zu ihrer Zeit bedeutendste Figur der DPV. International bekannt wurde sie durch ihren Aufsatz Bemerkungen zu den Zeitumständen und zum Schicksal der Psychoanalyse und der Psychotherapie in Deutschland zwischen 1933 und 1949. Einen Schwerpunkt ihrer theoretischen und praktischen Arbeit bildete die Dissozialität von Kindern und Jugendlichen.

Annemarie Dührssen wurde in Berlin als Tochter einer alteingesessenen großbürgerlichen Familie geboren. Ihr Vater war Jurist. Sie studierte Medizin in Berlin, Bonn und München, machte 1940 das Staatsexamen und spezialisierte sich anschließend in Berlin als Fachärztin für Innere Medizin. Nach dem Zweiten Weltkrieg absolvierte sie in der Berliner Charité eine Facharztausbildung für Neurologie und Psychiatrie.
Ihre psychoanalytische Ausbildung erhielt Annemarie Dührssen während der 1940er Jahre am Deutschen Institut für Psychologische Forschung und Psychotherapie ("Göring-Institut"), wo sie eine Schülerin des Neoanalytikers Harald Schultz-Hencke wurde. 1945 schloss sie sich der von Schultz-Hencke im selben Jahr gegründeten Neopsychoanalytischen Vereinigung an und wurde Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft (DPG).
Von 1949 an war sie Mitarbeiterin des Zentralinstituts für psychogene Erkrankungen der Versicherungsanstalt Berlin, dessen Leitung sie von 1965 bis 1984 innehatte. Sie lehrte am Berliner Institut für Psychotherapie und war Mitgründerin der Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie (1952) und der Zeitschrift für psychosomatische Medizin und Psychoanalyse (1954). Von 1971 bis 1975 amtierte sie als Vorsitzende der DPG, und von 1976 bis zu ihrer Emeritierung 1985 war sie Professorin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Klinikum Charlottenburg der FU Berlin.
Annemarie Dührssen entwickelte in den 1950er Jahren die Dynamische Psychotherapie, eine Sonderform der tiefenpsychologisch orientierten Psychotherapie, die vom Alltagserleben der Klienten ausgeht und eher an den aktuellen Konflikten als an der Übertragungsbeziehung arbeitet. Dührssens Interesse galt besonders der Kinderpsychiatrie sowie der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie, ihr 1954 erschienenes Lehrbuch Psychogene Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen wurde zu einem Standardwerk auf diesem Gebiet. Weitere Schwerpunkte Dührssens waren die vergleichende Psychotherapieforschung und die Entwicklung eines Risiko-Index zur Entstehung psychogener Erkrankungen. Ihre katamnestischen Studien zur Effizienz psychotherapeutischer Behandlungen trugen wesentlich dazu bei, dass diese 1967 in den Katalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen wurden.
1994 erschien ihr letztes Buch Ein Jahrhundert Psychoanalytische Bewegung in Deutschland. Darin warf sie der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung die Vertuschung der NS-Vergangenheit von Mitgliedern vor, äußerte aber zugleich die Ansicht, die deutsche Psychoanalyse habe sich während der Zeit des Nationalsozialismus von den Beschränkungen einer spezifisch jüdischen Wissenschaft befreien können. Nach heftigen Kontroversen über ihr Buch verzichtete Annemarie Dührssen 1997 auf ihre Ehrenmitgliedschaft in der DPG. (Artikelanfang)

In Karlsruhe als älteste Tochter orthodox jüdischer Eltern geboren, wuchs Frieda Reichmann in Königsberg auf, wohin die Familie 1893 gezogen war. Ihr Vater Adolf Reichmann war Personaldirektor einer Bank, ihre Mutter Klara geb. Simon eine ausgebildete Lehrerin. Dank eines privat organisierten Realgymnasialkurses ihrer Mutter konnte Frieda Reichmann das Abitur ablegen und wurde 1908 als eine der ersten Frauen in Königsberg zum Medizinstudium zugelassen. Sie wählte die Psychiatrie als Schwerpunkt und schloss 1913 mit einer Dissertation Über Pupillenstörungen bei Dementia praecox bei Kurt Goldstein ab.
Während des Ersten Weltkriegs leitete sie ein neurologisches Lazarett in Königsberg, wo sie Soldaten mit Hirnverletzungen behandelte und mehrere Studien zu diesem Thema verfasste. Nach dem Krieg arbeitete sie als Assistentin von Kurt Goldstein an dessen Frankfurter Institut zur Erforschung der Folgeerscheinungen von Hirnverletzungen. Goldsteins ganzheitlicher Ansatz wurde ihr zum Vorbild für ihre eigene Arbeit. Von 1920 an führte sie in dem von Johannes Heinrich Schultz geleiteten Dresdner Privatsanatorium "Weißer Hirsch" ihre ersten Psychotherapien mithilfe autogenem Training durch.
1922, während einer Hospitation bei Emil Kraepelin in München, begann Frieda Reichmann bei Wilhelm Wittenberg eine Analyse, die sie ab 1923 als Lehranalyse bei Hanns Sachs am Berliner Psychoanalytischen Institut fortsetzte. 1924 eröffnete sie in Heidelberg ein psychoanalytisches Privatsanatorium für Patienten aus orthodox-jüdischen Familien. Dieses "Therapeuticum" wurde wegen der strikten Beachtung religiöser Vorschriften scherzhaft auch "Thorapeuticum" genannt. Es scheiterte 1928 am inneren Zwiespalt von Religion und Psychoanalyse sowie an Geldmangel. Zu ihrem wichtigsten Mentor wurde in dieser Zeit der "wilde Analytiker" Georg Groddeck.
1926 heiratete Frieda Reichmann ihren Analysanden Erich Fromm (1900-1980). 1931 trennten sie sich wieder, ihre Ehe wurde erst 1942 in den USA geschieden. Sie blieben jedoch zeitlebens befreundet, und Frieda Fromm-Reichmann übernahm auch die neo-analytische Theorie Erich Fromms. Beide bauten gemeinsam mit Heinrich Meng die Südwestdeutsche Psychoanalytische Arbeitsgemeinschaft auf. 1929 gründete dieser Kreis mit Karl Landauer das Frankfurter Psychoanalytische Institut, wo Frieda Fromm-Reichmann Seminare über Traum- und Märchenpsychologie sowie psychoanalytische Trieblehre abhielt. Nach Hitlers Machtübernahme musste das Institut schließen.
Frieda Fromm-Reichmann emigrierte 1933 nach Straßburg, ein Jahr später nach Palästina und schließlich 1935 in die USA. Ihre neue Wirkungsstätte fand sie als Director of Psychotherapy in der psychoanalytischen Privatklinik Chestnut Lodge in Rockville, Maryland, wo sie die nächsten 20 Jahre tätig war und gemeinsam mit Harry Stack Sullivan die Therapie von Schizophrenen revolutionierte. Sie wurde Lehranalytikerin am Washington-Baltimore Psychoanalytic Institute, lehrte an der Washington School of Psychiatry und trug maßgeblich zur Einführung der Psychoanalyse in die amerikanische Psychiatrie bei.
Wie Karen Horney und Clara Thompson gehörte Frieda Fromm-Reichmann der neofreudianischen Schule an. Sie betrachtete ihren Ansatz als eine Weiterentwicklung der Ideen Sigmund Freuds, meinte jedoch, dass Sullivans interpersonale Theorie und Erich Fromms Sozialpsychologie der gesellschaftlichen Natur des Menschen besser gerecht werden als Freuds Triebtheorie. Eine wichtige Rolle spielte daher die von ihr in Chestnut Lodge geschaffene therapeutische Gemeinschaft mit familienähnlichen, demokratischen Strukturen. In Anlehnung an Sullivan, jedoch stärker psychoanalytisch orientiert als dieser, entwickelte sie ihre eigene psychoanalytische Psychotherapie für Schizophrene, die sie in ihrem Buch Intensive Psychotherapie beschrieb. Bekannt wurde besonders der von ihr geprägte Ausdruck der - zugleich ablehnenden wie überfürsorglichen - "schizophrenogenen Mutter".
Für die Therapie von Schizophrenen verwarf Frieda Fromm-Reichmann die von Freud geforderte Distanziertheit des Analytikers und verlangte vom Therapeuten eine einfühlende, akzeptierende ("mütterliche") Haltung. Freie Assoziation und Traumdeutung hielt sie bei Psychotikern ebenfalls für ungeeignet. Die Art und den Erfolg ihres Vorgehens beschrieb Joanne Greenberg (Hannah Green), eine ehemalige Patientin von ihr, in ihrer autobiografischen Erzählung Ich habe dir nie einen Rosengarten versprochen.
Frieda Fromm-Reichmann starb im Alter von 67 Jahren an einem Herzinfarkt. (Artikelanfang)

Adelheid Kamp wurde in Oldenburg als Tochter des Gymnasiallehrers Heinrich Kamp und seiner Frau Frieda geboren. Sie begann 1912 mit einem Studium Generale, heiratete zwei Jahre später den Rechtsanwalt Hermann Fuchs (1891-1917) und bekam eine Tochter, Dorothea. Nach dem Tod ihres Mannes, der 1917 in Frankreich fiel, studierte Adelheid Fuchs-Kamp von 1925 an in Köln Psychologie, Pädagogik und im Nebenfach Psychiatrie. Sie schloss ihr Studium 1928 mit einer Dissertation über Lebensschicksal und Persönlichkeit ehemaliger Fürsorgezöglinge ab.
Anschließend ging sie nach Berlin, um in der sozialen Frauenschule "Jugendheim Charlottenburg" Psychologie und Pädagogik für Fürsorgerinnen und Kindergärtnerinnen zu unterrichten. Danach arbeitete sie an einer Forschungsstelle im Deutschen Verein zur Fürsorge für jugendliche Psychopathen. In ihrem 1934 veröffentlichten Aufsatz Zur aktiven Therapie des schwererziehbaren Kindes plädierte sie für einen Mittelweg zwischen einem offenen Erziehungsstil und rigider Disziplinierung.
1932 begann Adelheid Fuchs-Kamp eine Ausbildung am Berliner Psychoanalytischen Institut. Ihre Lehranalyse, 1931 begonnen bei Artur Kronfeld, setzte sie bei Harald Schultz-Hencke fort, dessen neoanalytischen Ansatz sie übernahm. Sie wurde 1935 Mitglied des Deutschen Instituts für Psychologische Forschung und Psychotherapie ("Göring-Institut") und war dort im Unterrichtsausschuss und im Vorstand tätig. Themen ihrer Seminare waren u. a. Probleme der Verwahrlosung, Störungen intentionaler Bezogenheit und Die Psychopathologie in der Literatur von Dostojewski.
1935 eröffnete Adelheid Fuchs-Kamp in Berlin die Pflegestelle für psychologische Sonderbetreuung, eine offene psychotherapeutische Kinderstation, wo sie schwer gestörte Kinder behandelte, von denen einige sonst vielleicht der Euthanasie zum Opfer gefallen wären.
Nach dem Krieg war Adelheid Fuchs-Kamp Lehranalytikerin und enge Mitarbeiterin von Schultz-Hencke am Zentralinstitut für psychogene Erkrankungen der AOK in Berlin. Sie gehörte wie Margarete Seiff und Annemarie Dührssen der 1945 von Harald Schultz-Hencke gegründeten Neopsychoanalytischen Vereinigung an. Obwohl ihre Ärztekollegen ihr als Laienanalytikerin die Qualifikation dazu absprachen, spezialisierte sich Adelheid Fuchs-Kamp auf die Behandlung von Psychosen. Sie praktizierte bis zu ihrem achtzigsten Lebensjahr als Psychoanalytikerin in Berlin. Ihre Tochter Dorothea Fuchs-Kamp wurde ebenfalls Psychoanalytikerin.
Gertrud Fuhge wurde in Königsberg geboren, als Tochter des Justizrats Fuhge und seiner Ehefrau Constanze, geb. Zancke. Sie machte 1909 in Königsberg ihr Abitur und studierte anschließend Medizin in Königsberg, Heidelberg und München. Ihr Staatsexamen legte sie 1914 in Königsberg ab. 1916 promovierte Gertrud Fuhge bei Ernst Moro in Heidelberg über einen Fall angeborener Hauterkrankung. Nachdem sie 1917 als Hilfsärztin am Stadtkrankenhaus in Dresden gearbeitet hatte, ließ sie sich 1919 in Berlin nieder, wo sie bis 1963 als Ärztin tätig war.
Gertrud Fuhge war Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft und hielt an der Poliklinik des Deutschen Instituts für Psychologische Forschung und Psychotherapie ("Göring-Institut") Sprechstunden ab. Im April 1940 trug sie in der "Arbeitsgruppe A" (Freudianer) ein Referat über Karen Horney vor. Nach dem Krieg gehörte Gertrud Fuhge zu den ersten Mitgliedern der 1950 von Carl Müller-Braunschweig gegründeten Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV). 1965 nahm sie am Internationalen Psychoanalytischen Kongress in Amsterdam teil.
Erna Göring war mit dem Nervenarzt Matthias Heinrich Göring (1879-1945) verheiratet (Abb.). Der Vetter des Reichsmarschalls Hermann Göring leitete von 1936 bis 1945 in Berlin das Deutsche Institut für Psychologische Forschung und Psychotherapie, auch Göring-Institut genannt. Erna Göring war dort als unberechenbare Aufpasserin gefürchtet und wachte gemeinsam mit ihrem Mann darüber, dass in den Referaten der "Arbeitsgruppe A", also der Freudianer am Institut, nicht zu oft Begriffe wie "Ödipus" oder "kindliche Sexualität" fielen. Ihre anti-freudianische Haltung änderte sich erst mit iher Ausbildung zur Psychagogin und einer Analyse bei dem Freudianer Werner Kemper. Auch ihr Sohn Ernst absolvierte eine freudianische Analyse, während Matthias Heinrich Göring ein Schüler des Adlerianers Leonhard Seif war.
1945 wurde Matthias Heinrich Göring von den Russen interniert; er starb nur wenige Wochen später an Typhus. Erna Göring stellte 1948 beim neugegründeten Münchner Institut für Psychologische Forschung und Psychotherapie einen Antrag auf Wiederaufnahme als Mitglied. Dieser wurde mit dem Hinweis auf die ungeklärte berufsständische Situation nichtärztlicher Psychotherapeuten abgelehnt.
Die Psychologin und Psychoanalytikerin Ilse Lore Grubrich-Simitis ist eine international anerkannte Autorität auf dem Gebiet der Freud-Forschung. Als Lektorin beim S. Fischer Verlag war sie seit den 1960er Jahren für die Edition der Werke Sigmund Freuds zuständig. Außerdem ist sie Mitherausgeberin des Bands Sigmund Freud. Sein Leben in Bildern und Texten (1977), der zweibändigen Werkausgabe Freuds (1978), des Ergänzungsbands zur Studienausgabe (1975) und des Nachtragsbands zu den Gesammelten Werken (1987) Freuds sowie der fünfbändigen Brautbriefe Sigmund Freuds und Martha Bernays' (2011-).
Ihre psychoanalytische Ausbildung erhielt Ilse Grubrich-Simitis zwischen 1972 und 1978 an dem von Alexander Mitscherlich geleiteten Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt (SFI). Sie wurde Mitglied, Lehranalytikerin und Supervisorin der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung und eröffnete eine private Praxis in Frankfurt. Neben ihrer Auseinandersetzung mit den Nachwirkungen der Shoah in der zweiten Generation gilt ihr Interesse vor allem der Freud-Biografik und der Historiografie der Psychoanalyse. So ermöglicht sie z. B. in ihrem Buch Zurück zu Freuds Texten neue Einblicke in die "Werkstatt" des Begründers der Psychoanalyse, indem sie anhand von wenig beachteten und oft unbekannt gebliebenen Originalmanuskripten Sigmund Freuds - handschriftliche Notizen, Entwürfe, Reinschriften und Textvarianten - die Entwicklung seines Denkens nachzeichnet.
Ilse Grubrich-Simitis ist Mitglied in zahlreichen Fachvereinigungen und Mitherausgeberin des Jahrbuchs der Psychoanalyse. 1998 erhielt sie den Mary S. Sigourney Award und den Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Sie ist mit dem Juristen und Datenschutzexperten Spiros Simitis (*1934) verheiratet und lebt in Königstein im Taunus.
Irene Haenel-Guttmann war in erster Ehe mit dem Psychiater Erich Guttmann (1896-1948) verheiratet. Sie studierte Medizin und promovierte 1924 in Breslau. 1928 beteiligte sie sich als Mitarbeiterin der Deutschen Forschungsanstalt für Psychiatrie am Kaiser Wilhelm-Institut in München an einem Projekt zur Epilepsieforschung. Sie war Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft (DPG) und Assistentin von Ernst Simmel an der von ihm zwischen 1927 und 1931 geleiteten psychoanalytischen Klinik Schloss Tegel in Berlin. Nach deren Schließung im Jahr 1931 war sie wie Simmel in den Schlomerschen Kuranstalten tätig, einer privaten Nervenklinik im Berliner Westend, bis diese 1937 "arisiert" wurde.
1934 hielt Irene Haenel-Guttmann in der DPG einen Vortrag über die Behandlung der Schizophrenie. Ein Jahr später musste sie wie die übrigen verbliebenen jüdischen Mitglieder "freiwillig" aus der DPG austreten. Sie emigrierte 1938 in die USA, wo sie sich mit ihrem zweiten Ehemann, dem Arzt und Psychoanalytiker Joachim Haenel (1902-1987), und ihren drei Kindern in Los Angeles niederließ. Hier baute sie eine florierende Privatpraxis auf und analysierte unter anderen auch Jean Lyle, die zweite Ehefrau Karl Menningers.
Irene und Joachim Haenel schlossen sich 1938 der Los Angeles Psychoanalytic Study Group an. Sie gehörten zum Freundeskreis um Otto Fenichel, bis es wegen der ablehnenden Haltung der Haenels zur Laienanalyse zu einem Zerwürfnis kam. Irene Haenel war Mitinitiatorin der San Francisco Psychoanalytic Society, deren offizielle Gründung 1942 sie jedoch nicht mehr erlebte: Ein Jahr vorher - ihr jüngster Sohn war gerade ein halbes Jahr alt - starb sie an Krebs.

Clara Happel, die in Berlin geborene Tochter einer jüdischen Kaufmanns- und Bankiersfamilie, kam vermutlich schon während ihres Medizinstudiums im Ersten Weltkrieg mit Sigmund Freud in Kontakt. Sie erhielt ihre Approbation 1915 und promovierte 1920 in Berlin. Ein Jahr zuvor hatte sie den Internisten Paul Happel (1893-1971) geheiratet, von dem ihre Kinder Peter und Erika stammten.
Von 1915 bis 1920 arbeitete sie als Ärztin in Berlin am Augusta-Hospital sowie an der Charité. Gleichzeitig absolvierte sie am Berliner Psychoanalytischen Institut (BPI) eine Ausbildung zur Psychoanalytikerin und wurde 1921 in die Berliner Psychoanalytische Vereinigung aufgenommen. Ihr Lehranalytiker war Hanns Sachs. Anschließend ging sie nach Frankfurt und beteiligte sich als Mitglied der dortigen psychoanalytischen Arbeitsgemeinschaft am Aufbau des Frankfurter Psychoanalytischen Instituts. Während dieser Zeit machte Fritz Perls seine Lehranalyse bei ihr. Von 1927 bis 1930 arbeitete Clara Happel am BPI, bevor sie 1931 ihrem Mann nach Hamburg folgte. Hier baute sie gemeinsam mit August Watermann und Nathan Costa eine erste psychoanalytische Arbeitsgruppe auf.
Clara Happel gehörte zu den wenigen, die den Selbstgleichschaltungskurs der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft nach 1933 scharf kritisierte. 1934 ließ sich Paul Happel von ihr scheiden, wohl aus Furcht, als Ehemann einer Jüdin seine Stelle als leitender Oberarzt am Barmbeker Krankenhaus zu riskieren. Zur gleichen Zeit starben innerhalb von sechs Monaten ihre Schwester, ihre Mutter und ihr Vater. 1936 emigrierte Clara Happel mit ihren beiden Kindern in die USA.
Sie ließ sich in Detroit nieder, eröffnete eine eigene Praxis und hielt Vorträge und Seminare in der Detroit Psychoanalytic Society. Sie hatte nur wenig Patienten und litt unter Heimweh, Isolation und dem antisemitischen Klima in Detroit. 1941 wurde sie als "feindliche Ausländerin" verhaftet und verbrachte sechs Wochen im Gefängnis, nachdem sie von einem schizophrenen Patienten als angebliche Spionin denunziert worden war.
Nach ihrer Entlassung wurde ihre finanzielle Situation noch schwieriger. Ende 1943 konsultierte sie wegen einer depressiven Krise Therese Benedek in Chicago. Sie übersiedelte nach New York und versuchte sich dort ab 1944 als niedergelassene Psychoanalytikerin zu etablieren. Da die deutschen Abschlüsse in den USA nicht anerkannt wurden, plante sie eine Anmeldung für das amerikanische Medizinexamen. Dazu kam es jedoch nicht mehr: Am 16. September 1945 setzte Clara Happel mit einer Überdosis Schlaftabletten ihrem Leben ein Ende. (Artikelanfang)
Von Clara Happel liegen drei psychoanalytische Publikationen vor, darunter der Aufsatz Der Mann in der Kloake. Darin greift sie den Fall eines Mannes auf, der nach einer Liebesenttäuschung verschwand und jahrelang im Pariser Kanalisationssystem lebte. Sie deutet dessen unterirdische Existenz als einen Versuch, in den schützenden Mutterleib zurückzukehren. Eine Arbeit über Pinocchio, die sie in Detroit fertigstellte, ist nicht mehr auffindbar.

Annelise Heigl-Evers wurde in Einbeck geboren. Sie studierte von 1938 bis 1944 zunächst Germanistik und Kunstgeschichte, dann Medizin in Jena, Tübingen, Gießen und Göttingen, wo sie 1944 Zur Frage der ärztlichen Fahrlässigkeit promovierte. Danach war sie als Kardiologin tätig, wandte sich aber bald der Psychosomatik zu. Während ihrer Tätigkeit am Niedersächsischen Landeskrankenhaus Tiefenbrunn bei Göttingen begann sie 1959 als Mitarbeiterin von Werner Schwidder mit der Durchführung von Gruppenpsychotherapien. Von 1957 bis 1962 absolvierte sie ihre psychoanalytische Weiterbildung und wurde Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft.
1959 heiratete sie den Psychoanalytiker Franz Heigl (1920-2001), mit dem sie in den 1960er Jahren das "Göttinger Modell" der Anwendung der Psychoanalyse in Gruppen entwickelte. 1967 rief Annelise Heigl-Evers den Deutschen Arbeitskreis für Gruppenpsychotherapie und Gruppendynamik ins Leben und war Mitherausgeberin von dessen gleichnamiger Zeitschrift. Seit 1969 war sie Lehr- und Kontrollanalytikerin in der DGPT.
Nach ihrer Habilitierung leitete sie von 1974 bis 1977 die Forschungsstelle für Gruppenprozesse an der Universität Göttingen. 1977 erhielt sie den Lehrstuhl für Psychotherapie und Psychosomatische Medizin an der Universität Düsseldorf, wo sie 1978 die Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie gründete, deren ärztliche Direktorin sie bis 1989 war. 1981 konstituierte sich unter ihrer Leitung in Düsseldorf das Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie, und 1985 gehörte sie zu den GründerInnen der Arbeitsgemeinschaft für die Anwendung der Psychoanalyse in Gruppen.
Annelise Heigl-Evers war die Wegbereiterin für die psychoanalytische und gruppenanalytische Suchtkrankenbehandlung. Sie entwickelte für Patienten mit strukturellen Persönlichkeitsstörungen, also mit Abhängigkeitserkrankungen, Borderline-, präpsychotischen und schweren narzisstischen Störungen, die innovative "psychoanalytisch-interaktionelle Methode". Diese ist auf das Verhalten des Patienten in sozialen Situationen fokussiert und hat die Fähigkeit zu entwicklungsförderlichen zwischenmenschlichen Beziehungen zum Ziel. (Artikelanfang)

Hanna Heilborn wurde in Berlin geboren, ihr Vater Ernst Heilborn war stellvertretender Direktor der AEG. Nach dem Besuch eines Privat-Lyzeums und der Sprengelschen Frauenschule in Berlin, absolvierte sie bis 1916 eine Ausbildung zur Sozialpädagogin und arbeitete anschließend einige Jahre in diesem Beruf. Dann holte sie das Abitur nach und schrieb sich 1922 an der Technischen Hochschule Charlottenburg ein. Ein Jahr später wechselte sie zum Studium der Chemie und promovierte 1932 in diesem Fach.
Anfang der 1930er Jahre war Hanna Heilborn Ausbildungskandidatin am Berliner Psychoanalytischen Institut. 1933 emigrierte sie nach Paris und von dort ein Jahr später nach Prag, wo sie ihre Ausbildung in der Prager Psychoanalytischen Arbeitsgemeinschaft fortsetzte. Ihre Lehranalytikerin war vermutlich Frances Deri, Kontrollanalytiker Otto Fenichel (1897-1946), ihr späterer Mann. 1938 wurde sie Mitglied der WPV, ihren Aufnahmevortrag hielt sie Zur Problematik der archaischen Objektbeziehungen.
Hanna Heilborn emigrierte 1938 in die USA und ließ sich in Los Angeles nieder. 1940 heiratete sie Otto Fenichel, nachdem dieser sich von seiner ersten Frau Cläre Fenichel getrennt hatte. Hanna Heilborn-Fenichel wurde Mitglied und Lehranalytikerin der für Laienanalytiker offenen Los Angeles Psychoanalytic Study Group. Sie spezialisierte sich auf dem Gebiet der frühkindlichen Entwicklung. Nach ihr wurde das 1975 von der San Diego Psychoanalytic Society gegründete Hanna Fenichel Center for Child Development benannt.
Else Fuchs wurde in Berlin geboren, als Tochter des deutsch-jüdischen Sanitätsrats Paul Fuchs und seiner Frau Gertrud geb. Bods. Sie arbeitete als Krankenpflegerin und Entbindungsschwester und war Heilpädagogin, bevor sie Ende der 1920er Jahre eine Ausbildung am Berliner Psychoanalytischen Institut begann. Ihr Lehranalytiker war Jenö Harnik. Else Fuchs nahm an der von Siegfried Bernfeld geleiteten Pädagogischen Arbeitsgemeinschaft und am "Kinderseminar" teil. Sigmund Freud, dessen Sohn Oliver mit Else Fuchs' älterer Schwester Henny verheiratet war, setzte sich 1930 für ihre Aufnahme in die Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft ein, deren Mitglied sie 1933 (?) wurde. Ihre ersten Vorträge hielt sie zu den Themen Zur Psychoanalyse de Stotterns (1933) und Narkose und Erstickungserlebnis (1934).
Als Jüdin wurde das Leben in Deutschland nach Hitlers Machtübernahme gefährlich für sie. Als 1934 ihr Mann, der Chemiker, Journalist und Reklamefachmann Edmund Heilpern (1892-?), wegen "staatsfeindlicher Einstellung" aus Deutschland ausgewiesen wurde, ging das Paar nach Wien. Else Heilpern wurde 1935 in die Wiener Psychoanalytische Vereinigung übernommen. Nach dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland 1938 emigrierte sie mit Mann und Tochter in die USA und ließ sich in Topeka, Kansas, nieder. Sie arbeitete einige Zeit (bis 1940) an der Menninger-Klinik und eröffnete eine eigene psychoanalytische Praxis in Topeka.
Else Heilperns Spezialgebiet waren Ess- und Sprachstörungen, die den Hauptgegenstand ihrer Artikel und Vorträge in Topeka und Chicago bildeten.

Karen Horney gehörte wie Erich Fromm, Frieda Fromm-Reichmann und Clara Thompson der kulturalistischen bzw. neofreudianischen Schule der Psychoanalyse an, die die Libido-Theorie Sigmund Freuds verwarf und den Einfluss von Gesellschaft und Kultur auf die Entwicklung der Persönlichkeit betonte. Sie wurde in Hamburg geboren, ihr Vater Berndt Wackels Danielsen kam aus Norwegen und war Kapitän der HAPAG, ihre Mutter Clotilde Marie van Ronzelen stammte aus einer wohlhabenden holländischen Familie. Von der Mutter unterstützt und gegen den Willen des Vaters begann Karen Danielsen gemeinsam mit ihrer Freundin Josine Ebsen 1906 ein Medizinstudium in Freiburg, das sie in Göttingen und Berlin forsetzte, wo sie 1911 das Staatsexamen ablegte.
1909 heiratete sie den Wirtschaftswissenschaftler und Stinnes-Manager Oskar Horney (1882-1947). 1926 wurde die Ehe wieder geschieden. Ihre drei Töchter - die älteste, Brigitte, wurde eine berühmte Schauspielerin, die mittlere, Marianne, Psychoanalytikerin wie ihre Mutter - zog sie neben ihrer Berufsausbildung auf. Karen Horney spezialisierte sich als Nervenärztin und absolvierte 1912 ihr praktisches Jahr großenteils in den Lankwitzer Heil- und Pflegeanstalten. 1915 promovierte sie bei Karl Bonhoeffer über posttraumatische Psychosen nach Kopfverletzungen.
Als sie nach dem Tod ihrer Mutter unter Depressionen litt, begab sich Karen Horney 1910 für ein Jahr zu Karl Abraham in die Analyse. In den folgenden Jahren beteiligte sie sich am Aufbau des Berliner Psychoanalytischen Instituts und eröffnete 1919 eine eigene Praxis in Berlin. Sie absolvierte 1920 eine Lehranalyse bei Hanns Sachs und arbeitete bis 1932 als Lehrbeauftragte und Lehranalytikerin am BPI.
1922, auf dem Berliner Psychoanalytischen Kongress, hielt Karen Horney ihren Vortrag Zur Genese des weiblichen Kastrationskomplexes und wandte sich darin gegen die von Karl Abraham in seinem Aufsatz Äußerungsformen des weiblichen Kastrationskomplexes vertretenen Ansichten. Erstmals stellte sie auch die Vorstellungen Sigmund Freuds in Frage, indem sie die Ansicht vertrat, dass der Penisneid lediglich ein kulturelles Phänomen ist und den Privilegien des Mannes gilt. Freud reagierte 1925 mit seinem Aufsatz Einige psychische Folgen des anatomischen Geschlechtsunterschieds und eröffnete damit die sog. Freud-Jones-Debatte über die weibliche Sexualität, in der sich in Wahrheit Freud und Karen Horney - unterstützt durch Ernest Jones und andere - als Hauptkontrahenten gegenüberstanden.
In ihren zwischen 1922 und 1936 entstandenen Aufsätzen zur Psychologie der Frau identifizierte Karen Horney die psychoanalytische Weiblichkeitstheorie als eine Männerphantasie, die durch die verleugnete Angst vor der Vagina bzw. den Neid auf die Gebärfähigkeit der Frau motiviert werde. In diesem männlichen Neid sah Horney einen entscheidenden Impuls zur Schaffung kultureller Werte und zur Entwertung bzw. Überhöhung der Frau. Durch die kulturellen Normen zur Verleugnung ihres Wissens um die Vagina gezwungen, verzichte die Frau auf Selbstentfaltung und übernehme die kulturell festgeschriebenen männlichen Werte. Auf diese Weise entstehe weiblicher Masochismus, der daher ein gesellschaftliches und kein biologisches Phänomen, wie Helene Deutsch meinte, sei.
1932 ging Karen Horney in die USA, wo Franz Alexander ihr die Beteiligung am Aufbau eines psychoanalytischen Instituts in Chicago angeboten hatte. Nach Meinungsverschiedenheiten mit Alexander übersiedelte Horney nach New York und bildete dort mit Clara Thompson, Erich Fromm und Harry Stack Sullivan die Zodiac-Gruppe in der New York Psychoanalytic Society. Die Gruppe trat 1941 gemeinsam mit ihr aus der American Psychoanalytic Association aus, nachdem Horney ihres Amtes als Lehranalytikerin enthoben worden war. Die DissidentInnen gründeten die Association for the Advancement of Psychoanalysis (AAP).
1943 kam es erneut zu einer Abspaltung: Clara Thompson und Erich Fromm verließen die AAP, nachdem der Nichtmediziner Fromm - auf Betreiben von Horney, die die Laienanalyse ablehnte - dort keine Lehrerlaubnis bekommen hatte, und schufen 1943 mit Sullivan das William Alanson White Institute. (Artikelanfang)
In den USA entfernte Karen Horney sich immer weiter von Freuds Positionen: Sie kritisierte nicht nur seine Weiblichkeitskonzeption, sondern seine Triebtheorie insgesamt; die Idee des Unbewussten behielt sie jedoch bei. Für die Entstehung von Neurosen waren ihrer Ansicht nach kulturelle Faktoren ausschlaggebend. Ein Neurotiker habe in seiner Kindheit kulturbedingte Schwierigkeiten in besonders starker Form erfahren, mit denen er nicht oder nur unter Beeinträchtigung seiner Persönlichkeit fertig werden konnte. Ziel der Analyse ist nach Horney die Selbsterkenntnis des Patienten als Einsicht in konkrete Beziehungsgefüge und in die soziale Unvereinbarkeit erworbener Haltungen. Diese Ansichten trugen ihr auch den Vorwurf ein, sie betreibe "konformistische Psychologie". Die ökonomische und politische Dimension der Kultur thematisierte Horney - anders als Wilhelm Reich - nicht.
Karen Horney war bis zu ihrem Tod - sie starb an Darmkrebs - Vorsitzende des American Institut of Psychoanalysis und Dozentin an der New School of Social Research in New York.
Die Künstlerin und Psychoanalytikerin Gertrud Jacob wurde in Kiel als älteste von fünf Töchtern eines deutsch-jüdischen Arztes geboren. Nach einem Studium der Kunst bei Georg Burmester in Kiel und Lovis Corinth in Berlin studierte sie von 1919 bis 1924 Medizin in Kiel, Berlin und Göttingen und promovierte 1925 in Kiel. Sie arbeitete ab 1926 als Assistenzärztin an der psychiatrisch-neurologischen Universitätsklinik in Heidelberg und erhielt 1930 ihre Zulassung als Nervenärztin. Während dieser Tätigkeit und einem Krankenhausaufenthalt in Hamburg entstanden die meisten ihrer Porträts von psychotischen Patienten, durch die Gertrud Jacob bekannt wurde. Weitere Porträts fertigte sie zwischen 1936 und 1939 an.
Von 1929 bis 1930 machte sie in Heidelberg eine Lehranalyse bei Frieda Fromm-Reichmann, mit der sie auch befreundet war. Ihre Kontrollanalytiker waren Max Eitingon in Berlin und Clara Happel in Hamburg. 1930 eröffnete sie in Hamburg eine Privatpraxis als Psychiaterin und Psychoanalytikerin und schloss sich der psychoanalytischen Studiengruppe um August Watermann und Clara Happel an. 1933, wenige Tage bevor Hitler an die Macht kam, emigrierte sie nach Guebwiller im Elsass, um dann 1934 Europa in Richtung USA zu verlassen.
1935 in New York angekommen, arbeitete Gertrud Jacob zunächst als Psychoanalytikerin in einem psychiatrischen Privatsanatorium in Peoria, Illinois, bevor sie im Oktober 1935 ihre Stelle an der Menninger-Klinik in Topeka, Kansas, antrat. Anfang 1936 wurde jedoch eine tuberkulöse Infektion wieder akut, die sie sich vermutlich während ihrer Tätigkeit in der Heidelberger Klinik zugezogen hatte. Sie zog zu ihrer Freundin Frieda Fromm-Reichmann, erholte sich wieder und behandelte ab 1937 Patienten in der psychoanalytischen Privatklinik Chestnut Lodge in Maryland. 1938 wurde sie, nach ihrem Vortrag Notes on a manic depressive, Mitglied der Washington-Baltimore Psychoanalytic Society und ein Jahr später in den Ausbildungsausschuss gewählt.
In der Hoffnung auf ein gesünderes Klima zog Gertrud Jacob 1939 nach Santa Fe in New Mexico und baute dort eine psychoanalytische Praxis auf. Anfang 1940 erlitt sie jedoch einen weiteren Tb-Rückfall, an dessen Folgen sie im April starb.

Edith Jacobssohn - nach ihrer Emigration nannte sie sich Jacobson - ist eine der wichtigsten VertreterInnen der Theorie der Objektbeziehungen in der Ich-Psychologie. Sie stammte aus Haynau in Niederschlesien, ihr Vater Jacques Jacobssohn war Arzt, ihre Mutter Pelagia geb. Pulvermann eine begabte Musikerin. Edith Jacobssohn studierte ab 1917 Medizin in Jena, Heidelberg und München, wo sie 1922 ihr Staatsexamen ablegte. Sie spezialisierte sich in Heidelberg als Kinderärztin und promovierte 1923 über Säuglings- und Kleinkindertuberkulose, danach als Nervenärztin an der neurologischen Poliklinik und der psychiatrischen Klinik Charité in Berlin (1925-1927). 1929 eröffnete sie eine Privatpraxis als Nervenärztin in Berlin.
Ihre psychoanalytische Ausbildung begann Edith Jacobssohn 1925 am Berliner Psychoanalytischen Institut (BPI), ihr Lehranalytiker war Otto Fenichel. Sie gehörte wie ihre Freunde Annie und Wilhelm Reich zum Kreis marxistischer PsychoanalytikerInnen um Fenichel. 1930 wurde sie außerordentliches, ein Jahr später ordentliches Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft (DPG). Im Zentrum ihres Aufnahmevortrags Beitrag zur asozialen Charakterbildung stand der Fall eines überängstlichen siebenjährigen Jungen. Von 1930 an lehrte Jacobssohn außer am BPI am Sozialen Institut des Vereins Jugendheim in Charlottenburg und arbeitete mit Wilhelm Reich zusammen in einer Sexualberatungsstelle für Jugendliche in Charlottenburg. 1933 wurde sie Lehranalytikerin der DPG.
Als eine der wenigen jüdischen AnalytikerInnen blieb Edith Jacobssohn nach Hitlers Machtübernahme zunächst in Deutschland. Sie organisierte eine Diskussionsgruppe linker Freudianer, und obwohl die DPG ihren Mitgliedern politische Abstinenz verordnet hatte, behandelte sie Regimegegner und unterstützte die Widerstandsgruppe "Neu Beginnen". Nachdem die Gestapo im Archiv dieser Gruppe auf ihren Namen gestoßen war, wurde sie 1935 verhaftet und zu zweieinviertel Jahren Zuchthaus verurteilt. Als sie 1938 wegen Krankheit Hafturlaub erhielt, konnte Edith Jacobson mit Hilfe Fenichels und der Prager psychoanalytischen Gruppe nach Prag fliehen und schließlich in die USA emigrieren.
Noch im Gefängnis verfasste Edith Jacobssohn ihren Aufsatz Wege der weiblichen Über-Ich-Bildung, in dem sie Sigmund Freuds Weiblichkeitstheorie kritisierte. Ihrer Ansicht entwickelt eine Frau ein stabiles Ich und selbständiges Über-Ich nicht durch die Übernahme des Über-Ichs des Mannes, sondern indem sie ihr weibliches Genital als wertvoll akzeptieren lernt und einen Weg zurück zu mütterlichen Ich- und Über-Ich-Identifizierungen findet.
Edith Jacobson ließ sich in New York nieder und wurde 1941 Mitglied, ein Jahr später Lehranalytikerin der New York Psychoanalytic Society (NYPS), deren Präsidentin sie von 1954 bis 1956 war. In den Vereinigten Staaten entstanden ihre Hauptwerke, durch die sie international bekannt wurde. In ihren Arbeiten stehen nicht die Triebschicksale, sondern die intrapsychischen Strukturen im Zentrum, wobei sie sich von Sándor Radós Unterscheidung zwischen "guten" und "schlechten" Objekten und der Ich-Psychologie Heinz Hartmanns inspirieren ließ.
Ihr 1964 erschienenes Buch The Self and the Object World, in dem sie eine Integration von Triebtheorie und Objektbeziehungstheorie vornahm, gilt als eines der wichtigsten Werke der psychoanalytischen Literatur. Anhand von Fallgeschichten beschreibt sie darin, wie Regressionsvorgänge bei depressiven und Borderline-Patienten zu schweren Beeinträchtigungen der Objektbeziehungen und der Ich- und Über-Ich-Funktionen führen, begleitet von der Auflösung identitätsbildender Identifizierungen.
Diese Prozesse geben Jacobson zufolge gleichzeitig Aufschluss über die normale Entwicklung der Identität. Ausgehend von einer Untersuchung der Triebmanifestationen des Säuglings auf der Stufe einer noch undifferenzierten psychosomatischen Ich-Es-Matrix, dem "frühesten psychophysischen Selbst", zeigte Edith Jacobson, wie die Selbst- und Objektrepräsentanzen des Kindes errichtet werden und welche Rolle sie für die Entwicklung von Objektbeziehungen und bei der Identitätsbildung spielen.
Ebenfalls zu den Klassikern der Psychoanalyse zählt Edith Jacobsons Buch über Depression. Ihr zufolge liegt allen depressiven Zuständen ein durch Frustrationen ausgelöster narzisstischer Konflikt zwischen der wunschbestimmten Selbstimago und der Imago eines scheiternden, entwerteten Selbst zugrunde. Die Schwere der Depression hängt vom Grad der Frustration und von der Art und Intensität der am Konflikt beteiligten Triebe ab. Bei einer psychotischen Depression vermutete Jacobson außerdem eine zugrunde liegende neurophysiologische Störung. (Artikelanfang)
Edith Jacobson blieb unverheiratet und kinderlos. Sie starb am 8. Dezember 1978 in Rochester, New York.
Die in Dötlingen in Oldenburg geborene Tochter eines Pfarrers schrieb sich zunächst für Kunstgeschichte und neuere Sprachen in Berlin ein, bevor sie von 1911 bis 1916 in Freiburg, Jena und München Medizin studierte. Nach dem Staatsexamen arbeitete sie als Medizinalpraktikantin in der Königlichen Universitäts-Nervenklinik und der Inneren Abteilung der Städtischen Krankenanstalt in Königsberg und promovierte 1918 mit einer Arbeit über Herzhypertrophie. In diese Zeit fiel auch ihre Heirat mit Friedrich Wilhelm Fabian Kalau vom Hofe (*1891), 1919 kam ihre Tochter Ettamarie zur Welt. Die Ehe wurde vor 1945 wieder geschieden.
1925 begann Maria Kalau vom Hofe bei Sándor Radó am Berliner Psychoanalytischen Institut eine Lehranalyse, die sie bei Carl Müller-Braunschweig fortsetzte. 1929 eröffnete sie eine eigene Praxis in Berlin, 1935 wurde sie Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft (DPG). Während der NS-Zeit gehörte sie der "Arbeitsgruppe A" (Freudianer) im Deutschen Institut für Psychologische Forschung und Psychotherapie ("Göring-Institut") an und war als Abteilungsleiterin für kriminalpsychologische Forschung und forensische Psychiatrie zuständig. Als Polizeiärztin sah sie ihre Stellung durch die jüdischen Mitglieder der DPG gefährdet, vor allem nach der Verhaftung ihrer Kollegin Edith Jacobssohn. Durch ihre gutachterliche Tätigkeit gelang es ihr andererseits, homosexuelle Patienten vor dem Zugriff der Gestapo zu bewahren.
Nach 1945 war Maria Kalau vom Hofe weiterhin Mitglied der DPG sowie außerdem der DGPT. 1952 zog sie von Berlin nach Hamburg, wo sie sich als Nervenärztin niederließ. Bei der "steinernen Gräfin", wie sie genannt wurde, waren all jene in Analyse, die sich in den ersten Nachkriegsjahren in Hamburg für die Freudsche Lehre interessierten, darunter so bekannte Persönlichkeiten wie Arthur Jores und Hans Bürger-Prinz.

Salomea Kempner wurde als Tochter einer jüdischen Familie in Plotzk in Polen geboren. Sie studierte in Bern und Zürich Medizin und promovierte 1909 über Versuche zum mikroskopischen Nachweis der Narkose der Nerven. Danach arbeitete sie von 1912 bis 1921 als Assistenzärztin an der Kantonalen Irrenanstalt in Rheinau in der Schweiz.
1919 wurde sie Mitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse, trat jedoch zwei Jahre später wieder aus, als sie nach Wien übersiedelte. Sie wurde 1922 in die Wiener Psychoanalytische Vereinigung aufgenommen und hielt dort 1923 einen Vortrag zum Thema Der orale Sadismus, der 1925 unter dem Titel Beitrag zur Oralerotik in der IZP erschien. Darin behandelte sie den Fall einer magenkranken Patientin, die an Erbrechen litt. Dieses auf Prägenitalität und die orale erogene Zone verweisende Symptom führte Kempner auf eine Identifizierung der Patientin mit ihrem Vater, die Ablehnung der weiblichen Rolle und einen verdrängten Kinderwunsch zurück.
Im Herbst 1923 zog Salomea Kempner nach Berlin und begann mit ihrer Tätigkeit als Analytikerin an der Poliklinik des Berliner Psychoanalytischen Instituts. 1925 wurde sie Mitglied der Berliner Psychoanalytischen Vereinigung. Zu ihren AnalysandInnen gehörten u. a. Adelheid Koch, Hjordis Simonsen und Nic Waal.
Salomea Kempner hielt bis 1934 ihre Sprechstunden in der Berliner Poliklinik ab, dann wurde ihr dies als "ausländischer Jüdin" untersagt. Als die DPG Ende 1935 ihren jüdischen KollegInnen den "freiwilligen" Austritt nahelegte, soll sie sich sofort dazu bereit erklärt haben. Von 1937 bis 1941 wurde sie als Direktmitglied der IPV geführt, bis 1938 führte sie noch in ihrer Berliner Wohnung Kontrollanalysen durch. Nachdem alle Bemühungen für eine Emigration in die Schweiz gescheitert waren, musste Salomea Kempner 1939 nach Warschau übersiedeln, wo sie (wie der Schweizer Analytiker Philipp Sarasin berichtete) am 29. Januar 1943 an einer akuten Lungenentzündung starb.
Lotte Köhler wuchs als Tochter des wohlhabenden Fabrikanten Wilhelm Köhler in Darmstadt auf. Sie studierte von 1943 bis 1949 in Frankfurt und Heidelberg Medizin und war ab 1957 bei Paul Matussek in der psychiatrischen Abteilung des Münchner Max-Planck-Instituts tätig. Ihre Lehranalyse begann sie Ende der 1950er Jahre bei Fritz Riemann am Institut für Psychologische Forschung und Psychotherapie in München. 1960 lernte Lotte Köhler ihren Lebensgefährten Hans Kilian (1921-2008) kennen, den späteren Professor für Sozialpsychologie und Angewandte Psychoanalyse, der zu der Zeit ebenfalls bei Riemann in Analyse war. Als dies zu Komplikationen führte, setzte sie ihre Analyse 1963 bei Hilde Troidl fort. In der gleichen Zeit übernahm sie die Verantwortung für die Maschinenfabrik, die ihr Vater geleitet hatte, und war bis 1986 Geschäftsführerin von deren Muttergesellschaft.
Von 1962 bis 1969 gehörte Lotte Köhler dem Riemannschen Institut an, dessen Struktur und inhaltliche Ausrichtung an einer aus NS-Zeiten herrührenden eklektischen Tiefenpsychologie ihr jedoch missfielen. Nach der Vertuschung der "Schelkopf-Affäre" - Lotte Köhler hatte die NS-Vergangenheit von Anton Schelkopf, dem Kandidaten für das Amt des Geschäftsführers aufgedeckt - verließ sie 1969 das Münchner Institut und ging nach Zürich. Hier absolverte sie eine zweite Lehranalyse bei Paul Parin und wurde 1974 in die Schweizerische Gesellschaft für Psychoanalyse aufgenommen. 1973 beteiligte sich Lotte Köhler an der Gründung der Psychoanalytischen Arbeitsgemeinschaft München, die später als Institut der DPV anerkannt wurde. Dort war sie bis 1996 als Lehr- und Kontrollanalytikerin tätig.
Lotte Köhler trug maßgeblich dazu bei, die Selbstpsychologie von Heinz Kohut und die Erkenntnisse der modernen Säuglings- und Entwicklungsforschung im deutschsprachigen Raum bekanntzumachen. Auf der Grundlage der Kohutschen Selbstpsychologie, der Entwicklungspsychologie von René A. Spitz, der Säuglingsforschung von Daniel Stern und der Bindungstheorie John Bowlbys erforschte sie die Entstehung des Gedächtnisses beim Kleinkind und die Entwicklung der Selbst- und Objektrepräsentanzen. Anstelle der psychoanalytischen Auffassung des Kleinkindes als eines "polymorph-perversen Triebbündels", das den Nirwanazustand anstrebt, vertritt sie die Annahme einer Entwicklungslinie wechselseitiger Objektbeziehungen, die bereits im Säuglingsalter beginnt.
1987 gründete Lotte Köhler die Köhler-Stiftung zur Förderung der Wissenschaft vom Menschen, die seit 2011 den Hans-Kilian-Preis vergibt. (Artikelanfang)
Ursula Laessig (auch Laessig-Arnold) steht für eine Verbindung von Tiefenpsychologie und Christentum. Sie wurde in Wuppertal-Elberfeld als Tochter einer protestantischen Familie geboren, ihr Vater war Rechtsanwalt, ihre Mutter künstlerisch sehr interessiert. Von 1920 an studierte Ursula Graf in Göttingen Philosophie und Kunstgeschichte, ihre Neigung galt jedoch der Theologie. In dieser Zeit schloss sie sich der Jugendbewegung an. Sie promovierte 1926 in Göttingen über Das Problem der weiblichen Bildung und war Dozentin an dem 1928 gegründeten Sozialen Institut des Vereins Jugendheim in Berlin-Charlottenburg. Nach der Übernahme des Vereins 1934 durch die NS-Volkswohlfahrt arbeitete Ursula Laessig am Pestalozzi-Fröbel-Haus in Berlin.
Wegen einer Depression begab sie sich 1927 in eine Psychotherapie bei dem Adlerianer Arthur Kronfeld, der sie erfolgreich behandelte. Ende 1930 begann sie eine Lehranalyse bei Edith Jacobssohn und eine Ausbildung am Berliner Psychoanalytischen Institut. Nach Jacobssohns Verhaftung 1935 setzte sie ihre Analyse bei Werner Kemper fort und wurde 1936 Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft (DPG). Nach deren Auflösung 1938 gehörte sie dem Deutschen Institut für Psychologische Forschung und Psychotherapie (Göring-Institut) an.
1937 kam ihre Tochter aus der kurzen Ehe mit einem Berliner Opernsänger zur Welt. Ursula Laessig absolvierte eine weitere, vierjährige Analyse bei der Jungianerin Hildegard Buder-Schenck und nahm 1938 an einem von Fritz Riemann veranstalteten Kursus für Astrologie teil, die ein wichtiges Erkenntnismittel für sie wurde.
Nach Kriegsende gehörte sie in Berlin der wiedergegründeten DPG an. 1948 übersiedelte sie nach Stuttgart und war die nächsten dreißig Jahre als Lehranalytikerin und Dozentin am Institut für Psychotherapie und Tiefenpsychologie tätig, dessen synoptische Ausrichtung an Freud und Jung ihren Interessen entgegenkam. 1949 gründete Ursula Laessig, die drei Jahre später zum Katholizismus konvertierte, gemeinsam mit Wilhelm Bitter den Verein "Arzt und Seelsorger", aus dem später die Internationale Gesellschaft für Tiefenpsychologie entstand.
Eva Landauer, die Tochter des jüdischen Arztes und Psychoanalytikers Karl Landauer und seiner Frau Lins Kahn, wurde als ältestes von drei Kindern in Heilbronn geboren. Die Familie zog 1919 nach Frankfurt am Main, wo Karl Landauer ab 1929 das Frankfurter Psychoanalytische Institut leitete. Die Landauers waren mit Sigmund Freud befreundet, den sie regelmäßig in Wien besuchten.
Unmittelbar nach der Machtübernahme Hitlers wurde die Landauersche Wohnung von den Nazis durchsucht. Die Familie floh noch 1933 nach Amsterdam, wo Eva Landauer ein Medizinstudium begann, das sie wie die anderen jüdischen Studenten nach der Besetzung Hollands durch die Deutschen abbrechen musste. 1943 wurde die ganze Familie Landauer von der Gestapo verhaftet. Die beiden jüngeren Geschwister Paul und Suse konnten noch auf dem Sammelplatz entkommen, während Eva Landauer mit ihren Eltern 1944 in das KZ Bergen-Belsen deportiert wurde. Karl Landauer starb hier ein Jahr später an Unterernährung.
Eva Landauer und ihre Mutter wurden mit anderen Häftlingen im April 1945 in einem kleinen Dorf an der Elbe ausgesetzt, wo die Rote Armee sie aufsammelte und den Amerikanern übergab. Eine Zeitlang lebten sie als "displaced persons" bei holländischen Freunden in Amsterdam und emigrierten dann in die Vereinigten Staaten.
Eva Landauer absolvierte ein Sozialarbeiterstudium an der London School of Economics und ließ sich bei Anna Freud an der Hampstead-Klinik zur Kinderanalytikerin ausbilden. Sie praktizierte in New York und war Dozentin für Kinder- und Jugendlichenanalyse in der New York Society of Freudian Psychologists - heute New York Freudian Society -, einer Organisation für LaienanalytikerInnen. Außerdem gehörte sie der Association for Child Psychoanalysis an und war lange Jahre für die Jewish Board of Family and Children's Services tätig.

Marianne Leuzinger-Bohleber wurde in Davos geboren und wuchs in einem Bergdorf im Schweizer Kanton Glarus auf. Sie studierte Medizin, Germanistik, Heilpädagogik und schließlich Klinische Psychologie in Zürich, wo sie 1980 über Kognitive Prozesse bei der Indikation psychotherapeutischer Verfahren promovierte. Sie machte eine Ausbildung als Verhaltens-, Gesprächs- und Musiktherapeutin, bevor sie sich - nach einer persönlichen Therapie - für die Psychoanalyse entschied.
Ihre psychoanalytische Ausbildung absolvierte Marianne Leuzinger-Bohleber am Psychoanalytischen Seminar in Zürich. 1981 wurde sie außerordentliches, 1987 ordentliches Mitglied der Schweizer Gesellschaft für Psychoanalyse (SGPsa) sowie der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV). Seit 1988 ist sie Professorin für psychoanalytische Psychologie an der Universität Kassel. Dort gründete sie 1996 das bis heute von ihr geleitete Institut für Psychoanalyse. Seit 2002 gehört sie dem Direktorium des Sigmund-Freud-Instituts in Frankfurt am Main an, wo sie auch als Psychoanalytikerin in freier Praxis tätig ist.
Zu ihren wissenschaftlichen Schwerpunkten zählen die klinische und empirische Forschung in der Psychoanalyse, psychoanalytische Entwicklungspsychologie, Psychoanalyse und Erziehungswissenschaften, Medikalisierung psychosozialer Probleme sowie Psychoanalyse und Neurowissenschaften.
Marianne Leuzinger-Bohleber ist mit dem Psyche-Herausgeber Werner Bohleber (*1942) verheiratet und hat zwei Kinder.
Die Nervenärztin und Kinderanalytikerin Lotte Liebeck-Kirschner (später Bernstein) studierte Medizin an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin und promovierte dort 1924 über Die motorische Unruhe der Kinder. Während der 1920er Jahren absolvierte sie eine Ausbildung am Berliner Psychoanalytischen Institut (BPI), wo sie u. a. an den Kinderanalyse-Seminaren teilnahm, die Anna Freud während ihrer Berlin-Aufenthalte zwischen 1928 und 1930 abhielt. 1930 wurde Lotte Liebeck-Kirschner Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft, ab 1933 war sie Dozentin am BPI. Sie gehörte zu einer Gruppe linker AnalytikerInnen um Edith Jacobssohn, an der auch Werner Kemper und Bernhard Kamm teilnahmen, sowie zum weiteren Kreis um Otto Fenichel.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde sie 1934 wie alle jüdischen Ärzte von der Rechnungserstattung ausgeschlossen. Als 1935 Edith Taglicht, eine Lehranalysandin von ihr, als Kommunistin verdächtigt und verhaftet wurde, geriet Lotte Liebeck selbst in Gefahr. Mit Hilfe von Werner Kemper gelang es ihr, zunächst nach Kopenhagen und dann nach Oslo zu fliehen.
1935 wurde sie Mitglied der Dansk-Norsk Psykoanalytiska Förening und arbeitete dann als Lehranalytikerin in Oslo. Lotte Liebeck-Kirschner schloss sich dem dänisch-norwegischen Arbeitskreis an, den Wilhelm Reich im Exil aufgebaut hatte, ist ihrem Lehrer aber nicht bis zuletzt gefolgt, denn Reich notierte 1937 in seinem Tagebuch, dass ihr vor seinem Weg graute.
Lotte Liebeck-Kirschner heiratete den Arzt Paul Bernstein und emigrierte nach der Besetzung Norwegens durch die Deutschen 1942 nach Stockholm und von dort in die USA. Lotte Bernstein wurde Mitglied der Chicago Psychoanalytic Society und lebte in Louisville, Kentucky, wo sie Klinische Direktorin der Child Guidance Clinic war.

Helena (Yelena) Herschkowitsch wurde in Jena geboren, wo ihr aus Russland stammender Vater Matvei Herschkowitsch Direktor der Firma Carl Zeiss war. Sie studierte in Jena, München und Heidelberg Medizin und machte 1929 in Berlin das Staatsexamen. Anschließend spezialisierte sie sich auf die Kinderheilkunde und arbeitete in der Kinderfürsorge und der psychiatrischen Klinik der Charité.
Yelena Herschkowitsch heiratete ihren Studienkollegen Heinrich Löwenfeld (1900-1985), der seit 1929 Oberarzt am Krankenhaus Lankwitz in Berlin war; 1930 wurde ihr Sohn Andreas Frank geboren. Heinrich und Yela Löwenfeld begannen eine Ausbildung am Berliner Psychoanalytischen Institut, wo sie zum Kreis um Otto Fenichel gehörten.
Nach der Machtübernahme Adolf Hitlers verließen die Löwenfelds Berlin und flohen über Frankreich und die Schweiz in die Tschechoslowakei. Dort schlossen sie sich der Prager Psychoanalytischen Arbeitsgemeinschaft an. Yela Löwenfeld begann eine Lehranalyse bei Annie Reich, die sie später in New York beendete. Nach dem Anschluss Österreichs löste sich die Prager Gruppe auf, und die Löwenfelds emigrierten im Mai 1938 in die Vereinigten Staaten.
Sie ließen sich in New York nieder, wo Yela und Henry Lowenfeld 1942 Mitglieder der New York Psychoanalytic Society and Institute wurden. Yela Lowenfeld spezialisierte sich auf die Analyse von Kindern und Jugendlichen, eröffnete 1939 gemeinsam mit ihrem Mann eine psychoanalytische Privatpraxis und war außerdem am Mount Sinai Hospital tätig. Während der 1960er Jahre gehörte sie dem Intake Commitee of the Treatment Center am New Yorker Institut an, das für die Auswahl von Klienten für Ausbildungskandidaten zuständig war.
Das Schwergewicht ihrer Publikationen liegt auf Beiträgen zur Psychoanalyse des Jugendalters, wobei Yela Lowenfeld auch die sozialen Aspekte in der Entstehung von Krankheiten berücksichtigte. Auf große Resonanz stieß ihr 1970 gemeinsam mit ihrem Mann verfasster Aufsatz über Die permissive Gesellschaft und das Über-Ich, in dem sie sich mit der Studentenbewegung auseinandersetzten. (Artikelanfang)
Anhand von Beispielen aus Yela Lowenfelds Praxis belegten sie die These, dass erhöhte Permissivität der Eltern und eine Abschwächung des Inzest-Tabus zu einem unvollständig entwickelten Über-Ich der Jugendlichen führt. Auf diese Weise werde deren Ablösung von den Eltern erschwert, so dass viele Jugendliche ihr Ich durch ideologische Orientierung und Gruppenbildung stützten oder, zur Liebe unfähig, ihr Glück im Rausch suchten.
Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1985 zog Yela Lowenfeld sich immer mehr aus Fach- und Freundeskreisen zurück. Sie überlebte ihn um drei Jahre.
Die Ärztin Hilde Maas absolvierte um 1930 ihre psychoanalytische Ausbildung bei Hanns Sachs am Berliner Psychoanalytischen Institut. Zwischen 1929 und 1933 lehrte sie das Fach Neurosen und Psychopathien an der von Alice Salomon gegründeten Deutschen Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit in Berlin. Zu einer Aufnahme in die Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft kam es nicht mehr, weil Hilde Maas kurz nach der Machtergreifung Hitlers nach England emigrierte. Noch im November 1933 wurde sie außerordentliches Mitglied der British Psycho-Analytical Society. 1938 analysierte Margaret Mahler während ihres kurzen England-Aufenthalts Hilde Maas' achtjährigen Sohn Heino.
Zu den Analysandinnen von Hilde Maas gehörte neben der Psychoanalytikerin Ilse Seglow, der Tänzerin Agnes de Mille und der Künstlerin Margaret Gardiner auch Hilda Abraham, die Tochter Karl Abrahams, der sie half, ihres Vaters Klinische Beiträge zur Psychoanalyse aus den Jahren 1907-1920 ins Englische zu übersetzen [Clinical Papers and Essays on Psycho-Analysis (1954)]. 1956 verfasste Hilde Maas den Beitrag zu Sigmund Freuds 100. Geburtstag für die von der Association of Jewish Refugees in Great Britain herausgegebene Zeitschrift AJR Information.

Edeltrud Meistermann-Seeger wuchs als jüngstes Kind einer Lehrerfamilie in Nordrhein-Westfalen auf, ihr Vater unterrichtete Geschichte, ihre Mutter Handarbeiten. Gegen ihren Wunsch musste sie mit siebzehn eine Lehre als kaufmännische Angestellte antreten. Sie heiratete den Syndikus ihrer Lehrfirma und wurde Mutter von vier Kindern. Nach dem Scheitern der Ehe machte sie sich mit einem Zucker-Großhandel selbständig. Sie holte das Abitur nach und begann 1942 ein Psychologiestudium, das sie mit einer Dissertation über den Rorschach-Test abschloss. 1947 heiratete sie den Maler Georg Meistermann (1911-1990).
Von 1956 an war Edeltrud Meistermann-Seeger Lehrbeauftragte bei René König an der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Köln. Sie begann eine psychoanalytische Ausbildung und machte bis 1958 eine Lehranalyse bei Michael Balint in London. Seit 1963 lehrte sie in Köln "Psychoanalytische Probleme der Soziologie" und wurde Leiterin der Psychoanalytischen Abteilung am Forschungsinstitut Soziologie. Anfang der 1970er Jahre zählte sie zu den MitgründerInnen der psychoanalytischen Arbeitsgemeinschaft Köln-Düsseldorf der DPV und zu deren ersten LehranalytikerInnen. Sie gründete das Kölner Institut für Familiendiagnostik und Familientherapie sowie 1965 die Deutsche Gesellschaft für Sozialanalytische Forschung.
Einer der Schwerpunkte Edeltrud Meistermann-Seegers Ende der 1960er Jahre war die Gastarbeiterproblematik, die sie im Auftrag der EWG mit psychoanalytischen Verfahren untersuchte. Außerdem entwickelte sie auf der Grundlage der Balintschen Fokaltherapie ihre eigene Form der Kurztherapie und ein Fokaltraining für Analytiker.
Im Zentrum ihres Therapieansatzes steht Balints Konzept der primären Liebe, deren Kennzeichen Strukturlosigkeit und freundliche Weiten sind. Eine solche Form der Liebe, d. h. die Bereitschaft, mit dem fremden Objekt zu verschmelzen bei gleichzeitiger Fähigkeit zur Distanz, betrachtete sie als das wichtigste therapeutische Instrument. (Artikelanfang)

Margarete Mitscherlich, die wohl populärste deutsche Psychoanalytikerin, wurde bekannt vor allem durch ihr feministisches Engagement und ihre Veröffentlichungen über die Frau in der patriarchalischen Gesellschaft. Sie kam in Gravenstein/Gråsten an der Ostsee als jüngste Tochter des dänischen Arztes Nils Peter Nielsen und der deutschen Lehrerin Grete Leopold zur Welt. Ihre Mutter gehörte der deutschen Frauenbewegung um Gertrud Bäumer an. Margarete Nielsen studierte zunächst Germanistik, Anglistik, Geschichte und Kunstgeschichte in München, mit dem Ziel, Lehrerin zu werden. 1938, nach dem Tod ihres Vaters, wechselte sie in die Medizin und legte 1944 in Heidelberg ihr Staatsexamen ab.
1947 ging Margarete Nielsen in die Schweiz, wo sie in Rudolf-Steiner-Sanatorien und an einer orthopädischen Klinik arbeitete. Während ihrer Assistenzärztinnenzeit in Zürich vertiefte sich ihre Beziehung zu dem Arzt und Psychoanalytiker Alexander Mitscherlich (1908-1982), durch dessen Einfluss sie sich der Psychoanalyse zuwandte. 1949 kam ihr gemeinsamer Sohn Matthias zur Welt.
1950 promovierte Margarete Nielsen an der Tübinger Universität zum Dr. med. und arbeitete ab 1952 als Wissenschaftliche Assistentin in der psychotherapeutischen Abteilung für Kinder und Jugendliche an der von Mitscherlich gegründeten Psychosomatischen Klinik in Heidelberg. Ihre erste Analyse machte sie 1950 bei der aus Rumänien stammenden Psychoanalytikerin Vilma Popescu. Danach folgte eine weitere Analyse bei Felix Schottlaender. Weil sie die deutsche Psychoanalyse als veraltet empfand, ging sie 1954 nach London und machte eine dritte Analyse bei Michael Balint (1954 und 1958/59). 1955 heiratete sie Alexander Mitscherlich. Als dieser 1960 Leiter des neugegründeten Frankfurter Instituts und Ausbildungszentrums für Psychoanalyse und Psychosomatik, des späteren Sigmund-Freud-Instituts, wurde, gehörte Margarete Mitscherlich-Nielsen zu seinen MitarbeiterInnen.
1967 erschien ihr gemeinsames Buch über Die Unfähigkeit zu trauern, in dem die Mitscherlichs die Tendenz der bundesrepublikanischen Gesellschaft, ihre NS-Vergangenheit zu verdrängen und zu verleugnen, analysierten. Aus Furcht vor einer depressiven Phase seien viele Deutschen unfähig, über das Verlorene und Nicht-wieder-Gutzumachende zu trauern, und setzten sich damit der Gefahr eines Wiederholungszwangs aus. Die psychischen Ursachen und Folgen des Nationalsozialismus untersuchte Margarete Mitscherlich-Nielsen auch in späteren Arbeiten, indem sie z. B. eine Nähe von faschistischen und männlichen Werten feststellte.
Margarete Mitscherlich versuchte - bei aller Kritik an Sigmund Freuds Weiblichkeitsvorstellungen - eine Brücke zwischen Feminismus und Psychoanalyse zu schlagen. Zu ihren wichtigsten Arbeiten gehört das 1979 erschienene Buch Die friedfertige Frau, in dem sie die These aufstellte, Frauen seien nicht von Natur aus friedfertiger als Männer, sondern aufgrund ihrer Erziehung zur Weiblichkeit verdrängten sie ihre Aggressionen und wendeten sie gegen sich selbst. Frauen leisteten mit ihrer anerzogenen Anpassungs- und Unterwerfungsbereitschaft ihren eigenen Beitrag zu Gewalt, Krieg und Faschismus. Statt in einer masochistischen Vorwurfs- und Opferhaltung zu verharren, sollten sie ihre Trauerarbeit nach außen wenden, als Kritik an männlicher Herrschafts- und Gewaltanmaßung. Für eine menschlichere Gesellschaft, so lautet Margarete Mitscherlichs These in Die Zukunft ist weiblich, sollten möglichst viele Männer und Frauen "weibliche" Eigenschaften wie Einfühlungsvermögen und Mitleid entwickeln.
Margarete Mitscherlich war Lehranalytikerin und Ausbildungsleiterin der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung. Von 1982 bis 1997 war sie Herausgeberin der Zeitschrift Psyche, wo sie auch zahlreiche Artikel veröffentlichte. Bis in ihr hohes Alter praktizierte sie noch und war als Gastwissenschaftlerin am Frankfurter Sigmund-Freud-Institut tätig. (Artikelanfang)

Emma Moersch wuchs in Kehl als älteste Tochter eines Eisenbahnarbeiters und einer streng religiösen Mutter auf. Nach dem Krieg war sie zunächst Wohlfahrtspflegerin und besuchte gleichzeitig die Stuttgarter Akademie für Tiefenpsychologie. Nach einer Analyse bei einer Jungianerin begann Emma Moersch Ende 1953 ein Psychologiestudium in Heidelberg, wechselte dann zur Medizin und promovierte 1960. Ihre Medizinalassistentenzeit absolvierte sie an der von Alexander Mitscherlich geleiteten Psychosomatischen Klinik in Heidelberg. Vor ihrer Approbation arbeitete sie in der Nervenklinik in Freiburg und anschließend in der Psychiatrischen Universitätsklinik in Straßburg. Hier kam sie zum ersten Mal mit der Psychoanalyse Jacques Lacans in Berührung.
Ihre Lehranalyse begann Emma Moersch bei Wolfgang Auchter in Freiburg und setzte sie bei Clemens de Boor in Heidelberg fort. Von 1967 bis 1969 arbeitete sie wieder an der Heidelberger Psychosomatischen Klinik, und ab 1970 war sie ca. zwanzig Jahre lang am Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt tätig, zunächst als Alexander Mitscherlichs Assistentin und danach als Leiterin der Abteilung Klinische Psychoanalyse. Außerdem beteiligte sie sich am Aufbau des 1974 gegründeten Psychoanalytischen Seminars Freiburg. Sie war Mitarbeiterin der Zeitschrift Psyche und in den 1970er Jahren Vorstandsmitglied der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV) sowie Vizepräsidentin für die deutschsprachigen Länder in der Europäischen Psychoanalytischen Förderation.
Emma Moersch setzte sich besonders für die Vermittlung der französischen Psychoanalyse in Deutschland ein und übertrug 1973 Das Vokabular der Psychoanalyse von J. Laplanche und J.-B. Pontalis ins Deutsche.

Ada Schott, die zu den Pionierinnen der Kinderanalyse zählte, kam in Winkel in Thüringen als Tochter des Pfarrers Walter Schott und seiner Frau Elisabeth geb. Lang zur Welt. Während sie ihren Vater idealisierte, war ihr Verhältnis zu ihrer psychisch labilen Mutter eher problematisch. Nach der Mittleren Reife machte sie eine Ausbildung zur Kindergärtnerin und begann 1914 eine therapeutische Analyse bei Carl Müller-Braunschweig, die dann in eine Lehranalyse überging. 1919/20 besuchte sie in Wien einen Kursus in "Psychoanalytischer Heilpädagogik" bei Hermine Hug-Hellmuth und erlernte bei dieser die Analyse von Kindern, was eine Eigenanalyse einschloss. Von 1920 bis 1921 arbeitete sie im Pestalozzi-Fröbel-Haus mit vorschulpflichtigen Kindern.
Ada Schott wurde Mitglied der Berliner Psychoanalytischen Vereinigung und eröffnete 1921 eine eigene psychoanalytische Praxis. Seit 1922 war sie an der Berliner Psychoanalytischen Poliklinik für die Kinderanalyse verantwortlich. Wie Josine Müller-Ebsen praktizierte und lehrte Ada Schott die Kinderanalyse schon, bevor Melanie Klein nach Berlin kam, und verwendete noch vor ihr Spielzeug und Kinderzeichnungen als Deutungsgrundlage.
1925 heiratete Ada Schott ihren Lehranalytiker Carl Müller-Braunschweig (1881-1958), nachdem dieser sich von seiner ersten Frau Josine Müller-Ebsen hatte scheiden lassen. Zunächst widmete sie sich der Erziehung ihrer beiden, 1926 und 1927 geborenen Kinder; ein neurotisches Symptom ihres Sohnes Hans (der später selbst Psychoanalytiker wurde) nahm sie zum Thema ihres Aufsatzes Ein Fall von Schattenangst und Fragezwang (bei einem dreijährigen Knaben).
Von 1933 an führte sie wieder Lehranalysen durch, unter anderem mit Käthe Dräger. Sie hielt pädagogische Seminare am Berliner Psychoanalytischen Institut (BPI) ab, das nach der Emigration Max Eitingons von Carl Müller-Braunschweig und Felix Boehm geleitet wurde. Nach der Eingliederung des BPI in das 1936 gegründete Deutsche Institut für Psychologische Forschung und Psychotherapie ("Göring-Institut") war Ada Müller-Braunschweig dort unter dem Titel "Behandelnder Psychologe" tätig. (Artikelanfang)
Beeinflusst durch eine 1940 bei der Jungianerin Käthe Bügler begonnene Fortbildungsbehandlung, wandte sich Ada Müller-Braunschweig stärker der jungianischen Richtung zu - im Unterschied zu ihrem Mann, der die Analytische Psychologie C. G. Jungs ablehnte. Nachdem Carl Müller-Braunschweig 1938 am Göring-Institut wegen eines mitfühlenden Briefs an Anna Freud in Ungnade gefallen war, übernahm Ada Müller-Braunschweig viele Lehr- und Kontrollanalysen, allerdings auschließlich mit Frauen.
Nach dem Krieg schloss sie sich dem von Käthe Bügler initiierten Berliner Jungianischen Arbeitskreis an. Sie gehörte dann aber zu den ersten Mitgliedern der 1950 von ihrem Mann gegründeten Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung, für die sie in den folgenden Jahren als Lehranalytikerin tätig war.
Die als scheu und zurückhaltend beschriebene Ada Müller-Braunschweig veröffentlichte wenig, sie hielt lieber kleine Seminare ab statt großer Vorlesungen. Interviews, die sie nach dem Krieg in einem Frauen-Jugendgefängnis durchführte, mündeten nie in eine wissenschaftliche Arbeit. Sie erlag mit 62 Jahren, ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes, einer Lungenentzündung.

Josine Müller-Ebsen war eine der ersten Kinderanalytikerinnen in Deutschland. Sie wurde in Hamburg als Tochter des Kaufmanns Hermann Ebsen geboren. Ihre Mutter starb bald nach ihrer Geburt, wodurch eine starke Bindung an den Vater entstand. Gemeinsam mit ihrer Freundin Karen Horney begann Josine Ebsen 1906 in Freiburg ein Medizinstudium. Hier lernte sie Carl Müller-Braunschweig, den späteren Leiter des Berliner Psychoanalytischen Instituts, kennen, den sie 1913 heiratete.
1911 legte sie das Staatsexamen ab und war anschließend als Ärztin in der Kinderheilstätte Hohenlychen und am Berliner Städtischen Krankenhaus tätig. 1912 promovierte sie, danach war sie von 1913 bis 1919 Assistenzärztin am Krankenhaus Friedrichshain. 1915/16 absolvierte sie am Sanatorium Berolinum in Lankwitz eine neurologisch-psychiatrische Fortbildung.
Ihre Lehranalyse machte Josine Müller-Ebsen 1912/13 bei Karl Abraham. Zehn Jahre später, von 1923 bis 1926, ging sie noch einmal bei Hanns Sachs in die Analyse. 1921 wurde sie Mitglied der Berliner Psychoanalytischen Vereinigung und war zusammen mit Ada Schott an der Poliklinik des BPI für die Kinderanalyse zuständig. 1925 ließ sich Carl Müller-Braunschweig von ihr scheiden, um Ada Schott zu heiraten. Ein Grund für das Scheitern der Ehe soll in ihrer Kinderlosigkeit gelegen haben. Danach praktizierte Josine Müller-Ebsen von 1926 bis 1931 als niedergelassene Fachärztin für Nervenkrankheiten in Berlin.
Josine Müller-Ebsen war eine Verfechterin der Frauenemanzipation und befasste sich neben der Kinderanalyse auch mit Fragen der weiblichen Sexualität. In ihrem 1931 veröffentlichten Beitrag zur Frage der Libidoentwicklung des Mädchens in der genitalen Phase vertrat sie - ähnlich wie Horney, auf die sie sich bezog - die von Sigmund Freud abweichende Ansicht, dass die Vagina schon sehr früh libidinös besetzt wird und für das kleine Mädchen die wichtigste erogene Zone und das erste Sexualorgan darstellt. Diese frühe Besetzung der Vagina werde zugunsten der Klitoris unterdrückt, woraus eine narzisstische Kränkung resultiere, die den Penisneid begünstigt. (Artikelanfang)
Diese viel beachteten Ausführungen, die später von Janine Chasseguet-Smirgel in ihrer Einleitung zu dem Sammelband Psychoanalyse der weiblichen Sexualität wieder aufgegriffen wurden, bildeten das Exposé für eine von Josine Müller-Ebsen geplante größere Arbeit über "Die infantile Weiblichkeit im Narzißmus". Sie konnte jedoch ihre Forschungen nicht zu Ende führen, da sie auf einer Schiffsreise zu den Kanarischen Inseln an einer Lungenentzündung starb.
Elisabeth Naef wurde in Minsk geboren als Tochter des Rechtsanwalts und Zionisten Simon Rosenbaum und seiner Frau Johanna geb. Wolf. Sie ging in Berlin und Zürich zur Schule, wo sie 1909 die Matura ablegte. 1907 heiratete sie den Schweizer Zoologen und Paläontologen Adolf Naef (1883-1949), die Ehe wurde aber nach drei Jahren wieder geschieden.
Von 1909 bis 1911 studierte Elisabeth Naef in Zürich Medizin. Nach Abschluss des Studiums war sie als Assistenzärztim an verschiedenen Kliniken in der Schweiz und in Deutschland tätig, u. a. an der Psychiatrischen und Nervenklinik der Universität Königsberg, wo sie während des Ersten Weltkriegs mit Frieda Fromm-Reichmann zusammenarbeitete, sowie an der Poliklinik der Berliner Psychoanalytischen Vereinigung (BPV). 1923 promovierte sie in Berlin.
Sie machte eine Lehranalyse bei Karl Abraham und wurde 1926 außerordentliches, 1927 ordentliches Mitglied der BPV/DPG. Als sie nach der Machtübernahme Hitlers wegen ihrer Morphiumabhängigkeit keine Möglichkeit sah, nach Israel zu fliehen, beging sie Selbstmord. Sie hinterließ eine Tochter, die nach Israel emigrierte.

Laura Perls, bekannt als Mitbegründerin der Gestalttherapie, wurde als Tochter einer jüdischen Juweliersfamilie in Pforzheim geboren. 1923 begann sie ein Jurastudium in Frankfurt, wechselte dann aber 1926 zur Psychologie und Philosophie. Sie besuchte Lehrveranstaltungen der Gestaltpsychologen Max Wertheimer, Kurt Goldstein und Adhemar Gelb sowie von Edmund Husserl, Paul Tillich und Martin Buber und promovierte 1932 bei Gelb über visuelle Wahrnehmung. 1926 lernte sie Fritz Perls (1893-1970) kennen, der damals Assistent von Goldstein war und Anfang der 1930er Jahre seine psychoanalytische Ausbildung mit einer Lehranalyse bei Wilhelm Reich abschloss.
Lore Posner begann ihre psychoanalytische Ausbildung 1927 in Frankfurt bei Karl Landauer, ihre Lehranalyse machte sie bei Frieda Fromm-Reichmann. Außerdem studierte sie Ausdruckstanz und lernte bei Elsa Gindler sensitive Körper- und Bewegungsarbeit. 1930 heirateten Laura und Fritz Perls und zogen nach Berlin. Ihre Kinder Renate und Steve wurden 1931 bzw. 1935 geboren. Ab 1932 praktizierte Laura Perls in Berlin als Psychoanalytikerin unter der Supervision von Otto Fenichel. Wie ihr Mann war sie im antifaschistischen Widerstand aktiv. Nach Hitlers Machtübernahme emigrierten beide 1933 nach Holland und ein Jahr später nach Südafrika.
In Johannesburg widmeten sie sich dem Aufbau des ersten Südafrikanischen Instituts für Psychoanalyse und verfassten gemeinsam das Buch Ego, Hunger, and Aggression (1942) - als Autor wird jedoch nur Fritz Perls genannt. Darin unternahmen sie eine phänomenologisch und ganzheitlich inspirierte Revision der Freudschen Analyse, die die Grundlage für die Entwicklung der Gestalttherapie bildete. In deren Zentrum steht die "Wahrnehmung" (im doppelten Sinne) seiner selbst und die Befriedigung seiner Bedürfnisse in einem flexiblen Gleichgewicht mit der Umwelt. Laura Perls Mitwirkung an dem 1951 erschienenen Buch Gestalt Therapy von Fritz Perls, Paul Goodman und Ralph Hefferline, blieb ebenfalls unerwähnt.(Artikelanfang)
1947 wanderten Laura und Fritz Perls in die USA aus und eröffneten eine Privatpraxis in New York. 1952 gründeten sie mit Paul Goodman das New York Institute for Gestalt Therapy, das von Laura Perls geleitet wurde, nachdem Fritz Perls seinen Schwerpunkt nach Kalifornien verlegt hatte. 1976 gab sie ihre Privatpraxis auf und widmete sich nur noch der Ausbildungstätigkeit. Laura Perls übte einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Gestalttherapie aus, veröffentlichte selbst jedoch nur wenig. Von 1969 bis 1989 reiste sie jeden Sommer nach Europa und leitete Workshops in England, Holland und Belgien, später auch in Deutschland.
1990 kehrte sie nach Pforzheim zurück und lebte dort bis zu ihrem Tod in einem Altenheim.
Vilma Popescu stammte aus Rumänien, wo sie ihre psychoanalytische Ausbildung bei einem Karl Abraham- und einem Sándor Ferenczi-Schüler erhalten hatte. Nach 1945 arbeitete sie als Lehranalytikerin in Stuttgart und gehörte zur Gruppe der Freudianer in dem von Felix Schottlaender, Hermann Gundert und Wilhelm Bitter 1948 gegründeten Stuttgarter Institut für Psychotherapie und Tiefenpsychologie. Zu ihren AnalysandInnen zählten Anfang der 1950er Jahre Margarete Nielsen und Tobias Brocher.
Als nicht näher beschriebene politische Schwierigkeiten Vilma Popescus Ehemann zwangen, Deutschland zu verlassen, wanderte sie mit ihm 1953 nach Kanada aus. Sie ließ sich in Montreal nieder und wurde Mitglied der Canadian Psychological Association. Von ihrer inhaltlichen Arbeit ist aus dieser Zeit ein Vortrag über A case of identical twin with secondary amenorrhea bekannt. Zu Beginn der 1970er Jahre kehrte Vilma Popescu nach Deutschland zurück und war bis ca. 1976 in Ulm als Lehranalytikerin tätig.
Die Lacanianerin Jutta Prasse kam im südbadischen Schopfheim als Tochter von Max Prasse und seiner Frau Dora geb. Trefzer zur Welt. Ab 1960 studierte sie Germanistik, Romanistik und Linguistik in Freiburg, Wien und Paris, 1966 legte sie in Freiburg ihr Staatsexamen ab und promovierte dort 1971.
1966 ging sie nach Mailand, wo sie als Lehrerin am Goethe-Institut und als freie Mitarbeiterin mehrerer italienischer Verlage tätig war. Dann wandte sie sich der Psychoanalyse zu, wobei sie sich als Literaturwissenschaftlerin besonders von Jacques Lacan und seiner These von der sprachlichen Struktur des Unbewussten angesprochen fühlte. Sie absolvierte in Mailand und Paris ihre psychoanalytische Ausbildung und begann Mitte der 1970er Jahre als Psychoanalytikerin in Mailand zu praktizieren.
1978 gehörte Jutta Prasse zu den GründerInnen der Sigmund-Freud-Schule in Berlin, wohin sie drei Jahre später übersiedelte. Nach der Auflösung dieses ersten deutschsprachigen Lacan-Kreises beteiligte sie sich an der Gründung der Berliner Psychoanalytischen Assoziation "Die Zeit zum Begreifen" (1988) - deren Präsidentin sie auch war -, der Assoziation für die Freudsche Psychoanalyse (1993) und der Freud-Lacan-Gesellschaft Berlin (1998).
Von ihren zahlreichen psychoanalytischen Texten sind vierzehn in dem postum erschienenen Band Sprache und Fremdsprache versammelt, in denen sie anhand literarischer Texte dem weiblichen und männlichen Begehren, dem Mutterideal und der Frage von Sexualität und Wissen nachgeht. Daneben übersetzte sie unter dem Pseudonym Dora Winkler auch Romane aus dem Italienischen, Englischen und Französischen.

Die aus Oberschlesien stammende jüngste Tochter eines Molkereidirektors besuchte eine klösterliche Internats-Oberschule, bevor diese während der NS-Zeit schließen musste. 1945 floh sie mit ihrer Schwester vor der sowjetischen Armee nach Oberösterreich und begann im gleichen Jahr in Innsbruck Medizin zu studieren. Sie beendete ihr Studium 1952 in Münster und promovierte mit einer Arbeit in der pathologischen Anatomie. Durch ihre Tätigkeit in einer Tuberkuloseheilstätte erkannte die bis dahin naturwissenschaftlich orientierte Medizinerin die Bedeutung des körperlich-seelischen Zusammenspiels und entschied sich für eine internistische und psychotherapeutische Facharztausbildung an der Medizinischen Poliklinik in München.
1956 begann sie eine Analyse bei Fritz Riemann, die während ihrer Ausbildung am Münchner Institut für Psychologische Forschung und Psychotherapie in eine Lehranalyse umgewandelt wurde. 1958/59 war sie als Internistin in der von Johannes Cremerius geleiteten psychosomatischen Abteilung der Münchner Poliklinik tätig. 1961 ging sie nach London, um sich an der Tavistock-Klinik bei Michael Balint weiterzubilden, dessen ganzheitliche patientenzentrierte Sichtweise anstelle einer krankheitszentrierten Medizin ihr zum Vorbild wurde. Sie nahm am Seminar Anna Freuds teil und machte eine zweite Analyse bei Eva Rosenfeld.
Danach setzte Edith Raisich ihre Ausbildung am Hamburger Psychoanalytischen Institut fort und war von 1962 bis 1964 als Assistentin an der Psychosomatischen Klinik Hohenkamp der Städtischen Nervenklinik in Bremen tätig. 1963 wurde sie Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung, ein Jahr später eröffnete sie eine eigene psychoanalytische Praxis in Düsseldorf.
1974 kehrte sie nach Bremen zurück und beteiligte sich an der Gründung der Psychoanalytischen Arbeitsgemeinschaft Bremen der DPV, später Bremer Psychoanalytische Vereinigung. In dieser Zeit lernte sie auch ihren Mann, den Bremer Psychoanalytiker Heinrich Jordt, kennen. Seit 1971 ist Edith Raisisch-Jordt Lehr- und Kontrollanalytikerin der DPV.

Ellen Katharina Reinke wurde in Offenbach als Tochter des Fotografen Josef Schott und seiner Ehefrau Antonie geboren. Sie studierte Anfang der 1970er Jahre Psychologie und Soziologie in Frankfurt am Main. 1981 promovierte sie in Bremen mit ihrer Arbeit Zur methodischen Wiedereinführung individueller Subjektivität in der Sozialforschung. Von 1978 bis 1985 war sie Mitinitiatorin und Forschungsleiterin des Modellprojekts "Soziotherapie mit Delinquenten" in Frankfurt, aus dem ihr 1997 erschienenes Buch Psychotherapie und Soziotherapie mit Straftätern hervorging. Darin beschreibt sie die Rehabilitation von Straftätern, die ein dissoziales Syndrom aufwiesen. Zur Anwendung kam dabei die Sozioanalyse, ein - im Sinne Alfred Lorenzers - psychoanalytisch orientierter Ansatz, der objektive, individuell-subjektive und szenische Ebenen integriert.
Parallel zu diesem Forschungsprojekt absolvierte Ellen Reinke am Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt ihre Fortbildung zur Psychoanalytikerin und machte eine Lehranalyse bei Marianne Grabhorn. 1987 wurde sie Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung und ist seitdem als niedergelassene Psychoanalytikerin tätig. Von 1991 bis zu ihrer Emeritierung im Jahr 2007 lehrte sie als Professorin für Psychologie an der Universität Bremen. Unter anderem war sie Leiterin des Transfer-Instituts "DIALOG - Zentrum für Angewandte Psychoanalyse", Mitglied des Forschungskollegs der IPV und (Mit-) Herausgeberin mehrerer Schwerpunkthefte der Zeitschrift Psychosozial.
Neben ihrem Schwerpunkt Soziotherapie mit Delinquenten publizierte Ellen Reinke zu Themen wie die Theorie der weiblichen Sexualität, Verbindungen zwischen Psychoanalyse und Bindungsforschung, die transgenerationelle Übermittlung von Traumen im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus sowie Forschungsmethoden.
Ellen Reinke ist mit dem Soziotherapeuten Roland Lehmann verheiratet; ihr Sohn Klaus Rainer stammt aus ihrer vorherigen Ehe mit Wolfgang Köberer.
Hannah Ries begann ihre Laufbahn als Psychoanalytikerin mit therapeutischen Analysen bei Kilian Bluhm - von 1929 bis 1933 - und Felix Boehm in Berlin. Die 1934 bei Boehm begonnene Analyse wurde in eine Lehranalyse umgewandelt, die sie 1938 abschloss. Ihre Kontrollanalytikerin war Ada Müller-Braunschweig, mit der sie auch befreundet war. 1939 emigrierte Hannah Ries, die jüdischer Herkunft war, nach England, wobei Felix Boehm sie unterstützte. Sie rechnete dies ihrem Lehranalytiker hoch an und nahm ihn später, als er in Emigrantenkreisen hart angegriffen wurde, stets in Schutz.
In London erlangte Hannah Ries mit ihrer Arbeit über An 'unwelcome child and her death instinct' 1946 die Vollmitgliedschaft in der British Psycho-Analytical Society (BPAS). Diese Arbeit löste bei den deutschen Psychoanalytikern Carl Müller-Braunschweig und Felix Boehm harsche Kritik an der analytischen Kompetenz der BPAS und ihrer Kandidatin aus. Ein Grund für die Erregung könnte, wie Lockot vermutet, auch in dem Thema liegen: Es konfrontierte die analytischen "Eltern" in Deutschland mit ihrer Schuld an der Vertreibung ihrer jüdischen "unerwünschten Kinder". Käthe Dräger und Margarete Steinbach machten Müller-Braunschweig und Boehm auf Fehlinterpretationen und falsche Zitate aufmerksam, und John Rickman wies auf mögliche Neidgefühle gegenüber der von der BPAS geschätzten Kollegin Hannah Ries hin.
Hannah Ries' Ansehen in London beruhte auf ihrem guten klinischen Gespür und ihrer Integrität. Trotz der feindseligen Reaktion ihrer deutschen Kollegen hing sie an ihrer Heimat und vermisste im englischen Exil die Spontaneität, die sie am alten Berliner Psychoanalytischen Institut so geschätzt hatte. Um 1964 übesiedelte Hannah Ries in die USA nach Los Angeles.

Die Soziologin und Psychoanalytikerin Christa Rohde-Dachser hat in München, Freiburg und Paris Soziologie, Philosophie und Betriebswirtschaft studiert und 1967 über Die Sexualerziehung Jugendlicher in katholischen Kleinschriften an der Universität München promoviert. Ihre psychoanalytische Ausbildung erhielt sie von 1971 bis 1976 am Institut für Psychotherapie und Psychoanalyse in Hannover.
Sie war von 1973 bis 1987 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Psychiatrischen Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover und übernahm dort 1976 die Leitung der psychotherapeutischen Weiterbildung. 1981 habilitierte sie sich zum Thema Das Borderlinesyndrom. 1986 wurde sie außerplanmäßige Professorin an der Medizinischen Hochschule Hannover. Ein Jahr später übernahm sie den Lehrstuhl Alexander Mitscherlichs am Institut für Psychoanalyse im Fachbereich Psychologie der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt.
Christa Rohde-Dachser ist Mitglied sowie Lehr- und Kontrollanalytikerin der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft (DPG). 1994 gründete sie das Institut für Psychoanalyse der DPG in Frankfurt, dessen Vorsitzende sie zehn Jahre lang war. Seit 1992 ist sie Mitherausgeberin der Zeitschrift Psyche.
Bekannt wurde sie vor allem mit ihrer Studie zu Borderline-Störungen sowie mit ihrem 1991 erschienenen Buch Expedition in den dunklen Kontinent. Darin zeigt sie die kollektiven unbewussten Phantasien auf, die den Weiblichkeitsdefinitionen der patriarchalischen Gesellschaft und zugleich auch dem psychoanalytischen Diskurs der Geschlechterdifferenz zugrunde liegen.
Weitere Arbeitsschwerpunkte Christa Rohde-Dachsers sind klinische Fragestellungen, Themen aus dem Grenzbereich zwischen Psychoanalyse und Soziologie sowie zwischen Psychoanalyse und Religion. (Artikelanfang)

Die Neoanalytikerin Margarete Seiff wurde 1896 als Tochter eines deutschen Missionars und einer Engländerin in Shanghai geboren. 1911 kehrte die Familie nach Deutschland zurück und ließ sich in Jena nieder. Margarete Kranz begann 1917 in München Jura zu studieren, wechselte dann aber zur Nationalökonomie nach Jena. Hier heiratete sie Anfang der 1920er Jahre den Agrarwissenschaftler Rudolf Seiff (1892-?) und widmete sich in den folgenden Jahren der Erziehung ihrer sechs Kinder.
1930 begab sich ihr Mann, der zeitweise an Depressionen litt, zu dem Neoanalytiker Harald Schultz-Hencke in Analyse. Ein Jahr später begann Margarete Seiff bei Schultz-Hencke eine Lehranalyse, die sie 1933 abschloss. 1935 wurde sie Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft. Sie war Mitarbeiterin der Abteilung Erziehungshilfe am Deutschen Institut für Psychologische Forschung und Psychotherapie ("Göring-Institut") und ab 1940 Dozentin und Lehranalytikerin des Instituts.
Nach Kriegsende beteiligte sich Margarete Seiff am Wiederaufbau psychoanalytischer Institutionen in Berlin. Sie gehörte - neben Adelheid Fuchs-Kamp, Otto Haseloff, Werner Schwidder, Annemarie Dührssen und Julie Cellarius - zu den engsten MitarbeiterInnen Harald Schultz-Henckes, mit denen dieser 1945 die Neopsychoanalytische Vereinigung gründete.
Margarete Seiff übernahm Vorlesungen, Lehr- und Kontrollanalysen am 1947 gegründeten Berliner Institut für Psychotherapie, sie hielt Vorträge an Volkshochschulen und führte 1949 als freie Mitarbeiterin am Berliner Zentralinstitut für psychogene Erkrankungen die bis dahin in Deutschland unbekannte analytische Gruppentherapie ein.
Nach ihrem Umzug 1951 nach Bonn war Margarete Seiff maßgeblich am Aufbau psychoanalytischer Institute in Köln und Göttingen beteiligt, durch Lehr- und Kontrollanalysen indirekt auch an der Gründung der Institute in Hannover und Freiburg. Außerdem war sie 1954 Mitgründerin des Landeskrankenhauses Tiefenbrunn, einer Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie.

Die Ärztin und Reichstagsabgeordnete Margarete Stegmann, die als zwölftes Kind eines Landwirts in Zürich-Enge zur Welt kam und mit 16 Jahren Vollwaise wurde, war in ihrem ersten Beruf Postbeamtin. Nach dem Erwerb der Hochschulreife über den zweiten Bildungsweg studierte sie in Zürich und Bern Medizin und promovierte 1910 mit einer Arbeit über die Psychologie des Kindsmords. Darin ergriff sie Partei für die Kindsmörderin, die ihrer Meinung nach ein Opfer der Männer und der sozialen Umstände ist. Ihre Assistenzärztinnenzeit absolvierte sie an der Berliner Charité. Nachdem sie 1920 die deutsche Approbation erhalten hatte, eröffnete sie in Dresden eine Praxis als Allgemein- und Nervenärztin.
1909 heiratete Anna Margarete Meier den Gerichtsarzt und Psychiater Arnold Stegmann (1872-1914). Die Ehe blieb kinderlos und wurde bald wieder geschieden. Über ihren Mann, der von Sigmund Freud analysiert worden war, kam Margarete Stegmann mit der Psychoanalyse in Berührung. 1911 gehörte sie neben Mira Gincburg, Tatjana Rosenthal und Karen Horney zu den ersten Frauen, die als ordentliche Mitglieder in die Berliner Psychoanalytische Vereinigung aufgenommen wurden. Ihre Lehranalyse machte sie vermutlich bei Karl Abraham.
Unter ihren psychoanalytischen Publikationen ist vor allem ihr Beitrag über Die Psychogenese organischer Krankheiten und das Weltbild bemerkenswert, in dem sie als eine der ersten eine Psychoanalyse der Krebserkrankung entwarf. Ebenfalls als Pionierarbeit auf dem Gebiet der Psychosomatik von Epilepsien gilt ihr 1913 erschienener Aufsatz über die Darstellung epileptischer Anfälle im Traum. Darüber hinaus veröffentlichte sie zwischen 1913 und 1915 in der IZP mehrere Rezensionen über sexualwissenschaftliche Arbeiten.
1918 trat Margarete Stegmann in die SPD ein. Ab 1920 war sie eine der ersten Stadträtinnen in Dresden und gehörte von 1924 bis 1932 als SPD-Abgeordnete dem Deutschen Reichstag an. Sie war Mitglied im Verein sozialistischer Ärzte und in der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit. Insbesondere setzte sie sich 1924 in der Debatte um den § 218 für das Recht der Frauen auf Abtreibung ein. Ihre Ansichten waren allerdings nicht frei vom rassehygienischen Gedankengut ihrer Zeit, indem sie die Abtreibung auch aus eugenischen Gründen befürwortete. (Artikelanfang)
Margarete Steinbach legte 1914 ihr Lehrerinnenexamen ab und unterrichtete von 1921 bis 1926 an der Deutschen Schule in Madrid. Danach kehrte sie nach Deutschland zurück, um an der Berliner Universität bei Wolfgang Köhler und Kurt Lewin Psychologie zu studieren. Gleichzeitig begann sie eine Ausbildung am Berliner Psychoanalytischen Institut und machte eine Lehranalyse bei dem Schweizer Psychiater Gustav Bally, der zwischen 1926 und 1932 in Berlin praktizierte. Sie wurde 1936 Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft und bildete ab 1939 am Deutschen Institut für Psychologische Forschung und Psychotherapie ("Göring-Institut") PsychotherapeutInnen aus.
Nach dem Krieg war Margarete Steinbach eine der deutschen AnalytikerInnen, die John Rickman von der British Psycho-Analytical Society auf ihre politische Einstellung und fachliche Eignung hin überprüfte. Er bescheinigte ihr ebenso wie Käthe Dräger charakterliche Integrität und erklärte beide als für den psychoanalytischen Beruf geeignet - im Unterschied zu Carl Müller-Braunschweig und Felix Boehm, die er für untauglich befand.
1950 gehörte Margarete Steinbach zu dem Kreis um Carl Müller-Braunschweig, der die Deutsche Psychoanalytische Vereinigung gründete. Als Müller-Braunschweig von Jerónimo Molina Nuñez und Ramón del Portillo um Unterstützung bei der Gründung einer psychoanalytischen Gruppe im frankistischen Spanien gebeten wurde, empfahl er Margarete Steinbach, die von ihrer Madrider Lehrtätigkeit her fließend spanisch sprach.
1951 ging sie also wieder nach Spanien, um in Madrid die psychoanalytische Ausbildung zu übernehmen. In den folgenden drei Jahren führte "Margarita" Steinbach mit Ärzten (darunter Júlia Corominas), Psychologen und einer Schulleiterin (María Teresa Ruiz) Lehranalysen durch, außerdem übernahm sie Kontrollanalysen, therapeutische Behandlungen und theoretische Lehrveranstaltungen. Die von ihr mitgegründete Asociacion Psicoanalìtica Española wurde kurz vor ihrem Tod vom frankistischen Innenministerium anerkannt.
Offenbar sind die näheren Umstände ihres Todes ungeklärt geblieben. Ihre Situation als einzige Lehranalytikerin war nicht einfach und wurde außerdem überschattet durch die Missstimmung zwischen ihrer Gruppe und dem Garma-Schüler Jerónimo Molina Nuñez, der alles darangesetzt hatte, Steinbachs Person und ihre Arbeit zu diffamieren.
Hilde Troidl war Studienrätin und in den 1930er Jahre Mitarbeiterin des Adlerianers Leonhard Seif in der Erziehungsberatungsstelle der Münchener Arbeitsgemeinschaft für Gemeinschaftspsychologie. Sie begann bei Leonhard Seif eine Lehranalyse, die sie dann bei dem Freudianer bzw. Neoanalytiker Fritz Riemann beendete. Später wandte sie sich der Charakteranalyse Wilhelm Reichs zu, was offenbar zu einem Loyalitätskonflikt mit Riemann führte. Hilde Troidl war an der 1952 in Kooperation mit der Universitäts-Kinderpoliklinik München gegründeten Erziehungsberatungsstelle in Erding tätig und seit 1954 Lehranalytikerin am Münchner Institut für psychologische Forschung und Psychotherapie.
1963 wurde ihre Freundin, die Psychotherapeutin Marie Renner, von einem psychotischen Patienten ermordet. Noch während der Gerichtsverhandlung zu diesem Mord erkrankte Hilde Troidl an einer paranoiden Psychose und wurde von Fritz Riemann in eine Nervenklinik eingewiesen. Nach ihrer Erkrankung, die möglicherweise durch einen LSD-Selbstversuch ausgelöst worden war, zog sie sich vollständig aus ihrer psychoanalytischen Tätigkeit zurück.

Die Neoanalytikerin Ilsabe von Viebahn wuchs auf einem kleinen Gut in der Nähe von Dresden auf. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Kindergärtnerin, bevor sie von 1942 bis 1945 Psychologie und Pädagogik in Heidelberg und Leipzig studierte. Nach Kriegsende erhielt sie 1946 eine Stelle als Dozentin für Psychologie und Pädagogik am Pestalozzi-Fröbel-Haus in Berlin, wo sie bis 1960 Kindergärtnerinnen, Jugendleiterinnen und Fürsorgerinnen unterrichtete.
1948 begann Ilsabe von Viebahn eine psychoanalytische Ausbildung am Berliner Institut der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft (DPG). Ihre Lehranalyse machte sie bei Werner Schwidder, einem Mitarbeiter Harald Schultz-Henckes, und anschließend bei Margarete Seiff. Sie fühlte sich von dem eher psychologischen Denken des Neoanalytikers Schultz-Hencke stärker angezogen als von der orthodox-freudianischen Psychoanalyse. 1954 schloss sie diese Ausbildung ab und wurde Lehr- und Kontrollanalytikerin der DPG sowie Dozentin am Berliner Institut für Psychotherapie. 1956 promovierte sie an der FU Berlin über Fröbels Pädagogik des frühen Kindesalters im Aspekt der Freudschen Psychoanalyse.
Von 1960 an arbeitete sie in Hannover als Therapeutin und Lehranalytikerin am Institut für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie des Landes Niedersachsen. Sie war maßgeblich am Aufbau des Lehrinstituts für Psychoanalyse und Psychotherapie in Hannover beteiligt und von 1964 bis 1973 Ausbildungsleiterin in diesem Institut. Von 1966 bis 1972 saß sie als Vertreterin der Psychologen im Vorstand der DGPT.
Ilsabe von Viebahn widmete sich in ihren Publikationen vor allem Fragen der kindertherapeutischen Praxis. Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt war der Vergleich tiefenpsychologischer Auffassungen mit den Positionen der Pädagogen Friedrich Fröbel, Heinrich Pestalozzi und Jean-Jacques Rousseau.
Die Psychologin Else Voigtländer wurde in Bad Kreuznach als Tochter des Verlegers Robert Voigtländer geboren. Sie besuchte das Gymnasium für Frauen in Leipzig und ging 1905 nach München, um bei Theodor Lipps und Alexander Pfänder Psychologie und Philosophie zu studieren. 1909 gehörte sie zu den ersten Frauen, die in Deutschland zum Dr. phil. promovierten. In ihrer von Alexander Pfänder betreuten Dissertation - 1910 unter dem Titel Vom Selbstgefühl veröffentlicht - beschrieb sie mit Hilfe der phänomenologischen Methode Eigenschaftstypen des Charakters, die sie als Selbstgefühle bezeichnete, und lieferte damit eine der ersten Phänomenologien über Gefühle.
1912 wurde Else Voigtländer außerordentliches Mitglied der Berliner Psychoanalytischen Vereinigung. Sie schlug eine Brücke zwischen Psychologie und Psychoanalyse, indem sie Freuds Lehre aus der phänomenologischen Perspektive betrachtete. So gelangte sie 1911 in ihrem Aufsatz Über die Bedeutung Freuds für die Psychologie zu einer frühen phänomenologischen Interpretation der Verdrängung. Wegen Diskrepanzen mit Freud trat sie jedoch bald wieder aus der Berliner Ortsgruppe aus.
Voigtländers Schwerpunkte waren die Geschlechterthematik und die Anwendung der Psychoanalyse in der Fürsorgeerziehung. Sie untersuchte gemeinsam mit Adalbert Gregor in einer empirischen Studie zur Charakterstruktur verwahrloster Kinder und Jugendlicher die geschlechtsspezifische Entwicklung von Charakter- und Temperamentseigenschaften bei Verwahrlosten und verfasste für das Handwörterbuch der Sexualwissenschaft die Einträge "Geschlechtsmerkmale" und "Verwahrlosung". Ihr Aufsatz Bemerkungen zur Psychologie der Gesinnungen war besonders dem Thema Liebe und Sexualität gewidmet.
Obwohl Else Voigtländer in der internen Geschichte der Phänomenologie kaum rezipiert wird, hat sie noch vor Karl Jaspers die phänomenologische Fragestellung für die Psychopathologie fruchtbar gemacht.

Die in Düsseldorf geborene Edith Vowinckel war die jüngste Tochter des Bankdirektors Eduard Vowinckel und seiner Frau Auguste, geb. Pieper. Nach dem Einjährigen verließ sie die Schule, um ihre kranken Eltern zu pflegen. Im Ersten Weltkrieg arbeitete sie als Krankenschwester, bevor sie 1917 das Abitur nachholte und in Jena ein Medizinstudium begann. Die vorklinischen Semester absolvierte sie in Jena, Marburg und Frankfurt, die klinischen in München und Berlin, wo sie 1922 das Staatsexamen ablegte.
Nach ihrem praktischen Jahr in Berlin, u. a. in der gynäkologischen Abteilung des Rudolf-Virchow-Krankenhauses, war sie von 1924 bis 1929 als Neuropsychiaterin an der Berliner Charité tätig und leitete dort die Kinderstation. 1925 promovierte sie über Adrenalinwirkung auf den Blutdruck bei Schwangeren, Wöchnerinnen und Eklamptischen.
Zur gleichen Zeit begann Edith Vowinckel ihre Ausbildung am Berliner Psychoanalytischen Institut. Sie machte eine Lehranalyse bei Carl Müller-Braunschweig und wurde 1929 außerordentliches, 1930 ordentliches Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft. Von 1929 bis 1931 war sie Mitarbeiterin Ernst Simmels am psychoanalytischen Sanatorium im Schloss Tegel. 1933 wurde sie Lehr- und Kontrollanalytikerin der DPG.
Ein Jahr zuvor hatte sie den Ministerialbeamten und Hochschullehrer Oscar Weigert (1886-1968) geheiratet, Ende 1932 kam ihr Sohn Wolfgang zur Welt, der später auch Psychoanalytiker wurde. Während sich Edith Weigert nicht zuletzt aufgrund ihrer nichtjüdischen Herkunft in der DPG etablieren konnte, war ihr Mann, ein zum Protestantismus konvertierter Jude, nach Hitlers Machtübernahme hochgefährdet. Die Weigerts emigrierten daher 1935 in die Türkei und ließen sich in Ankara nieder, wo Oscar Weigert als Berater des türkischen Wirtschaftsministeriums das moderne türkische Arbeitsrecht mitschuf.
Edith Weigert-Vowinckel praktizierte in Ankara als Psychoanalytikerin und widmete sich kultur- und religionshistorischen Studien. Besondere Beachtung fand ihr 1938 veröffentlichter Aufsatz The cult and mythology of the magna mater from the standpoint of psychoanalysis, in dem es um die Ambivalenz der inzestuösen Mutter-Sohn-Beziehung in der kleinasiatischen Mythologie ging. Nach Weigert verweisen Magna Mater-Verehrung und männliche Selbstkastration auf einen tiefliegenden Wunsch, "weiblich" zu werden und an weiblicher Macht teilzuhaben.
1938 übersiedelte Edith Weigert mit ihrer Familie in die USA und wurde noch im gleichen Jahr Mitglied, 1939 Lehranalytikerin der Washington-Baltimore Psychoanalytic Society. Von 1938 bis 1940 behandelte sie schizophrene Patienten am Sheppard and Enoch Pratt Hospital in Towson bei Baltimore. Danach zog sie nach Chevy Chase bei Washington und eröffnete eine private Praxis.
Edith Weigert spielte eine wichtige Rolle in der institutionellen Psychoanalyse von Washington, D. C. Sie war von 1944 bis 1946 Präsidentin der Washington-Baltimore Psychoanalytic Society, saß von 1945 bis 1954 dem Unterrichtsausschuss vor und übernahm 1954 die Leitung des Washingtoner psychoanalytischen Instituts. Sie lehrte an der von Harry Stack Sullivan gegründeten Washington School of Psychiatrie, wo sie von 1963 bis 1974 als Chairman of the Faculty amtierte. (Artikelanfang)
Besonders beeinflusst wurde Edith Weigert-Vowinckel durch Harry Stack Sullivan, auf dessen interpersonale Theorie sie sich bezog, sowie durch Frieda Fromm-Reichmann und ihre intensive Psychotherapie für Schizophrene. Wie die Neofreudianer relativierte sie den Ödipuskomplex und die infantile Sexualität, bemühte sich aber um eine Synthese zwischen Freud und Sullivan. Auf der Grundlage des Existenzialismus definierte sie Psychopathologie als Verlust von Vertrauen, Hoffnung und Authentizität und setzte sich in ihren Schriften oft mit der Angst auseinander, die sie als ein Gefahrensignal für drohende Vereinsamung und Vertrauensverlust ansah.

Marie Louise Werner wurde in Rotenburg b. Fulda geboren. Sie stammte aus einer kinderreichen Familie, ihr Vater Otto Nikolaus Werner war Pfarrer und Schulinspektor, ihre Mutter Louise Schulze war in New York großgeworden. Marie-Louise Werner machte eine Ausbildung als "wissenschaftliche Lehrerin" und unterrichtete ab 1918 an verschiedenen Berliner Schulen. Während der 1920er Jahre besuchte sie Vorlesungen und Seminare bei den Gestaltpsychologen Kurt Lewin und Wolfgang Köhler.
Als ihre jüngere Schwester Hannah 1924 den Theologen Paul Tillich heiratete, freundete sich Marie Louise Werner mit dessen Freund, dem Kunsthistoriker Eckart von Sydow, an und wandte sich wie dieser der Psychoanalyse zu. Sie begann eine Ausbildung am Berliner Psychoanalytischen Institut und machte von 1928 bis 1931 eine Lehranalyse bei Karen Horney. 1936 wurde sie außerordentliches Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft und führte erste Analysen, meist mit Kindern und Jugendlichen durch. Von 1940 bis 1942 absolvierte sie eine weitere Analyse bei Carl Müller-Braunschweig.
Nach dem Krieg arbeitete Marie Louise Werner mehrere Jahre als Psychotherapeutin im Kinderhaus am Fuchsstein, einem psychoanalytisch-heilpädagogisch geführten Heim in Berlin. Sie gehörte zum engen Kreis um Carl Müller-Braunschweig und beteiligte sich 1950 am Aufbau des Berliner Instituts der Deustchen Psychoanalytischen Vereinigung, zu dessen ersten und einflussreichen Lehr- und KontrollanalytikerInnen sie zählte.
Sie hielt schwerpunktmäßig Seminare ab zur Kinderpsychologie und Kindertherapie, zu Fragen der psychoanalytischen Technik sowie über das Verhältnis der Psychoanalyse zu Ethnologie und Kunst. Ihr besonderes Interesse galt der Bildenden Kunst und Kinderzeichnungen, in beidem stellt sich ihrer Ansicht nach das Unbewusste unmittelbar dar. Marie Louise Werner wurde als vitale und starke Persönlichkeit beschrieben, die ein weniger theoretisches als intuitives Verständnis für tiefenpsychologische Zusammenhänge besaß.