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Franciszka Baumgarten Marie Benová Therese Bondy Berta Bornstein (Österreich) Steff Bornstein Frances Deri (Deutschland) Helene Deutsch (Österreich) Michalina Fabian Roth Eugenia Fischer Elisabeth Gerö-Heymann |
Mira Gincburg (Schweiz) Berta Grünspan (Israel) Salomea Gutmann (Österreich) Edit Gyömröi (Ungarn) Hanna Heilborn-Fenichel (Deutschland) Salomea Kempner (Deutschland) Judith Kestenberg (Österreich) Yela Löwenfeld (Deutschland) Alice Miller (Schweiz) Sophie Morgenstern (Fankreich) |
Christine Olden (Österreich) Lili Peller-Roubiczek (Österreich) Beata Rank (Österreich) Annie Reich (Österreich) Hanna Segal (England) Eugénie Sokolnicka (Frankreich) Frida Teller (Österreich) |
Die im russisch-polnischen Lodz geborene Franciszka Baumgarten war vermutlich keine ausgebildete Psychoanalytikerin. Bekannt wurde sie vor allem als Pionierin der Psychotechnik. Die Tochter eines jüdischen Textilfabrikanten, die sich früh für sozialistische Ideen begeisterte, begann 1905 in Krakau Literatur, Philosophie und Psychologie zu studieren. 1906/1907 hörte sie in Paris Philosophie, Physik und Chemie (u. a. bei Marie Curie), ging dann nach Zürich und promovierte 1910 über Die Erkenntnislehre von Maine de Biran. Im gleichen Jahr belegte sie bei Oswald Külpe in Bonn eine Einführung in die Experimentalpsychologie, wechselte 1911 nach Berlin und wurde eine Schülerin von Hugo Münsterberg, dem Begründer der Psychotechnik.
Von 1911 bis 1914 lebte Franciszka Baumgarten wieder in Lodz und hielt dort Vorträge über Psychotechnik, aber auch über die Psychoanalyse. 1912 erschien in der Zeitschrift Neurologia Polska ein umfangreicher Aufsatz von ihr über Sigmund Freuds Traumdeutung. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs zog sie nach Berlin und verbrachte dort von 1914 bis 1924 ihre wissenschaftlich produktivste Phase. Sie beteiligte sich unter anderem an Berufseignungsuntersuchungen und war bis 1924 Mitglied der Kommission zur Prüfung besonders begabter Berliner Gemeindeschüler. Seit 1922 gehörte sie dem Vorstand der neugegründeten Internationalen Psychotechnischen Vereinigung an.
1924 zog Franziska Baumgarten in die Schweiz und heiratete den Direktor der Kantonalen Heil- und Pflegeanstalt Rosegg in Solothurn, Moritz Tramer (1882-1963). Sie setzte ihre wissenschaftlichen Untersuchungen in der Schweiz fort, habilitierte sich 1929 an der philosophisch-historischen Fakultät in Bern und hielt dort von 1930 bis zu ihrer Emeritierung 1954 Vorlesungen über Psychotechnik und arbeitspsychologische Themen. Zu ihren wichtigsten Publikationen zählen Die Berufseignungsprüfungen (1928) und Die Psychologie der Menschenbehandlung im Betrieb (1930). Sie entwickelte u. a. einen Sprüchetest zur Feststellung der Arbeitsgesinnung und interessierte sich besonders für das Persönlichkeitsmerkmal der Sozialibilität, d. h. der Befähigung zum sozialen Lernen.
Franciszka Baumgarten litt seit den 1930er Jahren an progressiver Schwerhörigkeit und einem Augenleiden. Sie starb verarmt in einem Spital. (Artikelanfang)
Die Psychologin Marie Benová schloss sich in den 1930er Jahren der Prager Psychoanalytischen Arbeitsgemeinschaft an und machte eine Analyse bei dem in Berlin ausgebildeten slowakischen Psychoanalytiker Emanuel Windholz. Ihr Interesse galt vor allem der Analyse von Kindern und Jugendlichen. Nach dem Zweiten Weltkrieg hielt sie Pädagogik-Vorlesungen an der Prager Karls-Universität. Als Direktmitglied der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung gehörte sie zu den AnalytikerInnen, die nach der kommunistischen Machtergreifung 1948 die psychoanalytische Ausbildung in der CSSR privat fortsetzten. Sie starb 1985 in Prag.
Therese Bondy war in den 1930er Jahren Analysandin von Otto Fenichel und Mitglied der Prager Psychoanalytischen Arbeitsgemeinschaft. Mit Steff Bornstein und Theodor Dosužkov gehörte sie zu den PsychoanalytikerInnen, die 1939 nach dem Überfall der Deutschen auf die Tschechoslowakei das Land nicht verließen und in Prag blieben. Sie wurde von den Nazis verhaftet und zusammen mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn Richard in Auschwitz ermordet.
Die Kinderanalytikerin Stefanie (Steff) Bornstein wurde am 12. März 1893 in Krakau als Tochter einer jüdischen Kaufmannsfamilie geboren, ihr Vater Getzel Bornstein war von Beruf Ingenieur. Kurz nach der Geburt ihrer jüngeren Schwester Berta Bornstein zog die Familie nach Berlin. Steff Bornstein wurde Fürsorgerin und arbeitete als heilpädagogische Lehrerin, bevor sie 1924 gemeinsam mit ihrer Schwester eine psychoanalytische Ausbildung in Berlin begann.
Steff Bornstein machte ihre Lehranalyse bei Josine Müller-Ebsen und wurde 1930 Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft. Von 1931 bis 1932 nahm sie an den von Siegfried Bernfeld geleiteten Treffen der Pädagogischen Arbeitsgruppe teil, wo sie in ihrem Referat Die Psychologie des Erziehers einen von ihr analysierten Fall einer neurotischen Erzieherin schilderte. 1933 übernahm sie das AnfängerInnenseminar für Pädagogen und gemeinsam mit Jeanne Lampl-de Groot das Fortgeschrittenenseminar. In dieser Zeit veröffentlichte sie mehrere Aufsätze, darunter eine Interpretation des Dornröschen-Motivs, das sie als Angst vor Menstruation und Defloration und vor einer die Sexualität verbietenden Mutter deutete.
Nach Hitlers Machtübernahme emigrierte Steff Bornstein 1933 nach Prag und organisierte gemeinsam mit Frances Deri und Annie Reich den Aufbau der Prager Psychoanalytischen Arbeitsgemeinschaft. Sie spezialisierte sich auf die Arbeit mit Kindern und leitete in Prag ein Seminar über die Grundlagen der Kinderanalyse für Kindergärtnerinnen, Ärzte und Ärztinnen. Außerdem hielt sie öffentliche Vorträge zur Psychoanalyse, in denen sie Fragen der Erziehung, der Entwicklungspsychologie und der infantilen Sexualität behandelte. 1937 referierte sie auf einer Tagung in Budapest über Mißverständnisse in der psychoanalytischen Pädagogik, zu deren typischen Fehlern sie die Angst vor negativen Gefühlen des Kindes zählte.
Nachdem Steff Bornstein 1935 offenbar vergeblich versucht hatte, eine Arbeit als Analytikerin in Mailand zu bekommen, bemühte sie sich um eine weitere Aufenthaltserlaubnis für Prag. Um die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft zu erlangen, heiratete sie 1936 den tschechisch-jüdischen Psychoanalytiker Emanuel Windholz, der drei Jahre später in die USA emigrierte. (Artikelanfang)
Steff Bornstein-Windholzowa blieb auch nach dem Überfall der Deutschen auf die Tschechoslowakei in Prag und war die letzte Vorsitzende der Prager Arbeitsgemeinschaft. Möglicherweise hat sie sich noch um eine Ausreise in die USA bemüht. Sie war jedoch schwer krank und starb 1939 in Prag an einem Herzinfarkt.
Michalina (Micea) Endelmann wurde als Tochter jüdischer Eltern in Warschau geboren. Sie studierte in Berlin, Wien und Paris Medizin und spezialisierte sich auf die Psychiatrie. Nach ihrer ersten Ehe mit dem Kunstmaler Marcel Slodki heiratete sie 1928 den Zahnmediziner Ewald Fabian (1885-1944), der mit Ernst Simmel die Zeitschrift Der Sozialistische Arzt herausgab. Durch diese Heirat im Besitz eines deutschen Passes, wurde Micea Endelmann-Fabian in Berlin zum Staatsexamen zugelassen. Die Machtübernahme Hitlers zwang sie, 1935 mit ihrem Mann und Sohn Tommy nach Prag zu emigrieren. Hier schloss sie sich der Prager Psychoanalytischen Arbeitsgemeinschaft an und erhielt ihre psychoanalytische Ausbildung bei Otto Fenichel. Nach dem Überfall auf die Tschechoslowakei floh die Familie nach Frankreich und von dort 1940 in die USA.
Michalina Fabian arbeitete am Hillside Hospital in New York und von 1944 bis 1949 an der Menninger Clinic in Topeka. Anschließend eröffnete sie in New York eine psychoanalytische Privatpraxis. In dieser Zeit heiratete sie den Künstler und Designer Harry Roth. 1952 kehrte sie an die Menninger Clinic in Topeka zurück, wo sie in leitender Position tätig war und zur Präsidentin der Topeka Psychoanalytic Society gewählt wurde. 1968 zogen Micea und Harry Roth nach Woodstock, New York. Micea Roth war für mehrere Institutionen als Beraterin und Dozentin tätig, darunter die Medical School of the University of Albany und die Chicago Medical School. 1969 erlag sie einem Leberkrebs.
Eugenia Fischer wurde in Prag geboren als Tochter des 1921 in die Tschechoslowakei emigrierten russischen Psychoanalytikers Theodor Dosužkov und seiner Frau Vera. Sie studierte an der Prager Karls-Universität Medizin, bevor sie nach dem Einmarsch der Warschauer Pakt-Truppen 1969 nach Deutschland emigrierte. In Prag gehörte sie in den 1960er Jahren der inoffiziellen Psychoanalytischen Arbeitsgruppe an und wurde dann Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung und der IPV.
Eugenia Fischer, die mit dem ebenfalls aus Prag stammenden Psychoanalytiker René Fischer (*1932) verheiratet ist, veröffentlichte Aufsätze zur Geschichte der Psychoanalyse in der Tschechoslowakei und in Russland. Sie praktiziert heute in Alt Oberliederbach als Fachärztin für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychoanalyse und gehört dem Frankfurter Psychoanalytischen Institut an.

Elisabeth (Lilo) Heymann, Tochter eines deutsch-jüdischen Facharztes für Geburtshilfe, verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Berlin. 1919 ging sie zum Studium nach Heidelberg, kehrte aber nach einem Semester aus Heimweh wieder nach Berlin zurück und absolvierte dort eine Ausbildung zur Sozialarbeiterin. Als sie ihren Mann, den aus Ungarn stammenden Wilhelm Reich-Schüler György Gerö (1901-1993), kennenlernte, machte dieser zur Bedingung ihrer Heirat, dass sie sich wie er einer Psychoanalyse unterzog. Die Ehe scheiterte, aber Elisabeth Gerö-Heymann hatte ihre Berufung gefunden.
Sie begann kurz vor der Machtübernahme Hitlers eine Analyse bei Frances Deri in Berlin. Wie diese emigrierte sie 1933 nach Prag und beteiligte sich am Aufbau der Prager Psychoanalytischen Arbeitsgemeinschaft, während György Gerö Otto Fenichel und Wilhelm Reich nach Skandinavien folgte. Als Frances Deri 1936 in die USA ging, setzte Elisabeth Gerö-Heymann ihre Analyse bei dem Freudomarxisten Otto Fenichel fort, der 1935 die Leitung der Prager Psychoanalytischen Arbeitgemeinschaft übernommen hatte. Mit der Vorstellung einer Fallanalyse und einem Referat über Das Ich und die Abwehrmechanismen von Anna Freud wurde sie Analytikerin der Prager Arbeitsgemeinschaft.
Nach dem deutschen Überfall auf die Tschechoslowakei emigrierte Elisabeth Gerö-Heymann 1939
nach London, wo sie ihre Ausbildung bei Anna Freud fortsetzte und Mitglied der British Psycho-Analytical Society wurde. Während ihrer Tätigkeit an der Hampstead Child Clinic stellte sie fest, dass ihr die Kinderanalyse nicht lag, und konzentrierte sich fortan auf die Analyse von Erwachsenen.
1947 wanderte sie in die USA aus und ließ sich als Psychoanalytikerin in New York nieder. Sie konnte jedoch, da sie über keine medizinische Ausbildung verfügte, nicht Mitglied der New York Psychoanalytic Society werden und trat daher der New York Society of Freudian Psychologists - heute New York Freudian Society (NYFS) - bei, einer Institution für Laienanalytiker. Elisabeth Gerö-Heymann, die sich bei wichtigen Fragen stets auf Otto Fenichel berief, wurde Lehranalytikerin der NYFS und war noch mit 87 Jahren Vizepräsidentin dieser Gesellschaft.