Psychoanalytikerinnen. Biografisches Lexikon

Psychoanalytikerinnen in Deutschland

Geschichte

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Nic Waal (Skandinavien)
Edith Weigert-Vowinckel
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1958 gründete Ina Böhlendorf die Ärztliche Arbeitsgemeinschaft für Psychotherapie und schuf damit eine weitere Voraussetzung für die Institutionalisierung der Aus- und Fortbildung zum analytischen Psychotherapeuten in Hannover, die 1965 in die Gründung eines eigenständigen Lehrinstituts für Psychoanalyse und Psychotherapie mündete.
Im gleichen Jahr führten jedoch jahrelange Kompetenzstreitigkeiten mit der Institutsleitung zu Ina Böhlendorfs Entlassung, nachdem sie 1964 bereits ihren Posten als Ausbildungsleiterin an Ilsabe von Viebahn abgeben musste. Sie starb im Alter von 84 Jahren vereinsamt in Hannover.






Einer Einladung Ernst Simmels folgend, ging sie 1936 nach Los Angeles und schloss sich der Los Angeles Psychoanalytic Study Group an, die 1942 der neu gegründeten San Francisco Psychoanalytic Society (SFPS) angegliedert wurde. Als "Laienanalytikerin" ohne medizinische Ausbildung war sie nur Ehrenmitglied der SFPS. 1946 wurde das Los Angeles Psychoanalytic Institute (LAPSI), das Laienanalytikern gegenüber aufgeschlossener war, offiziell eigenständig. Frances Deri, die als klassische Freudianerin die Ausrichtung des LAPSI bis zu dessen Spaltung Anfang der 1950er Jahre mitprägte, praktizierte als Lehr- und Kontrollanalytikerin in Los Angeles, wo sie bis zu ihrem Tod lebte.


Von 1968 bis 1970 amtierte Käthe Dräger als stellvertretende Vorsitzende der DPV. Manche hielten sie für die zu ihrer Zeit bedeutendste Figur der DPV. International bekannt wurde sie durch ihren Aufsatz Bemerkungen zu den Zeitumständen und zum Schicksal der Psychoanalyse und der Psychotherapie in Deutschland zwischen 1933 und 1949. Einen Schwerpunkt ihrer theoretischen und praktischen Arbeit bildete die Dissozialität von Kindern und Jugendlichen.





Nach dem Krieg war Adelheid Fuchs-Kamp Lehranalytikerin und enge Mitarbeiterin von Schultz-Hencke am Zentralinstitut für psychogene Erkrankungen der AOK in Berlin. Sie gehörte wie Margarete Seiff und Annemarie Dührssen der 1945 von Harald Schultz-Hencke gegründeten Neoanalytischen Vereinigung an. Obwohl ihre Ärztekollegen ihr als Laienanalytikerin die Qualifikation dazu absprachen, spezialisierte sich Adelheid Fuchs-Kamp auf die Behandlung von Psychosen. Sie praktizierte bis zu ihrem achtzigsten Lebensjahr als Psychoanalytikerin in Berlin. Ihre Tochter Dorothea Fuchs-Kamp wurde ebenfalls Psychoanalytikerin.







Von Clara Happel liegen drei psychoanalytische Publikationen vor, darunter der Aufsatz Der Mann in der Kloake. Darin greift sie den Fall eines Mannes auf, der nach einer Liebesenttäuschung verschwand und jahrelang im Pariser Kanalisationssystem lebte. Sie deutet dessen unterirdische Existenz als einen Versuch, in den schützenden Mutterleib zurückzukehren. Eine Arbeit über Pinocchio, die sie in Detroit fertigstellte, ist nicht mehr auffindbar.




Else Heilperns Spezialgebiet waren Ess- und Sprachstörungen, die den Hauptgegenstand ihrer Artikel und Vorträge in Topeka und Chicago bildeten.



In den USA entfernte Karen Horney sich immer weiter von Freuds Positionen: Sie kritisierte nicht nur seine Weiblichkeitskonzeption, sondern seine Triebtheorie insgesamt; die Idee des Unbewussten behielt sie jedoch bei. Für die Entstehung von Neurosen waren ihrer Ansicht nach kulturelle Faktoren ausschlaggebend. Ein Neurotiker habe in seiner Kindheit kulturbedingte Schwierigkeiten in besonders starker Form erfahren, mit denen er nicht oder nur unter Beeinträchtigung seiner Persönlichkeit fertig werden konnte. Ziel der Analyse ist nach Horney die Selbsterkenntnis des Patienten als Einsicht in konkrete Beziehungsgefüge und in die soziale Unvereinbarkeit erworbener Haltungen. Diese Ansichten trugen ihr auch den Vorwurf ein, sie betreibe "konformistische Psychologie". Die ökonomische und politische Dimension der Kultur thematisierte Horney - anders als Wilhelm Reich - nicht.
Karen Horney war bis zu ihrem Tod - sie starb an Darmkrebs - Vorsitzende des API und Dozentin an der New School of Social Research in New York.









Eva Landauer absolvierte ein Sozialarbeiterstudium an der London School of Economics und ließ sich bei Anna Freud an der Hampstead-Klinik zur Kinderanalytikerin ausbilden. Sie praktizierte in New York und war Dozentin für Kinder- und Jugendlichenanalyse in der New York Society of Freudian Psychologists - heute New York Freudian Society -, einer Organisation für LaienanalytikerInnen. Außerdem gehörte sie der Association for Child Psychoanalysis an und war lange Jahre für die Jewish Board of Family and Children's Services tätig.





Anhand von Beispielen aus Yela Lowenfelds Praxis belegten sie die These, dass erhöhte Permissivität der Eltern und eine Abschwächung des Inzest-Tabus zu einem unvollständig entwickelten Über-Ich der Jugendlichen führt. Auf diese Weise werde deren Ablösung von den Eltern erschwert, so dass viele Jugendliche ihr Ich durch ideologische Orientierung und Gruppenbildung stützten oder, zur Liebe unfähig, ihr Glück im Rausch suchten.
Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1985 zog Yela Lowenfeld sich immer mehr aus Fach- und Freundeskreisen zurück. Sie überlebte ihn um drei Jahre.







Beeinflusst durch eine 1940 bei der Jungianerin Käthe Bügler begonnene Fortbildungsbehandlung, wandte sich Ada Müller-Braunschweig stärker der jungianischen Richtung zu - im Unterschied zu ihrem Mann, der die Analytische Psychologie C. G. Jungs ablehnte. Nachdem Carl Müller-Braunschweig 1938 am Göring-Institut wegen eines mitfühlenden Briefs an Anna Freud in Ungnade gefallen war, übernahm Ada Müller-Braunschweig viele Lehr- und Kontrollanalysen, allerdings ausschließlich mit Frauen.
Nach dem Krieg schloss sie sich dem von Käthe Bügler initiierten Berliner Jungianischen Arbeitskreis an. Sie gehörte dann aber zu den ersten Mitgliedern der 1950 von ihrem Mann gegründeten Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung, für die sie in den folgenden Jahren als Lehranalytikerin tätig war.
Die als scheu und zurückhaltend beschriebene Ada Müller-Braunschweig veröffentlichte wenig, sie hielt lieber kleine Seminare ab statt großer Vorlesungen. Interviews, die sie nach dem Krieg in einem Frauen-Jugendgefängnis durchführte, mündeten nie in eine wissenschaftliche Arbeit. Sie erlag mit 62 Jahren, ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes, einer Lungenentzündung.


Diese viel beachteten Ausführungen, die später von Janine Chasseguet-Smirgel in ihrer Einleitung zu dem Sammelband Psychoanalyse der weiblichen Sexualität wieder aufgegriffen wurden, bildeten das Exposé für eine von Josine Müller-Ebsen geplante größere Arbeit über "Die infantile Weiblichkeit im Narzißmus". Sie konnte jedoch ihre Forschungen nicht zu Ende führen, da sie auf einer Schiffsreise zu den Kanarischen Inseln an einer Lungenentzündung starb.



1947 wanderten Laura und Fritz Perls in die USA aus und eröffneten eine Privatpraxis in New York. 1952 gründeten sie mit Paul Goodman das New York Institute for Gestalt Therapy, das von Laura Perls geleitet wurde, nachdem Fritz Perls seinen Schwerpunkt nach Kalifornien verlegt hatte. 1976 gab sie ihre Privatpraxis auf und widmete sich nur noch der Ausbildungstätigkeit. Laura Perls übte einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Gestalttherapie aus, veröffentlichte selbst jedoch nur wenig. Von 1969 bis 1989 reiste sie jeden Sommer nach Europa und leitete Workshops in England, Holland und Belgien, später auch in Deutschland.
1990 kehrte sie nach Pforzheim zurück und lebte dort bis zu ihrem Tod in einem Altenheim.




1974 kehrte sie nach Bremen zurück und beteiligte sich an der Gründung der Psychoanalytischen Arbeitsgemeinschaft Bremen der DPV, der späteren Bremer Psychoanalytischen Vereinigung. Während dieser Zeit lernte sie auch ihren Mann, den Psychologen und Psychoanalytiker Heinrich Jordt (1927-1984), kennen.






Nach ihrem Umzug 1951 nach Bonn, wo Rudolf Seiff den Posten eines Regierungsdirektors besetzte, war Margarete Seiff maßgeblich am Aufbau psychoanalytischer Institute der DPG beteiligt: des Instituts für Psychoanalyse und Psychotherapie in Göttingen am Landeskrankenhaus Tiefenbrunn (1954) und des Instituts für analytische Psychotherapie im Rheinland e. V. in Köln (1958). Durch Lehr- und Kontrollanalysen förderte sie indirekt auch die Konstituierung der Institute in Hannover (1951) und Freiburg (1965).




Offenbar sind die näheren Umstände ihres Todes ungeklärt geblieben. Ihre Situation als einzige Lehranalytikerin war nicht einfach und wurde außerdem überschattet durch die Aversionen zwischen ihrer Gruppe und dem Garma-Schüler Jerónimo Molina Nuñez, der alles darangesetzt hatte, Steinbachs Person und ihre Arbeit zu diffamieren.






Besonders beeinflusst wurde Edith Weigert-Vowinckel durch Harry Stack Sullivan, auf dessen interpersonale Theorie sie sich bezog, sowie durch Frieda Fromm-Reichmann und ihre intensive Psychotherapie für Schizophrene. Wie die Neofreudianer relativierte sie den Ödipuskomplex und die infantile Sexualität, bemühte sich aber um eine Synthese zwischen Freud und Sullivan. Auf der Grundlage des Existenzialismus definierte sie Psychopathologie als Verlust von Vertrauen, Hoffnung und Authentizität und setzte sich in ihren Schriften oft mit der Angst auseinander, die sie als ein Gefahrensignal für drohende Vereinsamung und Vertrauensverlust ansah.



Sie hielt schwerpunktmäßig Seminare ab zur Kinderpsychologie und Kindertherapie, zu Fragen der psychoanalytischen Technik sowie über das Verhältnis der Psychoanalyse zu Ethnologie und Kunst. Ihr besonderes Interesse galt der Bildenden Kunst und Kinderzeichnungen, in beidem stellt sich ihrer Ansicht nach das Unbewusste unmittelbar dar. Marie Louise Werner wurde als vitale und starke Persönlichkeit beschrieben, die ein weniger theoretisches als intuitives Verständnis für tiefenpsychologische Zusammenhänge besaß.



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