Psychoanalytikerinnen. Biografisches Lexikon

Geschichte der Psychoanalyse in Italien

Biografien

Das Schwergewicht der SPI lag lange auf der klassisch freudianischen Theorie, wie sie Musattis berühmtes Trattato di psicoanalisi seit 1949 vermittelte. Stark vertreten sind bis heute die Strömungen der englischen bzw. kleinianischen Psychoanalyse, aufgegriffen u. a. von den namhaften Repräsentanten der dritten Generation Franco Fornari, Eugenio Gaddini und Francesco Corrao. Der in Italien kaum verankerte Lacanianismus ist vor allem mit dem Namen Armando Verdiglione verbunden.


Entwicklung seit den 1960er Jahren

Die italienische Psychoanalyse brachte keine eigene Denkschule hervor und übte wenig Einfluss auf die intellektuellen Milieus Italiens aus, in denen marxistisches Denken vorherrschte. So berief sich Franco Basaglia, der italienische Vertreter der Antipsychiatrie, auf marxistische Denktraditionen, während er die Psychoanalyse als kapitalistisches Anpassungsinstrument verwarf. Erst in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre bahnte sich ein konstruktiver Dialog zwischen Marxismus und Psychoanalyse an.
Nach den institutionskritischen Turbulenzen der 1960er und 1970er Jahre - aufseiten der Kritiker besonders Enzo Morpurgo und Giovanni Jervis - entstanden unabhängig von den drei Lehrinstituten der SPI in allen größeren Städten Italiens psychoanalytische Zentren: neben den ersten Zentren in Rom und Mailand auch in Bologna, Florenz, Palermo, Neapel, Venedig, Genua und Turin (SPI-Zentren). Anfang der 1990er Jahre umfasste die SPI rund 500 Mitglieder. Neben der SPI bildeten sich die Associazione di Studi Psicoanalitica (ASP), seit 1989 Mitglied der International Federation of Psychoanalytic Societies (IFPS), und die Associazione Italiana di Psicoanalisi (AIPsi), die sich 1992 von der SPI abspaltete und ein Jahr später von der IPA anerkannt wurde. Zu ihren Gründungsmitgliedern zählten Emilio Servadio und Jacqueline Amati-Mehler.


© 2007-2012 Brigitte Nölleke