Psychoanalytikerinnen. Biografisches Lexikon

Psychoanalytikerinnen in Deutschland

Geschichte

Hilda Abraham
Lou Andreas-Salomé
Thea Bauriedl
Therese Benedek
Ina Böhlendorf
Viveka Böök
Berta Bornstein (Österreich)
Steff Bornstein (CSR)
Miriam Margarete Brandt (Israel)
Suzanne Cassirer-Bernfeld
Frances Deri
Käthe Dräger
Annemarie Dührssen
Ruth Eissler-Selke (Österreich)
Kate Friedländer (England)
Frieda Fromm-Reichmann
Adelheid Fuchs-Kamp
Gertrud Fuhge
Elisabeth Gerö-Heymann (CSR)
Erna Göring
Irene Haenel-Guttmann
Clara Happel
Annelise Heigl-Evers
Hanna Heilborn-Fenichel
Else Heilpern
Paula Heimann (England)
Hedwig Hoffer (Österreich)
Karen Horney
Gertrud Jacob
Edith Jacobson
Maria Kalau vom Hofe
Anna Kattrin Kemper (Lateinamerika)
Salomea Kempner
Melanie Klein (England)
Adelheid Koch (Lateinamerika)
Lotte Köhler
Ursula Laessig
Jeanne Lampl-de Groot (Niederlande)
Eva Landauer
Barbara Lantos (England)
Marianne Leuzinger-Bohleber
Lotte Liebeck-Kirschner
Yela Löwenfeld
Fanja Lowtzky (Israel)
Edit Ludowyk Gyömröi (Ungarn)
Hilde Maas
Anna Mänchen-Helfen (Österreich)
Julia Mannheim (England)
Edeltrud Meistermann-Seeger
Margarete Mitscherlich
Emma Moersch
Ada Müller-Braunschweig
Josine Müller-Ebsen
Elisabeth Naef
Gisela Pankow (Frankreich)
Stefi Pedersen (Skandinavien)
Laura Perls
Vilma Popescu
Jutta Prasse
Edith Raisich-Jordt
Annie Reich (Österreich)
Ellen Reinke
Alice Ricciardi-von Platen (Italien)
Hannah Ries
Christa Rohde-Dachser
Eva Rosenfeld (Österreich)
Melitta Schmideberg (England)
Margarete Seiff
Anna Smeliansky (Israel)
Margarete Stegmann
Margarete Steinbach
Edith Székely (Skandinavien)
Hilde Troidl
Ilsabe von Viebahn
Else Voigtländer
Nic Waal (Skandinavien)
Edith Weigert-Vowinckel
Marie Louise Werner
Alessandra Wolff Stomersee (Italien)

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Trotz schwerer Krankheiten - Diabetes, Brustkrebs und Erblindung - war Lou Andreas-Salomé bis zu ihrer Krebsoperation 1935 als Psychoanalytikerin tätig. Sie starb zwei Jahrer später an Nierenversagen.


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Thea Bauriedl betont das dialektisch-emanzipatorische Prinzip der Psychoanalyse und deren kulturkritisches Potenzial. Ihr Ziel ist es, mithilfe psychoanalytischer Erkenntnisse über unbewusste Prozesse in Politik und Gesellschaft aufzuklären, kollektive Verdrängungen bewusst zu machen und auf diese Weise Veränderung zu ermöglichen.


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Mit der Gründung des Ärztlichen Vereins für analytische Psychotherapie schuf Böhlendorf eine weitere Voraussetzung für die Institutionalisierung der Aus- und Fortbildung zum analytischen Psychotherapeuten in Hannover, die 1965 in die Gründung eines eigenständigen Lehrinstituts für Psychotherapie mündete. Im gleichen Jahr führten jedoch die jahrelangen Kompetenzstreitigkeiten zwischen ihr und der Institutsleitung zu Ina Böhlendorfs Entlassung. Sie starb im Alter von 84 Jahren vereinsamt in Hannover.



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Einer Einladung Ernst Simmels folgend, ging sie 1936 nach Los Angeles und schloss sich der Los Angeles Psychoanalytic Study Group an, die 1942 der neu gegründeten San Francisco Psychoanalytic Society (SFPS) angegliedert wurde. Als "Laienanalytikerin" ohne medizinische Ausbildung war sie nur Ehrenmitglied der SFPS. 1946 wurde das Los Angeles Psychoanalytic Institute (LAPSI), das Laienanalytikern gegenüber aufgeschlossener war, offiziell eigenständig. Frances Deri, die als klassische Freudianerin die Ausrichtung des LAPSI bis zu dessen Spaltung Anfang der 1950er Jahre mitprägte, praktizierte als Lehr- und Kontrollanalytikerin in Los Angeles, wo sie bis zu ihrem Tod lebte.


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Von 1968 bis 1970 amtierte Käthe Dräger als stellvertretende Vorsitzende der DPV. Manche hielten sie für die zu ihrer Zeit bedeutendste Figur der DPV. International bekannt wurde sie durch ihren Aufsatz Bemerkungen zu den Zeitumständen und zum Schicksal der Psychoanalyse und der Psychotherapie in Deutschland zwischen 1933 und 1949. Einen Schwerpunkt ihrer theoretischen und praktischen Arbeit bildete die Dissozialität von Kindern und Jugendlichen.


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Nach dem Krieg war Adelheid Fuchs-Kamp Lehranalytikerin und enge Mitarbeiterin von Schultz-Hencke am Zentralinstitut für psychogene Erkrankungen der AOK in Berlin. Sie gehörte wie Margarete Seiff und Annemarie Dührssen der 1945 von Harald Schultz-Hencke gegründeten Neopsychoanalytischen Vereinigung an. Obwohl ihre Ärztekollegen ihr als Laienanalytikerin die Qualifikation dazu absprachen, spezialisierte sich Adelheid Fuchs-Kamp auf die Behandlung von Psychosen. Sie praktizierte bis zu ihrem achtzigsten Lebensjahr als Psychoanalytikerin in Berlin. Ihre Tochter Dorothea Fuchs-Kamp wurde ebenfalls Psychoanalytikerin.



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Von Clara Happel liegen drei psychoanalytische Publikationen vor, darunter der Aufsatz Der Mann in der Kloake. Darin greift sie den Fall eines Mannes auf, der nach einer Liebesenttäuschung verschwand und jahrelang im Pariser Kanalisationssystem lebte. Sie deutet dessen unterirdische Existenz als einen Versuch, in den schützenden Mutterleib zurückzukehren. Eine Arbeit über Pinocchio, die sie in Detroit fertigstellte, ist nicht mehr auffindbar.


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Else Heilperns Spezialgebiet waren Ess- und Sprachstörungen, die den Hauptgegenstand ihrer Artikel und ihrer Vorträge in Topeka und Chicago bildeten.



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In den USA entfernte Karen Horney sich immer weiter von Freuds Positionen: Sie kritisierte nicht nur seine Weiblichkeitskonzeption, sondern seine Triebtheorie insgesamt; die Idee des Unbewussten behielt sie jedoch bei. Für die Entstehung von Neurosen waren ihrer Ansicht nach kulturelle Faktoren ausschlaggebend. Ein Neurotiker habe in seiner Kindheit kulturbedingte Schwierigkeiten in besonders starker Form erfahren, mit denen er nicht oder nur unter Beeinträchtigung seiner Persönlichkeit fertig werden konnte. Ziel der Analyse ist nach Horney die Selbsterkenntnis des Patienten als Einsicht in konkrete Beziehungsgefüge und in die soziale Unvereinbarkeit erworbener Haltungen. Diese Ansichten trugen ihr auch den Vorwurf ein, sie betreibe "konformistische Psychologie". Die ökonomische und politische Dimension der Kultur thematisierte Horney - anders als Wilhelm Reich - nicht.
Karen Horney war bis zu ihrem Tod - sie starb an Darmkrebs - Vorsitzende des American Institut of Psychoanalysis und Dozentin an der New School of Social Research in New York.


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In der Hoffnung auf ein gesünderes Klima zog Gertrud Jacob 1939 nach Santa Fe in New Mexico und baute dort eine psychoanalytische Praxis auf. Anfang 1940 erlitt sie jedoch einen weiteren Tb-Rückfall, an dessen Folgen sie im April starb.



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Edith Jacobson blieb unverheiratet und kinderlos. Sie starb am 8. Dezember 1978 in Rochester, New York.


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Nach 1945 wurde Maria Kalau vom Hofe Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung und der DGPT. 1952 zog sie von Berlin nach Hamburg, wo sie sich als Nervenärztin niederließ. Bei der "steinernen Gräfin", wie sie genannt wurde, waren all jene in Analyse, die sich in den ersten Nachkriegsjahren in Hamburg für die Freudsche Lehre interessierten, darunter so bekannte Persönlichkeiten wie Arthur Jores und Hans Bürger-Prinz.



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Eva Landauer absolvierte ein Sozialarbeiterstudium an der London School of Economics und ließ sich bei Anna Freud an der Hampstead-Klinik zur Kinderanalytikerin ausbilden. Sie praktizierte in New York und war Dozentin für Kinder- und Jugendlichenanalyse in der New York Society of Freudian Psychologists - heute New York Freudian Society -, einer Organisation für LaienanalytikerInnen. Außerdem gehörte sie der Association for Child Psychoanalysis an und war lange Jahre für die Jewish Board of Family and Children's Services tätig.



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Anhand von Beispielen aus Yela Lowenfelds Praxis belegten sie die These, dass erhöhte Permissivität der Eltern und eine Abschwächung des Inzest-Tabus zu einem unvollständig entwickelten Über-Ich der Jugendlichen führt. Auf diese Weise werde deren Ablösung von den Eltern erschwert, so dass viele Jugendliche ihr Ich durch ideologische Orientierung und Gruppenbildung stützten oder, zur Liebe unfähig, ihr Glück im Rausch suchten.
Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1985 zog Yela Lowenfeld sich immer mehr aus Fach- und Freundeskreisen zurück. Sie überlebte ihn um drei Jahre.


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Beeinflusst durch eine Fortbildung bei der Jungianerin Käthe Bügler wandte sich Ada Müller-Braunschweig ab 1940 stärker der jungianischen Richtung zu - im Unterschied zu ihrem Mann, der die Lehre C. G. Jungs ablehnte. Als Carl Müller-Braunschweig wegen eines Briefwechsels mit Anna Freud in Ungnade fiel, übernahm Ada Müller-Braunschweig zwischen 1942 und 1944 viele Lehr- und Kontrollanalysen am Göring-Institut, allerdings auschließlich mit Frauen.
Nach dem Krieg gehörte Ada Müller-Braunschweig zu den ersten Mitgliedern der 1950 von ihrem Mann gegründeten Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung, für die sie in den folgenden Jahren als Lehranalytikerin tätig war.
Die als scheu und zurückhaltend beschriebene Ada Müller-Braunschweig veröffentlichte wenig, sie hielt lieber kleine Seminare ab statt großer Vorlesungen. Interviews, die sie nach dem Krieg in einem Frauen-Jugendgefängnis durchführte, mündeten nie in eine wissenschaftliche Arbeit. Sie erlag mit 62 Jahren, ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes, einer Lungenentzündung.


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Diese viel beachteten Ausführungen, die später von Janine Chasseguet-Smirgel in ihrer Einleitung zu dem Sammelband Psychoanalyse der weiblichen Sexualität wieder aufgegriffen wurden, bildeten das Exposé für eine von Josine Müller-Ebsen geplante größere Arbeit über "Die infantile Weiblichkeit im Narzißmus". Sie konnte jedoch ihre Forschungen nicht zu Ende führen, da sie auf einer Schiffsreise zu den Kanarischen Inseln an einer Lungenentzündung starb.


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1947 wanderten Laura und Fritz Perls in die USA aus und eröffneten eine Privatpraxis in New York. 1952 gründeten sie mit Paul Goodman das New York Institute for Gestalt Therapy, das von Laura Perls geleitet wurde, nachdem Fritz Perls seinen Schwerpunkt nach Kalifornien verlegt hatte. 1976 gab sie ihre Privatpraxis auf und widmete sich nur noch der Ausbildungstätigkeit. Laura Perls übte einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Gestalttherapie aus, veröffentlichte selbst jedoch nur wenig. Von 1969 bis 1989 reiste sie jeden Sommer nach Europa und leitete Workshops in England, Holland und Belgien, später auch in Deutschland.
1990 kehrte sie nach Pforzheim zurück und lebte dort bis zu ihrem Tod in einem Altenheim.


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1974 kehrte sie nach Bremen zurück und beteiligte sich an der Gründung der Psychoanalytischen Arbeitsgemeinschaft Bremen der DPV, später Bremer Psychoanalytische Vereinigung. In dieser Zeit lernte sie auch ihren Mann, den Bremer Psychoanalytiker Heinrich Jordt, kennen. Seit 1971 ist Edith Raisisch-Jordt Lehr- und Kontrollanalytikerin der DPV.



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Margarete Seiff übernahm Vorlesungen, Lehr- und Kontrollanalysen am 1947 gegründeten Berliner Institut für Psychotherapie, sie hielt Vorträge an Volkshochschulen und führte 1949 als freie Mitarbeiterin am Berliner Zentralinstitut für psychogene Erkrankungen die bis dahin in Deutschland unbekannte analytische Gruppentherapie ein.
Nach ihrem Umzug 1951 nach Bonn war Margarete Seiff maßgeblich am Aufbau psychoanalytischer Institute in Köln und Göttingen beteiligt, durch Lehr- und Kontrollanalysen indirekt auch an der Gründung der Institute in Hannover und Freiburg. Außerdem war sie 1954 Mitgründerin des Landeskrankenhauses Tiefenbrunn, einer Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie.



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1951 ging sie also wieder nach Spanien, um in Madrid die psychoanalytische Ausbildung zu übernehmen. In den folgenden drei Jahren führte sie mit neun Ärzten, zwei Psychologen und einer Schulleiterin Lehranalysen durch und übernahm darüberhinaus Kontrollanalysen, therapeutische Behandlungen und theoretische psychoanalytische Veranstaltungen. Die von ihr mitgegründete Asociacion Psicoanalìtica Española wurde kurz vor ihrem Tod vom frankistischen Innenministerium anerkannt.



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Besonders beeinflusst wurde Edith Weigert-Vowinckel durch Harry Stack Sullivan, auf dessen interpersonale Theorie sie sich bezog, sowie durch Frieda Fromm-Reichmann und ihre intensive Psychotherapie für Schizophrene. Wie die Neofreudianer relativierte sie den Ödipuskomplex und die infantile Sexualität, bemühte sich aber um eine Synthese zwischen Freud und Sullivan. Auf der Grundlage des Existenzialismus definierte sie Psychopathologie als Verlust von Vertrauen, Hoffnung und Authentizität und setzte sich in ihren Schriften oft mit der Angst auseinander, die sie als ein Gefahrensignal für drohende Vereinsamung und Vertrauensverlust ansah.



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Sie hielt schwerpunktmäßig Seminare ab zur Kinderpsychologie und Kindertherapie, zu Fragen der psychoanalytischen Technik sowie über das Verhältnis der Psychoanalyse zu Ethnologie und Kunst. Ihr besonderes Interesse galt der Bildenden Kunst und Kinderzeichnungen, in beidem stellt sich ihrer Ansicht nach das Unbewusste unmittelbar dar. Marie Louise Werner wurde als vitale und starke Persönlichkeit beschrieben, die ein weniger theoretisches als intuitives Verständnis für tiefenpsychologische Zusammenhänge besaß.



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© 2007-2012 Brigitte Nölleke